Home and happy

Voller Eindrücke, Bilder, Emotionen, Menschen, Gewusel und hach überhaupt so vieles hat mich seit gestern abend die „Zivilisation“ wieder. Dieses Thailand, das ist schon irgendwie was. Schön war’s, spannend, interessant, bereichernd, unglaublich, lecker, erkenntnisreich, beeindruckend, faszinierend, farbenfroh, aber auch anstrengend, laut und hektisch.

Wieder in der Zivilisation hat es 19 Grad und regnet, ich bin seit 9:53 Uhr wach – also 9:53 Uhr thailändischer Zeit, hier war es dann doch eher 4:53 Uhr. (Die Bäckersfrau staunte nicht schlecht, also ich um 7:30 Uhr nach einem Regenspaziergang ihren Laden betrat, um einen Cappucino zu schlürfen, weil ich erst um 9 Uhr bei meinen Eltern zum Frühstück eingeladen war: „Naja, sonst kommen Sie ja schon immer etwas später.“). Generell gesehen aber ist so ein Regentag doch ziemlich gut, um einen Jetlag auszukurieren, viel Zeit um zu erzählen, zu verarbeiten und zu sortieren. Bilder, Eindrücke und Emotionen.

Das kann noch etwas dauern, ich hoffe, Sie haben so lange Geduld mit mir? Stay tuned!

 

Advertisements

Hummeln im Hintern.

Ich bin zur Zeit ein wenig ungeduldig. Ich so möchte gerne so viele Dinge tun. Eigentlich – um genau zu sein – ich möchte alles tun. Alles, gleichzeitig und jetzt sofort.

Meine Arbeit ist nett, manchmal allerdings, sowie die letzten zwei Wochen, wenn mein Chef im Urlaub ist, ist sehr wenig zu tun und das Ganze hat einen Touch von Zeit-Absitzen-und-alle-fünf-Minuten-verzweifelt-auf-die-Uhr-schauen. (Zu-)Viel Zeit also zum Nachdenken, während ich darauf warte, dass irgendjemand etwas für mich zu tun hat. Ich aber wüsste tausend Möglichkeiten, wie ich diese Zeit sinnvoll nutzen könnte. Mein Kopf steckt voller Ideen und Pläne, leider scheint das meiste davon in naher Zukunft nicht so leicht realisierbar.

Ich würde zu gerne die Näherei etwas ausbauen. Ein eigenes kleines Onlinelädchen in das ich dann und wann wenn ch Lust habe ein wenig Handgemachtes und liebevoll verziertes Schnickeldi stellen kann, das wäre fein. Schliesslich habe ich in letzter Zeit – nicht ohne ein wenig stolz zu sein – ständig zu hören bekommen: „Wow, Deine Näherei ist toll. Da musst Du etwas draus machen.“ Das Problem, Nähen klappt ganz schlecht unter Stress. Ich mag es nicht, wenn es zum „Zwang“ wird, wenn ich von der Arbeit nach Hause eile, um möglichst heute noch 2 3 4 5 10 Buchhüllen fertigzustellen. Ich mag allgemein Dinge nicht, die vom Spass zum Zwang werden. Also bleibt die Näherei hauptsächlich aufs Wochenende beschränkt und geht dementsprechend langsam voran, während ich im Urlaub schon wieder neue Stöffchen geshoppt habe und in meinem Kopf die Ideen für Stifteetuis, Tatütas, Brotkörbe, E-Book-Hüllen, Krimskramskörbchen, Sorgenfresserchen, Taschen und Täschchen, Röckelchen usw. usf. langsam explodieren.

