Neujahrsvorsätze

Langjährige Leser des Ansku-Blogs wissen, dass es hier keine Neujahrsvorsätze gibt. Obwohl, das eine oder andere Pfündchen könnte schon….?

Aber auch dieses Jahr gibt es wieder eine Menge „Vorsätze“, also Dinge, die ich unbedingt machen möchte. Und nachdem das mit der Erfüllung dieser Vorsätze schon im letzten Jahr so gut geklappt hat, werde ich auch jetzt wieder ein paar Träumsche und langgehegte Wünsche aufschreiben. Der größte Wunsch, der Traumjob, ist natürlich jetzt schon erfüllt und vorerst zählt sowieso nur, den Jobeinstieg gut zu schaffen und daneben *hust* mal eben schnell eine Bachelorarbeit zu schreiben. Aber für die Zeit „danach“ gibt es viele kleinere Wünsche und Pläne, die dringend in die Tat umgesetzt werden möchten!

1. Nach London reisen. Seit November lebt das allerbeste Bruderherz in London und natürlich ist das Vermissen groß. Eigentlich wollte ich ganz gediegen zum Christmas-Shopping nach London fliegen ihn schon im Dezember besuchen, aber dann kamen einige Dinge wie u.a. eine Operation dazwischen und ich verschob das auf unbestimmte Zeit. Also auf die Zeit nach der Bachelorarbeit. London ist ja immer einen Besuch wert, der letzte liegt hier schon ca. 15 Jahre zurück. Höchste Zeit also für „immer einen Besuch wert“!

2. Berlin sehen und sterben. Es ist kaum vorstellbar, wie viele Menschen aus dem schönen München weg und nach Berlin ziehen! Nichtsdestotrotz möchte ich diese Stadt – und natürlich eben jene Menschen – sehr sehr gerne einmal wiedersehen. Auch der letzte Besuch in Berlin ist schon etwas länger her, so ca. 2005.

3. Urlaub in Finnland machen. Die letzten Besuche sind auch schon wieder zwei Jahre her und waren allenfalls Stippvisiten. Kaum Zeit, um ausgiebig mit Freunden zu quatschen und Finnland zu geniessen. 10 Tage sind daher das Minimum, am liebsten wieder zu Mittsommer!

4. Stricken lernen. Erst *huch* kam das Nähvirus, dann *huch* kam das Häkelvirus, danach schwor ich mir, dass es jetzt reicht mit Handarbeiten, da sowieso schon so viel Zeit – und Geld – dafür drauf geht. Ich werde also nie und nimmer auch noch Stricken lernen. Falsch geschworen, bei einem Besuch bei der Verwandtschaft im Oktober übernahm das einfach meine Tante für mich und zeigte mir die ersten Schritte… äääh… Maschen. Jetzt bin ich sehr sehr neugierig, habe aber – aus Gründen* – bisher noch darauf verzichtet, hier Strickzeug anzuschaffen. Sowieso wird nach der Abgabe wieder sehr viel mehr hier genäht werden, die letzte Patchworkdecke ist ja nun auch schon seit knapp einem halben Jahr fertig! 😉

5. Aus dem letzten Jahr nehme ich den guten Vorsatz mit, wieder eine Sprache zu lernen. Da ich in einem interkulturellen Umfeld arbeitet, bietet sich das sowieso an. Wie sich allerdings ein Sprachkurs mit Schichtdienst vereinbaren lässt, muss ich noch herausfinden. Aber ich bin da zuversichtlich.

5. Ich möchte – jetzt wo monatlich ein festes Gehalt auf meinem Konto eingehen wird – bewusster einkaufen. Ich achte jetzt schon bei Lebensmitteln auf Qualität und kaufe z.B. Wurst nur noch ca. einmal im Monat und dann möglichst von einer Quelle, die vertrauenswürdig ist. Das würde ich gerne ausbauen und z. B. öfters mal komplett im Bioladen einkaufen. Mal sehen, wie sich das in den Alltag (und in meinen Kontostand) integrieren lässt.

