Woher kommst Du und wohin gehst Du?

Ich komme: Aus der Arbeit

Ich war: Den ganzen Herbst über während alle um mich herum schnieften und schnupften pumperlg’sund und fit.

Ich bin: Jetzt endlich auch mit dabei in der fröhlichen Runde der saisonalen Erkältungsopfer Taschentuchfetischisten und schniefenden Rotaugen.

Ich gehe: Ins Bett 🙂

Hömma, Chef!

Was ich ziemlich lächerlich bescheuert finde ist, wenn Du mir ständig vorschreiben willst, wie mein Schreibtisch/ mein Emailposteingang etc. auszusehen hat, nur weil ich EIN Fach rechts in der Ablage habe, wo ich zwischendurch auch mal Dinge einfach so schnell reinschmeiße, die noch im Prozess sind während ich gerade auf einer anderen Baustelle beschäftigt bin und wenn Du mir erzählst, es hätte was mit der Qualität der geleisteten Arbeit zu tun, ob die zwei zusammengeheftete Papiere etwa einen halben Zentimeter am Rand überstehen oder nicht,

…ich aber dann in Dein Zimmer schaue und vor lauter Papier und Krimskrams Deine Schreibtischplatte nicht mehr sehen kann.

Mir ist schon klar, dass Menschen immer das kritisieren, was sie an sich selber am meisten stört, aber wir könnten das ja mal wieder auf ein normales Maß zurückschrauben, ja?

Danke. Fein!

 

Chef – Deutsch, Deutsch – Chef

Wenn ich für meinen Chef Dokumente ablege, dann steht rechts oben auf dem Dokument nicht, in welchen Ordner das Dokument gehört, sondern in welchen „File„.

Wenn ich für meine Chef eine Kontenübersicht mache, dann ist das keine Kontenübersicht, sondern ein „Dispo Sheet.“

Wenn ich die Ordner für Personalangelegenheiten und Recruiting holen will, dann suche ich nach „Personnel“ auf dem Ordnerrücken.

Und so weiter.

Sorgt zwar bisweilen für Erheiterung bei Frau Ansku, wie affektiert diese Geschäftssprache doch sein kann selbst wenn man nur zu zweit und keine englischsprachige Person im Büro angestellt ist, gelegentlich auch für aufgerollte Zehennägel vor lauter Schaudern in meinem kleinen Sprachwissenschaftler- und Sprachpuristenherz über soviel Kauderwelsch-Denglish, aber bisher noch alles verständlich.

Letzte Woche aber wollte ich die Filter des Wasserentkalkers wechseln und suchte verzweifelt nach den Ersatzfiltern. Nicht zu finden. Chef an dem Tag gerade out of office, also fragte ich beim nächsten Telefonat nach, wo denn die Wasserfilter sind.

Chef: „Na, die sind doch da im Zimmer auf dem Highboard. Ich hab sie doch neulich erst dahin gestellt!“

Frau Ansku: „Oh. Hätte ich die sehen müssen? Und was in aller Welt ist ein Highboard? Ach ja, gut, dann such ich die dort. Wunderbar, danke Chef. Einen schönen Tag noch Chef.“ 🙂

Frau Ansku legt das Telefon auf und überlegt fieberhaft, was denn nun ein Highboard sein könnte und wo in unserem Büro sich ein solches befindet. Schließlich kommt sie zu dem Schluss, dass ein Highboard ein relativ hohes Regal sein muss, vielleicht sogar etwas ähnlich wie ein Sekretär oder ein Stehpult? Auf alle Fälle wohl ziemlich edel, wenn es schon Highboard heißt. In meinm Zimmer steht sowas sicherlich nicht, da steht nur ein billiges Regal mit Büromaterial. Also begibt sich Frau Ansku auf die Suche in das Büro des Chefs, durchkämmt dort sämtliche Regale und findet tatsächlich ein ziemlich hohes, fast schon sekretärähnliches Ding. Aber auch hier keine Wasserfilter.

Letzten Freitag dann, der Chef ist wieder da und erkundigt sich nach den Wasserfilter. Frau Ansku gesteht kleinlaut, dass sie sie nicht gefunden hat.

Chef (leicht genervt): „Aber die müssen doch da sein, in dem Highboard!“ dreht sich um und geht gezielten Schrittes in Frau Anskus Büro, verschwindet hinter der Tür in der Ecke…

Ach so, in dem ollen Billy-Regal für Bürokrams sind die Wasserfilter!!

