Von Demut und Dankbarkeit

Die Jahresrückblick-Saison ist bereits in vollem Gange, deshalb auch von mir ein paar kleine Gedanken dazu.

Dieses 2011 war in erster Linie eines: Anstrengend. Es gab so viele Projekte, soviele Baustellen, eine endlose Liste von Dingen, die „noch zu erledigen“ sind. Es gab kaum Pausen zum Durchschnaufen und teilweise waren sogar Wochenenden und Ferien arbeitsreich, wenn auch – das muss ich natürlich zugeben! – voll von schöner Arbeit, aber trotzdem käftezehrend. Zeitweise hat es mich an die Grenzen meiner Kräfte gebracht. Dafür finde ich es umso erstaunlicher, dass ich dennoch auf ein im Grunde genommen ziemlich gelungenes Jahr zurückblicken kann. Eigentlich habe ich, wenn ich zurückdenke, absolut gar keinen Grund mich zu beschweren, vieles was ich wollte, habe ich erreicht, meine Projekte sind rundherum ziemlich gut gelungen, alles ist wunderbar gediehen und geworden. All die Mühe und die Arbeit haben sich voll ausgezahlt (sogar noch wie ich überaschend am Weihnachtsmorgen entdeckte finanziell).

Für mich war das Jahr also anstrengend, aber für viele Menschen um mich herum war es ein verdammt hartes Jahr. Während viele liebe Menschen sehr zu kämpfen hatten, arg einstecken mussten und herbe Verluste erleiden mussten, bin ich zwar von der vielen Arbeit ausgelaugt und müde, aber sozusagen – natürlich abgesehen von meiner geliebten Oma – von Todesfällen, schweren Krankheiten und anderen Katastrophen weitestgehend verschont geblieben. Das kann in diesem Jahr, wo es auch in der Welt so hoch herging und eine Krise der anderen folgte, wohl beileibe nicht jeder von sich behaupten und deshalb verneige ich mich in Demut und Dankbarkeit, sage leise „Danke 2011“, denke an all die Leute, die das Schicksal teilweise dieses Jahr übel mitgespielt hat. Und damit schließe ich und werde jetzt ganz still.

Danke 2011.

Symptom und Ursache

Heute in der F.A.S einen Artikel über Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen und dieses geplante Verbot, Alkohol nachts an Tankstellen zu verkaufen gelesen und ziemlich entsetzt gewesen. Wenn schon die Jugendlichen selbst sagen, dass dieses Gesetz nichts bringt, weil man dann einfach nur vorher im Supermarkt entsprechend mehr (und nebenbei sogar billiger als an der Tanke) einkauft, dann sollte  unsere Gesellschaft und allen voran unsere Politiker sich vielleicht endlich mal überlegen, ob es nicht an der Zeit wäre, endlich einmal die Ursachen statt der Symptome zu bekämpfen.

Wer Rauschmittel will, der bekommt sie immer. Irgendwie und trotz aller Verbote.

(In Finnland gibt es ja ein Alkoholverkaufs-Verbot nach 18 Uhr, aber sehr viel nützt das scheinbar auch nicht. Habe selten in einer Innenstadt soviele Betrunkene gesehen wie Freitagabends in Helsinki.)

Herzlich willkommen!

… in dieser Welt kleiner Ben Mino! War das eine schöne Überraschung, als ich heute morgen meinen PC anmachte und die freudige Nachricht Deiner Geburt heute nacht lesen durfte. Jetzt bin ich ganz gerührt, irgendwie. Ich hab Deiner Mami in den letzten Tagen ganz schön die Daumen gedrückt, man merkte ganz deutlich, wie sehr sie sich auf Dich gefreut hat. Und jetzt bist Du nach viel Zittern und Bibbern, fast schon so spannend wie ein Krimi, plötzlich da. Wie schön.

Weißt Du, ich glaube, Du hast Dir eine ganz tolle Mami ausgesucht, so eine starke, energievolle und humorvolle Frau. Ich staune, wie sie das alles wuppt und wie sie das schafft, jedem einzelnen Deiner drei Geschwister und jetzt auch Dir gerecht zu werden. Vier Kinder, das ist so mutig und vier Kinder, das ist so schön!

Ich wünsche Dir alles Liebe und Gute, viel Glück, viel Erfolg, Freude und Gesundheit in Deinem Leben. Ich wünsche Dir und Deiner Familie eine schöne erste Zeit zu sechst und ich gratuliere den stolzen Eltern ganz ganz herzlich und verneige mich voller Respekt.

Das Internet, eine Müllkippe?