Ich würde gerne (wieder) etwas (mehr) Sprachwissenschaft betreiben. Das klingt jetzt vielleicht etwas verrückt. Nicht, dass ich mit meinem jetztigen Studium nicht zufrieden wäre und einer nicht existenten Wissenschaftlerkarriere hinterhertrauern würde. Das ist es nicht. Vielmehr hatte ich mir mit dem Ende des Studiums geschworen, dass selbst wenn meine Wege einfach in Zukunft in andere Richtungen verlaufen sollte, dass ich doch nicht komplett einrosten möchte. Es war so eine Art Versprechen an mich selber. Dafür habe ich dieses Studium doch zu sehr geliebt, als dass ich wie in der Schule einfach mit dem Abschlusszeugnis in den Händen alles vergessen könnte und wollte. Und ein wenig Fortbildung in Form von Sprachkursen geht ja immer, dachte ich damals. Aber im Alltag ist es eben doch immer etwas anderes: Man vergisst so schnell und doch denke ich mir immer wieder, dass in diesem Fall das Vergessen doch mehr als jammerschade wäre, schliesslich war ich gar nicht so schlecht. 😉 Mal wieder ein linguistisches Buch lesen, der hier steht ziemlich weit oben auf der Wunschliste. Noch idealer wäre so ein kleines Projektlein, das man mal nebenbei machen kann. So wie zum Beispiel dieses Dialekteprojekt vor anderthalb Jahren. Das war interessant, aber doch nicht so viel Arbeit, dass man es nicht auch neben Job und Studium erledigen könnte. Leider sind solche „Projektelchen“ für Möchtegerne-Wissenschaftler 😉 eben noch dünner gesät als „richtige“, grosse Forschungsprojekte, die Chancen also mehr als gering nichtig. Nun ja, vielleicht reicht die Zeit ja bald mal wieder für einen sprachwissenschaftlichen Blogartikel…

Ich würde gerne übersetzen. Auch das klingt vielleicht verrückt. Letztes Jahr habe ich mich für eine Übersetzerschule in Helsinki beworben, wurde aber leider nicht genommen. Dieses Jahr gibt es meines Wissens keine Angebote für Übersetzerschulen. Dabei wäre Übersetzen etwas sehr Geniales, Kreatives, womit ich mir womöglich auch später mein (mageres ;))) ) Sozialpädagogengehalt je nach Bedarf, Zeit und Kapazitäten aufstocken könnte. Und es würde helfen, weiterhin auf Finnisch fit zu bleiben. Man verblödet doch schneller als gedacht zwischen Personalstatistiken und Kopierern. 😉 Leider aber bin ich (noch) keine Übersetzerin und das ist ja nunmal auch keine leichte Branche. Man muss meines Wissens allein schon extrem viel Vorarbeit leisten, um überhaupt von einem Verleger angehört zu werden. Und ob es dann als kleiner Fisch im grossen Schwarm Aufträge gibt, bleibt fraglich. Aber schön wäre es eben und auch praktisch. Alternativ ginge auch etwas mehr Sprachunterricht, auch das hilft erstaunlich gut, fit in der Fremdsprache zu bleiben. Schüler können Fragen stellen, das können Sie Sich nicht vorstellen. 😉

Last but not least, ich würde natürlich wie eh und je gerne noch hunderttausend Sprachen mehr lernen. Momentan ist es ja Arabisch, aber wie gerne und wie dringlich würde ich endlich einmal mein mageres Russisch und mein Türkisch, das ich letztes Jahr aus Zeitmangel aufgegeben habe, etwas aus- und aufbauen. (Was ja nebenbei bemerkt wiederum unter Umständen als Sozialarbeiterin auch weiterhelfen würde, so von wegen Zusatzqualifikationen!)

So viele Ideen, so viele Pläne, so viele Möglichkeiten, so viel „könnte“, so viel „wollte“ und so viel zu tun, dass ich gar nicht weiss, wo ich anfangen soll und leider gibt es auch dieses Jahr immer noch keinen 48-Stunden-Tag. So langsam verzweifele ich. 😉

Aber nächste Woche fängt ja schon wieder die Uni an, ab dann werde ich bis Mitte Juli garantiert wieder (wieder?!?) genug zu tun haben und das Problem löst sich komplett in Luft Wohlgefallen auf. Und eigentlich, also ganz eigentlich tief innen drinnen, wird mir momentan immer noch öfters mal alles zuviel und ich sehne mich nach mindestens zwei Wochen nur Ruhe, auf irgendeinem abgelegenen Berg, wo ich nichts hören und nichts sehen muss.

Kein „müsste“, kein „sollte“, kein „könnte“ und auch kein „wollte“.

Call me schizo-Ansku. 😉

Aber

…. lasset nun die Bilder sprechen. Ich hoffe, Sie sitzen bequem, es geht auf einen kleinen Ausflug an den Lago di Garda, von hier aus etwa in vier Stunden erreichbar.

Lago1

Papa könnte mal wieder sein Auto waschen. Hinter der Fensterblume sieht man aber schon Italien vorbeirauschen und uns aufs Urlaubsziel zubrausen.

Lago2

Da.

Lago3

Nochmal da, nur der Blick nach rechts.

