Erster Schultag

Vor zweiundzwanzig Jahren gab es hier auch mal einen ersten Schultag. Sehr sehr stolz packten nach dem Unterricht ich und das Nachbarsmädchen unsere Schultüten aus und machten uns dann noch ein bisschen stolzer an die ersten HAUSAUFGABEN.
Meine waren schnell erledigt, ich sollte auf einem Bild von einen Heißluftballon (??? Hier brechen die historischen Belege ab.) die Umrisse nachfahren. Das war in zwei Minuten geschafft, was ich für eine dem ersten, ich meine dem allerersten Schultag(!), durchaus angemessene Menge an Hausaufgaben hielt. Das Nachbarsmädchen – sie war in die Paralleklasse gekommen und hatte daher andere Aufgaben – saß doch etwas länger an ihren Aufgaben und wunderte sich, dass ich so schnell fertig war. Auch sie musste irgendwelche Linie nachzeichnen, allerdings mehrmals und schön bunt mit verschiedenen Farben und erklärte mir, dass das ja gar nicht sein könne, weil eine dritte Freundin – ebenfalls aus meiner Klasse – auch dieselbe Aufgabe bekommen hatte und die Linien mehrmals hatte nachzeichnen müssen. Ich aber war weiterhin felsenfest von meiner Sache überzeugt und erklärte ihr, dass die Lehrerin uns das genau so aufgegeben hätte und dass ich jetzt mit meinen Hausaufgaben fertig sei. Irgendwie, fand ich, machte es ja auch gar keinen Sinn, ein paar blöde Linien 50 mal stupide nach demselben Muster nachzufahren.
Und nun, raten Sie mal? Am nächsten Morgen, als die Lehrerin durch die Klasse ging und die Hausaufgaben nachsah, da hatten natürlich alle Kinder die Linien mehrmals bunt nachgezeichnet. Einzig klein-Anskus Ballon war beinahe jungfräulich, einfarbig und die Lehrerin wunderte sich gar sehr, warum ich den Ballon nicht bunt mit vielen verschiedenen Farben nachgezeichnet hätte, so wie es aufgegeben worden war…

Dusselcontent also von Kindesbeinen an. 😉

Allen Schulanfängern heute einen besseren guten Schulstart!!

Kindheitsflashback

Die Familie und ich, wir werden alle heute nacht um vier aufstehen, in der unglaublich tiefen nächtlichen Stille das Auto packen, um halb fünf losfahren, den Tagesanbruch bestaunen, irgendwo am Brenner bei Sonnenaufgang und mit Blick in die Berge frühstücken, mit müden Augen blinzelnd den ersten echten italienischen Cappuccino schlürfen, uns beim Anblick der italienischen Landschaft mit ihren kleinen halb verfallenen Häuschen vorfreudig die Hände reiben und werden irgendwann gegen Mittag in Bellaria (Nähe Rimini) am Meer ankommen.

Fast genau so wie früher beim alljährlichen Italienurlaub. Nur, dass wir früher oft auch schon um drei Uhr losfuhren und dass wir immer auf der umgeklapptem Rückbank ein Kinderschlaflager eingerichtet hatten. Wobei an Schlafen natürlich niemals nie zu denken war, Sie verstehen? 😉

Kindheitserinnerungen galore kommen gerade in mir hoch und irgendwie bin ich grad auch wieder ein bissken uffjerescht.

So wie früher halt.

Halb und irgendwie doch nicht

Was mich schon sehr aufregt, ist das ich nie richtig krank werde. Klingt komisch, ist aber so.

Hier bereits die ganze Woche Schnupfen, Halsschmerzen, Kopfschmerzen from hell, das Ganze gratiniert mit etwas Müdigkeit und allgemeiner Schlappheit. Alles zusammen sehr unangenehm und meistens auch ein guter Grund von der Arbeit auf direktem Weg ins Bett zu gehen. Gehen Sie nicht über Los, ziehen Sie keine… usw. Nichts jedoch, weswegen man wirklich einen ernsthaften Grund hätte zu sagen: Ich bin krank. Ich bleibe zuhause bzw. gleich im Bett. Und so schleppe ich mich durch die Woche und die Woche schleppt sich durch mich und am Ende sind alle unzufrieden. Gerne zieht sich dieses Stadium bei mir bis zu drei Wochen hin, das nervt irgendwann dann doch sehrst.

Im November vorletzten Jahres war ich einmal richtig übel erkältet. Drei Tage konnte ich kaum das Bett verlassen um auf die Toi.lette zu gehen vor Fieber und Gliederschmerzen, danach war’s mir noch ca. zwei Tage etwas schummerig um die Knie und dann war der Spuk vorbei. Irgendwie fand ich das richtig gut, einmal richtig dolle krank und dann aber auch wirklich krank und die Welt da draussen kann mich mal gerne haben und dann isses so schnell wieder vorbei wie es gekommen ist. Das hätte ich gerne jedes Mal! Also, wenn ich es mir aussuchen könnte, möchte ich natürlich gar nicht krank sein, aber das ist ja auch ein sehr hehres Ziel.

Nun ja, ich bin eher so der erstere Typ: Dauer-angeschlagen-aber-irgendwie-doch-nicht-richtig-krank. Wird Zeit, dass der Frühling kommt. Obwohl das knackisch kalte Winterwetter ja eigentlich schon toll ist. Zumindest kann sich jetzt keiner mehr beschweren von wegen richtigen Winter und so!

Frau Ansku verbreitet Angst und Schrecken

Am Sonntag war ich in einer Lernpause spazieren, um das schöne Wetter auszunutzen. Auf dem Weg zum nahegelegenen Lieblingsfluss kam ich an einem zömlisch schöcken und herrschaftlichen Haus vorbei und spontan fiel mir wieder ein, dass ich dort einmal beinahe gearbeitet hätte.