Vor einigen Jahren, es muss wohl um das Jahr 2001/2002 gewesen sein, diskutierten wir mit unserem Geschichtslehrer im Leistungskurs über das Internet. Der Lehrer, ein bekennder Zyniker, aber großartiger Lehrer und Diskussionspartner, wollte uns damals weismachen, dass das Internet eine Art überdimensionale Müllkippe ist. Eine riesengroße Plattform, auf der jeder das publizieren kann, was er meint, publizieren zu müssen. Und jeder andere kann das frei zugänglich nutzen. So weit, so gut. Mein Lehrer ging jedoch noch weiter, indem er behauptete, dass wirklich wertvolle Publikationen, wirklich heiße Infos, einzigartie Forschungen und Ergebnisse dennoch nach wie vor in Buchform publiziert werden. „Wer wirklich etwas Interessantes zu berichten hat, der veröffentlicht das doch nicht im Internet, der will doch daran verdienen!“

Oft denke ich heute noch über diesen Satz nach, auf irgendeine Weise ist er mir sehr prägend in Erinnerung geblieben und beeinflusst auch heute noch meinen Umgang mit dem Internet. Dennoch stelle ich fest: Das Internet hat sich verändert in den letzten Jahren. Trieb ich mich in den Jahren 2000/2002 im zarten Alter von 18 Jahren vielleicht in ein paar Fanforen rum, schrieb Emails, kämpfte gelegentlich mit für meine Begriffe damals ziemlich unbrauchbaren Suchmaschinen und hatte allgemein nicht so wirklich viel Ahnung geschweige denn Überblick über dieses neue Medium, so machen wir heute eigentlich alles per Internet. Wir buchen unsere Urlaube im Netz, wir shoppen, wir networken, letztes Jahr beim Schreiben der Magisterarbeit fand ich verlorengegangene Literaturhinweise mit ein paar Klicks im Netz wieder, statt umständlich die Bücher neu ausleihen zu müssen. Es gibt zahlreiche Fachzeitschriften inzwischen auch online, meistens jedoch nicht frei zugänglich, natürlich wollen die Leute etwas an ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen verdienen und das muss man auch tolerieren. (Auch wenn es manchmal wirklich sehr ärgerlich und frustrierend ist, einen vielversprechenden Artikel zu finden, der GENAU auf das zu erforschende Thema passt und diesen nicht lesen zu können ohne zu zahlen.) Internet und Verdienst, das muss sich nicht mehr ausschließen. Und heute fand mein Bruder sogar eine Software, um den Drucker meiner Eltern auf meinem Laptop zu installieren, weil die Installations-CD verlorengegangen ist. Als das tatsächlich funktionierte und der PC den Drucker erkannte, staunte ich nur. „Ich wusste gar nicht, dass es jetzt sowas auch im Internet gibt.“ (Software klar, aber von solchen maschinenbezogenen Installationen wusste ich bisher nichts) Die Antwort meines Bruders: „Im Internet gibt es ALLES.“

Ich glaube trotzdem in gewisser Hinsicht weiterhin an diesen Satz, ich glaube, dass das Internet vor allem ein schnelles Medium ist, gut um sich einen Überblick zu verschaffen, aber nicht sonderlich gut, um sich intensiv mit einzelnen (geistigen) Themen gründlich auseinanderzusetzen. Ich möchte auch gar nicht auf Printmedien verzichten. Ich konsultiere sicherlich auch weiterhin, insbesondere wenn ich mich mit wissenschaftlichen Inhalten beschäftige, zuerst ein gutes Handbuch. Aber ich googele auch den Begriff, mit dem ich mich gerade beschäftige, denn immer häufiger finden sich auch kleine, unscheinbare, aber sehr hilfreiche Perlen im Internet. Und dennoch zwingt mich dieser kleine Satz meines Lehrers vor ca, 7,8 Jahren doch immer auf’s Neue, meinen Umgang mit dem Internet zu überdenken, darauf zu achten, wo und wie ich mich im Netz bewege und nicht alles unreflektiert zu konsumieren.

Ich kann es nicht mehr hören

Gestern in der hiesigen Tageszeitung mal wieder ein Artikel über einen ganz schlauen Menschen leider vergessen wer – wird bei Gelegenheit noch nachgeliefert, der wieder einmal meint, seine wahnsinnig schlauen Gedanken über das grottenschlechte Fernsehprogramm in Buchform veröffentlichen zu müssen und über selbiges einmal ausgiebigst jammern zu müssen. Dass in Coachingsendungen á la „Zwei bei Kallwass“ und „Raus aus den Schulden“ und in Castingshows Menschen vorgeführt werden, dass man das ZDF am besten gleich abschaffen sollte, weil es sich von Programminhalten immer mehr den Privaten annähert, dass zu viele Rosamunde Pilcher-Filme laufen, das ach weh ach weh… Es tut mir Leid, Dir das jetzt so unverblümt sagen zu müssen, lieber schlauer, gebildeter Autor, aber es scheint ja wohl, dass die Menschen nach solchen Programmen und Formaten dürsten, sonst würden diese Sendungen wohl nicht angeschaut werden.  Das ist traurig, aber wahr wiederum kann man jetzt sehen wie man will, aber es ist eine Tatsache.