Lago4

Durch die Olivenhaine zur sehnsüchtige erwarteten ersten Pizza/ Spaghetti/ Insalata di polpo.

Lago6

Abendessen mit Zwerg, auf italienisch nono. Also zumindest hiess das Restaurant irgendwas mit nono und auf den Tischen standen überall diese Zwerge, daraus habe ich messerscharf kombiniert, dass nono Zwerg heisst.

Lago7

Während die Männer des Hauses sich in die hohe Kunst des Motorbootfahrens einweisen lassen, photografiere ich neben dem Büro. Natürlich Botanik.

Lago8

Böötchen fahren. Sagte ich nicht „über mir der blaue Himmel, unter mir das blaue Wasser und neben, hinter mir, vor mir und überhaupt überall auch Wasser? Hier ist der Beweis. Die dahinter dämlich-glückseelig grinsende Ansku müssen Sie sich jetzt so vorstellen.

Lago9

Ein castello auf der Insel

Lago10

und nach der wilden Fahrt ein Sprizz

Lago11

… im Hafen.

Lago12

Lago13

Lago14

Grob geschätzt 258,359 Aufnahmen vom Hafen bei Abend, aus Platzmangel trotzdem nur diese eine. 😉

Lago15

[KLICK MICH!]

Das Dörfchen oben auf dem Berg war so hübsch herausgeputzt, weil gerade irgendein Fest zu Ehren des San Bernardo oder wer-auch-immer war. Abends gab es dann immer Musik, teilweise sogar hörbar.

Lago17

Falls Sie gestatten, noch mehr Botanik.

Und weil man ja immer die Kamera genau dann nicht dabei hat, wenn es richtig interessant wird, habe ich heute leider kein Photo von Sirmione für Sie. Aber ich muss da sowieso nochmal hin, nur um zu photografieren, so schön ist es da. Nur für meinen Geschmack einen kleinen Hauch zu turistisch, aber trotzdem sehr schön.

Lago18

Das war auf der Heimfahrt, irgendwo in Südtirol. Mich fasziniert die Kombination von Bergen und Palmen. Ein Italiener würde darüber vermutlich milde lächeln, ich frag mich, wie die Palme im Winter einen Wintermantel anzieht.

Und falls Ihnen das jetzt zu kurz und irgendwie zu wenig war, so kann ich ihnen vollen Herzens versichern: Mir auch.

Herzlichen Dank!

Sie sind wirklich phantastisch, alle und so unglaublich, wie Sie mich immer wieder zum Schmunzeln, wenn nicht sogar zum Grinsen bringen! Vielen herzlichen Dank für all die lieben Kommentare und Glückwünsche zum Bloggeburtstag!!! Wenn ich mal wieder einen Blogsitter brauche, Sie sind alle miteinander engagiert. Das war so nett, gestern abend heimzukommen und alle diese wunderbaren Kommentare zu lesen und ja, ich schäme mich sehr, am 20.08. im Urlaub gewesen zu sein und diesen armen Blog so verlassen zu haben. Und dann noch nicht einmal eine einzige Postkarte geschrieben zu haben, da muss ich mich gleich nochmal schämen, aber ich war zu faul beschäftigt. Aber eigentlich war der Urlaub ja sowieso viel zu kurz um alles zu erledigen, was man im Urlaub so erledigen muss : faullenzen, lesen, Sightseeing, tonnenweise Eis essen…

Ein bisschen was von allem hab ich trotzdem geschafft, immer mit einem locker-leckeren Sprizz dabei und wir haben es sehr sehr genossen, wenigstens noch drei Tage Sommer in diesem Jahr erleben zu dürfen. (Anm. d. Red.: Die Münchner hier wissen, wovon ich rede.) Nach soundsovielen Jahren Finnland hab ich auch zugegebenermaßen die mediterrane Abwechslung mehr als genossen: Die Palmen, die Pools und Gärten, die Hitze, die lauten Straßen, die quirligen Menschen, die Märkte, den Hafen, das dolce vita, alles.

