Frühförderung

Ich arbeite ja in „MediaCity“, dort wo sich eine Reihe bekannter und unbekannter TV- und sonstige Medienfirmen angesammelt und breitgemacht haben. Auf dem Weg zur Arbeit laufe ich zur Zeit jeden Morgen an einem Betriebskindergarten vorbei. Mitte der Woche aber hatte ich lieben Übernachtungsbesuch aus Hamburg und war deshalb auch am darauffolgenden Morgen erst nachdem ich den lieben Besuch mit Frühstück und Reiseproviant versorg und in den Bus zum Bahnhof gesetzt hatte später spät gegen Mittag im Büro.

Ich lief also bei strahlendem Sonnenschein wie gewohnt an dem Kindergarten vorbei, und bemerkte erfreut, dass die Kindergartenkinder heute draussen spielen. Doch irgendetwas an der Szene war irritierend. Ich blieb kurz stehen und betrachtet das faszinierende Bild, das sich mir bot:

Unten spielten die Kinder im Sandkasten und über ihnen am Gebäude pragt gross, rot und weithin sichtbar das Logo eines bekannten deutschen Fernsehsenders.

Das nennt sich dann wohl auch Frühförderung? 😉 Betriebskindergärten sind was faszinierendes.

Mission completed

Mein Koffer und das Nähmaschinchen reisten gestern schon wie Taxi „Papa“ nach Hause und ich mache hier gerade nur noch meine Strophe fertig, um die werten Altmeister des HipHop zu zitieren. Die Jungs haben tatsächlich gestern Bad und Toilette geputzt, Waschmaschine und Spülmaschine laufen auf Hochtouren, die Küche wird gerade noch poliert dass sie blitzt, dann ist alles bereit für die Rückkehr des werten Kollegen. Und meinen Abgang. Ich darf heute nach 17 Tagen Outback und Teenie-Hölle endlich wieder nach Hause. Nach Hause und zurück in mein Leben. Zumindest fühlt es sich so an. Obwohl ich mich eigentlich nicht aus der Stadt fortbewegt habe und zwischendurch ja auch zuhause war, Freunde gesehen und mit der Familie telefoniert habe, stellte ich doch in den letzten Tagen fest, dass ich genauso gut zwei Wochen in der Karibik hätten gewesen sein können. Gefühlt. Es war so anders, dass es mir fast schon etwas schwer fällt, hier Abschied zu nehmen und „mein“ Zimmer und meine Wohnung wieder zu verlassen. Komisch fühlt es sich an, der Gedanke an meine Wohnung und mein eigenes Leben, in dem ich jederzeit und ohne mich abzusprechen aus dem Haus gehen kann. So ungewohnt. Es war ein komplett anderes Leben hier, eine andere Welt. Es war nicht leicht, aber es war auch nicht besonders schwer. Es war Frühstück frühmogens im Sonnenschein auf dem Balkon und es war Wiesn-Gaudi nachts um zwölf.  (Allerdings danach eigentlich gar nicht mehr, Respekt!)

Sept1

Es waren entspannte Spaziergänge morgens zum Bäcker – die habe ich wirklich geliebt – und es war Unfreiheit, Gebundensein, Verantwortung. Es waren wahnsinnig interessante Teamsitzungen und es war Langeweile. Es waren Wäscheberge ohne Ende und es war Spass mit den Jungs. Überhaupt die Jungs waren und sind einsame klasse. „Meine“ Jungs.

Es war wunderschön und es war manchmal megaanstrengend. Und es hat Blickwinkel verändert, auf das was ich tue und tun werde, ganz gewaltig. Zum Positiven und zum Negativen. Es sind so viele kleine Puzzleteile, so viele Momente und Erlebnisse, dass ich sie wahrscheinlich erst in ein paar Tagen sortiert und zu einem vollständigen Bild zusammengesetzt haben werde. Aber jetzt schon kann ich sagen, dass ich viel positives Feedback bekommen habe und ich ein klein wenig stolz bin und sehr glücklich, dass wir das so gut geschafft haben.

Heute fliege ich also zurück in mein Leben, meine Wohnung, mein Bett. Meine Freiheit.

Sept2

Freud und Leid

Freud und Leid liegen nah beieinander, oder auch des einen Freud, des anderen Leid. In diesem Fall liegen Freud und Leid sogar bei derselben Person. Ich „muss“ bis zum Monatsende, also bis Donnerstag noch hier in der Teenie-Hölle das ganze restliche Haushaltsgeld ausgeben und zerbreche mir den Kopf, was ich dafür kaufen könnte. Aus irgendeinem Grund ist immer noch eine beträchtliche Summe Haushaltsgeld für die Jungs (und mich) da und aus irgendeinem Grund muss dieses Haushaltsgeld bis Ende des Monats komplett (oder so gut wie komplett) ausgegeben sein. An sich wäre das für mich (natürlich) kein Problem, aber es ist nunmal nicht so, dass ich eben mal zu Feinkost Käfer gehen kann und beispielsweise eine Palette Kaviar kaufen könnte und zack die Bohne! ist mein Problem gelöst. Noch nicht mal Obst und Gemüse geht in größeren Mengen! Es würde doch sowieso nicht gegessen werden, die eingeschränkte Nahrungsmittelauswahl, Sie verstehen?