Der Bundestagswahlkampf ist mal wieder – wie eigentlich jeder Wahlkampf – ein einzige Farce bunte Mischung aus Vorwürfen und sich gegenseitig um die Ohren schlagen, was man alles in den letzten vier Jahren falsch gemacht hat. Inhalte? Programme? Wirklich konkrete Ziele? Fehlanzeige. Falls jemand noch etwas anderes als Personaldiskussionen bisher mitbekommen hat, möge er mir dies bitte mitteilen. Ich wäre sehr dankbar dafür, wenn ich meine Entscheidung am 27. September auch auf wirklichen Inhalten begründen könnte.

Die Frau Schmidt, die Frau Schmidt und ihr Dienstwagen. Entschuldigung, auch wenn ich mir jetzt damit Feinde mache so etwas bezeichne ich als Wohlstandsdiskussion. Woanders verschwinden Millionen und Milliarden in Haushalts- und sonstigen Löchern und wir können uns zwei, drei, vier Wochen und länger (erst heute wieder ein Artikel in der F.A.S) über einen Dienstwagen und eine Reise nach Spanien, die inklusive Chaffeurgehältern und Benzin 5.000 Euro gekostet hat, aufregen? Ich geb ja zu, dass das – wenn auch erwiesenermaßen rechtlich korrekt – vielleicht politisch nicht sehr klug war, diese Reise. Das darf und sollte man auch artikulieren, aber MUSS man das über Wochen und Monate zu einer Affäre aufbauschen, um zu zeigen, wie böse Politiker im Allgemeinen und im Speziellen doch sind?

Leute, das mag ja alles so sein, das geb ich ja zu, aber echt ma! Ich KANN es nicht mehr hören! Ich weiß, Ihr lieben Kritiker, dass Ihr alle ganz ganz wahnsinnig schlaue und gebildete Menschen seid, aber dann macht es doch einfach besser! Ich würde vorschlagen, jeder der was zu meckern hat, wird ab sofort verpflichtet, mindestens zwei Alternativvorschläge zu machen, wie man es besser machen kann, ja? Oder noch besser, derjenige soll gleich selber zum Fernsehen gehen und es besser machen, statt nur seine wahnsinnig schlauen Gedanken herauszuposaunen und so sein Ego aufzupolieren.Vom Reden alleine wird es nämlich einfach nicht besser, das war so, das ist so und das wird immer so sein.

Wenn wir es ab heute so machen, dass jeder, das was zu meckern hat, es direkt danach besser macht und den anderen zeigt, wie man es besser machen kann, dann würde Deutschland im nächsten Jahr ein neues Wirtschaftswunder erleben, das garantiere ich!

Ansonsten gilt: Einfach mal gepflegt die Klappe halten, wenn man selber nichts Sinnvolles dazu beitragen kann.

Kinderzirkus

Vor anderthalb Jahren veranstaltete ich zu meinem Geburtstag eine Spendenaktion und die Spenden gingen komplett an den Internationalen Kinderzirkus Trau Dich.

Jetzt habe ich leider lange nichts mehr von dem Projekt gehört, ich war ja auch selbst sehr mit meinem Uniabschluss beschäftigt und wollte daher das Sommerfest des Kinderzirkus am kommenden Samstag in der St. Matthäuskirche am Sendlinger Tor als Gelegenheit nutzen, mal wieder dort vorbeizuschauen und zu sehen, wie es dem Verein geht. Und weil der Kinderzirkus ein wirkliche tolles Projekt von einem tollen Verein ist, der sich sehr um das Miteinander von Deutschen und Ausländern bemüht und auch z.B. in Asylantenheime geht, um die Leute dort mit etwas Zirkus von ihrem schwierigen Alltag abzulenken, darf ich gleich mal – ausnahmsweise in diesem Blog – die Werbetrommel rühren: Falls jemand aus München und Umgebung nächsten Samstag noch nichts vor hat, kommet alle zahlreich und in Scharen. Es lohnt sich wirklich sehr! Die Vorführungen der Kinder waren jedenfalls immer weltklasse, kunterbunt und wahnsinnig kreativ.

