Wie fürchterlich!

Ich bin gerade dabei, dieses Buch zu lesen. Es ist furchtbar, furchtbarer, furchtbarst. Ein Kinderschänder und seine ganz verkorkste, ver- und entrückte Gedankenwelt, mehrere Kindermorde hautnah miterlebt, es ist grausam. Einfach nur absurd, grausam und fern jeder Vorstellungskraft für das Leid, was die Personen in dem Buch durchleben. Und das grausamste: Ich würde das Buch am liebsten sofort weglegen und es einfach nicht weiterlesen und mich nicht mehr mit diesesn Grausamkeiten konfrontieren. Ich würde viel lieber irgendeinen kleinen, netten, lustigen Liebesroman lesen, aber so komisch es klingt, ich kann dieses Buch nicht mehr weglegen, ich stecke schon viel zu tief drin. Ich habe bereits knapp die Hälfte gelesen, mit all den schrecklichen Details und jetzt schreit alles nach mir nach einem gerechten Ende, nach der Aufdeckung der vielen Morde und nach einer Bestrafung obwohl ich schon am Ende gespickt habe und in etwa weiss, dass der Täter bestraft wird, es musste einfach sein. Ich muss diese Geschichte, so schrecklich sie ist, irgendwie abschließen. Ich muss meinen Frieden damit machen, um das Buch zuzuklappen, weglegen und es irgendwie auch vergessen oder loslassen zu können. Und das versuche ich jetzt so schnell wie möglich zu tun und deshalb versuche ich auch, schnell wie ich selten ein Buch gelesen habe möglich das Buch zu Ende zu lesen.

(Ich erinnere mich, dass einige Leute damals Interesse an dem Buch bekundet haben und ich bin prinzipiell sehr gerne bereit, Bücher zu verleihen, aber ich weigere mich, DIESES Buch an hormongebeutelte Schwangere verleihen, nichts persönliches gegen Sie, aber nö! Ich bin schon tausend Tode gestorben bis jetzt, wie mag es da erst jemandem gehen, der eigene Kinder hat? Ich möchte für nichts verantwortlich sein.)

Ich les dann mal weiter…

Lesen!

Kurzer Zwischenreport, was ich so getan habe, wenn ich nicht gerade Jobs gesucht habe so getan habe außer meiner Faulheit zu fröhnen in letzter Zeit so gelesen habe:

Ich jetzt auch, ich bin todtraurig. Das darf doch nicht sein! So kann man ein Buch doch nicht enden lassen!

Ansonsten fand ich das Buch aber ziemlich gut und kurzweilig. Ich mag solche Bücher ja, weil auf eine gewisse Weise die Außenwelt ausgeblendet wird. Man bekommt nur den Schriftwechsel und die Beziehung zwischen diesen beiden Menschen mit und so darf der Leser Brief für Brief langsam die Charaktäre und Eigenschaften der Schreibenden entdecken und kennenlernen, das finde ich sehr spannend. Und gerade in diesem Buch treffen ja zwei sehr gegensätzliche Charaktäre aufeinander, jedoch nichtsdestotrotz entwickelt sich eine sehr tiefe Vertrautheit und Verbundenheit. Sehr sehr schön und sooo romantisch! 😉

Dabei fällt mir ein: In einem ähnlichen Stil habe ich übrigens vor ein paar Jahren einmal „Leihst Du mir Deinen Blick“ von Válerie Zenatti gelesen, das Buch beschreibt eine Brieffreundschaft zwischen Jerusalem und dem Gaza-Streifen. Sehr einfühlsam wird die Problematik des Nahost-Konfliktes beschrieben und dabei eine zarte Freundschaft zwischen einem Jungen aus dem Gaza-Streifen und einem Mädchen aus Jerusalem geknüpft, äußerst empfehlenswert!!!

Das nächste Werk, das ich hier kurz vorstellen möchte, ist aus Italien. Ein typisches Buch, das einem im Buchhandel über den Weg läuft und nach einem so zuckersüß-verheissenden Schmöker für laue Sommerabende klingt, dass man es einfach mitnehmen muss. Aber es hat sich gelohnt.

