Wenn‘s am schönsten ist

Es geht ja immer so auf und ab mit diesem alleine-leben-Dingsi. Es gibt gute Zeiten, da bin ich sehr glücklich über meine Freiheiten, auf niemanden Rücksicht nehmen zu müssen, alles tun zu können was ich möchte. Und dann gibt es nicht so gute Zeiten, da ist das alleine leben eben… alleine. Leer. Einsam. Solche Phasen gibt es, sie ziehen auf und ziehen wieder vorbei. Ich bin nicht einsam, ich habe wundervolle Freunde, aber das schwierige an wundervollen Freunden ist, dass man sich eben auch von Ihnen manchmal (kurzzeitig) trennen muss. Und zwar genau dann wenn es am schönsten ist. Und dann ist man wieder alleine.

Wir hatten einen wunderschönen Tag, ich und meine Freundin und ihr Mann. Ein furchtbar leckeres Frühstück, raus in die Sonne, Spazierengehen, gute Gespräche, Eiskaffee in der Sonne, das Frühlingsgrün, das Glitzern des Wassers, das umwerfende Blau des Frühlingshimmels, Lachen, Fliederduft, tiefes Verstehen. Am Abend fahren wir nach Hause, der Abschied naht, und je mehr wir uns dem Haus nähern, merke ich wie mein Herz schwer und schwerer wird, obwohl es doch eigentlich leicht ist nach all diesen schönen Erlebnissen. Ich spüre, wie sich mein Magen ein wenig zusammen zieht, möchte gerne noch ein wenig diesem wunderbaren Moment festhalten. Ich fürchte mich vor der Leere nach diesem prall gefüllten Tag, ich fürchte mich vor der Stille nach all diesem schönen Zusammen, nach all diesen sonnenverwöhnten Gesprächen. Ich frage mich, warum es gerade in solchen Momenten so schwer ist loszulassen, warum es gerade in solchen Situationen nicht reicht, von den schönen Erlebnissen zu zehren. Mein Kopf sucht nach weiteren unverfänglichen Gesprächsthemen, um den Moment noch ein wenig zu strecken, um den Abschied, das „Mach’s gut, bis bald mal“, die Stille hinter der geschlossenen Tür noch etwas hinauszuzögern. Am liebsten möchte ich betteln: Bitte lasst uns noch zusammen Abend essen. Nur noch 30 Minuten! Wie ein Kind, das nicht ins Bett gebracht werden will, geht es mir durch den Kopf. Ich will ansetzen etwas zu sagen und unterbreche mich selber. Ich bin kein Kind, ich bin erwachsen. Es hat keinen Sinn, die Szene noch künstlich in die Länge zu ziehen, es war ein toller Tag und es ist nun vorbei. Zeit sich zu verabschieden. „Macht’s gut“, sage ich. „Einen schönen Abend noch“, und ich weiß nicht ob ich das auch wirklich so meine. Die Haustür fällt ins Schloss und ich renne das Treppenhaus hinunter, an die frische Luft. Der Knoten in meinem Hals wird ziemlich groß. Hey, denke ich mir, warum jetzt so betrübt, es war so ein schöner Tag? Ich kämpfe weiter gegen den Kloß in meinem Hals an. Ich möchte nicht nach Hause, in die Stille, aber ich gehe dennoch durch den duftenden Park nach Hause. Beim Laufen wird der Kloß langsam kleiner, ich entspanne mich. Ich schließe meine Wohnungstür auf und bin zuhause. Etwas verwirrt und wehmütig und orientierungslos, aber ich bin zuhause. Ich setze mich aufs Sofa und sehe mir im ApfelPhone die Photos an von diesem schönen Tag. Die Sonne, die Frühlingsfarben, das Glitzern des Wassers, ich und meine Freundin lachend vor einem Brunnen. Ich muss leise Lächeln. Nein, ich bin nicht alleine. Aber manchmal ist der Abschied auch am schwersten, wenn es am schönsten ist.