Achtung: Karten reservieren! (Steht ebanfalls auf der Homepage). Erfahrungsgemäß herrscht immer ein enormer Andrang. 🙂

Meine Generation im Kleinen

Noch ein kleiner Nachtrag zu diesen beiden Artikeln, denen ich im Grunde genommen beiden sehr zustimme.

Ich habe mich nach der Lektüre des Spiegelartikels über die Generation 20-35 selber gefragt, was wohl die Gründe dafür sind, dass wir angeblich so egoistisch und unpolitisch sind und habe dabei für mich vielleicht folgende Erkärung gefunden: Wir haben hier in Bloggerhausen schon öfters (ich kann mich z.B. sehr gut an einen Beitrag von Frau Ami erinnern) darüber diskutiert, dass diese Welt so global und kompliziert, so verstrickt und verwirbelt mit all ihren Krisen und Zusammenhängen geworden ist, dass es einfach wahnsinnig schwer ist, da noch durchzusteigen und dann auch selber aktiv zu werden. Was kann ich hier tun, wenn in China ein Sack mit Reis umfällt? „Lohnt“ es sich überhaupt zu kämpfen, dass der Sack Reis in China nicht umfällt oder hätte das womöglich wiederum Konsequenzen für mein eigenes Leben. Mir persönlich geht es da nicht anders als in dem Spiegelartikel beschrieben. Erst neulich habe ich mit meiner Mutter darüber diskutiert, dass ich mich eigentlich eher als passive politische Person sehe. Beobachten tu ich durchaus, auch sehr genau, das ist für mich eine Art Bürgerpflicht, aber für mich persönlich macht politische Arbeit keinen Sinn, ich wüsste nicht, wo ich ansetzen sollte und für welche Ideale ich kämpfen würde. Das finde ich aber (noch) nicht schlimm, klar habe ich gewisse Ideale, da ich aber selber noch dabei bin, mein Leben zu strukturieren und in feste Bahnen zu lenken und so plötzlich von einem Tag auf den anderen alles ganz anders sein kann, können sich diese Ideale auch noch verschieben.

Gleichzeitig aber, dieser eine Aspekt wird in dem Artikel im Spiegel sehr ausser Acht gelassen, habe ich erst neulich einen Artikel darüber gelesen, dass z.B. das Ehrenamt derzeit einen ganz neuen Höhenflug erlebt. Ich kenne sehr viele Leute, die sich ehrenamtlich in der Nachbarschaft, in sozialen Vereinen oder in ihrer Stadt für soziale Projekte engagieren, um diese Welt ein kleines Stückchen besser zu machen. (Ich hab neulich übrigens ein tolles neues Projekt aufgetan, wo ich wohl demnächst Kontakt mit den Initiatoren aufnehmen werde, das ist aber ein anderes Thema. 😉 ) Sind wir also egoistischer, weil wir uns für das örtliche Behindertenzentrum oder für bessere Integration einsetzen als die 68er, die für Feminismus auf die Straße gegangen sind? In dem Spiegelartikel wurde geschrieben, dass unsere Generation zu angepasst ist, dass es nichts mehr gibt, wofür wir uns auflehnen, weil wir eh in Wohlstand großgeworden sind. Ist politisches Engagement und der Kampf für Ideale immer mit Kampf, Demonstrationen und grooooßen Studentenbewegungen verbunden? Gibt es nicht auch andere Mittel und Wege seine Meinung kundzutun, wie z.B. diesen, den viele Menschen in meinem Alter gehen: Wenn ich in diesen ganzen Wirrwarr der Welt mit ihrer Globalisierung und ihren ganzen Vernetzungen keinen Punkt für mich sehe, wo ich ansetzen kann und für meine Ideale kämpfen kann, dann fange ich in meinem Alltag an, bei den Menschen in meinem Viertel, die mich umgeben und mit denen ich zusammenlebe, wo ich tagtäglich Punkte sehe, an denen ich meinen Hebel ansetzen und die Welt „aus den Angeln heben“ kann. Im Kleinen zwar, aber auch das Kleine kann mal etwas ganz Großes werden.

Was also, wenn wir uns ersteinmal im Kleinen gegen soziale Ungerechtigkeit auflehnen und versuchen, diese Welt hier bei uns ein bisschen besser und lebenswerter zu machen? Was, wenn wir einfach bei uns und bei den Menschen, deren Leid wir tagtäglich miterleben, anfangen?

Müssen es immer die „großen“ Ideale sein, damit man auch ja bemerkt wird?