Irgendwann, so mit 14, 15 Jahren hängte ich in der nahen Bäckerei einen Zettel mit einem Babysitterangebot aus. Bereits wenige Tage später meldete sich eine Frau, die zunächst fragte, ob ich auch Englisch spreche. Es stellte sich dann heraus, dass es eine englischsprachige Familie ist, die auch noch ganz in der Nähe wohnt. Sie wollten mich einigermaßen regelmäßig als Babysitterin haben, das Gehalt war okay, dazu noch die einmalige Chance mein Englisch aufzupimpen und ich solle doch ganz bald einmal vorbeikommen zum Kennenlernen. Ich ging hin und war ersteinmal gehörig beeindruckt von dem Haus. Das Gespräch verlief aber dann doch ganz super, wir waren uns auf Anhieb sympathisch, das Baby, das eigentlich schon ein Kleinkind war, wahnsinnig süss und eigentlich hatte ich den Job schon in der Tasche. Wenn nicht…

…ja wenn nicht die Frau schon beim Verabschieden den Kratzer auf meiner Hand entdeckt hätte. Ob ich eine Katze hätte, fragte sie mich, oder woher denn der Kratzer käme? Naiv und wahrheitsgemäß antwortete ich, nein, keine Katze, sondern kleine süße Ratten. Die Frau war zömlisch erschrocken, aber zunächst begriff ich gar nicht warum, denn meine Ratten waren doch sauber und gesund und ganz wahnsinnig süß. Ausser ihrem Käfig bekamen die sowieso nichts zu sehen – leider im Nachhinein gesehen. (Heute würde ich das nicht mehr machen.) Die Frau fragte mit sehr irritiertem Gesichtsausdruck nach, ob ich denn die Hände gewaschen hätte. Aber ja, natürlich, das tue ich jedes Mal, wenn ich mich mit den Ratten beschäftigt habe, ist ja selbstverständlich. Und ob die Ratten denn gesund seien? Klar, sowas von gesund, regelmäßig beim Tierarzt und auch ganz sauber. Wieviel Zeit die am Tag mit Fellpflege verbringen, da kann ich am wahrsten Sinne des Wortes nicht nur gegen anstinken! 😉

Ganz so habe ich das natürlich nicht gesagt, aber ich habe ihr deutlich gesagt, dass von meinen Ratten keinerlei Gefahr ausgeht und schon gar nicht von mir.

Das Ende vom Lied? Die Mutter erklärt mir, dass ich wohl eine Gefahr für ihr Kind bin, dass sie das nicht möchte, also kein Babysitterjob für mich. Ich weiß aber auch heute nicht mehr, ob ich diesen Job wirklich gewollt hätte. Aber immerhin wieder einmal erfolgreich Angst und Schrecken – und dazu anscheinend noch ein paar Seuchen – verbreitet. 😉

(Frau Tunisianna, Ihr wart schuld, damit das nur mal geklärt ist! 😉 )

Jenseits der Stille

Vor einiger Zeit, noch im alten Jahr, musste ich plötzlich ständig an einen alten Film denken, den ich vor etlichen Jahren, als ich noch jung war, mal gesehen hatte.  Zufällig zu genau dieser Zeit schrieb auch Frau Nebelmädchen über Jenseits der Stille und postete diesen Trailer. Immer wieder spukte der Film mir durch den Kopf, aber so lange ist das her, dass ich mich kaum noch an die Handlung erinnern konnte. Es muss wohl einer der ersten „Erwachsenenfilme“ gewesen sein, die ich im Kino gesehen habe, ich war wohl elf oder zwölf Jahre alt. Ich weiß noch genau, dass mich dieser Film ungeheuer berührt und fasziniert hat, ich weiß, dass es einer der besten Filme ist, die ich in meinem Leben gesehen habe. Aber die Handlung war komplett aus der Erinnerung verschwunden. Ich wusste, dass es um ein musikalisch begabtes Mädchen und ihre tauben Eltern ging, mehr aber auch nicht. Faszinierend wie einem so ein Film nicht mehr aus dem Kopf geht, obwohl man sich kaum noch daran erinnern kann.

Der Trailer und etwas Recherche trugen dann, dazu bei das Gedächtnis wieder etwas aufzufrischen, aber dennoch war ich sehr neugierig und wollte den Film unbedingt zu Weihnachten haben zum Geburtstag haben aus der Videothek ausleihen sehen. Jetzt endlich, nach langem Warten, habe ich ihn mir dann doch bestellt damit ich ihn in weiteren 15 Jahren nocheinmal anschauen kann 😉 und er liegt nun endlich hier und ich freu mich wahnsinnig auf heute abend. Und bin irre gespannt. 🙂

Wer A. sagt…

Einige Leute haben sich in den Kommentaren doch etwas besorgt wegen dem A. geäußert, deshalb noch ein kleiner Nachtrag:

Ich wollte nicht ausdrücken, dass der A. irgendwie bedrohlich (oder ähnlich) ist oder sein könnte, ich glaube das würde er sich gar nicht trauen oder – ich weiss nciht, wie ich das ausdrücken soll – ich glaube auf die Idee würde er gar nicht kommen. Ich habe keine Angst vor dem A. oder davor, dass er mir etwas antun könnte. Ich habe die Geschichte eigentlich erzählt, weil es manchmal so komische Zufälle gibt, dass man eine Person jahrlang nicht oder kaum sieht und dann plötzlich ihr ständig über den Weg läuft. Kennen Sie das? Weil mir beim Nachdenken über den A. diese alte Geschichte wieder eingefallen ist und ich darüber einerseits schmunzeln (die Szene, wo der A. bei meinen Eltern auftaucht) und andererseits den Kopf schütteln muss (über meine eigene Naivität damals). Und ja, zu guter Letzt auch weil ich das Ganze etwas komisch und etwas spooky und etwas nervig finde. Diese Blicke. Nervig eben, aber nicht bedrohlich.

Es gibt da noch eine Geschichte, die ich zunächst erzählen wollte, weil sie sehr lustig ist, dann habe ich sie doch nicht erzählt, weil ich Angst hatte, dass es womöglich so verstanden werden würde, also würde ich mich über den A. (Behinderte) lustig machen und jetzt werde ich sie doch erzählen, weil ich denke, dass es vielleicht zeigt, dass diese Sache mit dem A. wirklich harmlos ist und definitiv nicht in diese Richtung geht.

Eine ehemalige Freundin und ebenfalls Nachbarin von mir stand einmal vor vielen vielen Jahren auf dem Münchner Stachus vorm McDonalds und tat genau das, was ca. 99 % aller Einwohner Münchnes vor dem McDonalds am Stachus tun: Sie wartete auf eine Verabredung. Das ist hier einfach so. Wenn man sich mit Freunden in der Stadt trifft, dann trifft man sich vorm McDonalds am Stachus und zieht dann von dort aus weiter, wohin auch immer.

Jedenfalls, die Freundin steht dort und wartet, da kommt plötzlich der A. vorbei, sieht die Freundin, geht zu ihr hin und fragt sie:

„Hast Du Angst, da [in den McDonalds] reinzugehen? Soll ich mit Dir gehen?“

😀

Kindermund

Auf die Rolltreppe im U-Bahnhof stürmt eine Schar Kinder, vermutlich ein Geburtstag oder so. Die dazugehörige Mutter kommt hinterhergejapst kommt hinterher und weist die Kinder an.

