Juhannus

Ein Traum.

Ein Wochenende wie ein Traum. Ein Traum aus dem ich mich seit einer Woche weigere, aufzuwachen.

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Gut gegessen.

Nichts müssen, nirgendwohin. Keine Termine.

Im See geschwommen.

Abends lange Saunagespräche mit der <;3-Freundin.

Eine halbe Flasche Autan verbraucht und trotzdem noch reichlich Blut gespendet.

Unglaublichst lecker gegessen.

Frischen Lachs gegrillt.

In eie Hütte verliebt.

Inngehalten.

Zur Mitte gefunden.

*****

Mehr brauchts nicht, keine Worte, nur Bilder.

Und vielleicht, vielleicht hätte es noch etwas mehr Zeit gebraucht.

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Not available

Mein Geburtstag scheint für einige Menschen in meinem Umfeld jedes Jahr wieder ziemlich überaschend zu kommen. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass eine ganze Menge Menschen und gute Freunde scheinbar nun an diesem Tag bereits etwas anderes vorhaben. Lustigerweise habe ich immer noch an diesem einen Tag im Januar, genau drei Wochen nach Weihnachten, Geburtstag, ich kann mir das auch nicht erklären. Gut, es kommt immer relativ schnell nach dem Jahreswechselkoma, aber es bleibt immerhin doch erstaunlicherweise jedes Jahr derselbe Tag. Vermutlich eine Laune der Natur, für den normalen Menschenverstand unerklärlich.

Und jetzt frage ich mich, ob ich wirklich so oldschool, der letzte Mohikkaner, so treudoof, so naiv oder gleich alles auf einmal bin, aber ich habe im Kopf (oder zumindest im Kalender), wann die wichtigsten Leute in meinem Umfeld, die Familie und die liebsten Freunde, Geburtstag haben und ich halte mir diese Tage grundsätzlich zunächst einmal frei und wenn sich doch eine andere Verabredung (gemeint sind hier Verabredungen privater Natur, bei beruflichen etc. Terminen hat man natürlich nicht immer die Wahl) an diesen Tagen ergibt, die ich gerne wahrnehmen möchte, dann frage ich die betreffende Person vorher, ob sie feiern möchte, wann sie feiern möchte und wenn, ob es für sie schlimm wäre, wenn ich bei der Feier nicht dabei wäre. Ich mache das, weil mir meine Familie und Freunde wichtig sind und weil ich diese ihre Ehrentage gerne mit ihnen teilen möchte. Es gibt also ein paar wenige feste Tage im Jahr, an denen ich prinzipiell ersteinmal not available bin, das sind der:

9.1.

13.1.

11.2.

3.3.

9.3.

24.3.

23.5.

24.5.

31.5.

15.8.

30.8.

10.9.

16.9.

13.10.

7.11.

26.11.

13.12.

An diesen Tagen bin ich für den Rest der Welt zuerst einmal nicht zu erreichen, außer vielleicht die Welt geht gerade unter. Nun, jeder setzt seine Prioritäten anders, ich kann niemandem in seine Terminplanung reinreden, aber ich sitze doch nun sehr erstaunt hier und wundere mich, ob ich mit dieser Einstellung wirklich ganz alleine dastehe, ob ich wirklich so altmodisch, dumm, treudoof und naiv bin oder ob ich einfach nur völlig verquere und unrealistische Wertvorstellungen habe.

Sie würden mir in dieser wichtigen Frage mit einem kleinen Kommentar sehr weiterhelfen. Vielen Dank! 😉

Von Demut und Dankbarkeit

Die Jahresrückblick-Saison ist bereits in vollem Gange, deshalb auch von mir ein paar kleine Gedanken dazu.

Dieses 2011 war in erster Linie eines: Anstrengend. Es gab so viele Projekte, soviele Baustellen, eine endlose Liste von Dingen, die „noch zu erledigen“ sind. Es gab kaum Pausen zum Durchschnaufen und teilweise waren sogar Wochenenden und Ferien arbeitsreich, wenn auch – das muss ich natürlich zugeben! – voll von schöner Arbeit, aber trotzdem käftezehrend. Zeitweise hat es mich an die Grenzen meiner Kräfte gebracht. Dafür finde ich es umso erstaunlicher, dass ich dennoch auf ein im Grunde genommen ziemlich gelungenes Jahr zurückblicken kann. Eigentlich habe ich, wenn ich zurückdenke, absolut gar keinen Grund mich zu beschweren, vieles was ich wollte, habe ich erreicht, meine Projekte sind rundherum ziemlich gut gelungen, alles ist wunderbar gediehen und geworden. All die Mühe und die Arbeit haben sich voll ausgezahlt (sogar noch wie ich überaschend am Weihnachtsmorgen entdeckte finanziell).