„Elisabetta hält das Rezeptbuch ihrer Familie in Händen.
Als ihre Mutter mit nur 43 Jahren starb, war sie selbst noch ein kleines Mädchen.
Beim Blättern spürt sie den Düften ihrer Kindheit nach und erinnert sich an die Geschichte ihrer Familie.
Und versteht schließlich, was ihre Mutter ihr mit auf den Weg geben wollte:
ein glücklicher Mensch zu sein, ein eigenes Leben zu führen, also neue Rezepte zu erfinden und dem Buch der Familie hinzuzufügen.“

Die älteste Schwester von fünf Geschwistern übernimmt ganz selbstverständlich nach dem Tod der Mutter die Rolle der Mutter für ihre Familie. Sie kocht, kümmert sich um alle, um alles, ohne Rücksicht auf ihr eigenes Leben. Erst Jahre später, als sie ein Alter erreicht hat, das ihre Mutter nicht mehr erleben durfte, schafft sie es, sich von dieser Rolle zu lösen. Das Buch ist in einzelne Kapitel aufgeteilt, die jeweils mit einem Rezept beginnen und dann von den Erinnerungen, die mit diesem Rezept verbunden sind, berichten. Last but not least: Die Rezepte klingen ganz tollst verlockend lecker, so richtig nach guter italienischer Hausmannsküche! Noch bin ich nicht dazugekommen, eines auszuprobieren, aber bald, ganz bald!

Das war’s so, zumindest das wichtigste, was ich in letzter Zeit gelesen habe.

Upcoming next:

Und was sonst noch in meinem Bücherregal diesen Sommer auf mich wartet, sieht man bei den ganz freshly aktualisierten Ansku-Books.

Lesen!

Diese beiden hab ich auf der Deutschlandreise gelesen und kann besonders Buchtipp Nr. 2 wirklich sehr empfehlen – allerdings für Menschen, die es vielleicht lieber etwas schnulziger wohnen.

Während ich David Safiers Erstlingswerk „Mieses Karma“ wirklich eineingeschränkt empfehlen kann (und auch habe), hat mich der Nachfolger nicht so 100% von den Socken gehauen. Ich würde sagen „Jesus liebt mich“ ist ein religiöser Science-Fiction-Roman. 😆 Maria, die Hauptperson des Buches, verliebt sich ständig in die falschen Männer und hat auch sonst ihr Leben bemerkenswert wenig im Griff. Als sie ihren Verlobten vor dem Altar stehen lässt, denkt sie und der Leser auch schon, schlimmer kann es nicht kommen. Doch es kommt schlimmer, Maria lernt einen Zimmerman namens Joshua kennen und verliebt sich in ihn.

David Safier ist auch Autor der Fernsehserie „Nikola“ und gerade wenn man die Serie kennt, muten die Witze und das Chaos von Maria doch etwas abgelatscht an. Aber auch wenn man „Mieses Karma“ gelesen hat, sind die Witze und kleinen und großen Alltagspannen und -peinlichkeiten von Maria nicht wirklich neu. Natürlich geht es in dem Buch um die Theodizee-Frage, Marias Schwester Katha ist todkrank, ihr Krebs ist wieder ausgebrochen. Insgesamt ist das Werk also vielleicht etwas abgedroschen, aber trotzdem finde ich die Geschichte nett erzählt und voller unerwarteter Wendungen. Das Buch stellt eine andere, witzige und charmante Art dar, sich mit Glauben auseinanderzusetzen und ich muss zugeben, das Buch hat mich doch in vielen Momenten, während ich so im Zug sass und las, ein wenig zum Nachdenken angeregt.

Das ist ein wirklich süßes, schön erzähltes Buch. Es geht um ein Haus in Manhattan und seine Bewohner. In der Anonymität der Großstadt lernen sich die Bewohner erst zufällig beim Spazierengehen mit ihren Hunden näher kennen. Es entspannt und entspinnt sich eine lustige und amüsante Beziehungskiste mit lauter völlig unterschiedlichen Charaktären.

Das Buch ist sehr angenehm zu lesen, die Handlung hat zwar wenig wirkliche Höhepunkte und plätschert stellenweise vor sich hin, ist aber trotzdem immer interessant und spannend. Viele Details werden liebevoll und kunstvoll beschrieben, dennoch schafft die Autorin dies, ohne zu detailliert und langweilig zu werden. Alle Charaktäre haben ihre Macken, Ecken und Kanten, sie machen Veränderungen durch und so ergibt sich doch immer wieder eine neue Wendung, eine neue Liebelei oder eine neue Freundschaft, so dass man ähnlich wie in einer Daily Soap immer wissen möchte, wie es weitergeht. 😉

Ein bisschen schnulzig vielleicht, aber wunderschön zu lesen!