Eines der (vielen) Highlights war das Bööööötchen fahren auf dem Lago, wir haben uns einen Nachmittag ein Motorboot ausgeliehen und hui, das hatte schon einen Hauch von pimperish! Easy-peasy da über die Wellen des Lago zu jetten, hier mal einen Hafen zu bestaunen und dort mal ein bisserl vor Anker und kurz baden zu gehen. Hätte Frau Klum diese Woche eines ihrer berühmten Photos für mich gehabt, es hätte eine reichlich dämlich grinsende Ansku gezeigt, die verzückt in Endlosschleife „Aaah“ und „Oooh“ und „Da! Da! Schaumalda!“ brüllt und sich kaum einkriegen kann vor Spaß.  Das bisher gut geheimgehaltene Luxusweib in mir hat dafür auch tapfer jedes Anzeichen aufkommender Übelkeit runtergeschluckt war total aus dem Häuschen, als wir da so über die Wellen brausten, über mir der strahlend blaue Himmel, unter mir das strahlend blaue Wasser, vor mir der See und hinter mir, neben mir und um mich herum die Gischt. Einzig der Schampus hat gefehlt, aber das war wohl ganz gut so.

Auch wenn ich es immer noch für ein böses Versehen (wahlweise auch einen schlechten Traum) halte, dass wir nach drei Tagen Sommer die Autobahn Richtung Norden genommen haben und nicht die Gegenrichtung und ich jetzt auf unerklärlichen Wegen wieder hier zu Hause gelandet bin, ab jetzt scheint wieder Alltag angesagt zu sein und somit werde ich mich als erstes darum bemühen müssen, diesen vernachlässigten und verwaisten Blog (Jajaja, Frau Schussel & Frau Tunisianna…) mit Inhalten zu befüllen.

Und bedauerlicherweise hatte eben auch Frau Klum kein Photo für mich, die sind alle in meiner Kamera und warten dringend darauf, gesichtet zu werden.

Dinge, die Frau Ansku auf Reisen unbedingt gemacht haben muss

Im Laufe der Zeit hat sich so einiges zusammengefunden, was irgendwie immer mehr unerlässlicher Teil jeder Reise wird. Gleichzeitig finde ich das alles sehr schöne Traditionen und Erinnerungen, weil es doch irgendwie in jedem Land/ jeder Stadt das dort herrschende Lebensgefühl aufsaugt und ein Stück davon mit nach Hause nehmen lässt.

* Eine Zeitung kaufen oder in der U-Bahn mitnehmen

(Ich habe inzwischen eine Metro auf finnisch, eine auf ungarisch, eine auf holländisch und jetzt auch eine auf Schwedisch hier.)

* Lustige Verkehrsschilder oder Werbungen fotografieren – auch wenn ich den Inhalt nicht immer unbedingt verstehe. Es muss einfach sein.

* Eis probieren

* Ein Astrid Lindgren Buch in der jeweiligen Landessprache kaufen.

* selbstverredlich die Süßigkeitenregale in Supermärkten, Kiosken und auf Märkten abchecken. Übergepäck, ick hör Dir trapsen! 😉

* eine Zeitlang auf einem großen Platz sitzen und nur das Leben um mich herum aufsagen, die Leute beobachten, die Stadt und ihr Lebensgefühl spüren.

* mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Das war in Stockholm wirklich ganz toll. Schnell, zeitsparend und jeder U-Bahnhof ist einzeln von einem anderen Künstler gestaltet! Leider hab ich nicht sehr viel von den Bahnhöfen fotografiert.

* In Skandinavien: Milchregale fotografieren. Das hier war noch ein kleines, in einem kleinen Supermarkt und trotzdem zähle ich etwa zwanzig verschiedene Sorten Milch, Skandinavienkenner wissen, wovon ich spreche. 😉

Schweden, Teil zwei

(Sorry, etwas spät, aber ich wollte jetzt doch noch über den zweiten Teil der Reise berichten!)

Unterwegs in Stockholm

Der nächste Tag war der anstrengendste, aber auch spannendste der Reise. Da die liebste Freundin und ich uns ernsthaft einbildeten, gleich alle fünf vom Reiseführer vorgeschlagenen Spaziergänge in Stockholm absolvieren zu müssen, sind wir mehr oder weniger den ganzen Tag nur gelaufen. Noch nie waren meine Füße so kaputt, aber noch nie hat es sich so sehr gelohnt, sich die Füße restlos kaputt zu laufen.