„Geht mal alle nach rechts.“

Die Kinder gehen nach rechts, ein Schlaukopf:

„Rechts ist da, wo der Arm links ist!“

Sehr schön, alle Klarheiten beseitigt. Oder wie sehen Sie das? 🙂

(Ich kann mich erinnern, ich habe diesen Satz SO SEHR gehasst als Kind…)

(Das Kind hat sich aber gleich darauf noch selber korrigiert.)

R.L.

Eine Schulfreundin von mir hat mal für ihre Facharbeit den Herrn von der Kommune 1 interviewt und erzählte danach etwas schockiert, dass der Meister schon ein sehr komischer Kauz sei. Ich hatte damals insgeheim etwas Schwierigkeiten, das zu glauben, immerhin gehört der Meister doch der Hippie-Generation an und Hippies sind doch durchaus sehr nette Menschen, sehr tolerant, manchmal auch ein bisschen bekifft, immer aber voll gechillt und insgesamt sehr umgänglich.

So dachte ich bis gestern. Sah ihn beim perfekten Promi-Dinner und musste mit anhören, wie der Herr von der Kommune 1, als für ihn als Veganer ein Extra-Essen serviert wurde, zu den anderen Promis sagte: „Und Ihr esst den Mist.“  Und auch wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass die Sendung solche Menschen immer etwas ironisch und abwertend darstellt, fand ich den Meister aufgrund solcher Äußerungen einen äußerst komischen Kauz, der noch nicht einmal seinen Gästen Besteck anbieten konnte wirklich nicht besonders sympathisch.

Liebe Schulfreundin, ich bitte daher vielmals um Verzeihung!

Wie alles begann

Vor ca. sieben Jahren um diese Zeit sass ich ebenfalls zu Hause und wusste nicht, was ich vom Leben wollte, welchen Beruf ich mal ausüben wollte geschweige denn ob ich studieren wollte oder nicht. Ich war frischgebackene Abiturientin und eigentlich wollte ich ersteinmal nichts wie weg von den ewigen Mühlen des Lernens. Meine Mutter hatte mich jedoch bereits eine Woche nach meiner letzten Abiprüfung gezwungen, zu allen Münchner Unis und Fachhochschulen zu gehen und mir Listen geben zu lassen, welche Fächer man dort studieren kann, zu diesem Zeitpunkt habe ich sie dafür verflucht – was interessiert mich eine Woche nach dem Abi die Uni? –  später war ich ihr noch sehr dankbar dafür.  Halbherzig habe ich auch mal in die Listen reingesehen und kurz überlegt, Chemie oder BWL oder Geschichte oder… zu studieren, dann aber wollte ich doch lieber „ins richtige Arbeitsleben schnuppern“ und hatte halbherzig ein paar Bewerbungen an PR- und Marketing-Agenturen geschickt (der Traum aller kleinen Mädels 😉 – kreativ sein, „irgendwas mit Werbung, irgendwas mit Design“), leider (oder gottseidank?) ohne Erfolg. In erster Linie aber, genoss ich lieber den fabelhaften Sommer 2002, statt mir Sorgen um meine Zukunft zu machen. Außerdem wusste ich einfach nicht, was ich will, so sehr ich auch darüber nachdachte – damals wie heute.

Nach jedem Sommer aber kommt der Herbst, die Schule fing wieder an – ohne mich, die Freunde begannen zu studieren – und plötzlich bekam ich Torschlusspanik. Nachdem ich Mitte September immer noch ohne Job dastand, holte ich auf einmal plötzlich doch wieder die Uni-Listen heraus, ich könnte ja mal schauen, ob nicht doch etwas interessantes dabei ist. Ich setzte mich auf den Boden meines Zimmers und fing an wegzustreichen. Ich strich zunächst alles durch, was nicht in frage kam:

Chemie, Physik, Biologie

BWL/ VWL

Germanistik, Anglistik, Orientalistik

Da plötzlich fiel mein Blick auf ein Fach ganz am Anfang der Liste: Allgemeine Sprachwissenschaft. Das hörte sich schoneinmal ziemlich gut an, nicht sich für eine Sprache entscheiden zu müssen, sondern allgemein Sprache und ganz viele Sprachen zu studieren. Könnte das vielleicht…?

Übrig auf meiner Liste blieben dann zum Schluss

Allgemeine Sprachwissenschaft

Geschichte

Soziologie

Das war’s dann. Ich fand alle drei Fächer gut und wollte am liebsten alle drei Fächer studieren, daher schied Soziologie aber als Hauptfach aus, weil es ein Diplomstudiengang ist und man nur (eingeschränkt) ein Nebenfach hat. Ebenso schied Geschichte aus, weil man dann ein zweites geschichtliches Nebenfach nehmen muss und weil mich mein Lehrer so davor gewarnt hatte. („Ja, was willst Du denn mit Geschichte anfangen? Im Museum wird alle 10 Jahre mal ein Job frei!“), als blieb nur noch Sprachwissenschaft als mögliches Hauptfach übrig und dank dem Magisterstudiengang könnte ich die beiden anderen Fächer dann als Nebenfächer behalten. Gesagt, getan. Ich hatte zwar keine Vorstellung von diesem exotischen Fach, aber „irgendwas mit Sprachen“ wird schon zu etwas gut sein. Ich holte mir ein paar mehr Informationen und gerade einmal zwei Wochen später war ich eingeschriebene Studentin.

So kam das mit der Sprachwissenschaft. Und wenige Monate später sass ich in einem Kurs und plötzlich fiel mir – als ob ich es noch nie gewusst hätte – ein, dass mich Sprachgeschichte und so was ja schon in der Schule, im Griechischunterricht immer so fasziniert hatte. Dass ich in der Schule die war, die sich mit Begeisterung mich auf jedes neue Fremdwort gestürzt hatte, welches ich aus dem Lateinischen ableiten konnte. (Klein-Ansku: „Ach, und Audio kommt dann von lat. audire ‚hören‘, nicht wahr???“) und dass ich die war, die mit dem Lehrer im Griechisch-LK über die regelmäßigen Vokalwechsel im ionischen Dialekt usw. diskutiert hatte und ich musste lächeln und dachte, dass das dann ja so völlig bewusst unbewusst schon die richtige Wahl war.