Caravan

Aus Frau Anskus Bücherkiste gibt es heute (leicht verspätet) diese Empfehlung:

Wenn Ihr mal wieder eine entspannende, leichte, nette Lektüre zum gemütlichen Schmökern an dunklen Winterabenden sucht, dann holt Euch „Caravan“ von Marina Lewycka. Ähnlich amüsant und lustig zu lesen wie der Vorgänger, allerdings habe ich anfangs etwas mehr Zeit gebraucht, bis ich mich eingelesen hatte. Aber danach war es ein sehr nettes, gut geschriebenes Buch, welches ich gerne abends als Gute-Nacht-Lektüre aufgeschlagen habe. Was mir besonders gefallen hat war, wie Frau Lewycka gelichzeitig treffend und feinfühlig die Charaktäre und die charmanten kleinen Macken aller Nationalitäten, die da auf dem englischen Erdbeerfeld zusammenkommen, erfasst und beschreibt. Jede Menge schräge Typen tauchen im Verlauf des Buches auf und eine Liebesgeschichte ist auch dabei, was willse mehr? Also: Lesebefehl!!! 🙂

Mieses Karma

Reinkarnation is wirklich mal richtig bescheuert! Da wird man nur wegen so ein bisschen blödem Karma gleich von einer herabstürzenden Weltraumtoilette aus der ISS erschlagen und wird als Ameise wiedergeboren. Und wenn man dann gerne ein bisschen gutes Karma sammeln möchte, um wieder als Mensch auf diese Welt zu kommen, dann ist das nicht so wirklich einfach, denn wie bitte will man in einem Ameisenhaufen gutes Karma zu sammeln. So eine klitzekleine Ameise, die soll Gutes tun und positiv und selbstlos auf die Umwelt einwirken, aber direkt daneben die Ameisenkönigin, ein solches Musterbeispiel an Selbstlosigkeit, dass sie vor der drohenden Überflutung des Ameisenhaufens mit ihren sämtlichen Liebhabern flüchtet, aber das restliche Ameisenvolk kann gerne mal eben untergehen? Kann mir das mal jemand erklären, was daran gutes Karma sein soll? Aber dafür wird man halt von einem Menschen mitverspeist, und weil man ja in diesem kurzen Leben keine Zeit hatte, Karmapunkte zu sammeln, auch gleich nochmal als Ameise wiedergeboren. Nullrunde, alles nochmal von vorne, alle nochmal an den Start. Kann man es damit als Segen betrachten, wenn man irgendwann nach langem, mühvollem Karma-Punkte-Sammeln als Meerschweinchen wiedergeboren wird? Oder als Kater? Fragen über Fragen. Und dann auch noch dieses Großmaul von Buddha, mit dem man sich bei jeder Inkarnation von neuem herumschlagen muss…

Ich kann jedenfalls jetzt kein Fleisch mehr essen, weil ich Angst habe, dass es ein wiedergeborener Kaiser Ludwig der II sein könnte und ich womöglich als Strafe für meine Fress- und Selbstsucht dann als Darmbakterie wiedergeboren werde, aber trotzdem empfehle ich sehr, dieses Buch zu lesen. 😉

Miklos Vámos – Buch der Väter

Endlich fertig gelesen, für gut befunden und nicht nur für Ungarn-Fans absolut lesenswert. 🙂

Miklos Vámos erzählt eine Familiengeschichte über zwölf Generationen und drei Jahrhunderte. Die Familie der Csillágs (ung. csillág = Stern) Sterns, später Sternovszkys und später wieder Csillágs durchleben ein von Höhen und Tiefen geprägtes Leben. Zudem besitzen jeweils die erstgeborenen Söhne die besondere Gabe, in die Vergangenheit und teilweise auch in die Zukunft sehen zu können. Ihre Erlebnisse und Gedanken notieren sie im „Buch der Väter“, welches von Generation zu Generation an die erstgeborenen weitergegeben wird und einen spannenden Einblick in die alte Geschichte der Familie gibt.

Sehr spannend, sehr schön geschrieben. Miklos Vámos schafft es, im ungarischen Original auch die Veränderung der Sprachen von drei Jahrhunderten bis zum heutigen Jugendslang nachzuempfinden und auch in der deutschen Übersetzung ist es geglückt, dies wiederzugeben. Jeder Generation ist ein Kapitel gewidmet, welches eine in sich abgeschlossene Geschichte über das Leben und Schicksal dieser Generation enthält und dennoch sind die Kapitel miteinander verwoben zu einer einzigartigen Familiensage.

Der Drachenläufer

Ich bin normalerweise ein Häppchen-Leser und kann mich eigentlich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal ein Buch in einem Wochenende durchgelesen habe, aber dieses Buch habe ich letzten Donnerstag angefangen und gestern nacht um ein Uhr nochwas zugeschlagen. Und ich bin begeistert, ich bin gerührt und ich bin hingerissen.

Khaled Hosseini beschreibt die Pracht und später die Zerstörung Afghanistans auf so unglaublich bildliche und realistische Weise, dass ich, als ich das Buch weglegte, mir ersteinmal in Erinnerung rufen musste, dass ich in meiner Wohnung in Deutschland bin. Daraus kann man auch eine unglaubliche Liebe für dieses Land herauslesen. Die Geschichte um die Freundschaft der beiden Jungen Amir und seines Dienstbotenjungen Hassan ist einfach nur unglaublich rührend und fesselnd.

