Man kann…

Man kann einen Tag über Monate hinweg herbeisehnen und wenn er da ist, doch heulen wie ein Schlosshund.

Man kann über Wochen hinweg die Tage und Stunden bis zum Ende, bis zum so sehr benötigten Urlaub zählen und dann doch am letzten Arbeitstag vor Abschiedswehmut alles extra langsam machen um nur ja dieses letzte „hinter sich die Türe zumachen“ noch ein halbes Stündchen hinauszuzögern. Und noch eines. Und noch eines. Und noch ein wenig…

Man kann Urlaubspläne schmieden noch und nöcher und sich freuen wie Bolle, denn so einen langen Urlaub gab’s seit 2010 nicht mehr, und dann doch am letzten Tag so aufgewühlt und verwirrt sein, dass man nichts mehr auf die Reihe bekommt.

Man kann sich wochenlang über Dinge aufregen, die nicht funktionieren, über Hackordnungen und Bürotratsch, und dann doch beim Abschied von all der Wärme, Herzlichkeit und Anerkennung so überwältigt sein, dass man kaum ein Wort herausbekommt und auch noch vergisst, der Lieblingskollegin seine Schulden zurückzuzahlen.

Also ich zumindest kann das.

(Gefühlschaos total hier. Aber jetzt hab ich ja Urlaub.)

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Arbeitsteilung

Ich liebe es in einem Großkonzern zu arbeiten, wirklich. Ich hatte schon seit einiger Zeit meine Zweifel, was Großkonzerne nichts mehr mit Effizienz zu tun haben. Effizienz wäre dann, wenn mein Chef aus der Fachabteilung eine Stellenausschreibung bekommt, diese dann an mich weiterleitet, ich die Anzeige an die Agentur formuliere und schicke und dann letztendlich doch wieder die Fachabteilung bitten muss, die Anzeige freizugeben? Vier Arbeitsschritte, vier Emails, wo eine oder zwei doch eigentlich reichen würden, oder? Spezialisierung hin oder her.

Aber gut, gestern jedenfalls hab ich einen neuen Hohepunkt von Effizienz erlebt: Eine Kollegin aus Berlin schickte mir per Mail mehrere Dokumente, damit ich sie ausdrucke und per Post zurück an sie nach Berlin zum Unterschreiben schicke. Zunächst dachte ich ja, es handelt sich um eine Flut von Verträgen und Briefen, letzten Endes war ich aber dann ganze 10 (in Worten: zehn) Minuten mit Drucken beschäftigt. Ich find’s klasse. 😉

Allerdings stellt sich mir jetzt die Frage, ob die in Berlin keine Drucker haben…

Die magische Grenze

Memo an mich: Halte Dich niemals und unter keinen Umständen nach 16 Uhr noch im Bürogebäude auf. Sei lieber ein fleissiger Mensch, der Punkt 8 Uhr früh am Schreibtisch sitzt, aber halte Dich nicht nach Ablauf der 8 Stunden, also nach 16 Uhr im Bürogebäude auf.

Es gibt nämlich scheinbar eine magische Grenze um 15.59 Uhr, vor Erreichen derer es ein Leichtes ist, seine Arbeit zu beenden, den Schreibtisch aufzuräumen, PC runterzufahren und das Büro zu verlassen. Bleibst Du jedoch aufgrund guter Vorsätze oder gesteigertem Arbeitsaufkommens länger als 16.01 Uhr, so kann es Dir locker passieren, dass Du vor 18.00 Uhr oder 18.30 Uhr die Bürotüre nicht mehr zu Gesicht bekommst und Glück hast, wenn Du noch schnell wenigstens Deine Arbeitszeiten im System eingeben kannst, bevor Du zur Sbahn sprintest. Es ist inzwischen nämlich wissenschaftlich bewiesen, dass es irgendein Arbeitsloch gibt, das sich nach Überwindung der magischen Zeitgrenze Punkt 16.01 Uhr öffnet und Dich mit „Könntest Du noch…“, „Das muss uuuunbedingt noch…“ oder „Kannst Du nicht gerade noch schnell…?“ überschwemmt. Längst im Gewirr der Büroflure verloren geglaubte Kollegen und Chefs sind ebenfalls wie von Zauberhand plötzlich wieder ansprechbar und somit auch wieder in der Lage Dir in ausreichendem Maße Aufgaben zuzuweisen und urplötzlich fallen ihnen auch wieder unglaublich wichtige Dinge ein, die sie eigentlich schon letzte Woche mit Dir besprechen wollten…

Sei schlau und verlasse das Kampfgelände,  solange Du noch kannst. Und zwar vor 15.59 Uhr!