Und denke das heute immer noch. Dass es eine der besten Entscheidungen war, die ich in meinem Leben getroffen habe.

Ich schreibe das auf, weil mir diese Situation beim Schreiben einer Email an eine Freundin in Finnland neulich eingefallen ist und weil ich erkannte, WIE ÄHNLICH die Situationen damals und heute sind. Ich sollte also vielleicht mal eine Liste schreiben… 😉

old school

Mitte dieser Woche auf dem Sommerfest in meiner alten Schule nach Ich-weiss-nicht-wievielen-Jahren gewesen. Ein sehr komsiches Gefühl, ein sehr zwiespältiges Gefühl. aber irgendwie auch faszinierend.

Ich laufe durch das Schulgebäude, muss kurz eine Minute nachdenken, wo sich die Klos befinden. Ich laufe durch die alten so wohlbekannten Gänge, ich muss neugierig in jede Ecke luren, ob denn alles noch so steht wie früher und eh und je. Ich musste auch in den vergangen Jahren jedes Mal, wenn ich zufällig an der Schule vorbeikam, einmal kurz in die Eingangshalle treten und einmal kurz auf den Kasten mit den neuesten Notizen, Mitteilungen und Ausfallstunden gucken. Auch das muss heute sein. Ich bin wieder auf dem alten Schulklo, auf dem wir heimlich und verbotenerweise unzählige Pausen verbracht haben. Ich werde ganz melancholisch.

Ich stehe auf dem Schulhof. Ich stehe da und kann mich nicht sattsehen. Um mich herum wuselt es. Kleine Fünftklässler rennen über den Hof, und selbst die „Großen“ unter den Schülern kennen wir nicht mehr. Ich fühle mich fremd im bekannten Terrain. Gleichzeitig ist doch diese Atmosphäre, dieses Wuseln so bekannt und vertraut, dass ich mich fast sofort wieder ein bisschen heimisch fühle. Ich denke über das Band, was einen mit seiner Schule verknüpft nach: Ist es dauerhaft? Wird es von positiven und negativen Erlebnissen beeinflusst? Wird es von der nach dem Abitur rasch einsetzenden Verklärung beeinflusst? Ich weiss es nicht, aber in diesem Moment glaube ich, es gibt eine Art Band, etwas dass einen irgendwie immer wieder zu diesen Wurzeln zurückkehren lässt. Auch wenn die Wurzeln nicht immer schön waren, sie gehören doch zu dem Päckchen, was uns prägt und was wir alle ein Leben lang mit uns herumtragen. Das ist ein schönes Gefühl, es macht mich fast ein wenig euphorisch, während ich so dastehe und mich nicht sattsehen kann.

Wir treffen den ein oder anderen Lehrer und wir sind wahnsinnig aufgeregt, ob man uns noch kennt, uns noch erkennt. Aber wir wollen es wissen. Man erkennt uns noch, nur unsere Namen sind zum Teil vergessen. Aber das macht nichts. Die Gesprächsthemen sind schnell dieselben wie früher, sie schwanken zwischen der Erkenntnis, wie wunderbar es doch ist, die Illias und die Odyssee im Original auf Griechisch lesen zu können 😉 und leicht angestaubten Lebensweisheiten. Das Schüler-Lehrer-Verhältnis ist und bleibt immer ein Schüler-Lehrer-Verhältnis, auch sieben Jahre später. Aber das erstaunt mich wenig, vielmehr amüsiert es mich. Vielleicht aufgrund der zwei Mädchenbiere, die ich bereits getrunken hate?

Die Band spielt dieselben Lieder wie auch damals auf den Sommerfesten zu unserer Zeit, dieselben Schüler-Gassenhauer, „In München steht ein Hofbräuhaus“, „Ring of Fire“, „Californication“, alles bekannt und etliche Male dazu abgerockt. Die Musikauswahl danach allerdings lässt mir die Haare zu Berge stehen. Sehr technolastig, sehr laut, sehr modern. Und so bleibt die Erkenntnis: Das Wesentliche hat sich nicht geändert, wann immer wir auch an diesen Art zurückkommen. Und dennoch: Es läuft ein anderer Takt, ein Takt, bei dem ich nicht mehr dabei bin. Wir nicht mehr dabei sind.

(Frau Tunnisianna, was meinen Sie? Soll ich dieses Geschreibsel – leicht geändert – bis zum 15. September noch abgeben bei Sie wissen schon wem? Mich juckt es ja fast schon in den Fingern, nach dem Motto: Jetzt erst recht. 🙂 😉 )

alternative

Vor einigen Jahren, ich war so gerade der schröckelischen Pu.pertät entwischt, war es auf einmal schröckelisch in unter Jugendlichen, alternativ zu sein. Die Jugend rebelliert gerne, schon immer tat sie dies, und in diesem Fall rebellierte sie mit Afro-Mützen, Kiffen und Reggae. Eigentlich war das sehr nett anzusehen, dieses Meer aus Jamaica-Farben und sehr „gechillt“ war es auch. Es war auch nett, ein bisschen selber reinzuschnuppern. Ich kannte damals ein paar sehr überzeugte Alternative, hab das Ganz selbst aber eher so am Rande mitgemacht: Ein paar Reggae-Festivals, weil’s grad Sommer und luschtisch war, und Patrice und Gentleman waren eine Zeitlang auch meine steten Begleiter, aber das wars dann auch schon. So richtig war ich wohl nie so in diesem Trend angekommen, dazu war ich nicht alternativ und cool genung und fühlte auch nie den Drang dazu, wahnsinnig alternativ zu sein. Ich war eher froh, dass ich gerade kurz zuvor ansatzweise herausgefunden hatte, wer ich bin und dass ich eigentlich ganz normal-unalternativ bin und nicht jeden Trend mitmachen muss.

Das Unwort dieser Zeit war: ‚mainstream‘ und für das Ziel, sich vom ‚mainstream‘ abzugrenzen und es – alles in sämtlichen Lebensbereichen anders zu machen – wurde alles getan. Musik, wie bereits gesagt, grundsätzlich die guten alten Helden der 60er und 70er oder halt Reggae. Plötzlich war es wahnsinnig cool, sich für die hungernden Kinder in Afrika zu engagieren, durchaus ein positiver Nebeneffekt des Ganzen. Am coolsten waren aber die, die sich als verkannte alternative Künstler oder Musiker outeten und die anderen abends beim Lagerfeuer mit ihren unglaublichen Gitarrenkünsten und „Hey Mr. Tambourine man“ beeindruckten. Alles eigentlich sehr nett und friedlich und es muss wohl wirklich ein bisschen ein Gefühl wie damals in den guten alten 60ern und 70ern gewesen sein, obwohl zu dieser Zeit wohl gerade einmal die Eltern der meisten Reggae-Jünger das Laufen lernten, wenn ich unter diesen Leuten schon eine alte Oma war.