Definitiv wird dies eines meiner Lieblingsbücher. Unbedingt lesen!

Der Zeitgeist

Ich scheine tatsächlich im Urlaub, während ich schön gemütlich im Café geschmöckert habe, etwas verpasst zu haben. Das Buch, welches ich arglos in den Händen hielt und eher als eine Belustigung als eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema ansah, hat plötzlich, wenn man der F.A.S (Artikel ist leider verschlüsselt und zahlungspflichtig, vielleicht hat’s ja trotzdem jemand gelesen) glauben darf, den Aufstieg in die Riege der „Generationenbücher“ geschafft, die den „Zeitgeist“ einer Generation verkörpern wollen und sollen. Direkt neben „Generation Golf“ und Konsorten soll Frau Roche sich platziert haben.

Ich bin nun doch etwas erstaunt, dass so etwas ohne ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema und nur durch plumpe Übertreibung gelingt und möchte dazu nur sagen: Ich finde diese Theorie „Zeitgeist“ sehr ungenau und sehr nichtssagend. Ich hatte schon in den zwei Semestern, die ich Soziologie studiert habe (Entschuldigung vielmals an hier anwesende Soziologen!) Probleme mit gewissen verallgemeinernden Theorien von Klassen und Milieus, mit diesen ganzen Vorstellungen von gesellschaftlichen Gruppen und den Stilen, Lebensweisen und Gefühlen dieser Gruppen, weil die Menschen und jeder einzelne Mensch für sich zu verschieden ist, als dass man sie so rapide verallgemeinern könnte. Daher glaube ich auch nicht, dass es Bücher gibt, die den Zeitgeist einfangen oder beschreiben konnen, vielleicht können sie ja gewisse Tendenzen feststellen, aber auch nicht mehr. Wie am Ende des Artikels, so schön bemerkt wurde: „Es gibt sicherlich auch jede Menge Frauen, die Charlotte Roches Problematik kein bisschen interessiert.“

Und dann noch: Ja, ich rasiere mir die Achselhaare, und nein, ich fühle mich dadurch in keinster Weise unterdrückt, weder von Schönheitsidealen noch von Männern noch von sonstigen Vorstellungen oder sonst irgendjemandem.

Das pinke Grauen

Noch ein paar Worte zur Urlaubslektüre:

Ich fand es aus irgendeinem Grund – unterhaltsam. Nicht schlecht geschrieben, stellenweise lustig, unterhaltsam eben und mal was anderes. Ich bin da vielleicht sehr unzimperlich, aber ich hab das Buch gerne gelesen. Allerdings habe ich einmal ganz in Gedanken beim Lesen in meine Tasche gegriffen und ein Stück Schokolade in den Mund geschoben, was ich eine halbe Minute später sehr bereut habe. 😉

Ein bisschen enttäuscht bin ich allerdings, weil ich trotz negativer Kritiken, die ich zuvor gehört habe, wenigstens ein bisschen erwartet hatte, dass Frau Roche sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzt, dass sie z.B. etwas über Sinn und Unsinn bzw. Übertreibung von Körperhygiene oder über diese ganzen Einstellungen, Vorstellungen und Vorurteilen, die zu diesem Thema herumschwirren, etwas sagt. Leider hatte ich dann doch stellenweise das Gefühl, dass es nur darum ging, mit möglichst vielen und möglichst ekelhaften Sachen, Angewohnheiten und Phantasien dieser Figur Helen aufzutrumpfen.

Sehr versöhnlich war dann für mich der Schluss. Und schön.

Ich denke…

… dass ich mir zum Urlaub das pinke Grauen antun werde. Ich bin zwar mit der aktuellen Lektüre zu meiner Schande immer noch nicht durch, aber durch diverse Diskussionen bin ich jetzt doch seeehr sehr neugierig geworden und – dachte ich mir heute morgen – wenn ich es nach Finnland mitnehme, kann ich es unbeschwert in Bus und Bahn lesen, versteht dort keiner, kennt dort keiner, schaut mich auch keiner komisch an, wa‘? Sagt mal jemand, dass das eine gute Idee ist! 😉

Ich denke, da ich sowieso angesichts dieser umwerfenden Gastfreundschaft noch ein paar Geschenke und Mitbringsel brauche, da geht heute noch eine Bestellung an den Internetbuchstöberladen meines Vertrauens raus.

Kjell Westö – Vom Risiko, ein Skrake zu sein.

„Eine Familiengeschichte, eine wunderschön erzählte Familiengeschichte“, mit diesen bekam ich Ende Januar von der liebsten Frau P. dieses Buch ausgehändigt. Mein Buchsitter-Buch. Und ja, sie hat Recht!