😆

Endlich ein Grund zur Panik

Heute mittag bin ich – untrainiert wie ich bin – so schnell von der Arbeit zur S-Bahn gerannt, dass mir jetzt noch die Lungen wehtun. Natürlich geht sowas nicht ohne einen heftigen Husten und derlei schöne Nebenwirkungen vorbei und so sass ich die ganze ca. 20minütige Fahrt in der S-Bahn und kämpfte mit einem Reizhusten vom allerfeinsten, richtig bellend und auch etwas verschleimt. Trinken, Essen, Pfefferminzkaugummi – nichts half um den Reiz im Hals zu beruhigen.

Und während ich da so sass und mit Tränen in den Augen, Schnodder in der Nase mit diesem Husten und meinem rebellierenden Reizhals kämpfte, sah ich mich kurz um, sah in die Gesichter meiner Mitfahrer und da kam mir der Gedanke, wie viele Leute ich jetzt damit in Panik versetzt habe. 😀

(Ein junger Mann zumindest hat sich von mir weggesetzt.)

Kann man

doch eigentlich die Uhr nach stellen.

Gestern Arbeitsvertrag unterschrieben, heute krank. Schlapp, müde, fiebrig, verschnupft. Sobald der Stress weg ist, wird erstmal gepflegt eine Runde herumgerotzt.

Und ich hab mich schon gewundert, warum jeder hier in Bloggersdorf diesen Herbst schon einmal krank war, nur ich nicht. Pöh, klar.

Ich bin dann mal bis Montag früh im Bett.

Fragen, die die Welt Ansku bewegen (8)

* Ich frage mich ernsthaft, warum mein Vater und ich in Gemeindschaftsarbeit vorletztes Wochenende dem Vorderrad meines Fahrrades einen neuen Schlauch spendiert haben, wenn es anderthalb Wochen später bloss gleich wieder platt ist.

* Ich frage mich ernsthaft, warum ich an meinem Fahrrad eine Luftpumpe mitführe, wenn ich trotz etlicher Erklärungen und Versuche zu doof bin sie zu benutzen jeder Versuch, das Rad aufzupumpen sowieso in Frustration und einem entnervten „Na gut, dann schieb ich halt!!“ endet. Ich glaube, beim Projekt „Unnötigen Ballast abwerfen“ fang ich als erstes mit der Luftpumpe an.

Schückümückü vs. Billig-Matte

Und ich hatte doch Recht. Gestern bei einem Mittagmagazin eines bekannten deutschen Millieu-TV-Senders wurde ein Frisörtest gemacht.

Eine Kandidatin ging zum Billigfriseur und zahlte dort 38 Euro für waschen, schneiden, Strähnchen. Die zweite Kandidatin ging zu einem mittelteuren Frisör und zahlte dort 75 (?? weiß nicht mehr genau) Euro und die dritte Kandidatin liess sich fünfeinhalb (!!) Stunden lang beim Super-Promi-Luxus-Frisör verschönern und verwöhnen und liess hinterher über 300 Euro in dem Laden.

Danach ging man auf die Strasse und fragte zuerst „normale“ Menschen, wer von den drei Damen die teuerste Frisur auf dem Schädel trägt. Ergebnis: zwei Drittel schätzten die billigste Frisur als die teuerste ein, lediglich zwei Leute tippten richtig auf die teuerste Frisur. Danach wurden die Kollegen, die Herren und Damen Friseure vom Fach befragt und auch hier zeigte sich dasselbe Ergebnis, diesmal tippte von 10 sogar nur einer richtig.

Und die Moral von der Geschicht? Viel teures Geld beim Friseur lohnt sich (meistens) nicht. 🙂

Gut gut gut, es war zwar ein Test des Milleu-TV-Senders, aber ich fand damals nach dem Besuch beim Schückümücküfriseur auch wirklich nicht, dass meine Matte bedeutend anders aussah als beim normalen Friseur, eher tat es mir um die viele vergeudete Zeit leid.

Na also.

(Die Idee mit dem Pony allerdings, die spukt seitdem immer noch in meinem Kopf herum, weil ich so eine schrecklich hohe Stirn habe. Die gruselige Erinnerung an die Bilder von mir als 17jährige verhindern allerdings auch genauso konsequent weiterhin jede Umsetzung.)