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Nur geträumt (2)

Samstag, 03.03.: Ich bin auf einem Klassentreffen mit den alten Schulkameraden, die Stimmung ist ausgelassen und noch feuchter als fröhlicher. Ich sitze inmitten der feiernden Menge mit meinem Glas Weißwein und nippe daran. Nein, ich versuche daran zu nippen, denn jedes Mal wenn ich das Glas zum Mund führe, kommt der Hund (eine Dogge???) meines Klassenkameraden und will seine feuchte, sabbernde Schnauze ins Glas hängen. Wohlgemerkt, ich habe diesen Hund einmal in meinem Leben gesehen, auf der 30. Geburtstagsparty der Zwillinge vor fünf Jahren in einem verlassenen Kaff in der Oberpfalz. Ich reiße den Arm mit dem Glas hoch, mache die unmöglichsten Verrenkungen, versuche den Hund abzuwehren und zu verscheuchen, aber sobald ich auch nur den Gedanken habe, das Glas zum Mund zu führen, ist die Schnauze wieder da. Also heute kein Weißwein für mich.

05.03.: Ich hab Urlaub, endlich! Lange herbeigesehnt und so sehr verdient. Ich bin in Griechenland, ein Super-Angebot eines Reiseveranstalters, die Fotos im Hochglanzkatalog vom allerfeinsten. Blaues Meer, Sonne, weißer Strand, es ist so schön. Die Realität sieht… anders aus. In Griechenland auf einer Insel mitten im tiefblauen Meer schneit es. Es schneit sogar so sehr, dass man kaum das Hotel verlassen kann, geschweige denn möchte. Dennoch kommt ein Mann und versucht immer wieder, ausdauernd und anhaltend, mich auf ein Schiff zu ziehen und mich zu einer Kreuzfahrt zu überreden. Dazu muss man wissen: Ich würde niemals in meinem Leben, nein, ich WERDE niemals in meinem Leben ein Kreuzfahrtschiff besteigen. Mich reizt zwar durchaus der Gedanke, an mehreren Orten anzulegen und innerhalb einer recht kurzen Zeit verschiedene Orte zu sehen, aber dann gibt es doch einige gewichtige Punkte die gegen eine Kreuzfahrt sprechen:

1. Kreuzfahrtschiffe saufen gelegentlich ab und die Überlebenschancen beim Absaufen sind recht gering.

2. Kreuzfahrtschiffe sind laut, ich möchte aber im Urlaub auch die Möglichkeit haben, Ruhe zu finden. Und wie ich neulich gelernt habe, sind sie zudem Dreckschleudern.

3. Kreuzfahrtschiffe saufen gelegentlich ab und die Überlebenschancen beim Absaufen sind recht gering.

4. Ich bin ein sehr freiheitsliebender Mensch und brauche – nur für den Kopf – die Möglichkeit aus einer Situation zu fliehen. Das berühmte Hintertürchen. Daher sind längere Aufenthalte in Räumen, aufgrund deren geographischer Lage – Höhe, Abgeschlossenheit, Ort, Luft, Wasser – das Entkommen nur schwer ist, für mich sehr schwer auszuhalten. Eine Fahrt in einem Aufzug z.B. ist nach Möglichkeit zu umgehen und Treppen steigen ist sowieso gesund, eine mehrstündige Flugreise ist gerade noch erträglich, zwei Wochen in einer schwimmenden Büchse und etliche tausend Kilometer drum herum nur Wasser wären dagegen eine ziemliche Zumutung und ich vermutlich danach reif für die Klapsmühle.

5. Kreuzfahrtschiffe saufen gelegentlich ab und die Überlebenschancen ….

tbc.

Sie sehen, keine Kreuzfahrt für mich. Und während ich da so mit Pudelmütze und Schal im eisigen Griechenland stand, der Kreuzfahrt-Typ an meinem Arm zerrte und auf mich einquasselte doch endlich seinen Kahn zu betreten (NEIN!), tauchte plötzlich neben mir eine zweite Person auf und erklärte mir, ich solle doch nicht immer so große Erwartungen an den „perfekten“ Urlaub haben, ein bisschen Flexibilität sei geboten. Weg mit den starren Vorstellungen von Postkartenmotiven und Hochglanz-Katalogen! Und außerdem, Urlaub ist schließlich, was DU draus machst! Ein Buch im eingeschneiten griechischen Hotelzimmer zu lesen kann doch mindestens genau so schön sein wie ein Buch im eingeschneiten Hotelzimmer in den Alpen zu lesen, auf alle Fälle ist es dort oder dort sehr gemöterlisch und entspannend! Und Entspannung, hey! Das wolltest Du doch, Ansku!

Der Schiffstyp lässt endlich meinen Arm los, ich starre diesen Hobby-Psychologen an, der da grad ins Bild gehupft ist und denke kurz darüber nach, ob alle Griechen jetzt bekloppt geworden sind (falls Griechen hier mitlesen: Natürlich nicht!!!), drehe mich dann wortlos um und gehe in mein eingeschneites Hotelzimmer zu meiner Lektüre.