Es hat etwas gedauert (ich bin ein Häppchen-Leser), aber nun habe ich alles durchgeschmöckert. Und bin begeistert. Es ist wunderbar spannend zu sehen, wie die Geschichten in einer Familie über mehrere Generationen hinweg miteinander verworben sind. Wie ein Mensch von dem, was er erlebt, bestimmt wird und wie sich daraus eine Tragik Oder auch eine sehr sehr ordentliche Portion Verschwurbeltheit? entwickeln kann, die selbst beim Tod dieses Menschen mitmischt. Und dennoch werden einem die Gestalten im Laufe des Buches richtig sympathisch, sie wuchsen einem richtig ans Herz. Ein wunderbarer Schmöcker also, mit interessanten Charaktären, einer sich auf höchst unterhaltsame Weise durch das Buch ziehenden Handlung mit vielen lustigen, spannenden, plötzlichen Wendungen und mit kleinen, interessanten Ausflügen in die Geschichte Finnlands im 20. Jahrhundert.

Der Autor Kjell Westö gehört zur schwedischsprachigen Minderheit im Süden Finnlands, das Buch ist somit ursprünglich auf Schwedisch geschrieben. Daher bekam ich beim Lesen auch einen interessanten kleinen Einblick in das Leben dieser Minderheit.

Vielen Dank, liebe Frau P., für diesen gelungenen, für mich ersten Ausflug in die speziell finnlandschwedische Literatur!

Passend gemacht

Das schöne ist, es gibt Bücher, die sind wie für mich gemacht. Auf meinem Nachttischchen liegt nun endlich das Buch von Frau Phistame und ich lese mich durch die Seiten und freue mich wie Bolle, weil ich ständig bekannte Namen und Orte entdecke. Wer weiss z.B. wo der im Buch erwähnte Flugplatz von Malm liegt? Ich, ich, ich!!! Fin. Malmi/ schwed. Malm (Finnland ist ja zweisprachig) liegt im Osten von Helsinki und hatte mal einen Flughafen, der aber inzwischen kaum noch bzw. nur für militärische Zwecke genutzt wird. Ich hab vier Monate in Malmi/ Malm gewohnt, ich weiss das. Wenn ich also lese und alle diese Namen lese (zugegebenermaßen in diesem Buch auf schwedisch, weil der Autor Finnlandschwede ist, aber trotzdem), dann geht ständig ein ganz warmes, erinnerungsschweres Gefühl durch meine Glieder, bei jeder einzelnen Straße und jedem Viertel, Aggelby (mit schwedischem A), die Backasgata, der Tavastväg, Hagnäs, Kampen, Unionsgata, Simongata, da tauchen ständig Bilder vor meinem inneren Auge auf und ich kriege gerade ganz ganz ganz doll Sehnsucht und etwas Pipi in die Augen… 🙂

Glennkill

Und noch eine wunderbare Ferienlektüre.

„Gestern war er noch gesund“, sagte Maude. Ihre Ohren zuckten nervös.
„Das sagt gar nichts“, entgegnete Sir Ritchfield, der älteste Widder der Herde, „er ist ja nicht an einer Krankheit gestorben. Spaten sind keine Krankheit.“

„Leblos liegt der Schäfer George Glenn im irischen Gras, ein Spaten ragt aus seiner Brust. Seine Schafe sind entsetzt: Wer kann den alten Schäfer umgebracht haben? Und warum? Miss Maple, das klügste Schaf der Herde, beginnt sich für den Fall zu interessieren. Glücklicherweise hat George seinen Schafen vorgelesen, und so trifft sie das kriminalistische Problem nicht ganz unvorbereitet. Unerbittlich folgen sie der Spur des Täters und kommen den Geheimnissen der Menschenwelt dabei nach und nach auf die Schliche – bis es ihnen schließlich gelingt, Licht ins Dunkel zu bringen und den rätselhaften Tod ihres Schäfers aufzuklären.“

Ein tolles Buch voller witziger Momente und überraschender Wendungen, die ganze Geschichte ist also aus Schafsperspektive erzählt und daher unheimlich witzig. Das fängt beim Sprachwitz an und hört auf bei den aberkomischen Versuchen der Schafe, die Menschen mit ihrer eigenen Schafslogik und Schafsvorstellungen verstehen zu wollen. Jedes Schaf versucht dabei, seinem Charakter und seinen Fähigkeiten gemäss zur Lösung des Falls beizutragen. Miss Maple ist der denkende Kopf der Herde. Mopple the whale das verfressene Gedächtnisschaf, Othello der Welterfahrene und so weiter.