Da es Sonntag morgen war und wir uns dachte, dass es vielleicht netter wäre, durch Altstadt und Zentrum zu laufen, wenn die Geschäfte offen sind und man hemmungslos shoppen kann ein bisschen in die vielen süßen Lädchen hineinschnuppern kann, entschieden wir uns zunächst für zwei Spaziergänge in der Natur. Es war dann auch wunderschön und bei Weitem nicht so kalt wie in Göteborg, sondern wurde von Tag zu Tag etwas wärmer. Zunächst fuhren wir  – nicht ohne geringfügige Schwierigkeiten die richtigen Bus- und U-Bahnverbindungen zu finden – nach Solna in den Norden Stockholms und spazierten durch den Hagaparken mit seinem von König Gustav III erbauten Schlössern SchlössCHEN! (Insider), Tempeln, Pavillons und seiner wunderschönen Natur.

Hier die bunt angemalten Kupferzelte, in denen der König beliebte seine Leibgarde unterzubringen. Warum es dazu im hohen Norden orientalischen Stil braucht, haben wir leider nicht herausfinden können.

Diese wunderschöne, typisch skandinavische Natur löste in mir häufig Deja-Vú-Erlebnisse aus, manchmal hätte ich fast denken können, ich wäre in Finnland. 😉

… und der Frühling liess sich dann doch auch noch kurz blicken.

Ich bin normalerweise nicht so dafür, meinen Urlaub auf Friedhöfen zu verbringen, aber die liebste Freundin überzeugte mich dann doch und so machten wir noch einen kurzen Abstecker über den nahegelegenen Friedhof, der wunderschöne, teilweise uralte Familiengräber beherbergte. Hier soll u.a. auch der Herr Nobel begraben sein, wir haben sein Grab aber dann doch nicht intensiver gesucht.

Der zweite Spaziergang – es war immer noch Vormittag und die Geschäfte geschlossen 😉 – führte uns zwar zurück ins Zentrum von Stockholm, jedoch ersteinmal durch Östermalm, das Viertel der reichen Stockholmer, vorbei an dieser wundervollen Hafenpromenande. Sie dürfen sich das folgende Bild ohne Autos und Verkehrsschilder noch ca. eine Viertelstunde Fußmarsch verlängert denken, leider reichen dafür meine Kamera und auch dieser Blog nicht aus. 😉 Ein Haus schöner als das  andere!

… und über die Brücke zur Insel Djurgården, dem Stockholmer Naherholungsgebiet. Djurgården war mal – ganz unpompös 😉 – das Jagdrevier das Königs, dementsprechend lange (ca. zwei Stunden) dauert es auch, die Insel zu umrunden. Wir haben es nicht geschafft, ohne eine Mittagspause einzulegen.

Dafür gab es aber tolle Villen und kleine lustige Künstlerhäuschen und -cafés zu sehen.

Und dazwischen immer wieder Postkartenidylle, mitten in der Großstadt. Man stelle sich das mal vor.

Ein paar Leute wohnen auch auf Djurgården, neben den tollen Villen taucht man aber zwischendurch auch in Gässchen ein, in denen die Zeit vor etwa 100 Jahren stehengeblieben zu sein scheint.

Der nächste Spaziergang durch Södermalm fing nach einer kurzen Fahrt mit der Fähre in den südlicheren Teil Stockholms auf erhöhtem Posten an. Unten der Södermalstorg, der Markt von Södermalm, und rechts, leider nicht mehr im Bild, die Schleuse zwischen Ostsee und Malärsee „Slussen“.

Södermalm ist eigentlich ein Arbeiterviertel, es ist aber auch zentraler Punkt des Stockholmer Nachtlebens. Leider kann ich diese Information nicht persönlich bestätigen, wir haben in diesen vier Tagen soviel besichtigt, gemacht und gesehen und sind so viel gereist, dass wir ganz altmodisch und spiessig abends zwischen elf und zwölf ins Bett gefallen und morgens zwischen acht Uhr und halb neun wieder aufgestanden sind. Feiern war beim besten Willen nicht mehr drin, das ist dann wohl der Anfang vom Ende. 😉

Auch hier wieder das erstaunliche, was mich so sehr an Stockholm fasziniert hat: Man läuft durch die Großstadt, durch – doch immerhin sehr schmucke, alte – Häuserschluchten und plötzlich biegt man nur einmal in eine kleine Straße ab und befindet sich in einer ganz anderen Zeit, in einer anderen Welt.