Das sind die wichtigsten Wünsche für 2014. 2014 wird ein Jahr, in dem ich zum ersten Mal seit langer langer Zeit keine Studentin mehr sein werde, sondern einfach meine Arbeit mache und abends nach Hause gehe und dann Zeit für mich habe. Kein Uni-Kram mehr nach der Arbeit, das wird eine völlig neue Erfahrung. 😉

Es gibt viel zu tun!

* Bachelorarbeit.

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Eine ganz normale Familie

Wie stellen Sie Sich eigentlich die moderne arabische Durchschnittsfamilie vor? So?

Arabisch

Arabisch2

Ich versuche ja wirklich stets Klischees und Vorurteile zu vermeiden, aber ich muss zugeben, ich war beim ersten Anblick ein wenig überascht und auch den Hintergrund, zum Beispiel den Tannenbaum, hätte ich doch teilweise eher irgendwo im Voralpenland angesiedelt als im Süden unter Palmen, aber eigentlich ist es doch sehr süß, oder? Scheinbar ist unser Lehrbuch sehr modern. In dem Text geht es übrigens um eine glückliche Familie, um die Eltern und Sohn und Tochter und was die alles machen und wie sie wohnen.

Die liebste Schulfreundin und ich machen seit letzten September einen Arabischkurs an der VHS.  Der Kurs macht Spass – würde vermutlich noch mehr Spass machen, wenn ich ab und zu mal lernen täte! – und der Lehrer ist nett, aber gelegentlich etwas – ich sag’s mal so: anstrengend. Aber ansonsten ist alles gut, ich steige so langsam endlich durch die vielen verwörrenden Schriftzeichen durch und ich kann „schon“ auf Arabisch sagen „Mein Haus hat vier Zimmer.“ Stimmt zwar nicht, ist aber wie wir gelernt haben, in arabischen Ländern äußerst wichtig. 😉

Ab 1. März fängt das Sommersemester an. Ich war so mutig und habe mich zum zweiten Semester angemeldet oder eher gesagt das schlechte Gewissen „Frau Ansku, jetzt machen Sie aber mal hinne hier! Sie können doch nicht ständig neue Sprachen lernen und dann wieder abbrechen, Sie müssen doch auch mal eine dieser Sprachen richtig lernen, um dann, wenn Sie in das Land kommen, wenigstens ein Brot kaufen zu können!“ war jetzt endlich gross genug. Mal sehen wieviele Zimmer mein Haus dann nach dem zweiten Semester hat und ob ich dann vielleicht schon einen Garten anbaue. 😉

Lustiges und Kurioses aus der bunten Welt der Sprache – Sonntagsrätsel, die Auflösung

Ich schulde Ihnen noch die Auflösung zum Sonntagsrätsel. Gleichzeitig möchte ich mich damit für die vielen phantastischen Beiträge bedanken, ich habe jeden einzelnen mit großer Freude gelesen und Sie waren wirklich sehr kreativ. 😉 Toll!

Hier sind nun die „Auflösungen“, wobei das natürlich längst nicht alles ist und außerdem finde ich auch einige diese Begriffe höchst merkwürdig. Oder kann mir jemand erklären, was ein Dorffrühling anderes sein soll als ein Frühling auf dem Dorf? 😉 Aber sehen Sie selbst:

chch: Fachchinesisch, Suchchiffre

chsch: Dachschindel, Fachschule

chtch: Fluchtchance, Früchtchen, Suchtchaos

chtdsch: Frachtdschunke, Feuchtdschungel

chtsch: Frachtschiff, fruichtschale, Knechtschaft

chtschr: Leuchtschrift, Lichtschranke, Rechtschreibung

ckschn: Dreckschnauze, Lackschnalle, Schnickschnack

cktschn: Nacktschnecke

ngsgn: Überzeugungsgnostiker, Ablagerungsgneis

nschschn: Panschschnaps, Punschschnuppern

nzn: ganznächtlich, Tanznummer

pfpf: Dampfpfeife, Kampfpfeil, Sumpfpfeffer

rchschr: Durchschrift, Kichschrifttum

rffr: Dorffrühling, Schorffragment, Wegwerffraß

rschschr: Marschschritt, Pirschschrei

schdsch: Buschdschungel, Plüschdschungel

schsch: Froschschenkel, Mischschale, Waschschüssel

sdn: Dresdner

tschf: Patschfüßchen, Putschführer

tschfr: deutschfreundlich, Kitschfrisur

tschh: Klatschhenne, Patschhändchen

tschst: Kutschsteuer, Lutschstange

tschtsch: Deutschtscheche

tztz: Besetztzeichen, Jetztzeit

Allerdings gibt es bei den meisten dieser Wörter einen kleinen Haken. Erstens überschreiten viele der Konsonanten eine Wortgrenze, fast alle aber eine Silbengrenze. Darum soll es heute hier mal um die Silbe gehen. In der Phonetik und Phonologie erforscht man neben dem Lautinventar einer Sprache meist auch ziemlich intensiv die Silbenstruktur. Auch die Silbenstruktur kann ziemlich typisch für eine Sprache sein. Die Silbe hat einen Kern, das ist immer ein Vokal,  und einen Silbenrand, das sind die Konsonanten davor und dahinter. Ist der Silbenkern von zwei Konsonanten eingeschlossen, spricht man von einer geschlossenen Silbe, zum Beispiel bei Tan-ken. Ist die Silbe aber hinten offen, also der zweite Konsonanten fehlt, spricht man von einer offenen Silbe, beispielsweise in Pa-te.

Typisch für eine Sprache sind u.a. oftmals auch die Silbenstrukturen, die sie erlaubt, ob sie viele Ansammlungen von Konsonanten erlaubt oder eher Vokale. Wikipedia z.B. schreibt (ausnahmsweise ganz vernünftig) dazu:

Manche Sprachen (z. B. Deutsch) erlauben in unbetonten Silben auch sonore Konsonanten wie Nasale oder Liquiden als Silbengipfel. [Anm.: „Sonore Konsonanten“ sind Konsonanten wie l,r,m,n, die fast schon wie Vokale eine eigene Sonorität haben und somit einen eigenen Silbenkern bilden können, wie z.B. in „Matten“, phonetisch: [mat-n̩]. ] Andere Sprachen, z. B. Tschechisch, erlauben auch in betonten Silben bestimmte Konsonanten als Silbengipfel, z. B. Strč prst skrz krk „Steck den Finger durch den Hals“. Diese Aspekte werden in der Linguistik als Silbenbeschränkungen aufgefasst.

Die möglichen Silbenstrukturen werden dann aufgelistet, zusätzlich kann man auch noch erforschen, welche Laute an welcher Stelle in den Silben bevorzugt oder besonders selten oder gar nicht vorkommen. Ziemliche Fieselarbeit. 😉

Deutsch z.B. erlaubt – hier erstmal nur für einsilbige Wörter aufgelistet – folgende Silbenstrukturen (K ist Konsonant, V ist Vokal, Diphtonge zählen als ein Vokal):

V: Ei

KV: Du

KKV: froh [fro:]

KKKV: Streu

VK: an

KVK: Ball

KKVK:  Klang

KKKVK: Strahl

VKK: Ast

KVKK: Mist

KKVKK: Brust

KKKVKK: Strand

VKKK: Obst

KVKKK: Markt

KKVKKK: Schwulst

VKKKK: Ernst

KVKKKK: Herbst

Einige Sprachen wie z.B. Finnisch erlauben nur wenige Silbenformen, da sie prinzipiell immer möglichst eine Struktur KVKV anstreben. Natürlich gibt es einige wenige Ausnahmen davon, aber auch z.B. Konsonantenverbindungen aus Lehnwörtern werden häufig an die KVKV-Struktur angeglichen. So sprechen die meisten Finnen das Lehnwort „stressi“ nur noch „tressi“ oder sogar „ressi“ aus und die KVKV-Struktur ist wieder hergestellt.