Doch dann passierte etwas und das, was passierte, war ein gar wunderbarstes Beispiel dafür, wie eine Sache sich selbst ad absurdum führen kann. Plötzlich war nämlich JEDER alternativ, plötzlich lief JEDER mit Afro-Mütze rum und plötzlich hörte JEDER Patrice und Gentleman und Reggae, jeder engagierte sich für die hungernden Kinder in Afrika. Und selbst die hartgesottensten Alternativen mussten erkennen: Ist etwas noch alternativ, wenn JEDER meint, alternativ zu sein und also alle im Endeffekt doch wieder gleich aussehen, die gleiche Musik hören und das gleiche tun? War das nicht alles irgendwie wahnsinnig aufgesetzt und absurd und vor allem: War das nicht im Grund genommen wieder mainstream? Einer nach dem anderen musste diese folgenschwere Erkenntnis machen und aus den kiffenden, die Nächte durchfeiernden Jamaica-Mützen-Trägern wurden plötzlich wieder ganz normale, trendy gekleidete junge Menschen, die alle brav die Schulbank drückten, sich um ihr Abitur bemühten und inzwischen studieren.

Ich würd ja trotzdem gerne mal wissen, ob und wo es die Alternativen noch gibt. Vielleicht geh ich im Sommer mal auf ein Festival…??

Über Vergangenes

Ich hatte mal eine „Freundin“, die stammte aus dem schönen Bayern fast an der Grenze zu Österreich. Eines Tages beschloss diese Freundin, nach Irland auszuwandern, denn irgendwie war ihr alles zuwider in Deutschland, das Wetter, die Menschen, die Bürokratie, das Studium, sie konnte mit ihrem Fachabitur nicht das studieren was sie wollte und noch so einiges. Das tat sie auch bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit kund und so kam es dann, dass sie nach Irland auswanderte. Dort war alles besser, die Menschen (sie lebte zur Untermiete in einem heruntergekommenen Haus bei einem sehr komischen Mann, der sich einen Dreck darum scherte, dass sie Asthmatikerin war und ungestört das ganze Haus vollqualmte), die Bürokratie, das Wetter, das Studium alles war dort besser. Als sie dann dort war, hatte sie nichts mehr zu meckern über die Deutschen und ihre Bürokratie, sie bekam nur noch regelmäßig aus Deutschland Auslandsbafög und ihre Halbwaisenrente überwiesen, also fing sie an, sich über deutsche Touristen zu beschweren, die sich ja bekanntermaßen regelmäßig daneben benehmen und gleichzeitig dazu musste sie betonen, wie unglaublich irisch oder auch irisiert sie schon war und wie undeutsch. Die Tatsache, dass sie eigentlich aus Deutschland kam, wurde daher natürlich möglichst verschwiegen oder verleugnet.

Das Ganze endete dann leider etwas unschön, denn als ich sie nach einem dreiviertel Jahr dort besuchte, absolvierten wir statt einem fröhlichen Wiedersehen eher mehr als weniger gezwungen ein Besichtigungsprogramm und das wiederum endete dann damit, dass sie mir eines Nachmittags während eines Ausflugs an die Westküste von einer Sekunde auf die andere verkündete, sie bräuchte jetzt mal Zeit für sich alleine und ich dann mehrere Stunden alleine durch die Straßen von Galway, einer mir wildfremden Stadt, streunte und nicht wusste, wann, wo und wie ich meine Freundin wiedertreffen sollte. Wir trennten uns dann natürlich im Streit und sie warf mir noch nach meiner Abreise in einem feigen Brief vor, dass ich ja niemals nie eine Freundin gewesen wäre und sie immer nur ausgenützt hätte. Nun, da ich nach neun Monaten die ERSTE von sämtlichen Freunden und Familienmitgliedern war, die sie dort in der neuen Heimat besucht hat, nehme ich an, sie wird wohl eine entsprechende Auswahl von Freunden gehabt haben, um das einschätzen zu können, ob ich ihr eine Freundin war…

Warum ich das schreibe? Weil ich grad heute wieder im Gespräch mit einer Freundin, die grad ein Semester im „Ausland“, in Wien ;), studiert hat, daran denken musste, wie viele Menschen zu Beginn einer neuen Lebensphase sich das alte Leben und alles was damit zusammen hing, erstmal gründlich schlechtreden müssen. Nehmen wir die Leute, die Deutschland verlassen. (Und nein, es handelt sich hier nicht um meine Freundin, sie hat nur von Erfahrungen mit anderen „Auswanderern“ in Wien erzählt.) Gründe, Deutschland zu verlassen, gibt/ gäbe es viele. Die Arbeitslosigkeit, die Politik, die Spießigkeit, die Bürokratie, vielleicht ist es auch ein bisschen sehr geordnet und demnach auch langweilig hier. Vielleicht ist es aber auch einfach nur so, dass jemand sich ganz allgemein woanders wohler fühlt als hier, das darf jedem Menschen selbst überlassen werden.

Und diese negativen Faktoren werden in den allermeisten Fällen, wenn jemand auswandert, eben erstmal mt aller Macht breitgetreten. Die positiven Faktoren von Deutschland, dass man hier doch relativ sicher lebt, dass wir alle ein Dach über dem Kopf und etwas zu essen haben, dass wir in die Schule gehen können/ konnten und sogar ein recht vielfältiges Kulturprogramm geniessen können, das wird dann aber sehr gerne totgeschwiegen und dann ist man auch gerne mal etwas erschrocken oder enttäuscht, wenn man im Zielland erstmal vergebens nach einem funktionierenden Gesundheitssystem sucht oder trotz schönstem Palmenstrand vor der Haustür sich nach acht Uhr abends nicht mehr ohne Angst aus dem Haus wagen kann. Aber man ist ja weg aus Deutschland, denn in Deutschland ist alles so blöd, so schlecht, so schwierig, so einseitig und so grau in grau!