Nach diesem Spaziergang waren meine Füße endgültig am Ende und ich drängte darauf, zurück ins Hostel zu fahren und wenigstens ein paar Pflaster zu holen. Ich war da sehr froh über meinen Schwedisch-Sprachführer, den ich vor Abfahrt noch gekauft hatte, denn ich hätte nicht mehr gewusst, was auf Englisch „(Wund-)Blase“ und „Pflaster“ heisst, also stammelte sagte ich an der Rezeption des Hostels meinen auswendig gelernten Satz, der die wichtigen Wörter „Blåsa“ und „Plasta“ enthielt auf und erhielt das Gewünschte. Mein Schwedisch ist nur sehr rudimentär, aber für solche Dinge reichte es dann doch, auch wenn ich zuweilen im Laden es zwar schaffte, meinen Wunsch auf Schwedisch vorzutragen, bei Nachfragen aber doch wieder um eine Übersetzung bitten musste. 😆 😉

Nach einer kurzen Pause sind wir dann doch noch einmal los in die Gamla Stan, die Altstadt, schliesslich war es noch früh, wir wollten noch abendessen und die hereinbrechende Dunkelheit versprach eine ganz besondere Atmosphäre. „Gamla“ ist übrigens ein schönes Beispiel, wie sich Bedeutungen von Wörtern verändern können: Es ist etymologisch verwandt mit dem deutschen Wort „gammelig“, wird aber im Schwedischen ganz normal und allgemein als Wort für „alt“ gebraucht. Die abwertende Bedeutung von „gammelig“ im Deutschen hat sich einfach im Verlauf der Zeit durch die verschiedene Entwicklung der beiden Sprachen ergeben.

Und eine wunderschöne Atmosphäre war es dann auch wirklich! Gamla Stan liegt wiederum auf einer eigenen Insel zwischen Norden und Süden der Stadt und ist die entzückendste Altstadt, die ich seit langem gehsen habe. Es ist wieder so eine Welt für sich und durch die mittelalterlich anmütenden Häuser und kleinen Gässchen auch wieder mit ganz eigenem Flair, ganz anders als die anderen Viertel.

Der Stortorget, der Marktplatz …

… und die Stockholmer Börse am Stortorget. Am Marktplatz haben wir dann auch in einem der kleinen Lokals ganz ganz hervorragenden Lachs mit Spargelrisotto und Avocadosalat gegessen, genau das richtige für den letzten Abend in Schweden!

Am nächsten Morgen, mit zumindest etwas erholten Füßen machten wir uns früh auf auf einen letzten Spaziergang durch einen anderen Teil von Södermalm. Zurück ging es auf dem Monteliusvägen eine ganze Zeit lang direkt am Wasser entlang mit wiederum fantastischen Blick auf den nördlichen Teil Stockholms und die Altstadt.

Wir konnten es dann doch nicht lassen, noch einmal kurz bei Tageslicht einen Blick in die Altstadt, das Parlament (oben) und das Schloss zu werfen. Außerdem hatte die liebste Freundin ja immer noch kein Mitbringsel aus Schweden für sich gefunden, während ich schon fleissig Bücher, schwedisch Lebensmittel und Musik geshoppt hatte. 😉

Bevor die liebste Freundin am frühen Nachmittag zum Flughafen musste, streiften wir dann doch noch etwas durch den nördlichen Teil Stockholms, den wir bis dahin fast komplett ausgelassen hatten und hatten die brilliante Idee, doch noch einmal zu den am Vortag geschlossenen Markthallen zu gehen. Es hat sich gelohnt, inklusive eines leckeren, wirklich letzten schwedischen Mittagessens.

Rentiersalami und so. 😉

Auf dem Rückweg zum Bahnhof, von wo aus der Bus zum Flughafen geht, noch ein letzter Blick auf den Hafen, hier eine der zentralen Anlegestellen für Fähren und Touristenboote. Und dann mit schwerem Herzen zum Flughafen…

Das war’s mit Schweden. Nein fast. Einen hab ich noch. Den gibt’s später. So schön war es und wir hatten so viel Glück mit dem Wetter. Don Jefe hat mich Dienstag in der Arbeit gefragt, warum ich nicht länger geblieben bin und ich konnte ihm keine Antwort darauf geben. Aber ich komme wieder, ganz bestimmt. Und zwar dann, wenn es auch wirklich Sommer ist und alles grünt und blüht.

Alle diese Photos und noch ein paar Lieblingsbilder mehr, die hier nicht mehr hineingepasst haben, gibt es bei Flickr zu sehen.

Schweden, Teil eins

Die Frau Ansku war also in Schweden. Und ist inzwischen zwar körperlich zurück, kopfmäßig aber noch voll verknallt in Schweden. Aber der Reihe nach.

