Veränderungen

Ich arbeite jetzt seit etwas mehr als einem halben Jahr und ich warte seit etwas mehr als einem halben Jahr auf so etwas wie Alltag. Gut, das mit dem Alltag im Sinne von „nine to five“ und dann nach Hause auf’s Sofa ist in meinem Job irgendwie utopisch, das ist auchmir kklar. Erstens nine to five (ha ha!) und zweitens danach heim auf’s Sofa und chillaxen (ha ha ha ha ha!!) Aber naja, trotzdem irgendsowas wie Alltag. Ich hab mich wirklich auf das Arbeitsleben gefreut und ich hab gedacht, es würde irgendwie einfacher* werden, wenn ich „nur noch“ arbeiten muss statt immerzu Job und Studium unter einen Hut zu bekommen, am Wochenende noch schnell zu lernen und irgendwie zwischendurch noch eine Abschlussarbeit zu schreiben. Dazu diese Unsicherheit, was passiert danach, was ist nächstes Jahr. In den letzten zwei Jahren habe ich mir wenig sehnlicher gewünscht als irgendwo „anzukommen“. Falls Sie verstehen, was ich meine.

In gewisser Weise haben sich diese Wünsche erfüllt, in gewisser Weise auch nicht. In gewisser Weise bin ich wirklich „angekommen“. So sehr angekommen, dass sich das Studium schon wieder meilenweit entfernt anfühlt, obwohl es eigentlich erst 4 Monate her ist, dass ich meine Bachelorarbeit erschöpft und erleichtert der Sekretärin in die Hand gedrückt habe. Es fühlt sich an wie ungefähr 40 Monate. Es ist sogar soweit weg aus meiner Welt, dass ich diese Woche meine Abschlussfeier in der Uni gecancelt habe zugunsten des Sommerfestes in der Arbeit. Mit dem Thema Studieren bin ich durch, ich habe keinen Bezug mehr dazu und ich würde mir auf dieser Absolventenfeier sehr komisch vorkommen. Eine Freundin hat das so nett formuliert: Blick in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit. Und ja, dieser Job ist meine Zukunft. Ich liebe ihn und ich liebe mein Team und ich möchte nie wieder etwas anderes machen.

Auf der anderen Seite aber hat sich das mit dem „es würde einfacher* werden“ nicht wirklich erfüllt. Ja, ich bin irgendwie angekommen, in einem neuen Lebensabschnitt. Und wie das bei jedem Ende einer Ära eines Lebensabschnittes so ist, gibt es da plötzlich ein paar Dinge, die sich auch in anderen Lebensbereichen verändern. Die über viele Jahre hinweg ok, akzeptiert und praktisch waren und plötzlich ändert sich eine Komponente im System, und man stellt fest, dass auf einmal auch einige andere Komponenten im System nicht mehr passen und drücken wie ein zu klein gewordener Schuh. Ich stelle gerade fest, dass einiges in meinem Leben zu klein, zu eingefahren, zu drückend geworden ist und habe immer stärker das Bedürfnis, mich neu zu orientieren, Veränderungen in Angriff zu nehmen, etwas Neues zu beginnen. Und manchmal auch das Bedürfnis, etwas altes, liebgewonnenes wieder anzufangen.

Auf der anderen Seite habe ich grad keine Kraft für Veränderungen. Mir fehlt schlichtweg die Energie, ich bin ständig müde, erschöpft und möchte nach der Arbeit am liebsten nichts mehr hören. Mir geht es inzwischen viel besser als damals, ich habe mit vielen Menschen geredet, habe einige Dinge für mich sortiert und bin viel ruhiger geworden. Trotzdem geht mir oft alles auf die Nerven und ist mir zu anstrengend. Viele werden jetzt sagen, die erste Zeit im Berufsleben IST anstrengend, übernimm Dich nicht. Und trotzdem, für meinen Geschmack ist es zu viel Müdigkeit und – ich erwähnte das vielleicht schon einmal? – irgendwie habe ich gedacht, es würde einfacher werden. Und überhaupt, hey!, ich habe meinen Traumjob gefunden! Ich liebe meinen Job, und ich liebe mein Team und ich möchte nie wieder etwas anderes tun – womöglich erwähnte ich das bereits… 😉 Ich könnte also sowas von glücklich sein, es läuft alles wunderbar. Aber ich bin nicht richtig glücklich, ich bin in erster Linie müde und erschöpft und das nicht einmal körperlich. Es mag sein, dass ich mal wieder Urlaub brauchen könnte, richtigen Urlaub. Seit der Reise nach Thailand im letzten Jahr (war das wirklich im August? Ist das wirklich schon wieder ein Jahr her??) hatte ich genau eine Woche richtigen Urlaub, also Urlaub in dem ich NICHT eine Abschlussarbeit oder etwas ähnliches geschrieben habe, krank war oder was auch immer.