Oder ein anderes Beispiel, die berühmt-berüchtigten Jungendsünden. Selbst Menschen in meinem (jungen) Alter, verdrehen regelmäßig die Augen, wenn man Themen aus der gerade erst vergangenen „wilden“ Jungendzeit anspricht, wenn man mal alte Photos von sich oder alte Zeichnungen, auf denen man mit einem neuen Stil experimentiert hat, findet. „Oh mein Gott, was hab ich denn da gemacht!!! Wie doof war das denn bitte? Oh nein, wie peinlich!“ Und damit meine ich noch nicht mal dieses etikettierte, aber eher belustigte, gemeinsame Lachen über Irrtümer alter Zeiten, sondern wirkliches Entsetzen und Scham. Ist es aber nicht vielmehr so, dass wir, hätten wir diese Dinge, diese meinetwegen missglückten, kindischen Zeichnungen oder diese Jugendsünden nicht gemacht, niemals dort stehen würden, wo wir heute stehen? Jeder von uns hat als Teenager Dinge ausprobiert, Grenzen ausgetestet und manchmal auch mit Absicht Blödsinn gemacht, nur um zu testen, was als Reaktion kommt. Das war so und das wird immer so sein, auch unsere Kinder werden das einmal tun. Können wir nicht, wohlwissend, dass wir als 16jährige niemals nicht über den Kenntnisstand verfügten, über den wir als 26jährige verfügen, all diese Dinge mit ihren zwar anderen, aber damals richtigen Motivationen, mit ihren zwar anderen, aber damals richtigen Situationen und daraus folgenden Handlungsweisen und vielleicht auch mit ihrem zwar anderen, aber damals richtigen Übermut einfach akzeptieren, milde lächeln und einfach dazu stehen, dass wir damals genau so gehandelt haben, weil es damals richitg war?

Es scheint mir also irgendeine Tendenz bei Menschen zu geben, vor Beginn eines neuen Lebensabschnittes – sei das der Beginn des Erwachsenenlebens oder sei das ein Umzug – , den alten Lebensabschnitt ersteinmal kräftig in den Staub zu treten, weil er nicht mehr so passt, wie er mal passte, weil er ein Schuh ist, der zu klein geworden ist, und sämtliche Dinge, die diesen Lebensabschnitt betreffen, mögen sie einst auch noch so positiv und überzeugend gewesen sein, schlecht zu reden. Und das finde ich manchmal doch sehr beängstigend.

Ich verrate Euch jetzt mal was. Ich war zu Teenie-Zeiten Kelly Family Fan. Für viele ist das heute ein Grund, sich zu schämen und das weitesgehend zu leugen, aber warum sollte ich das leugnen? Ich gebe ehrlich zu, mir sind erst neulich beim Aufräumen die alten CDs in die Hände gefallen, ich habe sie in den CD-Player gelegt – und sofort wieder ausgeschaltet. Ich konnte mit der Musik nichts mehr anfangen, es war plötzlich alles weg, was ich damals so daran mochte, so Leid es mir tut, und ich habe mir einen Moment lang gedacht „Oh mein Gott, DAS hast Du mal tagein tagaus gehört?“ Aber dann habe ich mir gedacht „Ja, ich habe das mal geliebt und damals hatte das die und die Gründe. Und das ist auch gut so, auch wenn es heute nicht mehr gültig ist. Aber es ist doch schön zu wissen, dass wir zu dieser Musik damals so wunderbare Zeiten hatten, so viel träumen konnten und so wundervolle Konzerte miterlebt haben.“

Letztendlich, hätte ich damals nicht Kelly Family gehört, hätte ich einige sehr liebe und sehr wichtige Menschen in meinem Leben, mit denen der Kontakt auch über Kelly Family hinaus erhalten blieb/ bleibt, niemals kennengelernt. Wofür sollte ich mich also schämen?

(Und nein, meine Kelly Family CDs gebe ich trotz allem nicht weg, die bleiben hier, mindestens so lange, bis meine Kinder mal in die Pubertät kommen.)

Aus der Musik-Grabbelkiste

… der Frau Ansku wurde gestern abend zufällig Starsailor wieder ans Tageslicht befördert.

Erinnert sich noch jemand an Starsailor? Oder vielleicht frag ich lieber so: Kennt jemand überhaupt Starsailor und weiss, dass es die mal gegeben hat? Ich fand die mal eine Zeitlang, so eine Teenie-extrem-Abgrenzung-und-ich-will-anders-sein-als-der-Mainstream-Zeitlang seeehr extremst anders und cool und alternative und so. Die Musik anders, die Texte ein wenig abgespaced und anders, einfach cool. Meine besten Freundinnen damals fanden das auch. Aber immerhin, von dieser Band stammt eines der besten, tollsten Live-Konzerte, die ich je erlebt habe. Vor allem dieses Lied ist unglaublich:

Wenn ich heute allerdings die Lieder nochmal so höre, dann mache ich mir an einigen wenigen Stellen doch etwas Sorgen und frage mich, ob jemand seinerzeit den Herren mal einen guten Psychologen empfohlen hat, wenn es da so heißt „I was born again, I was born again – not into the world they put me in“ oder „the hope and the spirit, I’d rather not feel it. the hope and the spirit, I’d rather not fear it.“ 😉