Traumdeuter hier?

(Ansonsten sah die griechische Insel so mit Puderzucker-Decke ja doch recht hübsch aus, griechische Inseln sind ja recht bergig und das sah ein bisschen aus wie ein bezuckerter Guglhupf, echt hübsch. Falls also jemand auf Schnee im Sommer steht…)

Tagebuchbloggen März ’18

Mein Wecker klingelt um 7.00 Uhr und ich bin sofort hellwach, habe aber trotzdem keine Lust aufzustehen. Also drehe ich mich nochmal um auf die andere Seite, gebe aber doch um 7.24 Uhr auf und steige aus dem Bett. Die Arbeit ruft, nicht zuletzt das lästige monatliche Ritual: Kasse. Ich mache mir einen Cappuchino, widerstehe dem Drang mich aufs Sofa zu setzen und verschwinde gleich unter die Dusche. Warm-kalt-warm-kalt. Ich bin so wach, ich bin selber über mich erstaunt. Soll aber nicht lange halten.

Gegen 8.35 Uhr verlasse ich das Haus. Das Stricken im Bus zur Arbeit ist längst ein liebes Ritual geworden. In der Arbeit schminke ich mich erstmal, das schaffe ich irgendwie nie zuhause. Dann erledige ich ein paar Anrufe und Emails und gehe in den Keller, um das Fach der Waschmaschine in eine Lauge aus Essigessenz einzulegen. Man kann – oder besser gesagt Jugendliche können Waschmaschinen seeehr lange ungepflegt lassen, bis schließlich seeeehr hartnäckige Kalkablagerungen entstehen. Der ganze Keller stinkt nach Essig.

Die Kasse anzufangen lohnt sich nicht mehr, denn ich muss sehr bald gegen 10.30 Uhr wieder los. Ich habe nach langer Pause mal wieder einen Termin bei meiner Heilpraktikerin. Das war überfällig und tut mir sehr gut. Ich verlasse die Praxis gegen 13 Uhr zwar etwas nachdenklich, aber doch mit deutlich mehr Energie als die letzten Wochen. Ein Stück muss ich laufen zur Ubahn und sehe an der Theresienstrasse lauter bekannte Bars und Geschäfte, in denen ich schon viel zu lange nicht mehr war.

Vor der Ubahn gönne ich mir noch ein Panini und einen Kaffee, außerdem nehme ich fürs Team noch zwei Muffins mit. Montags haben wir Team, zwar nur noch zu zweit, aber nicht weniger wichtig. Anfangs lachte mich due Kollegin etwas aus, als ich zu Anfang des Teams eine Befindlichkeitsrunde eingeführt habe, inzwischen ist sie schon nach wenigen Wochen fester Bestandteil unserer Teambesprechung und wird mehr und mehr ausgedehnt und es tut so gut. Ich muss etwas lächeln. Nach dem Team wurschtelt jeder so für sich hin. Nach vier Uhr geht natürlich niemand mehr ans Telefon, also verschiebe ich alle zu erledigenden Anrufe auf morgen früh. Und die Kasse verschieben wir nochmal auf morgen, wir machen das zusammen, die Kollegin soll nochmal lernen wie es geht. Die letzten Wochen waren so vollgestopft mit Terminen und diese Woche ist fast nichts, da tut es so gut, mal nur im Haus zu sein und Dinge in Ruhe abzuarbeiten. So mache ich mich zum Beispiel endlich an eine Präsentation für eine Feier in drei Wochen, auf der ich unsere Einrichtung vorstellen soll. Dafür gucke ich mich durch die vielen alten Photos und muss oft wirklich sehr lachen. Irgendwann kommt die Kollegin dazu und wir kichern gemeinsam bei vielen Schnappschüssen, die nicht immer so ganz zeigenswert sind. Wir schauen auch nach einem neuen Tisch für den Gruppenraum, den wir in den Ferien renoviert haben – gemeinsam mit unseren Jungs! – und werden beim gelb-blauen Möbelschweden fündig. Zwischendurch kommen zwei, drei Jungs kurz ins Büro, ansonsten ist es aber bemerkenswert still für einen Montag Spätnachmittag/ Abend. Lachend sage ich zur Kollegin: Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir die Kasse doch schon machen können. Aber man weiß es eben nie.