Komischerweise bin ich trotzdem schwer in die Handlung hineingekommen und stellenweise war ich etwas verwirrt, wer hier nun jetzt wer ist und wer jetzt eigentlich was wann wo wie gemacht hat, aber das kann auch an mangelnder Konzentration dem beginnenden „MagisterarbeitfrisstHirn“-Phänomen liegen. Aber besonders der Schluss war sehr spannend und das Ende äußerst versöhnlich. 😉

Gesamturteil: Dennoch und trotzdem und desdem uneingeschränkt lesensempfehlenswert!!!
„Das nächste Mal lese ich euch ‚Das Schweigen der Lämmer‘ vor“, versprach sie. Dann erhob sie sich von den Stufen des Schäferwagens.
„Das Schweigen der Lämmer“. Es klang vielversprechend. Vor allem die Mutterschafe erhofften sich einiges von der Lektüre.

Brief nach Ungarn

Liebste Frau Phistame,

ich muss mich ganz arg doll entschuldigen, aber ich kann jetzt noch nicht anfangen, Ihr Buch zu lesen. Es liegt da und es juckt mich und beisst mich und schreit nach mir, will den ganzen Tag in meinen Händen gehalten werden, ich halte die Spannung kaum noch aus, aber ich kann nicht. Ich habe gestern von Kari Hotakainen „Sydänkohtauksia“ (zu deutsch: Lieblingsszenen, haben wir auch im Institut, ein sehr empfehlenswertes Buch) zu Ende gelesen, hier wartet demnächst noch mein Weihnachtsgeschenk „Sintflut“ von Hannu Raitila auf mich, ich kann nicht mehr. Ich brauche eine Pause. Sie wissen ja, ich liebe und schätze die finnische Literatur, aber Fennisierung kann auch irgendwann überhand nehmen. Ich vergesse womöglich am Ende noch, wie ich heisse (Ansku, gell? stimmt’s?!) und wo ich lebe (in Helsinki, oder etwa nicht???) Ich MUSSTE daher leider heute den Schafskrimi Glennkill, meine kleine Sünde bei Amazon neulich, Sie erinern sich vielleicht, anfangen. Trivialliteratur werden jetzt einige sagen, ein simpler Schmöker und nicht zu vergleichen mit dieser wunderbaren Familiengeschichte und sie haben sicherlich recht. Im Moment bin ich zugegebenermaßen ob dieser etwas einseitigen Lage in Fenno-Ugria sehr erleichtert, dass sich in meinen Regalen auch noch etwas Ungarisches findet, was mich in nicht allzuferner Zeit erwartet, nämlich Miklos Vámos „Buch der Väter“.

Bösen Sie mir jetzt? Bin ich etwa eine schlechte Buchsitterin? Ich verspreche, dass ich Ihr Buch trotzdem wenigstens einmal am Tag in die Hand nehme, damit es sich nicht alleine fühlt. 😉 In diesem Sinne, lassen Sie Sich wenigstens ordentlich magyarisieren und frönen Sie den (literarischen) Freuden Ungarns. Ich sehe mit Freuden, dass die ersten Schritte dazu bereits getan sind. 🙂
Herzlichst,
Ihre Frau Rossmeister

Zufällig Buchsitter gesucht?

Frau Phistame kann ihre Bücher nicht alleine lassen. Ich wollte schon zu.u.u.fäll.ig.er.wei.se seit langem mal wieder eine schöne Familiengeschichte lesen. Und zu.u.u.fäll.ig.er.wei.se gab es da plötzlich einen Umschlag, der mit den Worten „Familiengeschichte“ lockte. Aber ko.mi.sch.er.wei.se ahnte ich da noch nichts…

Und so…

… wurde ich 1-2-3 zu.u.u.fäll.ig.er.wei.se zum Buchsitter für die nächsten fünf Monate. Danke, Du Liebe! Ich werde es behüten, hegen und pflegen dass es am Schluss gar nicht mehr zurück zu seiner Besitzerin will 😉

Und zu.u.u.fäll.ig.er.wei.se ist heute meine Bestellung vom Internet-Buchladen meines Vertrauens angekommen. Magisterarbeit ade, ich geh dann mal lesen. 😉

Karlsson vom Dach


(Nicht ganz ernst gemeint)

Meine Astrid-Lindgren-Sammlung ist seit Weihnachten wieder um zwei Bücher vollzähliger, die Pippi Langstrumpf auf Franssösiiisch (wenn das nicht hilft, dann hilft gar nichts mehr, ehrlich) und Karlsson vom Dach. Habe ich auch beim Lesen viel gelacht und geschmunzelt, so musste ich doch einige Male heftig schlucken und mich doch gehörig wundern, welche Werte hier kleinen Kindern vermittelt werden.