😉

Hummeln im Hintern.

Ich bin zur Zeit ein wenig ungeduldig. Ich so möchte gerne so viele Dinge tun. Eigentlich – um genau zu sein – ich möchte alles tun. Alles, gleichzeitig und jetzt sofort.

Meine Arbeit ist nett, manchmal allerdings, sowie die letzten zwei Wochen, wenn mein Chef im Urlaub ist, ist sehr wenig zu tun und das Ganze hat einen Touch von Zeit-Absitzen-und-alle-fünf-Minuten-verzweifelt-auf-die-Uhr-schauen. (Zu-)Viel Zeit also zum Nachdenken, während ich darauf warte, dass irgendjemand etwas für mich zu tun hat. Ich aber wüsste tausend Möglichkeiten, wie ich diese Zeit sinnvoll nutzen könnte. Mein Kopf steckt voller Ideen und Pläne, leider scheint das meiste davon in naher Zukunft nicht so leicht realisierbar.

Ich würde zu gerne die Näherei etwas ausbauen. Ein eigenes kleines Onlinelädchen in das ich dann und wann wenn ch Lust habe ein wenig Handgemachtes und liebevoll verziertes Schnickeldi stellen kann, das wäre fein. Schliesslich habe ich in letzter Zeit – nicht ohne ein wenig stolz zu sein – ständig zu hören bekommen: „Wow, Deine Näherei ist toll. Da musst Du etwas draus machen.“ Das Problem, Nähen klappt ganz schlecht unter Stress. Ich mag es nicht, wenn es zum „Zwang“ wird, wenn ich von der Arbeit nach Hause eile, um möglichst heute noch 2 3 4 5 10 Buchhüllen fertigzustellen. Ich mag allgemein Dinge nicht, die vom Spass zum Zwang werden. Also bleibt die Näherei hauptsächlich aufs Wochenende beschränkt und geht dementsprechend langsam voran, während ich im Urlaub schon wieder neue Stöffchen geshoppt habe und in meinem Kopf die Ideen für Stifteetuis, Tatütas, Brotkörbe, E-Book-Hüllen, Krimskramskörbchen, Sorgenfresserchen, Taschen und Täschchen, Röckelchen usw. usf. langsam explodieren.

Ich würde gerne (wieder) etwas (mehr) Sprachwissenschaft betreiben. Das klingt jetzt vielleicht etwas verrückt. Nicht, dass ich mit meinem jetztigen Studium nicht zufrieden wäre und einer nicht existenten Wissenschaftlerkarriere hinterhertrauern würde. Das ist es nicht. Vielmehr hatte ich mir mit dem Ende des Studiums geschworen, dass selbst wenn meine Wege einfach in Zukunft in andere Richtungen verlaufen sollte, dass ich doch nicht komplett einrosten möchte. Es war so eine Art Versprechen an mich selber. Dafür habe ich dieses Studium doch zu sehr geliebt, als dass ich wie in der Schule einfach mit dem Abschlusszeugnis in den Händen alles vergessen könnte und wollte. Und ein wenig Fortbildung in Form von Sprachkursen geht ja immer, dachte ich damals. Aber im Alltag ist es eben doch immer etwas anderes: Man vergisst so schnell und doch denke ich mir immer wieder, dass in diesem Fall das Vergessen doch mehr als jammerschade wäre, schliesslich war ich gar nicht so schlecht. 😉 Mal wieder ein linguistisches Buch lesen, der hier steht ziemlich weit oben auf der Wunschliste. Noch idealer wäre so ein kleines Projektlein, das man mal nebenbei machen kann. So wie zum Beispiel dieses Dialekteprojekt vor anderthalb Jahren. Das war interessant, aber doch nicht so viel Arbeit, dass man es nicht auch neben Job und Studium erledigen könnte. Leider sind solche „Projektelchen“ für Möchtegerne-Wissenschaftler 😉 eben noch dünner gesät als „richtige“, grosse Forschungsprojekte, die Chancen also mehr als gering nichtig. Nun ja, vielleicht reicht die Zeit ja bald mal wieder für einen sprachwissenschaftlichen Blogartikel…