Nachdem sowohl Aschewolke weggepustet als auch meine Flugangst wie üblich mit Rotwein erfolgreich therapiert worden war, bin ich Donnerstag abend sicher und wohlbehalten in Stockholm gelandet. Gleich bei den Gepäckbändern wurde ich umfassend informiert, was man als Schwedenreisender unbedingt so wissen muss.

Vor dem Flughafen, 1 Grad und Schneeregen, genau das, was man Ende April definitiv nicht mehr sehen möchte. Die liebe Freundin holte mich aber ziemlich bald aus dem nassen und kalten mit dem Mietauto ab und wir beschlossen, auf der Suche nach einem Hostel für diese Nacht ersteinmal aus Stockholm raus und eine halbe Stunde nach Uppsala zu fahren, in der Hoffnung dort schneller und vor allem günstiger Quartier zu finden. Das gelang auch ziemlich gut, gleich bei der zweiten Adresse wurden wir aufgenommen und übernachteten in einer netten kleinen Jugendherberge, in der die Zimmer alle auf einer Galerie um den atriumartigen Frühstücks- und Aufenthaltsraum angeordnet waren. Sehr nett!

Am nächsten Morgen ein kurzer Stadtrundgang, zunächst aber holten wir uns in einem Café ein leckeres Frühstück und setzten uns damit an die Sonne an einen Tisch vor dem Café. Anscheinend ist es für Schweden sehr ungewohnt, draussen zu frühstücken, denn wir wurden von allen vorbeilaufenden Passanten begafft wie bunte Hunde. Als wir heimlich etwas darüber lachten, kehrte eine Frau um und sprach wild auf Schwedisch auf uns ein, bis sie merkte, dass wir kein Wort verstehen. Daraufhin war sie etwa eine Minute still, sagte dann „oooh… Sorry!“ und verschwand schnellstens wieder. 😆

Uppsala ist eine ganz entzückende Kleinstadt mit vielen alten Gebäuden, u.a. mit einer Kirche in der hinter dem Altar eine fast lebensechte Wachsfigur einer Nonne versunken auf das Grab König Gustav Vasas blickte – sehr spooky!

mit einer sehr hübschen Universität, wie es sich für eine Universitätsstadt gehört

und einem alten Schloss, ebenfalls von Herrn Vasa erbaut, von dem aus man nochmal einen ganz phantastischen Ausblick auf Kirche und Stadt hat. Und ja, hier ist kein Schneeregen mehr zu sehen und wir hatten wirklich ganz unverschämtes Glück mit dem Wetter, später in Stockholm wurde es sogar richtig warm. 🙂

Das Schloss mit den laut Reiseführer für die Vasa-Schlösser typischen Rundtürmen (der zweite ist links vom Bild)

die letzten Reste des Winters haben wir aber dann doch noch gesehen.

Am Fluss

Gegen Mittag stiegen wir wieder in unser Mietauto und fuhren Richtung Westen, denn geplant war zunächst einmal eine Tour nach Göteborg. Kurzer Zwischenstopp: Örebro, ebenfalls sehr süße, verschlafene Kleinstadt an der Spitze eines Sees (ich habe schon wieder vergessen, wie der denn nun wieder heisst), mit schönen Gebäuden….

und ebenfalls einem Schloss(chen). Ebenfalls mit Vasa-Rundtürmen.

Sehr viel mehr gab es in Örebro nicht, also schlenderten wir noch kurz durch die Einkaufsstrasse, holten uns zum Mittag einen Hot Dog und wiederstanden nur knapp der Versuchung, Brezn, Strudel und deutsches Brot zu kaufen. 😉

Eigentlich hatten wir auf der Fahrt mehrere Stops geplant, aber dazu kam es nicht, denn die Fahrt zog sich ganz schön in die Länge. Schwedische Autobahnen und Landstrassen sind nunmal nicht mit deutschen zu vergleichen und da die Schweden alle sehr vorschriftsmäßig autofahren, wollten wir natürlich nicht uns künstlich unbeliebt machen.