Ein schöner und grundgescheiter und gerade richtig dicker Mann in seinen besten Jahren, das ist Karlsson vom Dach laut eigener Aussage. Auch im weiteren Verlauf des Buches neigt er nicht gerade zur Untertreibung. Karlsson ist der Bravste der Welt, der beste Dampfmaschinenaufpasser der Welt (woraufhin als allererstes die Dampfmaschine in die Luft fliegt), der beste Hausbock-Tirritierer der Welt, der liebste Enkel der Welt und eigentlich der beste Karlsson der Welt überhaupt. Andere Leute dagegen behaupten, Karlsson sei ein eigenwilliger, verwöhnter, ungezogener Bengel, doch darauf reagiert Karlsson als ersters mit einem Trotzanfall und der Aussage „Da mach‘ ich nicht mehr mit“. Überhaupt macht Karlsson bei ziemlich vielem nicht mit, wenn es nicht nach seinem Kopf geht. Dieses Verhalten geht natürlich nicht einher mit sämtlichen Regeln der Erziehung und des menschlichen Zusammenlebens und ist daher für die Bildung von kleinen Kindern kontraproduktiv und somit zurückzuweisen. Kinder sollten noch in einem sensiblen Alter die Regeln des gemeinsamen Miteinander erlernen und sollten begreifen, dass die Welt sich nicht immer nur im sie alleine dreht. So ein Verhalten könnte nämlich im realen Leben leicht zu gesellschaftlicher Isolation führen. (Und warum Karlsson alleine in einem Haus auf dem Dach hinter dem Schornstein wohnt, darüber diskutieren wir nächstes Mal.)

Karlssons ständige Ideen und Streiche sind bisweilen äusserst unterhaltsam und witztig, zuweilen aber auch gefährlich. Unreflektiert könnten sie Kinder zur Nachahmung animieren. Daher sollten Sie vor der Lektüre des Buches ihrem Kind verständlich auseinandersetzen, dass eine Dachrinne auch in Schweden kein Müllschlucker ist und es nicht einfach beliebig Dampfmaschinen in die Luft jagen kann, wie es gerade lustig ist.

Doch hier soll nun genauer das Freundschaftsverhältnis zwischen Karlsson und Lillebror beleuchtet werden. Karlsson ist also wie bereits erwähnt eigentlich in allem „Der Beste“ und deshalb vergöttert Lillebror ihn zutiefst. Selbst erntet er dagegen nur Erniedrigung. „Du bist zwar nur ein kleiner, dummer Junge, aber irgendwie mag ich dich trotzdem.“ Auch die simpelsten Grundsätze des freundschaftlichen Teiles sind anscheinend noch nie bis zu Karlssons Ohren vorgedrungen, denn ständig fordert er mit neuen Tricks, dass Lillebror sogar noch sein letztes z.B. Bonbon hergibt. Hat dagegen der arme Lillebror mal ein Bonbon für sich behalten, wird er von Karlsson als egoistisch beschimpft. „Pfui, wie verfressen kann man nur sein.“ Auch von Arbeitsteilung hält Karlsson vom Dach recht wenig, wie auch von Arbeit überhaupt. Zuerst verwüstet er bei einer „Putzaktion“ Lillebrors Zimmer, dann muss Lillebror jedoch bei Karlsson auf dem Dach putzen. Als Lillebror um etwas Mithilfe bitte, erntet er nur die Antwort. „Wie um Himmels willen macht man es bloß, so faul zu werden wie du?“ Daraus resultierend muss ich mich nun fragen, welches Bild von Freundschaft den Kindern, die dieses Buch lesen vermittelt werden soll. Das einer totalen Über- bzw. Unterordnung? Der Schwächere ordnet sich unter und gehorcht, der Stärkere bestimmt? Ein Verhältnis, in dem Teilen und ein freundschaftliches Miteinander ein Fremdwort sind? Kinder kopieren leicht andere Personen und seien sie auch fiktive Romanhelden, deshalb finde ich den Gedanken, dass Kinder denken, sie könnten sich so verhalten wie Karlsson doch leicht befremdlich.

Dessen ungeachtet gibt Lillebror weiterhin bereitwillig alles her, was Karlsson von ihm fordert und verteidigt Karlsson bis aufs Äusserste. So auch z.B. Bonbons. Sobald Lillebror oder ein anderes Kind Bonbons haben, müssen dieses sofort laut Karlssons Meinung einem „wohltätigen Zwecke“ zugeführt werden und der wohltätige Zweck ist natürlich und logischerweise nur Karlsson selbst. Diese egoistische, habgierige Einstellung ist aus psychologischen, soziologischen und zahnhygienischen Gründen jedoch strikt abzulehnen.

Ich empfehle daher, dieses Buch nur gemeinsam mit bereits etwas älteren Kindern zu lesen und sich im Darauffolgenden differenziert über die Inhalte zu diskutieren. In diesem Zusammenhang kann auch einen pädagogisch wertvoll geführte Diskussion über Gemeindschaftssinn, soziales Verhalten und Essgewohnheiten geführt werden.

