Auf der anderen Seite

Eine Woche Sinnflut-Festival ist vorbei und auch mein vorübergehender „Job“ als Verkäuferin für wunderbaren Näh-Schnickeldi. Für mich war es eine ganz neue Erfahrung, denn nachdem ich zugesagt hatte, den Stand zu machen, fing ich an zu überlegen und kam zu dem Ergebnis, das ich tatsächlich noch nie in meinem Leben in einem Laden oder einem Stand etwas verkauft habe. Aus irgendeinem Grund mochte ich das nie und daher waren meine Studentenjobs, die ich hatte, immer Bürojobs – abgesehen von einem kurzen, hochst unerfreulichen Intermezzo im Lager eines Kleidergiganten, aber das ist dann wieder eine andere Geschichte. Selbst in der Schule hatte ich mich immer  erfolgreich vor dem Verkaufsstand am Weihnachtsbazar gedrückt. Dafür jetzt.

Nun stand ich also auf der anderen Seite der Theke beziehungsweise des Standes. Das bringt eine Menge neue Erfahrungen und gleichzeitig auch viele Fragen: Wenn sich jemand dem Stand nähert, wann spreche ich die Person an? Würde ich selber angesprochen werden wollen oder würde ich lieber „ungestört“ gucken wollen. Oder wirkt es vielmehr desinteressiert, wenn ich die Person nicht anspreche? Irgendwann, nach einigen zögerlichen und nachdenklichen Stunden, beschliesse ich, diese Fragen einfach zu missachten und einfach wild draufloszuquatschen. Ab da fing die Sache an, Spass zu machen. Sowie das strahlende Gesicht dieses Mädchens, dass mit seiner Familie, Eltern, zwei Kinder im Teenageralter und ein ganz kleines süßes Nachzügler-Baby, kam und sich eine Hülle fürs Hausaufgabenheft aussuchen durfte. Sowie die alte Frau, die mir zeitweise etwas verwirrt schien, und die so leise sprach, dass ich sie kaum verstehen konnte, die aber gleich zwei Kissen kaufte.  Sowie die Teenie-Mädels, die sich nur mit Hilfe der ganzen Clique und nach einer demokratischen Abstimmung für eine Handyhülle entscheiden konnten (habe danach nur leider verärgert feststellen müssen, dass sie anscheinend doch im allgemeinen Trubel mehr als eine Handyhülle mitgenommen hatten.) Sowie das Mädchen, das am Stand vorbeikam und begeistert rief: „Dawanda! Ich liebe Dawanda! Ihr seid  so toll, ich könnte stundenlang auf Dawanda stöbern.“ und auf meinen vorsichtigen Einwand, dass wir nicht „Dawanda“ sind, sondern nur ein Shop auf Dawanda und nur Nähsachen verkaufen, völlig unbeirrt und begeistert weiterschwärmte: „Jaja, aber Ihr seid so toll. Ich find Dawanda klasse, ganz besonders gefallen mir immer die Ohrringe…“ 😉 Sowie die – überwiegend männlichen – Standnachbarn, die neugierig vorbeikamen und nachschauten, was wir denn da verkaufen. So schön war das, all diese verschiedenen, kunterbunten, interessanten Menschen!

Am letzten Tag hatte ich endlich auch einmal Gelegenheit, selber über das Festival zu streifen und musste dabei feststellen, dass ich wohl eine Schande für meine eigene Zunft wäre. Am meisten interessiert mich auf Festivals dies viele  gute Essen aus aller Herren Ländern. An Schmuck-, Glitziglitzi- und Schnickeldiständen dagegen gehe ich meistens ziemlich schnell vorbei, ich habe eine leichte Phobie vor noch mehr Staubfängern hier im Ansku’schen Domizil. Wie dem auch sei, hauptsache die anderen haben fleissig gekauft! 😉

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