Ich würde gerne übersetzen. Auch das klingt vielleicht verrückt. Letztes Jahr habe ich mich für eine Übersetzerschule in Helsinki beworben, wurde aber leider nicht genommen. Dieses Jahr gibt es meines Wissens keine Angebote für Übersetzerschulen. Dabei wäre Übersetzen etwas sehr Geniales, Kreatives, womit ich mir womöglich auch später mein (mageres ;))) ) Sozialpädagogengehalt je nach Bedarf, Zeit und Kapazitäten aufstocken könnte. Und es würde helfen, weiterhin auf Finnisch fit zu bleiben. Man verblödet doch schneller als gedacht zwischen Personalstatistiken und Kopierern. 😉 Leider aber bin ich (noch) keine Übersetzerin und das ist ja nunmal auch keine leichte Branche. Man muss meines Wissens allein schon extrem viel Vorarbeit leisten, um überhaupt von einem Verleger angehört zu werden. Und ob es dann als kleiner Fisch im grossen Schwarm Aufträge gibt, bleibt fraglich. Aber schön wäre es eben und auch praktisch. Alternativ ginge auch etwas mehr Sprachunterricht, auch das hilft erstaunlich gut, fit in der Fremdsprache zu bleiben. Schüler können Fragen stellen, das können Sie Sich nicht vorstellen. 😉

Last but not least, ich würde natürlich wie eh und je gerne noch hunderttausend Sprachen mehr lernen. Momentan ist es ja Arabisch, aber wie gerne und wie dringlich würde ich endlich einmal mein mageres Russisch und mein Türkisch, das ich letztes Jahr aus Zeitmangel aufgegeben habe, etwas aus- und aufbauen. (Was ja nebenbei bemerkt wiederum unter Umständen als Sozialarbeiterin auch weiterhelfen würde, so von wegen Zusatzqualifikationen!)

So viele Ideen, so viele Pläne, so viele Möglichkeiten, so viel „könnte“, so viel „wollte“ und so viel zu tun, dass ich gar nicht weiss, wo ich anfangen soll und leider gibt es auch dieses Jahr immer noch keinen 48-Stunden-Tag. So langsam verzweifele ich. 😉

Aber nächste Woche fängt ja schon wieder die Uni an, ab dann werde ich bis Mitte Juli garantiert wieder (wieder?!?) genug zu tun haben und das Problem löst sich komplett in Luft Wohlgefallen auf. Und eigentlich, also ganz eigentlich tief innen drinnen, wird mir momentan immer noch öfters mal alles zuviel und ich sehne mich nach mindestens zwei Wochen nur Ruhe, auf irgendeinem abgelegenen Berg, wo ich nichts hören und nichts sehen muss.

Kein „müsste“, kein „sollte“, kein „könnte“ und auch kein „wollte“.

Call me schizo-Ansku. 😉

5 – 4 – 3 – 2 – 1 – 0

Noch 5, noch 4, noch 3, noch 2, noch 1… und plötzlich ist Urlaub.

Der Urlaub wird trotz aller guten Vorschläge ein Heimaturlaub. Ich habe mir fest vorgenommen alle fünfe gerade sein zu lassen, alle viere von mir zu strecken und nichts zu tun ausser ein nettes Dreierlei aus Schlafen, Essen, Greys Lesen. Vermutlich erwarten mich nächste Woche erstens meine Nähmaschine, zweitens ein stürmischer und ein hitziger Besuch 😉 und drittens noch ein paar weitere liebe Freunde, sonst nichts. Ich finde aber, das reicht vollkommen für einen gelungenen Urlaub. Der letzte Urlaub war im September, ich muss also erstmal wieder üben, wie das geht, Urlaub. 😉 Aber ich freue mich darauf und probehalber bin ich vorhin auf dem Heimweg vom Büro schonmal ein paar Schritte gehüpft vor Freude. Bei Helligkeit aus dem Büro kommen, Sonnenschein, ein unverschämt gutes Schokocroissant vom Lieblingsbäcker und die Aussicht auf eine Woche nur Zeit, soviel Glück hält doch kein Mensch aus.

Frühförderung

Ich arbeite ja in „MediaCity“, dort wo sich eine Reihe bekannter und unbekannter TV- und sonstige Medienfirmen angesammelt und breitgemacht haben. Auf dem Weg zur Arbeit laufe ich zur Zeit jeden Morgen an einem Betriebskindergarten vorbei. Mitte der Woche aber hatte ich lieben Übernachtungsbesuch aus Hamburg und war deshalb auch am darauffolgenden Morgen erst nachdem ich den lieben Besuch mit Frühstück und Reiseproviant versorg und in den Bus zum Bahnhof gesetzt hatte später spät gegen Mittag im Büro.