Der Schuster

Beim nahegelegenen Supermarktriesen mit dem grünen M gibt es in einer Ecke zwischen Parkhaus und der Rolltreppe, die hinunter in die Verkaufsetage führt, einen kleinen Schuster. Der Schuster ist aus Italien, steht den ganzen lieben langen Tag inmitten von Lärm, von Maschinen und auch Dreck, arbeitet sechs Tage die Woche. Aber es ist einer von diesen wenigen Menschen, denen das nichts anzuhaben scheint, die immer gut gelaunt sind, die immer zu einem Scherz aufgelegt sind. Es ist eine Insel der guten Laune inmitten all der Menschen, die vom Parkhaus in den Supermarkt hasten, jeder der an der kleinen Schusterei vorbeigeht, bekommt ein Lächeln, einen Gruß. Sechs Tage die Woche, immer. Wir geben schon seit Jahren unsere Schuhe dort zum Reparieren ab. Es ist so einer von diesen Schustern, wo man mal schnell die Schuhe abgeben kann, um eine kleine Ecke der Sohle kleben zu lassen und man dann einkaufen gehen kann und wenn man wiederkommt, die Schuhe abholen und nach dem Preis fragen will, mit einer Handbewegung und einem verlegenen Lächeln weitergeschickt wird. Einfach so.

Es ist so ein Schuster, der mich heute mit „Isse schon wieder kaputt???“ begrüßte (ich war zuletzt vor ca. 1-2 Monaten dort). Der, als ich meine 6 1/2 Paar abgelatschte Schuhe auspackte (ich habe dieses Problem, dass meine Schuhe sich immer ungleichmäßig, also nach außen hin schief, ablaufen), theatralisch die Hände über dem Kopf zusammenschlug und der mich, als ich dann kleinlaut erklärte, was ich will, breit angrinste und sagte: „Biste nettes Fräulein, für nette liebe Fräulein ich mache!“ Der sich unglaublich freute, als ich mich mit „Grazie, ciao!“ verabschiedete.

Solche Leute braucht es in unserer Welt, solche Menschen schaffen es immer wieder mit ihrem niemals enden wollenden Willen, dass ich das Geschäft mit einem Lächeln auf den Lippen und mit einer großen Portion Demut im Kopf verlasse.

Und jetzt gibt es Gerüchte, dass der neue (angeblich ziemlich unsympathische) Chef von dem Supermarkt den Schuster rauswerfen will, einfach so, obwohl das Geschäft glänzend läuft. Obwohl der Schuster so eine Insel im Alltag aus Stress, Missmut und Hektik ist. Ich hoffe, ich hoffe sehr, dass es nicht soweit kommen wird.

Wenn ich heute abend ein Glas Wein trinke, dann werde ich mein Glas auf unseren Schuster und auf alle diese unverwüstlichen, tapferen, faszinierenden Menschen erheben.

Auf dass sie irgendwann etwas zurückbekommen von den vielen kleinen Momenten, die sie ihrem Umfeld geben.

Fragen, die die Welt Ansku bewegen (7)

Warum kommen momentan immer überall und ständig Leute, wohlgemerkt Leute, die einen JOB haben und regelmäßig eine gewisse feste Summe GELD verdienen, warum kommen die immer ausgerechnet zu mir und fangen an, den ganzen lieben langen Tag über Geld zu reden und das alles so teuer ist bla bla bla. Hallo??? Ich leb momentan von 100 Euro + gelegentlich etwas dazuverdientem + meinen sehr großzügigen Eltern, die mir die lebensnotwendigen Dinge (Essen, Fahrtkosten, Kleidung) bezahlen. Ich beschwer mich nicht, mir geht es immer noch gut, weil ich gottseidank auf meine Familie zählen kann, das ist mir bewusst, aber das nicht immer so schön, ständig auf andere angewiesen zu sein und das ist keine Lösung auf Dauer und ich kann z.B. auch nicht mal eben so einfach gemöterlisch in Urlaub fahren wie Ihr. Sonst noch Probleme??? Warum kommt ihr alle ausgerechnet zu MIR, um mir zu erzählen, dass Ihr jetzt „nur“ noch von dem lebt, was Ihr verdient, weil alle Eure Ersparnisse (z.B. wegen der neuen Wohnung) aufgebraucht sind??? Meine sind es schon seit März!

Find ich kurios.

