Morgendämmerung

Ich bin ja eigentlich nicht so der Nachtmensch. Nachts ist es dunkel, ich sehe sowieso nichts, also möchte ich nachts schlafen und dann am nächsten Morgen, wenn es wieder hell ist, aufstehen. Manchmal allerdings tut mir das leid, weil ich mich noch gut daran erinnere, dass es früher so ein irres Gefühl war, nach einer durchfeierten Nacht im Sommer früh um vier oder fünf Uhr die Sonne aufgehen zu sehen. (In Finnland, da ging die Sonne ja immer schon um zwei oder drei Uhr auf, das war noch toller, wenn man den kompletten Heimweg bei Sonnenschein läuft, aber das ist dann wieder eine andere Geschichte.) Mit zunehmendem Alter aber schaffe ich es einfach nicht mehr, die Nacht durchzumachen und somit schlafe ich wenn morgens um vier oder fünf die Sonne aufgeht gerade am allerbesten und allertiefsten.

Nun ist das aber so, dass man in dieser Stadt, dies sich Großstadt, ja sogar Metropole schimpft, manchmal ganz schön auf dem Trockenen sitzen bleiben kann, wenn man nachts nach 1.30 Uhr gerne nach Hause fahren möchte. Meine Zweifel, wirklich in einer Großstadt zu wohnen, wurden letzte Woche also auf eindrucksvolle Weise nochmal bestätigt, als die liebste Freundin und ich nach einem laaaangen Double-Feature-Kinoabend gegen 2.30 Uhr nach Hause aufbrechen wollten und dort in der Nähe nichts fuhr. Keine Nachttram, kein Nachtbus. Nachfragen beim Kinopersonal halfen uns ebensowenig weiter, die Herren waren alle schön gepflegt mit dem Auto unterwegs. Wir standen also da, mitten in der Großstadt, mitten im Nichts.

Ich mach es kurz. Knapp zwei Stunden später stieg ich nach einem Fussmarsch durch halb München todmüde und mit zum Bersten gefüllter Blase aus der Nachttram an unserer Haltestelle aus und machte mich auf die letzten 10 min. nach Hause. Und plötzlich kam mir das Licht so anders vor als noch vor einigen Minuten, so diffus und ungewohnt hell. Ich sah mich um und erblickte am Horizont doch tatsächlich einen kleinen Streifen Dämmerung. Das war ein unwahrscheinlich schönes Blau, ein leuchtendes marineblau, nicht mehr dunkelblau, aber auch noch nicht hell und ich lief gerade darauf zu. Plötzlich war ich dann doch wieder mit einem Schlag hellwach und konnte mich gar nicht genug sattsehen und diesem zarten, feinen, schönen Blau des noch so jungen Tages. Diese Stimmung von etwas Neuem, noch Ungewissen, während ich durch die Nachbarschaft lief, war genau so, wie ich sie von vor vielen Jahren in Erinnerung hatte und machte Lust auf mehr. Lust gar nicht mehr ins Bett zu gehen, sondern weiter diesen faszinierenden Morgen, den Anfang eines neuen Tages zu beobachten.

Unfreiwillig oder nicht, dafür hat sich das lange Aufbleiben dann irgendwie doch gelohnt.

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