Somit habe ich Sie vielleicht genaugenommen ein wenig aufs Glatteis geführt, als ich von diesen Vergleich mit dem Tschechischen schrieb, das war nicht beabsichtigt.*  (Merke: Man schreibe keine Blogartikel so spät abends kurz vorm Zu-Bettgehen!) Es ist immer noch eine Frage der Silbenstruktur, welche Konsonanten an welcher Stelle vorkommen können und natürlich spielen Wort- und Silbengrenzen bei der Aussprache des Wortes eine bedeutende Rolle, allerdings können eben durchaus auch an den Silbenrändern solche sogenannten „Konsonantencluster“ mit scheinbar endlosen Konsonantenketten aufeinandertreffen und die müssen ja trotzdem immer noch irgendwie ausgesprochen werden. Egal in welcher Sprache.

*Dennoch ist das kein Grund für diejenigen, denen es aufgefallen ist, in den Kommentaren gleich ausfallend zu werden. Kritik in einem höflichen Ton ist hier sehr gerne gesehen, hochnäsige Besserwisserkommentare dagegen nicht. Schliesslich ist alles nur ein Spiel. 😉

Lustiges und Kurioses aus der bunten Welt der Sprache – Sonntagsrätsel

Noch so ein Vorurteil gibt es ja im Bezug auf das Verhältnis von Konsonanten und Vokalen. All jenen, die glauben, dass das hier schlimm gewesen wäre, sei gesagt, dass folgende Konsonantenverbindungen, nein eher Konsonantenketten ganz normalen Wörtern der deutschen Sprache entstammen. Aber welchen? Das dürfen Sie jetzt den verbleibenden Sonntag herausfinden. 😉

chch

chsch

chtch

chtdsch

chtsch

chtschr

ckschn

cktschn

ngsgn

nschschn

nzn

pfpf

rchschr

rffr

rschschr

schdsch

schsch

schtch

sdn

tschf

tschfr

tschh

tschst

tschtsch

tschw

tztz

Lustiges und Kursioses aus der wunderbaren Welt der Sprache – Von Fall zu Fall

Ich möchte, falls Sie erlauben, heute einmal mit einem weitverbreiteten – nennen wir es mal Missverständnis – aufräumen und zwar mit dieser Sache mit den vielen vielen Kasus. Das ist mir schon länger ein Anliegen, dennoch schaffte ich es aber erst jetzt, diesen Artikel zu schreiben.

Wenn ich jemandem, der nichts mit Sprachen zu tun hat, erzähle, dass Finnisch 15 Fälle hat und Ungarisch sogar möglicherweise noch mehr (darüber gehen die Meinungen auseinander), dann schlägt mein Gegenüber entsetzt die Hände überm Kopf zusammen und ruft: „Oh Gott, sind das viele Fälle!“ Allerdings sind auch extremere Reaktionen keine Ausnahme.

Dabei geht es mir einerseits darum, dass alleine schon sechs von diesen 15 Fällen sogenannte Lokalkasus sind. Drei Fälle sind unbedeutend, weil so gut wie nie und eigentlich nur in festen Redewendungen gebraucht, zwei weitere sind eine Art adverbiale Kasus, die einen Zustand („als was?“) oder eine Veränderung beschreiben. Somit bleiben? Vier. Ist ja auch nicht mehr als auf Deutsch. Und  sogar weniger als Latein.

Der größte Teil dieser Fälle sind also Fälle, die einen Ort oder einen Zustand beschreiben. Die Lokalkasus zum Bleistift zeigen entweder einen Ort („wo?“) oder eine Richtung („wohin?“ „woher?“) an. Das wären schon einmal drei Fälle. Weitere drei kommen hinzu, wenn man zwischen „innen“ und „aussen“ trennt, wenn man einen Unterschied macht, ob es „in das Haus hinein“ talo-on oder „auf das Dach hinauf“ kato-lle heisst. Beides bezeichnet eine Bewegung zu etwas hin, der Unterschied besteht nur zwischen „in“ (z.B. ein containerartiges Etwas hinein) und „auf“ (gemeint hier meistens eine Oberfläche). Das kann man natürlich fortsetzen mit der Frage „wo?“, dann wäre die Antwort „im Haus“ talo-ssa und „auf dem Dach“ kato-lla. Zuletzt bliebe dann noch die Frage „woher?“ , worauf der Finne antworten würde talo-staaus dem Haus (heraus)“ oder kato-lta vom Dach (herunter)“. Mit diesem kleinen System aus zwei mal drei Richtungskasus kann man schonmal das so schrecklich große finnische Kasussystem um knapp die Hälfte reduzieren. Und ganz schön viel ausdrücken.