Es ist gerade alles ein bisschen viel und das Gedankenkarussell im Kopf ist groß und dreht sich mit rasender Geschwindigkeit. Das wiederum macht mich noch müder und erschöpfter. Ich versuche also ein Vorhaben nach dem anderen anzugehen, eine Veränderung nach der anderen abzuarbeiten und ansonsten etwas langsamer zu machen. Mehr kann ich momentan nicht tun, außer zu hoffen, dass sich mit den äußerlichen Veränderungen auch eine innere Veränderung einstellt, dass das Gedankenkarussell ruhiger wird, dass das Drückende und Einengende wieder „weiter“ wird. Dass es irgendwann einmal einfacher* wird.

*Aber irgendwas ist ja immer. 😉

 

Von der Theorie und der Praxis

Drei Jahren habe ich mich im Studium mit Beziehungsaufbau und Beziehungsgestaltung zwischen Klient und Sozialarbeiter beschäftigt. Drei Jahre lang habe ich darüber kluggeschissen gefachsimpelt, wie die Beziehung zwischen Sozialarbeiter und Klient aussehen sollte, was sie können sollte und was sie nicht leisten kann. Drei Jahre lang habe ich gelernt, wie man eine gute Arbeitsbeziehung aufbauen kann/ soll/ muss, was man hineingeben muss, was man ertragen können muss und was man heraushalten muss.

Was aber ist mit dem Ende so einer Beziehung? Was aber ist, wenn ich eine weitestgehend funktionierende Beziehung mit meinen Jugendlichen etabliert habe. Eine Beziehung, die auch Differenzen aushält, in der jeder sich zurückziehen, aber auch wieder kommen kann. Was ist, wenn sie mich respektieren und sich sogar selber nach einem Streit entschuldigen für respektloses Verhalten, weil es für sie – und für niemand sonst – wichtig ist.

Was, wenn sie zum Teil zu mir sagen „Du bist hier in Deutschland, da wir keine Eltern hier haben, für uns so etwas wie eine Mama“. Eine Bekannte fragte mich gestern, ob das nicht zuviel wäre der Nähe und ich antwortete: Nein, denn ich weiß inzwischen, dass ich als Mama-Ersatz auch streng sein kann. Ich kann auch Dinge von den Jugendlichen fordern oder verbieten. Inzwischen weiß ich das, dass ich das kann. Zuviel der Nähe für eine Arbeitsbeziehung wäre es für mich, wenn es mich dahingehend manipulieren würde, dass ich nicht mehr nach meinem Gewissen und Prinzipien handeln kann. Momentan kann ich das noch, das glaube ich zumindest.

Was, wenn diese Beziehung endet oder eigentlich enden soll, weil die Klienten eigentlich ausziehen sollten in eine andere Einrichtung. Was, wenn die Klienten dann nicht ausziehen wollen, sich – gerade nach einer Vorgeschichte voller Trennungen und Verluste – sich einerseits nicht von der vertrauten Umgebung, von ihren neugewonnenen Freunden, aber auch nicht von mir/ uns als Betreuern trennen wollen? Haben wir dann sozusagen zu gute Arbeit geleistet, eine „zu gute“ Beziehung aufgebaut?

Man sagt uns, dass die Jugendlichen nur ca. drei – vier Monate bei uns bleiben und dass wir deshalb keine „zu tiefe Beziehung aufbauen“ sollen. Aber wie macht man das, „keine zu tiefe Beziehung aufbauen“, wenn gleichzeitig eine vertrauensvolle Zusammenarbeit vorausgesetzt wird? Sage ich irgendwann „Stopp“, wenn ich das Gefühl habe, die Jugendlichen vertrauen mir „zu viel“ und was ist eigentlich „zu viel“. Arbeite ich nicht immer auch mit dem, was von den Jugendlichen kommt? Soll ich mich vielleicht entgegen all der gelernten hübschen Theorie über Beziehungsaufbau verhalten, nur damit die Trennung nicht so schwer fällt?