Bitte

Bitte könnten Sie mir einen Gefallen tun und heute mal ein paar gute Gedanken nach Finnland senden? Für eine indische Freundin von mir, für eine sehr mutige, starke Frau, die heute eine sehr wichtige Gerichtsverhandlung zu meistern hat! Stellen Sie Sich vor Zwangsheirat und alles, was Sie Sich in einer Familie in diesem Zusammenhang sonst noch vorstellen können, über Jahre und Jahrzehnte Erniedrigung, Unterdrückung, Gewalt und Kontrolle, nicht in Indien, nein hier mitten in Europa… Stellen Sie Sich vor, Sie müssten mit 40 Jahren lernen, auf eigenen Beinen zu stehen, viele der einfachsten Dinge des Lebens neu lernen wie ein Kind.

Ich weiss es seit meinem Besuch im April, alles, jedes Detail und ich war danach einen Tag lang völlig fertig. Ich bin, als ich es erfahren habe, direkt ins nächste Internetcafe gegangen und habe meiner Mutter eine Email geschrieben, wie unglaublich dankbar ich für mein behütetes, sorgenfreies Leben bin.

Ich bin so unendlich stolz auf sie, dass sie es nun wagt, darüber zu sprechen, dass sie sich nun endlich Hilfe holt und dass sie es nun endlich gewagt hat, dieses *****loch anzuzeigen und ich wünsche mir sehr, dass endlich endlich alles gut wird!

Bitte schicken Sie mal ein paar gute Gedanken über die große Ostsee. Danke!

Auf der Post

Und die, die sich am grundsätzlich am meisten und am lautesten beschweren, wenn mitten am Tag („dabei is‘ ja noch nicht einmal Weihnachten oder sonst eine Gelegenheit“) eine höllenlange Schlange auf der Post ist und nur einer von vier Schaltern geöffnet ist, das sind hundertprozentig immer diese aufgebrezelten Schnepfen um die 50 mit Goldsonnenbrille mit ganz breiten Trägern und schöckem Designer-Handtöschchen, die sowieso den ganzen Tag nichts zu tun haben oder höchstens fürchten müssen, zu spät zur nächsten Maniküre zu kommen. Alle anderen, wirklich alle anderen stellen sich einfach normal an und warten ohne zu Nörgeln, bis sie an der Reihe sind.

Vor mir gleich vier von der Sorte. Kriesch’isch so’n Hals, Alder!

(Und genau diese Damen bekommen aber vor lauter Wichtigtuerei und Genörgele nicht mit, wenn sie dann tatsächlich an der Reihe sind, bedient zu werden. 😉 )

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Hat eigentlich sonst noch jemand von Ihnen hier dieses kleine, nervende Problemchen mit den Sommerröckelschen und den aneinanderreibenden, entzündeten Oberschenkelinnenseiten?

Und was machen Sie so dagegen?

Fragen, die die Welt Ansku bewegen (4)

* Warum klingeln die Zeugen eigentlich immer nur bei anderen, z.B. bei ihr? Ich würde mich so gerne mal mit jemandem über Gott und die Welt unterhalten, ich stell mir das sehr lustig vor! 😉

* Warum hab ich so ein einmaliges Talent, pünktlich zum schönsten Regen- und Matschwetter hellen Hosen anzuziehen und dann auf dem Fahrrad erschrocken festzustellen, dass das keine so gute Idee war…

Was würdet Ihr sagen…?

wenn ihr jemanden kennenlernt und während der ersten Unterhaltung der Person erzählt, dass ihr Kinder sehr gerne mögt und dass Ihr auch schon im Kindergarten gearbeitet habt, also ein viermonatiges Praktikum in einem Kindergarten in Finnland gemacht habt und danach auch ehrenamtlich Euch für eine Krippe für Immigrantenkinder engagiert habt. Schön und gut. Und die Person würde Euch daraufhin fragen, ob Ihr Euch wirklich sicher seid, dass Ihr (mit Sprachwissenschaft) das richtige studiert habt, ob Ihr nicht lieber „irgendwas mit Kindern“ machen wollen würdet. Zitat: „Warum studierst Du Sprachwissenschaften? Wäre ein Beruf mit Kindern nicht das naheliegendere? Auf die Erklärung bin ich wirklich mal gespannt…“

Ich bin ja immer noch der Meinung, dass ich keinem eine Erklärung schuldig bin, was ich studiere, schon gleich gar nicht jemandem, der bereits nach fünf Minuten so einen blöden und besserwisserischen Kommentar bringt….