Jetzt werden Sie Sich vielleicht fragen, warum die Frau Ansku das hier alles so ausführlich erklärt und ob sie vielleicht ein bisschen verrückt geworden ist und hier das ganze, endlos langweilige Kasussystem des Finnischen herunterbeten will. Nein, das möchte ich nicht, ich möchte nur mit diesen paar Beispielen etwas zeigen:

Nun ist es ja nicht so, dass die Finnen ihre ganzen Kasus haben und damit nun wunderbarst erzählen können, ob sich z.B. ihr Miezekätzchen gerade im Haus oder auf dem Dach oder auf dem Weg vom Dach herunter befindet und der Deutsche steht daneben und kann über seinen Stubentiger nur schweigen. Auch auf Deutsch kann man natürlichst herrlichst alle möglichen Orte und Richtungen ausdrücken. Wir benutzen eben dafür nur ein anderes Ausdrucksmittel, nämlich Präpositionen wie von, auf, in, an und wie sie alle heissen. Man sieht an den Beispielen und vor allen an den fettgedruckten Teilen deutlich, dass genau das, was die Finnen mit einem Kasus ausdrücken, eigentlich auf Deutsch nur der Präposition entspricht. Mehr ist das nicht.

Das wird deutlicher, wenn ich hier eine neue Trennung einführe, nämlich die von grammatischer Relation und Kasus im Sinn von Kasusmarkern, also die Art, wie Kasus im Satz ausgedrückt werden. Eine grammatische Relation bezeichnet die Verbindung von zwei „Einheiten“ im Satz, also z.B. „Katze“ und „Dach“, die durch das Verb oder durch etwas anderes wie zum Beispiel eine Präposition miteinander in eine Beziehung treten.

Die Beziehung, also das was im Satz ausgedrückt werden soll, die ist in beiden Sprachen genau dieselbe. Sage ich zum Beispiel „Die Katze ist auf dem Dach“, ist die Beziehung zwischen der Katze und dem Dach, dass die Katze [AUF] dem Dach ist. In einem anderen Fall befindet sie sich vielleicht [IN] der Suppenschüssel.

Der Satz, ganz herunter gesetzt nur auf seine Bestandteile und nur auf die Beziehung, die er ausdrücken soll, würde lauten:

[Cat] -> [ON] -> [Roof]

Was sich jetzt unterscheidet, ist die Ausdrucksweise: Der Deutsche sagt

[Die Katze] ist [AUF]-dem-[Dach].“

Der Finne dagegen sagt:

[Kissa] on [kato][LLA].“

(Kissa =Katze, on = er, sie, es ist)

Die beiden fetten und großgeschriebenen „Dinger“ in Klammern sind dabei jeweils der Ausdruck der Beziehung [AUF].  Bei der einen Sprache ist erkennbar, dass „auf“ ein eigenes Wort ist, bei der anderen Sprache ist das „auf“,  also -LLA ein Kasus, der ans Wort drangehängt wird. Außerdem steht es einmal vor und einmal hinter dem Bezugswort. Solche Merkmale sind sprachspezifisch, einige Sprachen tendieren eher zu vor dem Bezugswort, andere Sprachen mögen es lieber dahinter. Und einige Sprachen haben eben ein sehr umfangreiches System von Kasusmarkern, mit denen sie alle möglichen Beziehungen zwischen einzelnen Bezugswörtern und einzelnen Einheiten im Satz ausdrücken können, andere Sprachen benutzen dafür Präpositionen oder eine Vielzahl weiterer Ausdrucksmittel. Bedeuten jedoch – und das ist ja das Wichtige – tun beide dasselbe und die grammatische Relation, die hinter dem Ganzen steht, auch die ist in beiden Fällen dieselbe, wie wir nun wissen. Es sieht einfach nur anders aus. Sie sehen, dieses ganze verwörrende System wird schon viel übersichtlicher, wenn man eben zwischen der Relation, dem WAS ausgedrückt wird, und dem Aussehen, WIE es ausgedrückt wird, unterscheidet.