Patriotismus erstreckt sich in Schweden sogar bis zu den Verkehrsmarkierungen, wie man hier sehr gut sieht:

In Göteborg hatten wir durch Zufall ein ganz entzückendes kleines Hostel gebucht, dass sich als kleines Privathäuschen mit nur sechs oder sieben Zimmern und Familienanschluss herausstellte. Das Haus war so richtig typisch schwedisch eingerichtet, das ältere Ehepaar, dass dieses Haus führte, war mehr als freundlich und hilfsbereit und am nächsten Morgen erwartete uns ein reichhaltiges Frühstück. (Da einige in den Kommentaren schon angekündigt haben, dass sie auch eine Reise nach Schweden planen, kann ich sämtliche Adressen natürlich gerne per Mail weitergeben, meldet Euch einfach.)

An diesem Abend reichte die Zeit noch für einen Spaziergang durch Göteborg, ebenfalls wieder bei strahlendem Sonnenschein. Lustigerweise haben wir fast nur im Binnenland Wolken gesehen, sobald wir an die Küste kamen, waren diese wieder weggepustet. Dafür war es auch schneidend kalt an diesem Abend und es blieb uns nur, uns am Anblick gutaussehender, starker Jünglinge zu „wärmen“. Hilft ja alles nüscht.

Wir liefen über die Aveny, die Pracht-, Shopping-, Party-, Flanier- und-was-weiss-ich-noch-alles- Straße von Göteborg mit ihren beeindruckenden Häusern und imposanten Verzierungen und kamen schliesslich an den Gustav Adolf-torg, wo sich die alte Uferpromenade in ihrem besten Licht zeigte.

Sonnenuntergang am Hafen, ohne Worte!!

Am nächsten Morgen spazierten wir noch durch einige weitere Viertel Göteborgs, u.a das Univiertel und das ehemalige Arbeiterviertel.

Hier, in den Gassen der Altstadt, gibt es fast nur Holzhäuser, jede Menge entzückender Cafés und die Zeit scheint irgendwo vor einigen hundert Jahren stehengeblieben zu sein.

Von der Gamla Stad aus erklommen wir einen Berg, auf dem eine alte Festung stand

(hier die Miniaturausgabe 😉 )

und genossen wiederum einen traumhaften Ausblick über die Stadt.

…mit rot-grüner Postkartenidylle direkt neben …

… und goldenem Krönchen auf dem Wachturm. 🙂

Und wir sind immer noch ganz hin und weg von der Altstadt mit ihren zahlreichen kleinen Lädchen und Cafés. Die Strassen sind voll mit Menschen, die diese ersten Frühlingstage in Schweden geniessen. Eine einmalige Atmosphäre.

Es ging wieder mehr in Richtung der Aveny und die Gebäude wurden wieder zusehends herrschaftlicher.

Humor haben sie ja, die Schweden!

Ein Blick auf die Altstadt vom „grünen Ring“ Göteborgs aus.

Eher zufällig kamen wir noch an den Markthallen vorbei und mussten natürlich hineingucken. Die Atmosphäre dort ist einmalig. Das Essen sah zwar phantastisch aus, wir haben es uns aber doch verkniffen und erst zwei Tage später in Stockholm in der Markthalle gespeist.

Kleine, ganz feine Lädchen, überall.

Und eine Parade, extra für unseren Besuch! 😉

Am frühen Nachmittag stiegen wir dann wieder in unser inzwischen schon so liebgewonnenes Auto und brausten dieses Mal nur die halbe Strecke zurück bis nach Linköping, weil wir das Auto dort abgeben und dann den Bus nach Stockholm besteigen mussten. Für Sehenswürdigkeiten auf der Fahrt gab es leider wiederum anders als geplant doch keine Zeit, da sich Fahrt durch das schwedische Niemandsland eben wirklich ganz schön ziehen können. 😉 Aber wir kommen sowieso noch einmal wieder, dann im Sommer, wenn wirklich alles grünt und blüht!

Dafür gab es später auf der Fahrt mit dem Bus nach Stockholm Postkartenidylle mit Abendsonne. Das Bild ist aus dem Bus gemacht, daher ist es nicht so toll, aber die Aussicht WAR auf jeden Fall toll.

Und manchmal sehen auch die Häuser in Schweden ein bisschen nach IKEA aus, z.B. hier am Busbahnhof in Linköping. 😉 Inzwischen ist es Samstag abend, die Hälfte der Reise bereits vorbei und wir machen uns auf zur letzten Etappe, nach Stockholm.

Mehr und den zweiten Teil unserer Reise mit vielen vielen Photos aus Stockholm gibt es bald, sobald ich mich durch die vielen vielen, sehr vielen Photos aus Stockholm gewühlt habe. 😉