Über das Ende spricht man nicht.

Master

Da sich dieses mein zweites Studium ja nun ziemlich bald dem Ende nähert, wird es höchste Zeit, sich über ein neues Studium Gedanken zu machen! Ich dachte entweder an Psychologie, Medizin oder Architektur. Was meinen Sie? Was würden Sie mir empfehlen? Ich brauche schnell ein paar Tipps, das nächste Wintersemester startet schon im Oktober!

Nein, nein, das ist natürlich nur ein Scherz. Um nicht zu sagen DER familieninterne Running Gag. Es gab zwar durchaus mal Überlegungen, wie viele Studiengänge zwischen Abitur und Rente passen, diese waren dann aber doch nur theoretischer Natur. Ich bin in dieser Sache sowieso nicht zu einem endgültigen Ergebnis gekommen, also hab ich’s gelassen. 😉

Ich bin momentan eher im Gegenteil heilfroh, wenn es vorbei ist. Allerdings muss ich dennoch zugeben, dass nicht alle Studienpläne so ganz ausgeschlossen sind. Es gibt natürlich zu (fast) jedem Bachelor noch einen Master. Und der schwirrt hier dann doch immer wieder in der Luft, in den Gedanken und in den Gesprächen herum.

Als ich anfing, Soziale Arbeit zu studieren, dachte ich nur daran, möglichst schnell mit diesem Studium fertig zu werden, um endlich endlich arbeiten zu können. Ich brauchte eine pädagogische Qualifikation, aber wollte keinesfalls für diese weiter fünf Jahre meines Lebens investieren und mich auf harten Stühlen in Hörsäälen von Dozentengeblubber einlullen lassen. Ich wollte eigentlich arbeiten, nur ich brauchte da eben noch so ein Abschlusszeugnis, um den Traumjob ausüben zu können. Also Augen zu und durch.

Dann kamen das Traumpraktikum und die liebsten Kollegen. Einer der liebsten Kollegen ist Türke und studiert den Masterstudiengang Soziale Arbeit. Er spricht ziemlich perfektes Deutsch, dennoch ist es von der Alltagskonversation bis zum Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit natürlich noch ein kleiner Schritt und so kam es, dass ich ihm öfters geholfen habe, Studienarbeiten zu schreiben oder korrekturzulesen. So habe ich auch viel mitbekommen, was im Master gelernt wird und das hat mich bedeutend mehr gelehrt als das, was wir so alles im Bachelor lernen. Hauptsächlich nämlich blablabla, ich erwähnte das womöglich hier im Blog in den letzten drei Jahren das eine oder andere Mal… Seufz,

Und so erwuchs dann still leise und heimlich doch die Sehnsucht nach einem Masterstudium. Aus dem einfachen Grund, weil es mir fachlich etwas bringt, weil ich denke, dass ich so besser arbeiten kann. So hoffe ich zumindest. Diese Sehnsucht wurde noch genährt, als die Uni im vergangenen Jahr beschloss, einen neuen Masterstudiengang einzuführen, der wie ich finde für mich passt wie kein anderer. Ich könnte nochmal sehr viel an Diagnostik und Psychologie lernen, das fehlt mir bisher so sehr.