Ich lief also bei strahlendem Sonnenschein wie gewohnt an dem Kindergarten vorbei, und bemerkte erfreut, dass die Kindergartenkinder heute draussen spielen. Doch irgendetwas an der Szene war irritierend. Ich blieb kurz stehen und betrachtet das faszinierende Bild, das sich mir bot:

Unten spielten die Kinder im Sandkasten und über ihnen am Gebäude pragt gross, rot und weithin sichtbar das Logo eines bekannten deutschen Fernsehsenders.

Das nennt sich dann wohl auch Frühförderung? 😉 Betriebskindergärten sind was faszinierendes.

Projekt: Ich will auch Urlaub

Mein Job ist super, das sagt ich bereits einige Male und ich kann nicht gerade behaupten, dass ich mich überarbeiten würde. Heute jedoch bekam ich eine Email einer bekannten Jobvermittlung für Studenten, diesmal allerdings auf der Arbeitgeberseite. Dort hiess es, dass ab nächster Woche alle Studenten Semesterferien haben und daher bis Mitte April voll arbeiten dürfen. Den Arbeitgebern wurde daher ans Herz gelegt, doch schleunigst noch ihre Studentenjobs für Projektarbeit, Urlaubsjobs und Vollzeit-Arbeitskräfte zu inserieren.

Ich musste etwas höhnisch lachen, arbeite ich doch nun schon seit zwei Wochen voll und meine Semester“ferien“ enden nicht Mitte April, sondern bereits am 15. März. Am Dienstag vor zwei Wochen die letzte Klausur, ab Mittwoch voll ran und seitdem begebe ich mich jeden Tag wie ein braver Arbeitnehmer acht Stunden auf Maloche. Und das war vielleicht nicht die allerbeste Idee, denn langsam aber sicher merke ich doch, wie meine Kräfte sich dem Ende neigen. Obwohl ich ganz normal und weitestgehend ohne Stress und Termindruck meine Arbeit erledige, werde ich von Tag zu Tag müder, lustloser und gereizter. Gerade eben noch erholt vom Wochenende, fühle ich mich jetzt schon am Dienstag abend komplett erledigt und zähle die Tage, nein die verbleibenden (Arbeits-)Stunden bis zum Freitag. Obwohl das Pensum dieser beiden Tage mich wohl unter „normalen“ Umstände nicht einmal ein Schulterzucken gejuckt hätte. Und obwohl ich letzte Nacht von 22.30 Uhr bis 7.00 Uhr wie ein Steinchen durchgeschlafen habe.

Studium und Arbeit funktioniert im Grunde genommen ja unerwartet gut, ich hatte mir es stressiger vorgestellt. Und ich möchte es um nichts missen oder tauschen. Vermutlich rettet mich momentan, dass ich – auch aufgrund der örtlichen Distanzen – fast immer an einem Tag ENTWEDER arbeiten ODER in die Uni gehe. Es gibt kein Hin- und Hergerenne zwischen Arbeitsplatz und Hörsaal. Dennoch verlangt mir auch diese Methode viel ab, vor allem Organisation. Ich muss genau wissen an welchem Tag ich was erledige, ich kann nicht mal eben in die Uni hüpfen, um noch hier ein Buch zu holen oder dort mit Komilitonen ein Projekt zu planen. Ich bin also ständig am Überlegen und Organisieren.

Wenn ich das noch von Mitte März bis Mitte Juli durchhalten will, muss ich wohl oder übel etwas tun. Der letzte Urlaub war im September, in den Weihnachts“ferien“ habe ich für Klausuren gelernt und das Sommersemester fängt bereits in fünf Wochen an, höchste Zeit also für eine kleine Pause und etwas durchschnaufen. Packen wir’s an:

Punkt 1: Chef um Urlaub anbetteln: Erfolgreich 28.2. – 4.3. Check √
Punkt 2: Urlaub offiziell beantragen: Muss ich nicht √
Punkt 3: Frage beantworten: Verreisen oder die Woche einfach nur entaspannt verschlafen?
Punkt 4: Frage beantworten: Wenn verreisen, dann wohin????
Punkt 5: sich freuen. Check √

Seien Sie gespannt, wie das Projekt weitergeht. 😉