Kurz nach acht Uhr erinnere ich daran, dass es höchste Zeit für Feierabend ist. Die Kollegin nimmt mich ein Stück des Heimweges mit im Auto und wir quatschen ganz entspannt über Kochrezepte. Das tut auch mal gut, kein Gedanke an Arbeit. Dabei stelle ich fest, dass ich irgendwie den ganzen Tag über immer wieder gegessen habe, auch nicht gerade wenig, hier eine Semmel, da etwas Gemüse, dort eine Mandarine, dann den Muffin und ein halbes Croissant, aber trotzdem sehr hungrig bin. Vielleicht dieses Während-der-Arbeit-essen, will I ever learn?? Nach einem Salat und etwas aufgewärmten Resten (aber sehr lecker!), nach noch ein wenig Stricken und zwei Folgen Gilmore Girls, falle ich ins Bett. Morgen klingelt schließlich der Wecker wieder um 7 und ich muss die Kasse fertigmachen. 😉

fasten

Ich bin ja sonst gar nicht der Fasten-Fan, ich sehe darin keinen Sinn, sich einige Wochen im Jahr zu kasteien und such jeglichen Genuss zu versagen, um den Rest des Jahres gierig nach jedem Stückchen Schokolade zu lechzen, das in greifbarer Nähe liegt. Wirkliche Veränderung geschieht in meinen Augen nur langfristig.

Dieses Jahr aber las ich auf Twitter einen Tweet, der mich nachhaltig beeindruckte und mich dazu verleitet, dieses Jahr auch zu fasten: Es ging in etwa darum, dass es doch mal schön wäre, wenn dieses Jahr in den unsozialen Medien einmal gemeinschaftlich Hass, Missgunst, Hetze und Intoleranz gefastet werden würde. Dann wäre das Internet doch für wenigstens ein paar Wochen ein weitaus friedlicherer Ort. Das brachte mich zum Nachdenken, Fasten muss ja nicht immer mit konkreten Entsagungen und Enthaltungen verbunden sein und vielleicht wäre das ja so in dieser Form auch etwas für mich. Ich faste nun schlechte Laune, Stress, Ärger, Sorgen, Missgunst… die Liste ließe sich noch fortsetzen. Es ist grad etwas schwer, als noch relativ frische Einrichtungsleitung Stress zu fasten, wenn diese und nächste Woche die Termine sich überschlagen, ich mich tagtäglich mit Dienstleistern über horrende Rechnungen streite auseinandersetzen muss und dabei haben wir NUR eine Putzfirma und einen Winterdienst, eigentlich meine Jugendlichen mich, meine Zeit und meine Aufmerksamkeit sehr dringend bräuchten und mein Körper mir sehr deutlich zu verstehen gibt, dass es grad alles ein wenig viel zu viel ist.

Aber es ist auch eine spannende Sache, denn ich denke grad von mir als Leitung wird erwartet, auch in Stresssituationen ruhig zu bleiben. Ich versuche also, ruhig durchzuatmen, zu lächeln, kleine Pausen und Auszeiten zu suchen und mir jeden Tag ein kleines bisschen etwas Gutes zu tun.

Schauen wir mal, wie es an Ostern aussieht.

Der perfekte Moment

Samstag, 14.01.18, irgendwann nachts um vier, in meiner Wohnung, die Luft ist alkoholgeschwängert, die Stimmung ist großartig. Die meisten Gäste haben die Party bereits verlassen, die Geschenke wurden um Mitternacht ausgepackt. Ich sitze mit fünf meiner liebsten Menschen auf dem Sofa und das iPad macht die Runde. Jeder darf sich der Reihe nach einen Song wünschen, die Münchner Freiheit singt voller Inbrunst „Tausendmal Du“ und wir singen noch ein wenig vollerer Inbrunst die ganze Playlist. Ich habe ein wenig Angst, dass gleich die Nachbarn vor der Tür stehen, aber ich kann auch nichts tun, kann die Musik nicht leiser machen; es würde den Zauber des Augenblicks zerstören, würde uns zurück katapultieren in die Realität. Es wird gelacht, es wird gesungen, es ist großartig. Und plötzlich muss ich weinen, weil es so ein perfekter Moment ist.

Weil ich hier bin, genau hier bin und nirgendwo anders. Mit genau diesem Menschen und mit keinen andern; mit Menschen die mir wichtig sind und denen ich wichtig bin. Menschen die teilweise lange Anfahrten auf sich genommen haben um mit mir meinen Geburtstag zu feiern. Weil ich diese Menschen – viele Menschen! – zu meinen Freunden zählen darf. Ich kann mich noch gut an die Zeiten erinnern, zu denen es schwer war, Freunde zu finden.