… und dann haben wir die Kinder eingeschläfert…

Finnisch ist eine grandiose Sprache, wenn man nie wieder Vokabeln lernen möchte. Oder so ähnlich, die Insider hier werden mich wahrscheinlich jetzt für diesen Spruch töten wollen. 😉 Das Schöne an Finnisch ist nämlich – bei allen seinen Sonderlichkeiten und extravaganten Satzkonstruktionen – dass man sich die Wörter sehr einfach und systematisch aus einem Wortstamm ableiten kann. Zum Beispiel heißt lernen auf Finnisch oppia, davon abgeleitet ist das transitive Verb dazu ope-ttaa ‚lehren‘. Davon wiederum lässt sich relativ einfach die Person ableiten, die etwas lehrt: ope-tta-ja ‚der Lehrer/ die Lehrerin‘. Überhaupt ist z.B. diese Endung auf -ja ziemlich häufig in Wörtern zu finden, die einen „Täter“ bezeichnen: teki-jä ‚der Täter‘, autoili-ja ‚der Autofahrer‘, kuljetta-ja ‚der (Bus-)Fahrer‘, hoita-ja ‚der Pfleger‘ usw. An das Wort für ‚lehren‘ kann man aber gleichzeitig auch noch andere Endungen hängen, z.B. opete-lla, was dann bezeichnet, dass etwas ‚häufig/ viel/ intensiv/ immer wieder wiederholt unterrichtet‘ wird, also sozusagen ‚den Schülern ständig und immer wieder das Wissen reinprügeln‘. 😉 Wenn wir jetzt noch einmal zurückgehen zum „Grundwort“ für ‚lernen‘ oppia, dann lässt sich daraus natürlich auch ein Wort für intensiv/ immer wieder etwas lernen oder auch studieren 😉 opi-skella ableiten (das -skella bewirkt dasselbe wie -lla in ope-te-lla, das soll Euch nicht stören), und jemand, der viel und fleißig studiert ist dann ein opi-skeli-ja. Genau dasselbe gilt natürlich auch für andere Wortfamilien, z.B. puhua ‚reden‘, puh-ella ‚viel reden/ immer wieder reden, also plaudern, schwätzen, sich unterhalten‘, puhu-ja ‚der Redner‘, puh-e ‚die Rede‘, puhe-lias ‚redselig, gesprächig‘, puhu-ttaa ‚zum Reden bringen, Anlass zur Rede bieten‘ usw. Mit der Zeit und mit etwas Übung erkennt man relativ leicht das System, was hinter diesem ganzen Wust aus Endungen steht, denn eigentlich jede Endung hat eine bestimmte Bedeutung wie z.B -ja zur Bezeichnung des Täters oder -lla/-skella/-tella zur Bezeichnung einer häufig wiederholten Handlung. Und dann ist es mitunter ziemlich einfach, sich ein unbekanntes Wort in enem Text selbst zu erschließen, wenn man z.B. den Stamm schon kennt und weiß, was die Ableitung bedeutet. Dann muss man nur noch die beiden Bedeutungen zusammensetzen und schon hat man ganz ohne Wörterbuch ein neues Wort gelernt.

Bei mir hat dieses tolle System allerdings mal zeitweise zu größten Irritationen meines Gesprächsgegenübers geführt. Als ich vor zwei Jahren aus Finnland zurückkam und jedem der es hören wollte oder nicht, so fröhlich von dem Leben in einem finnischen Kindergarten erzählt habe, rutschte mir regelmäßig auf Deutsch ein fataler Fehler heraus. ‚Schlafen‘ als intransitives Verb heißt auf finnsich nukkua und wenn man jemanden oder etwas zum Schlafen bringt, also das transitive Verb dazu, dann heißt das nuku-ttaa, also ‚einschläfern‘. Im Gegensatz zum Deutschen unterscheiden die Finnen aber bei ihrem nukuttaa nicht, ob ein Tier ‚eingeschläfert‘ wird oder z.B. ein kleines Kind ‚zum Schlafen gebracht‚ wird. Ich also da so luschtig dabei, unseren Tagesablauf zu beschreiben – Frühstück, Spielen, Mittagessen… – und gleichzeitig krampfhaft versuchend, im Kopf wieder von „Alltagssprache Finnisch“ auf „Alltagssprache Deutsch“ umzuswitchen, und ich schwöre: Jedes, aber auch wirklich jedes einzige Mal, wenn ich beim Punkt „Mittagsschlaf“ angekommen war, rutschte es mir wieder heraus:

„… und dann haben wir die Kinder eingeschläfert…!“

Ein Wunder, dass ich heute noch von der Kriminalpolizei unbehelligt in Finnland einreisen darf. Das war eine gute Verschleierungstaktik, so als harmlose Studentin verkleidet. 8)

… und wenn die fünfte Kerze brennt

Einmal, da hab ich – nicht Weihnachten, sondern – Silvester verpennt. Ich war wohl noch relativ klein, vielleicht 10 oder 12 und wir haben bei meinem Onkel auf dem Bauernhof gefeiert. Irgendwann im Laufe des Abends war ich wohl sehr müde und hab mich aufs Sofa gelegt, nicht jedoch ohne vorher meiner Familie das Versprechen abgenommen zu haben, dass sie mich Punkt Mitternacht zur Knallerei wecken. Tja, aufgewacht bin ich erst am nächsten Morgen, und das sehr wütend. Das war aber unbegründet, wie sich schnell herausgestellt hat, denn meine Familie hatte sehr wohl VERSUCHT, mich zu wecken, aber es war schlicht und einfach unmöglich. Ich hab gepennt wie ein Stein Felsbrocken.

Ich war natürlich zuerst tieftraurig über das verpasste Silvester, aber meine Familie inklusive Onkels, Tanten und Cousins hat alles gerettet: Die hatten nämlich, als ich partout nicht wachzukriegen war, kurzerhand beschlossen, die komplette Silvesterfeier – bzw. in erster Linie die Knallerei, wie das mit dem Essen war, weiß ich nicht mehr – einfach um einen Tag zu verlegen und wir haben am Abend des 1. Janaur alles nachgeholt und geschossen und geknallert und geböllert, was das Zeug hält. Und da bin ich dann auch nicht eingeschlafen ich war ja schon ausgeschlafen und hab sozusagen nochmal ein Extra-Special-Ansku-Silvester bekommen. 😉

Meine Familie!

Erstens

Früher konnte ich Stunden in diesen Schnickelid-Kruschkram-Geschäften zubringen. Heute bekomme ich in solchen Läden nur noch Pickel und krampfartige Zustände, die mich zwingen, schnellstens den Ausgang aufzusuchen.

Schwank

Wie ich schon geschrieben habe, mit Meer und Stöpsel war bei uns nicht so wirklich. Anstelle dessen wurde dann ein Schwank aus meiner Jungend verlangt. Also gibt es jetzt Schwank, allerdings nicht aus der Kindheit, sondern aus meiner Jugend, aber dafür ist das irgendwie lustiger und auch mehr *schwank*. Naja, Ihr werdet’s ja sehen.