Für mich war das Jahr also anstrengend, aber für viele Menschen um mich herum war es ein verdammt hartes Jahr. Während viele liebe Menschen sehr zu kämpfen hatten, arg einstecken mussten und herbe Verluste erleiden mussten, bin ich zwar von der vielen Arbeit ausgelaugt und müde, aber sozusagen – natürlich abgesehen von meiner geliebten Oma – von Todesfällen, schweren Krankheiten und anderen Katastrophen weitestgehend verschont geblieben. Das kann in diesem Jahr, wo es auch in der Welt so hoch herging und eine Krise der anderen folgte, wohl beileibe nicht jeder von sich behaupten und deshalb verneige ich mich in Demut und Dankbarkeit, sage leise „Danke 2011“, denke an all die Leute, die das Schicksal teilweise dieses Jahr übel mitgespielt hat. Und damit schließe ich und werde jetzt ganz still.

Danke 2011.

Väter

Dienstag morgen unterrichtete ich mal wieder noch vor Unibeginn Finnisch. Wir hatten eine nette Stunde, plauderten viel (auf Finnisch natürlich) und lernten (hoffentlich) auch ein bisschen was. Schließlich verabschiedete ich mich und machte mich auf den Weg in die Uni, zur Sbahn. Meine Schülerin hatte mich für den nächsten Termin zum gemeinsamen Frühstück eingeladen, die Sonne schien und die Ansku hatte ziemlich gute Laune.

Im Sbahnhof mir entgegen kommend sah ich plötzlich einen Zwillingskinderwagen. Ich bin da ja so ein bisschen kinderfanatisch und sah sofort genauer hin. Als ich auch etwas weiter nach oben blickte, sah ich dass der Kinderwagen geschoben wurde von einem jungen Mann in Jogginghose, daneben ging ein zweiter Mann, telefonierend.

Ich war zömlösch beeindruckt. Ein Vater mit Zwillingen am Dienstag vormittag in der Sbahn. Wow! Es ist nicht so, dass ich wirklich für oder gegen Rollenklischees bei der Kinderbetreuung bin, ich denke einfach jede Familie muss da ihren eigenen Weg finden. Aber irgendwie beeindruckte mich dieser Zwillingspapa doch und ich dachte bei mir: „Yo Ansku, schau an, der rockt die Kiddies während die Mama arbeiten geht und Geld ranschafft. Und der Freund ist auch noch dabei. Toll toll toll!“

Gerade als ich so richtig begeistert war, den Mann anstrahlte und bei mir dachte „Yeah, solche Väter braucht das Land!“, da war der Zwillingswagen auf meiner Höhe und weil ich da ja nunmal so ein kleinesbisschen kinderfanatisch bin, musste ich dann auch reinschauen und ein Blick auf die süßen Babies erhaschen. Ich verrenkte mir den Kopf, sobald die beiden direkt neben mir waren und ich irgendwie einen Blick in das Innere des Wagens werfen konnte und potzblitz, da sassen…

Zwei Terrier! 😆

Äußerlichkeiten

Frauen sind doch irgendwie manchmal… bescheuert. 🙂 Also ich zumindest. Seit nunmehr vier Wochen hat mein guter alter Laptop nach treuen fünfeinhalb Jahren das Zeitliche gesegnet und noch immer ist keine Entscheidung für einen neuen da. Nicht nur, dass die Fülle des Angebots erdrückend ist, nein, auch die Frau Ansku gehört nicht gerade zu den entscheidungsfreudigsten Menschen. Und dann wäre da auch noch dieses Frauending.

Der liebste kleine Bruder ist ein wahrer Schatz, seit Wochen spammt er mich zu mit Links zu PC-Tests. Neuerscheinungen, gibt Tipps, erklärt mir Techniknerd geduldig, worauf es bei einem Prozessor ankommt und ist manchmal gefühlt mehr beim Thema dabei als ich selber, deren Kopf zur Zeit so voll mit zweihundertsiebenunddrölfzig anderen Dingen ist, dass er wohl bald platzen muss. Dabei geht es um meinen PC. Und dann, wenn wir im Laden stehen oder die endlosen Weiten des www durchforsten, taucht es wieder so klar auf, dieses Geschlechterklischee, dass ich am liebsten laut loslachen möchte. Während das Bruderherz natürlich zuerst auf die Zahlen zu Arbeitsspeicher, Prozessor und Bildschirmhelligkeit (Frau Ansku: „DAS kann man messen???“), sieht Frau Ansku, typisch *Mädchenmädchen, zuerst erst einmal die Farbe. Dann als nächstes vermutlich das Design und zuletzt dann noch die Größe, die ist nämlich auch wichtig. Aber eben nur für mich. Für den Bruder wäre von diesen drei Kriterien höchstens die Größe und das Gewicht wichtig.