Nun arbeite ich seit drei Wochen und studiere nebenbei, das heisst, ich versuche es. Abends, am Wochenende, an meinen freien Tagen. Das ist ein ziemlich furchtbarer Zustand, obwohl ich nur ca. 75% oder weniger arbeite. In der übrigen Zeit versuche ich irgendwie eine Bachelorarbeit zu schreiben, 1000 Dinge nebenbei zu erledigen, noch eine (letzte!!) mündliche Prüfung zu absolvieren… Erschwerend kommt hinzu, dass es der erste Job ist, dass auch abends, am Wochenende, an meinen freien Tagen, wenn ich am PC sitze und eigentlich Text fabrizieren sollte, die Gedanken immer wieder zum Jobdings wandern und grübeln. Habe ich mich in Situation X richtig verhalten? Wie geht es dem Jugendlichen Y? Hätte ich mit Z strenger/ konsequenter/ nachsichtiger umgehen sollen? Das ist denke ich normal für die erste Zeit im ersten Job, erleichtert das Ganze aber nicht unbedingt. Und so bin ich also zur Zeit ziemlich gereizt, schiele neidisch auf meine beiden Kollegen, die schon seit einem halben Jahr mit dem Studium fertig sind und nach getaner Arbeit so etwas wie einen FEIERABEND haben und schimpfe bei eben jenem „Feier“Abend ein klein wenig vor dem PC vor mich hin. Zum Glück ist dies ein zeitlich begrenzter Zustand, sogar ein auf wenige Monate begrenzter Zustand. Aber ich kann Ihnen versichern, dass ich heilfroh bin, wenn dieser Zustand vorüber ist.

Und ich kann Ihnen ebenfalls versichern, dass es zumindest für dieses und nächstes Jahr ersteinmal KEINE weiteren Studienpläne geben wird. Gedanken daran, nicht 75%, sondern 100% zu arbeiten und noch nebenbei abends, an Wochenenden und an meinen freien Tagen zu studieren und dies nicht nur wenige Monate, sondern ein paar Jahre, rufen bei mir momentan eher Panikattacken und Herzflimmern hervor, ich könnte also behaupten, das Thema Studium ist erst einmal durch…

… aber fragen Sie mich doch einfach in zwei oder drei oder fünf Jahren nochmal. Denn Sie wissen ja: Es bleibt immer spannend! 😉

Abschluss

Die Dozentin fand mein Referat heute so gut, dass sie mir sofort angeboten hat, bei ihr Bachelorarbeit zu schreiben und dass sie meine Materialien gerne – mit Nennung meines Namens – in ihrem nächsten Buch verwenden möchte. Können Sie mich im Kreis grinsen sehen? Das sonderbare daran ist, dass ich irgendetwas gut gemacht haben muss, aber so richtig habe ich noch nicht so richtig verstanden habe, was genau ich so gut gemacht habe. Ich habe mich an die Vorgaben der Dozentin gehalten, habe lediglich eine Struktur vorgegeben und habe ansonsten eigentlich nur die Diskussion meiner Komilitonen moderiert. Eigentlich bin ich immer noch sprachlos.

Es ist ein versöhnlicher Abschluss eines mehr als durchwachsenen und sehr seichten Semesters. Und heute habe ich etwas gelernt: Ich habe in genau diesem Kurs, in dem ich heute den Vortrag gehalten … äh moderiert habe … am Anfang nicht sehr viel gesagt. Es war ein Kurs, in dem sehr viel und sehr angeregt diskutiert wurde, aber leider auch sehr viele eigene Erfahrungen, Halbwissen, Glauben und Mutmaßungen in die Diskussion eingebracht wurden. So ist das leider manchmal im Soialen Bereich. Irgendjemand hat irgendwann irgendetwas erlebt und meint daher, bei allem mitreden zu können. Da unterscheiden sich leider auch Studenten der Sozialen Arbeit nicht von dem Rest der Gesellschaft. Nun ja, ich habe mich am Anfang wenig an diesen Diskussionen beteiligt und hatte schon ein wenig Bedenken, was das nun für einen Eindruck bei der Dozentiin erwecken mag. Bis die Dozentin in der zweiten Stunde in der immer wieder der Satz fiel „Ich glaube, dass XY so ist.“ schließlich sagte: „Leute, Ihr diskutiert hier um Glauben, nicht um Wissen. Warten wir mal ab, ob sich das bis zum Ende des Semesters ändert.“ Da wusste ich plötzlich, warum ich in dieser Diskussion nicht mitreden konnte. Mir widerstrebt es zutiefst, über Dinge zu reden, die ich nicht weiß. Nichts ist mir so unangenehm wie Vorurteile, Schubladendenken, Klischees und sonstiges Halbwissen. ich rede lieber über Dinge, derer ich mir (zumindest relativ) sicher bin.