(Klar hab ich das Richtige studiert, ich würde es gegen kein anderes Studium dieser Welt eintauschen, jetzt nicht und auch sonst noch nie, Du Hornochse!)

Liebe Radfahrer mit Helm

ich finde Euch klasse, wirklich vorbildlich. Ich gehöre zu den bösen bösen Leuten, die beim Radfahren keinen Helm tragen, auch hier in der grossen Stadt nicht, ich bin einfach zu faul dazu. Ich weiss, dass das keine Ausrede ist, aber es ist eine. Ich find’s toll, dass Ihr das so konsequent und ohne Verlustängste z.B. bezüglich Eurer Frisur durchzieht, grosses Lob!

Aber das macht Euch trotzdem weder automatisch zu „besseren Radfahrern“, noch macht es Euch unverwundbar á la Superman und es gibt Euch schon gleich dreimal nicht das Recht, rücksichtslos und wie die gesengte Sau zu fahren und alle anderen auszubremsen!

Frau Anskus Wort zum Freitag. Amen und Friede sei mit Euch.

Deutschlandreise – Der fünfte, sechste und siebte Tag.

Diese drei Tage sind sehr schnell erzählt: Ich hatte es am Abend vorher auf der Heimfahrt von Köln nach Aachen, als ich urplötzlich so müde wurde, dass ich fast im Zug einschlief, schon befürchtet und am nächsten Morgen, als ich aus komatösem Zustand erwache und zum liebsten Vater zum Frühstücken gehen will, bewahrheitet es sich: Jetzt bin ich wirklich krank, habe Fieber, Husten und Halsschmerzen. Eigentlich war übers Wochenende ein Besuch bei meinen Verwandten geplant während der liebste Vater wie jedes Wochenende heim nach München fliegt. Wir überlegen etwas hin und her, entscheiden uns aber dann doch dafür, alleine schon im Sinne des weiteren Verlaufs der Deutschlandreise und angedenk der Etappen, die noch vor mir liegen, den Verwandtenbesuch abzusagen, obwohl es jammerschade und jammertraurig ist, weil wir uns so unglaublich selten sehen. Also rufe ich meinen Cousin an, der mich von Bonn aus zu seiner Familie mitnehmen wollte und lege mich wieder ins Bett. Jetzt will ich wirklich nur noch schlafen. Später ruft noch meine liebe Tante an und fragt, ob mich nicht lieber bei ihnen ins Bett legen will und gesunden will und obwohl mir der Gedanke an ein Wochenende ganz alleine in Aachen wirklich gar nicht behagt, bleibe ich im Luxusdomizil. Es war vorherzusehen, es war vor allem meine erste Erkrankung in diesem Winter auf die ich seit Ende Janaur nur gewartet habe, aber trotzdem war’s der denkbar falsche Zeitpunkt. Frau Mama Fuzzy schrieb mir am Abend in einer SMS dann auch noch den schönen Satz von abfallender Spannung und Erkrankungen und so, ich nehme an, Sie alle kennen diesen Satz. Letzten Endes aber muss ich doch zugeben, dass diese Zwangs-Ruhepause nicht das Verkehrteste war, gerade wenn man den weiteren Verlauf der Reise bedenkt.

Gegen Mittag bin ich dann wieder einigermaßen munter und zumindest etwas wiederhergestellt, zumindest so weit, dass ich daran denke, bis zur nächsten Apotheke die Höhle zu verlassen. Und während ich so überlege, was ich wohl alles brauchen könnte für das Wochenende, fällt mir potzblitz ein, dass ich zwar einen kleinen Fernseher, aber keinen DVD-Player hier zur Verfügung habe, dass ich kein Internet habe und auch keinen MP3-Player, das einzige, was ich im Luxusdomizil im Überfluss habe, ist Platz auf dem Fußboden. Und dann fällt mir dieser glorreiche Gedanke ein, mir endlich mein Lieblingspuzzle zu besorgen, auf das ich schon lange scharf bin und das Wochenende zu puzzlen. Puzzlen hat für mich etwas sehr meditatives und entspannendes, obwohl ich sonst nicht unbedingt der Meditationsfreund bin, also kann das doch auch für die Gesundung nur positiv sein. Gesagt, getan, ich verlasse eilig die Wohnung und begebe mich zur nächsten Spielwarenabteilung. In der Apotheke erkläre ich dem Apotheker meine Symptome und als er dann fragt, ob ich etwas pflanzliches oder etwas chemisches zur Bekämpfung der Symptome habe will, erwidere ich nur: „Also ich verreise am Dienstag Montag. Ich kann mich ja schon übers Wochenende ins Bett legen und das brav auskurieren, aber ich möcht‘ halt bitte am Montag wieder fit sein. Können Sie das so machen?“ Wir entscheiden uns für eine Mischung aus pflanzlich und chemisch, wobei ich letztendlich die chemischen Drogen doch nicht angerührt habe. Auf dem Heimweg mache ich noch einen Abstecher beim Textildiskont mit den drei Buchstaben und der schrecklich nervigen Werbung. Ich habe keine einzige bequeme Freizeithose, noch nicht einmal eine Schlafanzughose zum Rumlümmeln dabei und will das Wochenende doch nicht ohne eine solche verbringen. Da aber zuhause mein Kleiderschrank überquillt vor Freizeithosen, will ich auch keine neue und vor allem keine teure anschaffen und erstehe daher nach längerem, wirklich längerem Suchen ein beige-rosanes Prachtexemplar für 4,99 Eur, das zu meinem großen Erstaunen doch tatsächlich bis Sonntag durchhält, bevor es beginnt, sich aufzulösen. Soweit meine Erfahrungen mit dem rotweissen Textildiskont. 😆