Und eigentlich möchte ich auch gar nicht so sehr Mädchenmädchen sein, denn so ein PC ist ja auch eine Investition und lässt nebenbei auch mal so eben meinen Traum vom nach drei Monaten harter Arbeit gutgefüllten Konto für das Wintersemester platzen. Natürlich möchte ich in erster Linie einen guten PC haben, der schnell arbeitet, viele Programme gleichzeitig geöffnet haben kann und mir mindestens ebenso viele Jahre Freude bereiten wird wie der treue, gute, alte. Aber dann stehe ich eben wieder neben dem Bruderherz, höre mir aufmerksam Zahlen und Testberichte der Marke X an und denke so für mich, dass sich das alles schon sehr sehr gut anhört, aber wie soll ich beispielsweise einen ka*kbraun-metallic lackierten PC tagtäglich ansehen. Dann gehen wir weiter zu den PC der Marke Y und die Augen der Frau Ansku fangen an zu leuchten. So schöne PCs! Die Augen leuchteten in etwa so lange, bis der Blick auf das Preisschild fällt (meist etwa 100- 200 Euro Unterschied) und das Bruderherz so nebenbei erwähnt, dass die PCs der Marke Y viel langsamer sind als die der Marke X. Ich bin zerstört. Ich wäre ja durchaus bereit, für so einen schöcken kleinen, silberglänzenden PC ein wenig mehr zu zahlen, eben wegen diesem Frauending, aber ich bin nicht bereit mehr zu zahlen, wenn der dazu noch langsamer ist als PC Marke X. Nein, so verrückt Mädchenmädchen bin ich dann doch nicht!

Andererseits… ka*kbraun-metallic?

Heute neuer Versuch. Ich bitte um gedrückte Daumen.

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* Der Begriff Mädchenmädchen wurde einst von mir und meinem Vater geprägt und bezeichnet die Freiheit, sich trotz Emanzipation und wandelnder Geschlechterrollen, sich zu bestimmten strategisch günstigen Zeitpunkten mal so richtig in Klischees und typisch weiblichen Rollen genüsslichst zu suhlen. Typische Aussage, wenn ich gerade irgendetwas dringendst brauche, was einfach nur glitzy-blitzy und kreischrosa ist: „Aber ich bin halt doch ein Mädchenmädchen“. Der Begriff scheint aber, wie ich inzwischen gelernt habe, verbreiteter zu sein als gedacht. Was wäre das Gegenteil von Mädchenmädchen? Hmmm, schwer zu sagen…

Die magische Grenze

Memo an mich: Halte Dich niemals und unter keinen Umständen nach 16 Uhr noch im Bürogebäude auf. Sei lieber ein fleissiger Mensch, der Punkt 8 Uhr früh am Schreibtisch sitzt, aber halte Dich nicht nach Ablauf der 8 Stunden, also nach 16 Uhr im Bürogebäude auf.

Es gibt nämlich scheinbar eine magische Grenze um 15.59 Uhr, vor Erreichen derer es ein Leichtes ist, seine Arbeit zu beenden, den Schreibtisch aufzuräumen, PC runterzufahren und das Büro zu verlassen. Bleibst Du jedoch aufgrund guter Vorsätze oder gesteigertem Arbeitsaufkommens länger als 16.01 Uhr, so kann es Dir locker passieren, dass Du vor 18.00 Uhr oder 18.30 Uhr die Bürotüre nicht mehr zu Gesicht bekommst und Glück hast, wenn Du noch schnell wenigstens Deine Arbeitszeiten im System eingeben kannst, bevor Du zur Sbahn sprintest. Es ist inzwischen nämlich wissenschaftlich bewiesen, dass es irgendein Arbeitsloch gibt, das sich nach Überwindung der magischen Zeitgrenze Punkt 16.01 Uhr öffnet und Dich mit „Könntest Du noch…“, „Das muss uuuunbedingt noch…“ oder „Kannst Du nicht gerade noch schnell…?“ überschwemmt. Längst im Gewirr der Büroflure verloren geglaubte Kollegen und Chefs sind ebenfalls wie von Zauberhand plötzlich wieder ansprechbar und somit auch wieder in der Lage Dir in ausreichendem Maße Aufgaben zuzuweisen und urplötzlich fallen ihnen auch wieder unglaublich wichtige Dinge ein, die sie eigentlich schon letzte Woche mit Dir besprechen wollten…

Sei schlau und verlasse das Kampfgelände,  solange Du noch kannst. Und zwar vor 15.59 Uhr!