Und das habe ich heute getan. Jetzt, am Ende des Semesters, nach einem sehr beeindruckenden und inhaltsreichen Kurs, in dem ich viel gelernt habe. Und ich wusste, worüber ich rede.

Selbe Wellenlänge

Am Montag, dem einzigen Tag, an dem ich wirklich komplett von morgens bis abends Vorlesungen habe, quatschte ich über den Tag verteilt bei einem kurzen Plausch auf der Treppe, einem Kaffee in unserem wunderhübschen Studentencafé oder auf dem Nachhauseweg mit mehreren verschiedenen Kommilitonen über dies und das und über und war doch sehr erstaunt über die Antworten die da kommen. Bisher dachte ich, meine große Motivationslosigkeit dieses Semester läge hauptsächlich daran, dass ich nun doch schon so so lange studiert habe und dass es nun schlicht und einfach genug ist. Dass es (höchste) Zeit ist, ins Berufsleben zu kommen und etwas zu bewirken. Man verstehe mich nicht falsch, ich bin sehr glücklich, dass ich nochmal studieren durfte und diesen Weg eingeschlagen habe, aber mit Studieren generell und im Besonderen reicht es momentan wirklich. Ich will nicht mehr nur in Vorlesungen sitzen und zuhören müssen, ich will selbst aktiv werden, etwas tun und Neues erproben. Also ich dachte jedenfalls, es liegt in irgendeiner Weise an mir.

Aber was die Kommilitonen mir da so erzählten, das regte in mir den Verdacht, dass ich wohl doch näher am allgemein vorherrschenden Gefühl bin, als ich dachte.

„Letzte Woche war ich bei meiner Praktikumsstelle, um die Kollegen zu besuchen und etwas abzuholen. Das war soooo schön. Das war wie nach Hause kommen… Und hier in der Uni kann ich mich zu nichts motivieren.“

„Ach Ansku, weißt Du, das bringt mir hier alles nichts. Das Feld, in das ich will, ist eh viel zu speziell, das wird hier gar nicht unterrichtet. Eigentlich hätte ich lieber nach dem Praktikum gleich weitergearbeitet.“

(Noch neun Monate.)

 

Sehnsüchte

Lustigerweise habe ich vor Beginn des Praktikums damit gerechnet, dass mir das Studieren und das Lernen total fehlen wird, auch wegen der Freiheiten, die man nunmal als Student hat und hatte etwas Angst vor dem vermeintlich eintönigen Arbeitsleben. Nun ist ja so, dass ich etwa alle zwei Wochen für einen Nachmittag in die Uni muss, weil wir ein praxisbegleitendes Seminar haben und in ebendiesem Kurs saßen wir kürzlich in einer Pause beeinander und fast alle meine Komilitonen (die noch im Sommer soooooo sehr darauf gewartet haben, dass sie endlich ins Praktikum dürfen) haben gejammert, dass es ihnen zwischendurch so langweilig wäre und dass sie es kaum abwarten können, bis sie im März wieder weiterstudieren dürfen und dass ihnen die Uni ja sooooooooooooo sehr fehlt… Ich war dann kurz irritiert, weil das bisher immer meine Worte waren, aber dann dachte ich kurz nach und musste feststellen: Nein, momentan fehlt mir gar nichts. Die Uni fehlt mir so überhaupt gar nicht, weil ich grad das Gefühl habe, ich lerne ungefähr doppelt so viel wie in den letzten zwei Jahren zusammen.

Verkehrte Welt 😉

Eine weitere Diskussion dieser Feststellung würde zwangsläufig wieder zu Diskussionen über die Qualität eines Bachelorstudienganges führen und das erspare ich mir und Ihnen zu so später Uhrzeit, das wäre nämlich gar nicht gut für den Blutdruck…