Das Ganze liesse sich jetzt noch stundenlang ausweiten, auf alle möglichen Relationen, auf die Verbindungen zwischen Subjekt, Verb und Objekt. Ich könnte auch noch erzählen, dass sich manchmal die Kasus erst aus den Präpositionen (es gibt natürlich auch Postpositionen, die hinter dem Wort stehen!) durch Verschmelzung etc. entwickelt haben. Dass so zum Beispiel aus der finnischen Postposition kanssa = „mit (jmdm)“ – umgangssprachlich oft verkürzt zu kaa – im Estnischen ein eigener Kasus auf -ga/-ka „mit (jmdm)“ entwickelt hat .Dass es natürlich Sprachen gibt, die eben äußerlich sichtbar ein kleines oder größeres System von (sichtbaren) Kasusmarkern, also solchen wie wir sie aus dem Lateinunterricht kennen, haben und dass diese Systeme sich wiederum verändern können. Aber das alles, verehrte Leser, hat mich vor etwa anderthalb Jahren die Hälfte meiner 45minütigen mündlichen Magisterprüfung gekostet und würde hier etwas zu weit führen. 😉

Soviel Kasustypologie für heute. Ich hoffe also, dass es Ihnen gefallen hat und dass ich Sie in Zukunft nie wieder die Hände über dem Kopf schlagen zusammenschlagen sehe und rufen höre „Aber das sind ja sooo viele Fälle!“ Sollten Sie jemanden sehen, der dies tut, können Sie ihm gerne in meinem Namen entgegnen, dass Deutsch mindestens genauso viele „Fälle“ hat, die sehen nur ganz anders aus. 😉

Mein Schatz

Wenn man eine neue Sprache lernt, finde ich es überaus praktisch, ersteinmal ein bekanntes Buch zu lesen um ins flüssige Lesen hineinzukommen. Man kennt die Handlung, meist auch den Text ungefähr und stolpert so nicht über jedes einzelne neue Wort, sondern muss sich nur den Text in der eigenen Muttersprache ins Gedächtnis rufen, um ungefähr etwa zu verstehen, was gerade passiert. Mehr braucht es ja anfangs nicht. Als Sprachverrückter… äääh Sprachwissenschaftler 😉 – stellt damit das Problem ein Buch zu finden, welches überhaupt in so viele Sprachen übersetzt ist, wie man gerne lernen möchte. Harry Potter oder die Bibel wären ein guter Ausgangspunkt, die sind ja wirklich in so gut wie alle Sprachen übersetzt, jedoch hab ich es leider nicht so mit Hexen, Zauberern und Mysterien in jeglicher Form. ^^

Ich persönlich greife dann im Notfall lieber zur bekanntesten Kinderbuchautorin der Welt. Astrid Lindgrens Bücher sind ebenfalls in sehr viele Sprachen übersetzt worden und dazu noch schön leicht zu lesen. Und weil Frau Ansku ja nicht nur eine Sprache lernen möchte, darf es gerne auch etwas mehr sein. Über die Jahre hat sich hier die Tradition eingebürgert, dass ich mir von jeder Urlaubsreise ein Büchlein in der jeweiligen Landessprache für meine Sammlung mitbringe oder mir auch mal etwas von Freunden mitbringen lasse, so zum Beispiel die Pippi auf Norwegisch von der wunderbaren Frau Ladidaladida. Inzwischen hat sich hier so einiges angesammelt und ich liebe jedes einzelne Buch von meiner Sammlung, auch wenn ich die meisten mangels Zeit nur kurz angelesen habe:

Im Einzelnen sind es:

1. Lotta (Die Kinder aus der Krachmacherstrasse) auf Schwedisch, gekauft allerdings während meiner Zeit in Helsinki.

2. Meine Schätze!

3. Pippi Langstrumpf auf Norwegisch (von Frau Ladidaladida druckfrisch aus Oslo importiert)

4. Die Kinder aus Bullerbü auf Dänisch (Ich konnte natürlich auch in Kopenhagen nicht widerstehen.)

5. Michel aus Lönneberga auf Französisch (Der Michel heisst lustigerweise nur auf Deutsch Michel, in allen anderen Sprachen, auch Schwedisch heisst er Emil (oder eine Abwandlung davon. 🙂 )

6. Pippi Langstrumpf auf Portugiesisch

7. Pippi Langstrumpf auf Italienisch

8. Pippi Langstrumpf auf Russisch (das war ein echter Zufallstreffer auf Amazon, sonst hätte ich wahrscheinlich noch 10 Jahre darauf warten müssen. Ich werde aber wohl noch etwas warten müssen, bis ich es lesen kann. 😉 )

9. Madita auf Finnisch

10. Die Kinder aus Bullerbü auf Finnisch

11. Kalle Blomqvist auf Finnisch

12. Michel aus Lönneberga auf Finnisch

(Diese vier finnischen Bücher habe ich vor einigen Jahren von meiner Mutter zum Geburtstag bekommen, nachdem sie extra die Kontakte einer Schulfreundin nach Finnland aktiviert hat und dieser Kontakt hatte die Bücher noch irgendwo auf dem Speicher liegen und hat sie uns geschenkt. Unglaublich! ♥♥♥♥ Dabei ist allerdings noch ein lustiger Übersetzungsfehler passiert, denn dieser Kontakt von der Schulfreundin gehört der schwedischsprachigen Minderheit in Finnland an. Also haben meine Mutter und ihre Freundin eifrigst im Internet und überall recherchiert, wie die Bücher von Astrid Lindgren auf Finnisch heissen. Nun mag ich Lotta bzw. die Kinder aus der Krachmacherstraße am liebsten und meine Mutter wollte unbedingt genau dieses Buch haben. Herausgekommen ist jedoch dabei die Nummer 10, die Kinder aus Bullerbü. Der Titel „Melukylässä on hauska“ bedeutet nämlich Wort für Wort übersetzt: „In Krachdorf ist es lustig.“ 😉 Bullerbü auf Finnisch ist also „melu-kylä„, also „Krach-dorf„. Ich nehm aber auch gerne das Krachdorf statt der Krachmacherstraße, das ist auch wunderschön!)

13. Die Kinder aus der Krachmacherstraße auf Holländisch

14. Pippi Langstrumpf auf Französisch

16. Pippi Langstrumpf auf Ungarisch

17. Pippi im Taka-Tuka-Land auf Französisch

18. Die Kinder aus der Krachmacherstraße auf Schwedisch, aus Versehen in Stockholm im Eifer des Gefechts doppelt gekauft, ich hatte ja schon Nr. 1

19. Erzählungen von Astrid Lindgren auf Holländisch

(Nicht im Bild: Die Kinder aus Bullerbü auf Holländisch. U.a. ist hier auch einiges auf Holländisch vorhanden, ich wurde eine Zeitlang eifrigst von Freunden, die einige Jahren in Holland gewohnt haben versorgt. 😉 )

Was noch fehlt? Jede Menge Sprachen! Hier ist eine Liste aller Übersetzungen (angeblich). Ganz besonders fehlt mir momentan Spanisch (Ich hatte nur mal Michel aus Lönneberga ausgeliehen), Isländisch, Englisch, Türkisch, Griechisch sowie zahlreiche slavische Sprachen und ach was weiß ich noch alles… 😉

Meine Schätze!