😉

Lesestoff 2007

Ein kurzer Streifzug durch die (meine) literarische Welt 2007. Hat eigentlich fast alles sehr viel Spaß gemacht und kann daher bedenkenlos weiterempfohlen werden.

– Anna Gavalda, Zusammen ist man weniger allein
– Carlos Riuz Zafón, Der Schatten des Windes
– Paolo Coelho: Der Zahir
– Mario Vargas Llosa: Das Paradies ist anderswo
– Richard Powers: Der Klang der Zeit
– Valérie Zenatti: Leihst Du mir Deinen Blick?
– Irene Dische: Großmama packt aus
– Die Lebensgeschichte der Ulrike Meinhof
– Pascal Mercier: Nachtzug nach Lissabon
– Sabine Kuegler: Das Dschungelkind
– Die Lebensgeschichte der Hanna Arendt
– Carmen Rico-Godoy: Como ser una mujer y no morir en el intento
– 3 mal Leena Lehtolainen auf finnisch 😉
– Kari Hotakainen: Iisakin kirkko (Die Kirche von Iisak)
– Kari Hotakainen: Sydänkohtauksia (Lieblingsszenen)

Und ihr?

Wie schön

Hach, wie schön kann man mit der Erstellung einer Amazon-Wunschliste einen ganzen Adventnachmittag vertrödeln, an dem eigentlich so viel anderes zu tun gewesen wäre. Und jetzt bleibt nur noch die Hoffnung, dass auch ja alle meine 10.000 Weihnachts- und Geburtstagswünsche erfüllt werden. Wehe, wehe, wenn nicht….!!! 😉

Abgesehen davon ist die Amazon-Seite so unübersichtlich aufgebaut, dass das Ganze leider leider noch einmal doppelt so lang dauerte… Oder ich bin zu doof. *hüstel*

Verschoben, aber nicht vergessen

Aufmerksame Leser werden festgestellt haben, dass seit einiger Zeit ein neues Buch auf meinem Nachttischchen liegt und nach all den aufregenden und spannenden Reisen, Prüfungen und sonstigen Unternehmungen habe ich auch jetzt endlich Zeit gefunden, dieses anzufangen.

Dennoch steht noch eine Buchkritik aus (Danke an Frau Phistame, beim Lesen Ihres Bloges und Ihrer sehr interessanten Buchkritik bin ich darauf gekommen, dass ich das ja immer noch schreiben wollte), denn so ganz sang- und klanglos, wie es hier im Blog schien, ist Paolo Coelhos „Der Zahir“ doch nicht von der Bildfläche und aus dem Geiste verschwunden. Es ist nur einfach so, dass dieses Buch ziemlich philosophisch angehaucht und kompliziert ist, dass ich es einfach nicht mit wenigen Worten beschreiben kann. Es gäbe zu viel zu erzählen, ich müsste eigentlich die ganze Geschichte nacherzählen, um diese wunderbare Liebesgeschichte, diese Metamorphose eines ganzen Menschen und diese wirklich treffende Gesellschaftskritik sowie den Einblick in das Leben der alternativen Szene von Paris treffend darzustellen. Vielleicht deshalb war es auch so wunderbar und spannend zu lesen.
In diesem Fall hülle ich mich daher nur in zahirisches Schweigen und empfehle dringendst, selber zu lesen.

Lena Gorelik – Meine weissen Nächte


„Anja lebt schon lange in Deutschland. Ihre russische Familie auch, und die hat sich in den Kopf gesetzt, ihr immer mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Gefragt und ungefragt. Als hätte Anja nicht schon genug mit der Suche nach einem Job zu tun. Und damit, sich zwischen ihrem Frueund und Ex-Freund zu entscheiden.“

Hier muss ich der Kritik der Süddeutschen Zeitung zustimmen, die sagt: „Meine weissen Nächte beweis, dass junge deutsche Literatur sowohl Leichtigkeit als auch Tiefe besitzen kann.“ Leichtigkeit, wenn Anja mit hinreissender Witzigkeit über ihre urkomische Familie und deren typisch russische Eigenarten erzählt und man das Gefühl hat, mitten in einen unterhaltsamen Schmöker zu stecken und die Welt um sich herum vergessen zu können. Tiefe, wenn die Erzählerin ihre Kindheit und Russland, die Reise nach Deutschland sowie die Ankunft hier erzählt. Mit allen Eingewöhnungsschwierigkeiten, der Armut der Familie, das Staunen über den Wohlstand in der neuen Heimat, was zum Teil auch mit völlig falschen Vorstlellungen verbunden ist, wie sie erste Kontakte knüpft oder wie sie über ihre andauernde Hingezogenheit zu ihrem rusischen Ex-Freund berichtet. Für wen soll Anja sich entscheiden, den leidenschaftlichen Ilja oder den bodenständigen, liebevollen Jan?

Absolut lesenswert!