Die restlichen Tage verlaufen relativ eintönig und puzzlend – meist bei Tageslicht, aber auch mit einigen umgestellten Lampen abends – , schlafend, fernsehend und lesend, unterbrochen nur von gelegentlichen Versuchen, etwas zu kochen und einem Ausflug pro Tag ins Internetcafé bei dem netten Araber (wenn’s denn einer war?) ein paar Straßen weiter. Wenn ich schon alleine in Aachen bin, so will ich doch nicht abgeschnitten von der Welt sein.

Sonntag abend ist dann auch der liebste Vater wieder da, meine Ellenbogen sind vom Knien auf dem Teppich durchgescheuert, das 2000-Teile-Puzzle ist zu zwei Dritteln fertig und ich bin fast wieder einigermaßen fit und voller Vorfreude und Spannung auf die zweite Woche

Dusselcontent!

Gestern beim Heimfahren mitten in der Nacht um zwei Uhr in der Früh hat Frau Ansku mal wieder herrlichsten Dusselcontent abgeliefert: Ich will aus dem Bus aussteigen, vor mir ist aber nur eine weiße Masse. Ich mache beherzt einen Schritt nach draußen und – stürze ab im wahrsten Sinne des Wortes und falle mitsamt meinen Taschen in voller Länge hin. Kann ja auch keiner damit rechnen, dass der Bus nicht direkt an den Bordstein ranfährt, sondern dass da noch eine Lücke dazwischen ist. Was der Busfahrer sich bei diesem „Absturz“ gedacht hat? „Wieviel hat die denn getrunken???“

Das kann es aber nicht gewesen sein, ich war wirklich und ehrlich ziemlich nüchtern! Erstens hatte ich nicht viel getrunken und zweitens ist mir so geschmeidisch-elegant beim Umsteigen der Anschlussbus vor der Nase weggefahren, dass ich wunderbarst eine halbe Stunde lang in der Kälte Zeit hatte, komplett auszunüchtern… *grrr* Tagsüber ist sowas ja irgendwie noch verständlich nicht besonders nett, aber nachts finde ich es eine Unverschämtheit nicht zu warten, wenn man sieht, dass da eine Tram kommt, aus der Leute aussteigen, AUCH WENN der Bus wohl eh schon einige Minuten zu spät dran war.

Und während ich dann auf den nächsten Bus gewartet habe und gegen den frühen Erfrierungstod zwei Haltestellen gelaufen bin, hab ich einen Kärtner getroffen, der ganz begeistert davon war, dass ich wusste, wo Kärnten liegt – angeblich wissen das die meisten Deutschen nicht – und mir erzählt hat, dass Wien ja DIE Kulturhauptstadt überhaupt ist und man Deutschland dagegen total vergessen kann. Nichts gegen Wien, wirklich nicht, aber wie wär’s mal mit etwas Diplomatie, lieber Freund?

Das war’s dann für heute auch schon wieder aus der beliebten Serie „Dusselcontent und komische Erlebnisse nachts in der Großstadt“. Spätestens bei der nächsten Party dürfte es eine Fortsetzung geben – dank der Münchner Verkehrsgesellschaften, hoch solln sie leben!