😉

Lustiges und Kursioses aus der wunderbaren Welt der Sprache – Von Fall zu Fall

Ich möchte, falls Sie erlauben, heute einmal mit einem weitverbreiteten – nennen wir es mal Missverständnis – aufräumen und zwar mit dieser Sache mit den vielen vielen Kasus. Das ist mir schon länger ein Anliegen, dennoch schaffte ich es aber erst jetzt, diesen Artikel zu schreiben.

Wenn ich jemandem, der nichts mit Sprachen zu tun hat, erzähle, dass Finnisch 15 Fälle hat und Ungarisch sogar möglicherweise noch mehr (darüber gehen die Meinungen auseinander), dann schlägt mein Gegenüber entsetzt die Hände überm Kopf zusammen und ruft: „Oh Gott, sind das viele Fälle!“ Allerdings sind auch extremere Reaktionen keine Ausnahme.

Dabei geht es mir einerseits darum, dass alleine schon sechs von diesen 15 Fällen sogenannte Lokalkasus sind. Drei Fälle sind unbedeutend, weil so gut wie nie und eigentlich nur in festen Redewendungen gebraucht, zwei weitere sind eine Art adverbiale Kasus, die einen Zustand („als was?“) oder eine Veränderung beschreiben. Somit bleiben? Vier. Ist ja auch nicht mehr als auf Deutsch. Und  sogar weniger als Latein.

Der größte Teil dieser Fälle sind also Fälle, die einen Ort oder einen Zustand beschreiben. Die Lokalkasus zum Bleistift zeigen entweder einen Ort („wo?“) oder eine Richtung („wohin?“ „woher?“) an. Das wären schon einmal drei Fälle. Weitere drei kommen hinzu, wenn man zwischen „innen“ und „aussen“ trennt, wenn man einen Unterschied macht, ob es „in das Haus hinein“ talo-on oder „auf das Dach hinauf“ kato-lle heisst. Beides bezeichnet eine Bewegung zu etwas hin, der Unterschied besteht nur zwischen „in“ (z.B. ein containerartiges Etwas hinein) und „auf“ (gemeint hier meistens eine Oberfläche). Das kann man natürlich fortsetzen mit der Frage „wo?“, dann wäre die Antwort „im Haus“ talo-ssa und „auf dem Dach“ kato-lla. Zuletzt bliebe dann noch die Frage „woher?“ , worauf der Finne antworten würde talo-staaus dem Haus (heraus)“ oder kato-lta vom Dach (herunter)“. Mit diesem kleinen System aus zwei mal drei Richtungskasus kann man schonmal das so schrecklich große finnische Kasussystem um knapp die Hälfte reduzieren. Und ganz schön viel ausdrücken.

Jetzt werden Sie Sich vielleicht fragen, warum die Frau Ansku das hier alles so ausführlich erklärt und ob sie vielleicht ein bisschen verrückt geworden ist und hier das ganze, endlos langweilige Kasussystem des Finnischen herunterbeten will. Nein, das möchte ich nicht, ich möchte nur mit diesen paar Beispielen etwas zeigen:

Nun ist es ja nicht so, dass die Finnen ihre ganzen Kasus haben und damit nun wunderbarst erzählen können, ob sich z.B. ihr Miezekätzchen gerade im Haus oder auf dem Dach oder auf dem Weg vom Dach herunter befindet und der Deutsche steht daneben und kann über seinen Stubentiger nur schweigen. Auch auf Deutsch kann man natürlichst herrlichst alle möglichen Orte und Richtungen ausdrücken. Wir benutzen eben dafür nur ein anderes Ausdrucksmittel, nämlich Präpositionen wie von, auf, in, an und wie sie alle heissen. Man sieht an den Beispielen und vor allen an den fettgedruckten Teilen deutlich, dass genau das, was die Finnen mit einem Kasus ausdrücken, eigentlich auf Deutsch nur der Präposition entspricht. Mehr ist das nicht.