Wir waren früher sechs Mädels alle hier aus der Gegend. Ich war die älteste, danach kamen im Abstand von drei Jahren jünger drei Mädels und zwei von denen hatten noch jüngere Geschwister, die waren dann fünf Jahre jünger als ich. Grundsätzlich haben wir immer alles gemeinsam gemacht, nur einmal, da waren die beiden „Kleinen“ wirklich arg im Weg. Das war der sechzehnte Geburtstag eines Mädels aus unserer Gruppe, sozusagen aus der mittleren Riege, etwa drei Jahre jünger als ich. Wir hatten zunächst alle zusammen zu Hause gefeiert, aber wir „Großen“ schauten schon den ganzen Abend heimlich immer wieder auf die Uhrzeit und darauf, dass die „Kleinen“ (damals also ca. 13 – 14 Jahre alt und somit eindeutig zu jung zum Saufen, für damalige Verhältnisse jedenfalls…) müde wurden. Wir wollten nämlich um Mitternacht noch raus in den Park und etwas trinken, wie richtige „Große“ halt. Der Abend verstrich, die beiden „Kleinen“ wurden und wurden nicht müde. Also beschlossen wir ein kleines Ablenkungsmanöver, wir gingen zunächst – ohne Alkohol – alle zusammen mit dem Hund raus und in den Park. Dann, wieder zu Hause angekommen, es war bereits nach Mitternacht, rechneten wir damit, dass die Kleinen sich nun endlich und endgültig ins Bett verabschieden würden. Doch nichts geschah. Also musste ein Alternativplan her: Plötzlich hatten einer von uns die Idee. Das Geburtstagsgeschenk! Das Geburtstagsgeschenk für die Freundin, die 16 geworden war, war eine Bibel, deren Seiten zusammengeklebt und dann ausgehölt worden waren und die wir dann mit allerlei Schnickschnack gegen das „Altern“ gefüllt hatten. 😉 Ein sehr verwerfliches Geschenk, ich weiß, aber mit 16 Jahren… Ihr wisst schon. Jedenfalls war in dieser Bibel gegen das Altern auch Baldriantabletten, weiß der Geier warum und die fielen uns plötzlich ein. Wir nahmen die also, erklärten den beiden „Kleinen“, dass das ganz tolle Tabletten seien, die gegen das Müdewerden helfen und einen ermöglichen, die ganze Nacht durchzufeiern. Etwas Überredungskunst hat es gebraucht, doch dann haben sie uns die Geschichte abgekauft und als wir die Tabletten dann auch nahmen (nur um sie hinter der nächsten Ecke wieder auszuspucken), nahmen auch die „Kleinen“ brav die Tabletten. Wir warteten noch einige Zeit, wir warteten noch etwas. Doch es passierte wieder nichts, kein Anzeichen von Müdigkeit. „Bist Du schon müde?“ fragten wir unauffällig alle zwei Minuten. „Nööö“.

Schließlich wurde es uns dann zu blöd, wir schickten die „Kleinen“ einfach uns Bett und gingen raus in den Park, um zu rauchen und zu trinken. Da standen wir dann zu viert im Kreis, hatten eine Flasche Sekt, eine Flasche irgendetwas billiges sahniges und eine Flasche Sangria und fühlten uns janz wahnsinnisch erwachsen, wie wir da so im Kreis standen und die Flaschen im Akkord kreisen ließen. Grad schee und schpannend und luschtisch war’s.

Und der Clou: Als wir nach Hause kamen *’weissderHenkerumwievielUhr*, schlief eine der „Kleinen“ immer noch nicht. Also ist die Moral von der Geschicht‘: Leute, vergeßt Baldriantabletten, die bringen ap.so.lut und rein gar nichts! Schon gar nicht wenn man sie braucht. 😉

Ende

Früher, zu Schulzeiten, da hatte ich eher wenig Freunde. Da wurde ich öfters gehänselt, verarscht oder wie man das auch immer bezeichnen mag. Ich war – meistens – diejenige, der um Freundschaften und Anerkennung kämpfen musste. Seit dem Studium ist das gottseidank ein für allemal passè und ich kann mich glücklich schätzen, eine ganze Reihe von sehr guten, eigentlich sogar den besten Freunden, die man sich wünschen kann, zu haben.

Manchmal gehen jedoch auch gute Freundschaften in die Brüche und das ist dann immer noch sehr schlimm, besonders wenn es sich um langjährige, alte Freunde handelt, noch aus der Zeit, wo ich für jeden einzelnen dankbar war (bin ich auch heute noch!), Freunde, mit denen man so einiges durchgemacht hat, die gemeinsam mit einem selbst ob dieser ganzen Irrungen und Wirrungen der Tinäitscher-Zeit gelitten haben, mit denen man sich gestritten hat, sich wieder versöhnt hat und mit denen man unvergesslichen Zeiten und grosse Nähe erlebt hat.

Doch die Zeit ist unbarmherzig, irgendwann trennt man sich örtlich, als nächstes trennen sich die Interessen. Man hält weiterhin Kontakt, sehr intensiv zum Teil, aber dennoch passiert es irgendwann, schleichend. Man entfernt sich voneinander, Stück für Stück, Tag für Tag immer ein bisschen mehr. Und schliesslich eines Tages lebt man in zwei komplett verschiedenen Welten. Doch das scheine nur ich zu merken, so komisch es auch ist, denn sonst wäre diese Freundschaft schon seit Jahren im Sande verlaufen, wie so viele andere auch und wie es nun mal der Lauf der Zeit will. Aber der Kontakt wird gehalten, doch es wird immer schwerer, gezwungener, interesseloser, einseitiger, von Tag zu Tag und mit gleichem Schritt werden auch die Telefonate schwerer, gezwungener, interesseloser, einseitiger. Wir tragen diese Freundschaft ohne Zukunft weiter mit uns herum, doch sie wird immer belastender. Merke nur ich das?

Und irgendwann wird die Last, die ich mit mir herumtrage ob der ganzen ungewollten, gezwungenen Telefonate und noch einiger anderer Dinge, zu schwer und ich bin theoretisch an dem Punkt, an dem ich die Last ablegen möchte und laut „STOPP“ schreien möchte. Irgendjemand muss es ja tun. Doch es ist schwer, unglaublich schwer. Wenn man sich den Anfang dieses Textes ansieht, stehe ich jetzt auf genau der gegenüberliegenden Seite: Ich bin diejenige, die auswählen darf/ kann, wenn eine Freundschaft nicht mehr so ist, wie ich sie mir vorstelle. Das ist eigentlich und an für sich toll, wirklich unglaublich.

Und dennoch ist diese andere, neue Seite nicht minder schwer als die alte, ich bin nicht mehr Werber und Empfänger, ich bin Täter und ich bin manchmal auch Zerstörer, auch wenn ich kaum eine andere Wahl habe.

Eine neue, ungewohnte Rolle, die so gar nicht in mein Weltbild und in mein Bild von mir passt, mit der ich mich so gar nicht anfreunden kann, aber ich muss. Denn die Last wird schwerer und schwerer, ich fühle mich elender und elender und ich denke und zweifle und zweifle und denke. Und weiss doch, dass diese Freundschaft eigentlich keine Freundschaft mehr ist und dass ich nur noch diesen einen Schritt tun muss.

Diesen einen, so unglaublich schweren Schritt.