Und weil Menschen, aus verschiedensten Gruppen und von verschiedensten Bekanntschaften, die sich auf dieser meiner Geburtstagsfeier zum ersten Mal sehen, einfach so miteinander feiern, zusammen singen und sich unterhalten, als würden sie sich schon ewig kennen. Was früher auch nicht selbstverständlich war, ich kann mich an mehr als eine abgebrochene Party zu Schulzeiten erinnern, weil Gruppen sich anfeindeten und die Stimmung kaputtmachten. Weil es genau das ist, was ich mir immer gewünscht habe.

Ich weine, weil ich endlich angekommen bin und das in so vielerlei Hinsicht. Im Beruf dort wo ich sein wollte angekommen. Weil ich mich so unglaublich freue über diesen Schritt vorwärts, es ist wie eine Befreiung. Raus aus der Routine, rein in neue und hoffentlich spannende Aufgaben. Und noch wichtiger bei mir angekommen, dort wo ich bin, wirklich ich.

Nachts um vier sitze ich auf meiner eigenen Geburtstagsparty und kniepere ein paar Tränchen aus den Augenwinkeln, Tränen der Freude und des Glückes. Weil ich endlich im Reinen bin mit einem meiner größten Feinden: Meinen Erwartungen. Ich hätte niemals damit gerechnet, dass diese Feier so wunderschön wird, so ausufernd, so ekstatisch, und gleichzeitig so harmonisch und gemütlich. Ich habe mit gar nichts gerechnet, ich habe alles auf mich zukommen lassen, meine liebsten Freunde eingeladen und etwas Essen vorbereitet. Und ich weiß, dass das der Knackpunkt war, weil mein bisheriges Leben von Erwartungen bestimmt war, was so oder so und zwar genau so sein musste. Das fing an bei Familie setzte sich fort über Feste und Feiertage, Beruf bis hin zu Freunden und sozialen Kontakten. Ich hatte genaue Vorstellungen was wo wie und mit wem zu sein hatte und wenn diese Vorstellungen, meine Erwartungen nicht erfüllt wurden, brach innerlich eine Welt zusammen. Und nicht zu vergessen natürlich die Erwartungen an mich selbst. Ich hatte viele Erwartungen, die natürlich qua definitione dazu gestimmt waren, nicht erfüllt zu werden. Wenn Du damit rechnest, dass etwas eintritt, tritt es hundertprozentig nicht ein. Wünsche und Hoffnungen sind etwas anderes, Wünsche und Hoffnungen sind Motoren unseres Handelns, aber Erwartungen sind manchmal schwer wie Blei, sie behindern und versperren die Sicht auf Alternativen, auf Neues.

Bewusst war mir das schon seit ein paar Jahren und so fing ich an, gegen die Erwartungen anzukämpfen und mir einzureden, dass ich ja keine hätte, aber insgeheim war ich dann doch wieder enttäuscht, wenn mal wieder eine meiner Erwartungen nicht erfüllt wurde. Ich weiß gar nicht wann und wo sich die Erwartungen endlich verabschiedeten, ich weiß nur dass aufgrund unserer neuen Familiensituation das letzte Weihnachten sehr anders war als die 33 Weihnachten zuvor. Und dass es für uns alle nicht leicht war, weil gerade Weihnachten in unserer Familie immer mit großen Erwartungen verknüpft war. Mit Ritualen und festen Vorstellungen, mit schöner Athmosphäre, gutem Essen und dem dazu passenden Wein. Und dann war letztes Jahr alles so ganz anders und irgendwie war da kein Raum mehr für Erwartungen. Aber dafür umso mehr Raum für Freiheit, dafür Dinge neu zu gestalten. Alles kann, nichts muss. Und plötzlich, an einem der beiden Weihnachtsfeiertage lag ich dann krank, völlig erschöpft, überarbeitet und alleine in meiner Wohnung auf dem Sofa und dachte mir, dass genau das – krank und alleine – noch vor wenigen Jahren mein persönlicher Weihnachts-Super-Gau gewesen wäre. Krank, hm, blöd, aber das wäre vielleicht noch verkraftbar gewesen. Aber „alleine“ geht gar nicht, Weihnachten MUSS doch mit der Familie gefeiert werden und auf dem Sofa, nein, das geht auch nicht, weil wann, wann bitte ist Zeit, um Zeit mit lieben Menschen, mit Essen und Gesprächen zu verbringen außer an Weihnachten? Wann bitte, doch nicht etwa an allen anderen 364 Tagen im Jahr??? Und dann dachte ich, dass krank, alleine und auf dem Sofa irgendwie doch nicht so schlecht ist wie ich immer gedacht hatte. Endlich habe ich mal Zeit nur für mich. Und besinnlich ist es eigentlich auch. Und so gemütlich, endlich muss ich mal nicht reden (was ich in der Arbeit ja den ganzen Tag tue, manchmal finde ich es dann richtig toll, zuhause nicht mehr reden zu müssen.) Und meine Familie sehe ich dann eben später oder morgen und ich freute mich darauf.