Und während ich hier so sitze und nachdenke und grübele, wie ich irgendwie Geld ausgeben kann und welche Vorräte ich wie noch auffüllen könnte, herrscht gerade auf meinem eigenen Konto gähnende Leere und das Geld, was ich bei mir habe, reicht mit etwas Glück noch für einen Cappucino, also zumindest bis in den nächsten Tagen irgendwann das nächste Gehalt kommt…

Einmal MUSS ich Geld ausgeben und weiss nicht wie, einmal kann und darf ich kein Geld ausgeben und wüsste so vieles… Bisschen verrückt gerade hier. Und irgendwie schon auch lustig.

(Vermutlich wird es auf einmal Wiesn oder einmal Essen gehen mit den Jungs hinauslaufen.)

Ansonsten alles hier mal mehr anstrengend, mal weniger. Meine Erkältung und die Wäscheberge haben mich weiterhin fest im Griff. Meine kurze Frühstückspause in der Sonne ist auch schon wieder vorbei, ich bedanke mich noch schnell für die vielen Kochtipps im letzten Post und geh dann mal überlegen, was es heute zu essen geben wird. 😉

Zusatzqualifikationen

Heute war’s mal wieder ein Arbeitssamstag, Workshop in der Krippe, wunderbar lehrreich wie immer und ebenfalls wie immer mit den liebsten Kolleginnen, die man haben kann.  Seit heute kann ich nicht nur ein Kind wickeln, sondern sogar sprachförderlich wertvoll Pampers wechseln. Hätte ich ja auch nie gedacht. Und apropos hätte: Hätte jemand uns da mal einer gesehen, wie wir voller Begeisterung reihum einer Puppe die Windeln wechseln, sie durchkitzeln und SelbstGespräche mit der Puppe führen und wie eine Horde erwachsener Frauen sich (im Rollenspiel und mangels anwesender Kinder) um ein BobbyCar zoffen kann, er hätte sich wohl was gedacht…

(Der Kollege, der heute statt meinereiner gefilmt hat, kommentierte irgendwann: „Ich versteh gar nicht, wozu Ihr noch Kinder braucht.“)

So Tage…

Wenige Minuten vor 16 Uhr, dem Ende der Nachmittagsbetreuung:

Frau Ansku: Kind, hast Du Deinen Platz aufgeräumt?

Kind: Ja hab ich!

(Wenig später geht Frau Ansku ins andere Zimmer und sieht, dass die Stühle noch unten sind.)

Frau Ansku: Kind, warum hast Du mich angelogen? Dein Platz ist nicht aufgeräumt, die Stühle stehen nicht auf den Tischen. Komm sofort hierher und räum auf. Und ich mag es nicht, angelogen zu werden, deshalb stellst Du die restlichen Stühle jetzt auch noch mit rauf.

Kind kommt: Aber warum denn, ich hab doch nichts gemacht?

Frau Ansku: Doch, Du hast mich angelogen als ich Dich gefragt habe, ob Du Deinen Platz aufgeräumt hast.

Kind: Aber ich hab doch aufgeräumt, Stühle hochstellen gehört da nicht dazu.

Frau Ansku: Du weisst genauso gut wie ich, dass Stühle hochstellen seit eh und je dazu gehört.

Kind: Jetzt habe ich meine Stühle hochgestellt, die anderen stelle ich nicht hoch.

Frau Ansku: Oh doch, das tust Du, weil Du mich angelogen hast.

Kind: Und wenn ich das nicht tue??

Frau Ansku: Dann könnte ich z.B. Deine Eltern anrufen und denen mal erzählen, wie Du Dich hier benimmst.

Kind: Ach, tun Sie das mal. Von denen bekomme ich eh keinen Ärger.

Frau Ansku: Du weisst schon, dass immer noch ich hier die Aufsichtsperson bin und Du zu tun hast, was ich sage, oder?

Kind (zieht das Handy aus der Tasche und guckt auf die Uhr): Oh, noch 2 Minuten, dann haben Sie mir nichts mehr zu sagen. So lange kann ich noch hier stehen und warten…

(Es gibt so Tage, da möchte ich sie am Kragen packen und schütteln.)

Forschergeist

Ich stehe am Gepäckband auf dem Flughafen Arlanda und warte auf meinen Koffer. Nebenbei beobachte ich neben mir einen kleinen Jungen, höchstens fünf oder sechs Jahre alt, der einen Kaugummi kaut. Plötzlich spuckt der Junge den Kaugummi auf den Boden. Da liegt der Gummi nun und der Junge beobachtet mehrere Minuten lang fasziniert und ganz in sich versunken den Kaugummi auf dem Flughafenboden. Irgendwann fasst er sich ein Herz und stupst vorsichtig mit dem Fuss sein Forschungsobjekt an. Als sich zunächst nichts tut, tritt er immer fester drauf, bis der Kaugummi unter dem Schuh kleben bleibt plötzlich verschwunden ist.

Gerade noch aus den Augenwinkeln habe ich mitbekommen, wie der Junge zu seiner Mutter rannte und ihr ganz stolz das Ergebnis seiner intensiven Forschungen präsentierte. Da just in diesem Moment das Gepäckband anfing zu rollen, habe ich die Reaktion der Mutter dann nicht mehr mitbekommen, kann sie mir aber gut vorstellen. 😉