Das wird deutlicher, wenn ich hier eine neue Trennung einführe, nämlich die von grammatischer Relation und Kasus im Sinn von Kasusmarkern, also die Art, wie Kasus im Satz ausgedrückt werden. Eine grammatische Relation bezeichnet die Verbindung von zwei „Einheiten“ im Satz, also z.B. „Katze“ und „Dach“, die durch das Verb oder durch etwas anderes wie zum Beispiel eine Präposition miteinander in eine Beziehung treten.

Die Beziehung, also das was im Satz ausgedrückt werden soll, die ist in beiden Sprachen genau dieselbe. Sage ich zum Beispiel „Die Katze ist auf dem Dach“, ist die Beziehung zwischen der Katze und dem Dach, dass die Katze [AUF] dem Dach ist. In einem anderen Fall befindet sie sich vielleicht [IN] der Suppenschüssel.

Der Satz, ganz herunter gesetzt nur auf seine Bestandteile und nur auf die Beziehung, die er ausdrücken soll, würde lauten:

[Cat] -> [ON] -> [Roof]

Was sich jetzt unterscheidet, ist die Ausdrucksweise: Der Deutsche sagt

[Die Katze] ist [AUF]-dem-[Dach].“

Der Finne dagegen sagt:

[Kissa] on [kato][LLA].“

(Kissa =Katze, on = er, sie, es ist)

Die beiden fetten und großgeschriebenen „Dinger“ in Klammern sind dabei jeweils der Ausdruck der Beziehung [AUF].  Bei der einen Sprache ist erkennbar, dass „auf“ ein eigenes Wort ist, bei der anderen Sprache ist das „auf“,  also -LLA ein Kasus, der ans Wort drangehängt wird. Außerdem steht es einmal vor und einmal hinter dem Bezugswort. Solche Merkmale sind sprachspezifisch, einige Sprachen tendieren eher zu vor dem Bezugswort, andere Sprachen mögen es lieber dahinter. Und einige Sprachen haben eben ein sehr umfangreiches System von Kasusmarkern, mit denen sie alle möglichen Beziehungen zwischen einzelnen Bezugswörtern und einzelnen Einheiten im Satz ausdrücken können, andere Sprachen benutzen dafür Präpositionen oder eine Vielzahl weiterer Ausdrucksmittel. Bedeuten jedoch – und das ist ja das Wichtige – tun beide dasselbe und die grammatische Relation, die hinter dem Ganzen steht, auch die ist in beiden Fällen dieselbe, wie wir nun wissen. Es sieht einfach nur anders aus. Sie sehen, dieses ganze verwörrende System wird schon viel übersichtlicher, wenn man eben zwischen der Relation, dem WAS ausgedrückt wird, und dem Aussehen, WIE es ausgedrückt wird, unterscheidet.

Das Ganze liesse sich jetzt noch stundenlang ausweiten, auf alle möglichen Relationen, auf die Verbindungen zwischen Subjekt, Verb und Objekt. Ich könnte auch noch erzählen, dass sich manchmal die Kasus erst aus den Präpositionen (es gibt natürlich auch Postpositionen, die hinter dem Wort stehen!) durch Verschmelzung etc. entwickelt haben. Dass so zum Beispiel aus der finnischen Postposition kanssa = „mit (jmdm)“ – umgangssprachlich oft verkürzt zu kaa – im Estnischen ein eigener Kasus auf -ga/-ka „mit (jmdm)“ entwickelt hat .Dass es natürlich Sprachen gibt, die eben äußerlich sichtbar ein kleines oder größeres System von (sichtbaren) Kasusmarkern, also solchen wie wir sie aus dem Lateinunterricht kennen, haben und dass diese Systeme sich wiederum verändern können. Aber das alles, verehrte Leser, hat mich vor etwa anderthalb Jahren die Hälfte meiner 45minütigen mündlichen Magisterprüfung gekostet und würde hier etwas zu weit führen. 😉

Soviel Kasustypologie für heute. Ich hoffe also, dass es Ihnen gefallen hat und dass ich Sie in Zukunft nie wieder die Hände über dem Kopf schlagen zusammenschlagen sehe und rufen höre „Aber das sind ja sooo viele Fälle!“ Sollten Sie jemanden sehen, der dies tut, können Sie ihm gerne in meinem Namen entgegnen, dass Deutsch mindestens genauso viele „Fälle“ hat, die sehen nur ganz anders aus. 😉