Und plötzlich schoss mir ein Gedanke durch den Kopf, wie entspannt es doch ist ohne Erwartungen. Alles kann, nichts muss. Und manchmal springt dann sogar noch etwas dabei heraus.

Wie zum Beispiel so ein perfekter Moment am Morgen des 14. Januar 2018.

Angekommen

Seit zwei Wochen bin ich Einrichtungsleitung. Chefin. Chefin hört und fühlt sich noch etwas komisch an, es impliziert dass man ein großes Team hat (hahaha, wir sind zu zweit) und klingt im Beigeschmack ein wenig bossy. Aber Leitung bin ich sehr sehr gerne. Es ist ein kleiner Traum, der in Erfüllung gegangen ist, nach langen Zeiten des Kämpfens und Ringens mit Menschen, mit Strukturen und nicht zuletzt mit mir selber. Aber irgendwann war ich es leid zu kämpfen, ich wollte nicht mehr ringen, sondern stellte mich einfach nur daneben und wartete ab, was da wohl passieren mag. Und siehe da, es passierte etwas. Völlig unverhofft und – was mich am allermeisten freut – völlig ohne Kämpfen und Ringen. Es war einfach so klar, es gab keine Konkurrenz, keinen Wettbewerb, nur ein „Also mir wäre es ja sowieso am liebsten, wenn Du es machst“.

Und jetzt bin ich da. Angekommen bei mir und angekommen da, wo ich gerne sein möchte. Ich bin gerne Leitung, auch wenn es grad am Anfang noch sehr anstrengend ist, weil trotz guter Vorbereitung so viel neues auf mich einprasselt. Ich entdecke ganz neue Seiten an mir, zum Beispiel fühlt es sich mit einem Mal gar nicht mehr so schwer an wie die letzten 34 Jahre, für meine Meinung einzustehen und sie nach außen hin zu vertreten.

Aber lange Tage und viel Arbeit sind nicht schlimm, wenn es sich so angekommen anfühlt. So richtig.

Playlist

Liebe Partygänger und Nacht-Durchfeierer, liebe Mädchen und schönen fremden Männer,

Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen Sonnenschein! Vorige Nacht blieb mir verborgen, doch ich werd nicht traurig sein. Denn wennst amoi no so hamkumst, dann war’s wohl eine richtig gute und auf jeden Fall ganz besondere und erinnerungswürdige Party in dieser ehrenwerten Hütte. Was ging ab, wir feierten die ganze Nacht, bis (fast!!) um acht!

Ich habe jede Sekunde genossen, ihr habt diesen halbrunden Geburtstag wirklich zu einem ganz besonderen gemacht. Vermutlich weil’s a Herz habts wia a Bergwerk und weil wir doch eigentlich alle ein bisschen Macarena sind, aber das Bacardi Feeling wie auf der Champs Elysees war da und dafür möchte ich von Herzen Danke sagen. Ob’s an der Schokolade oder am Sauerkraut – aber bitte mit Sahne – lag oder ob das Hüttenmadl Ella elle l’a mit ihrer Gurkn schuld war, vermag ich nicht zu sagen, aber letzten Endes ist es auch egal. Fest steht nur: Schön ist es auf der Welt zu sein und schön ist es, Euch in meiner Welt zu haben und zu meinen Freunden zu zählen.

Ich hoffe ihr habt es genauso genossen und startet gut in die neue Woche mit einer Taxifahrt vom Friedensengel über die Theresienwiese nach Giesing. Alternativ auch in Bologna oder am Wannsee. In diesem Sinne: I don’t like mondays und ich habe solche Sehnsucht nach Euch! Aber Hurra hurra, die nächste GartyParty kommt bestimmt!!!

Bis dahin mit viel Tainted love

La flaca :)))