Auf der Suche nach einem Punkt

Ich schrieb hier schon öfters davon, dass seit ich Soziale Arbeit studiere, ich Fragen über Fragen habe. Antworten gibt es wenige, die Fragen werden dafür von Monat zu Monat mehr. Je länger ich dabei bin – und jetzt eben auch in der Praxis bin – desto mehr merke ich, dass von mir auch Antworten gefordert werden. Nicht jetzt, nicht bis Ende des Praktikums, aber irgendwann. Die Soziale Arbeit ist eine Menschenrechtsprofession. Man kann eigentlich sagen, unsere Arbeitsgrundlage sind die Menschenrecht. Sowohl internationale Abkommen als auch gesetzliche Regelungen, aber – und darauf kommt es an – auch die eigenen Vorstellungen von Ethik und Werten. Nun ist es ja nicht so, dass ich keine Vorstellungen von Ethik und Werten hätte, keine Vorstellungen von Gerechtigkeit und einem menschenwürdigen Leben, aber diese Vorstellungen sind zur Zeit so vielen Fragen unterworfen und werden so oft auch angestossen und durcheinandergerüttelt, dass mir eine eindeutige berufliche Positionierung momentan schlicht unmöglich erscheint.

Gestern habe ich einen Vortrag von einer der ganz Großen meiner Profession gehört und es hat mich so unglaublich inspiriert. Es ging um fachpolitische Positionierung und Einmischung der Sozialen Arbeit. Nicht, dass ich jetzt so viel schlauer wäre, was meinen „Selbstfindungsprozess“ angeht, nein. Eher hat der Vortrag nochmal eine Reihe von Fragen für mich aufgeworfen, hat mir einzelne Aspekte nochmal vor Augen geführt, die ich so nicht bedacht habe. Im Großen und Ganzen also keine Veränderung, nur noch mehr Fragen, noch weniger Antworten. 😉

Was mich aber an dem Vortrag sehr beeindruckt hat war, dass die Referentin mehrmals deutlich betont hat, dass es nichts bringt, über soziale Misstände, über Sparzwang und was weiss ich alles zu jammern. „Nicht jammern, sondern sich empören“, also sich einmischen, das war die zentrale Aussage. Daneben kam aber auch deutlich hervor, dass viele Missstände in der Sozialen Arbeit hausgemacht sind, weil eben manche Sozialarbeiter sich nicht einmischen, eben nicht ihre eigene Meinung deutlich und zur Not auch gegenüber Ämtern vertreten und eben nicht eigenen Werte hinterfragen und stattdessen stur ihren Job machen (*) – ich will auch gar nicht behaupten, dass alleine das nicht schon anstrengend genug wäre, ich bekomme es ja nun in aller Deutlichtkeit von vielen Seiten auch mit. Ich schreibe das hier in dem Sinne, als dass es mir mal wieder gezeigt hat, wie unglaublich wichtig eine eigene und auch fachpolitische Werte- und Meinungsbildung in meinem Beruf ist. Es geht dabei natürlich nicht um einzelne Parteien, wohl aber um eine politische Meinung.

Und genau das fällt mir so unglaublich schwer. Dieses ganz verzwickte System, welches so schwer zu überschauen ist, dass ich mich wirklich oft fragen muss: Wo bleibt denn da der Mensch? Andererseits aber stehe ich auch oft bei Diskussionen unter Sozialarbeitern dabei und muss mich fürchterlich fremdschämen, weil es eine unglaubliche Schwarz-Weiss-Malerei gibt zwischen Wirtschaft und Sozialem: Alles, was Wirtschaft ist, ist „böse“, alles, was sozial ist, ist „gut“, so kommt es mir vor. Ich möchte dann manchmal am liebsten schreiend davonrennen. Ich kann das so nicht, dieses Schubladendenken in „gut“ und „böse“. Das fängt damit an, dass ich nicht daran glaube, dass ohne eine funktionierende Wirtschaft ein Sozialstaat funktionieren kann und das hört bei weitem noch nicht damit auf, dass ich der festen Überzeugung bin, dass es „gute“ und „schlechte“ Menschen in ALLEN gesellschaftlichen Schichten gibt, dass also nicht automatisch alle reichen Menschen „böse“ und alle Menschen aus den unteren gesellschaftlichen Schichten „gut“ sind. Aber wo, wo ist denn nun die goldene Mitte zwischen all dem?

Damit mich keiner missversteht, ich will nicht die Universallösung für alle Probleme, aber vielleicht so eine klitzekleine eigene Meinung, einen Standpunkt. Momentan hüpfe ich wie ein Flummi zwischen allen Positionen hin und her, weil ich hier wieder etwas höre, dort wieder etwas ganz anderes erfahre und in der Praxis sieht alles plötzlich nochmal ganz anders aus. Das ist auf Dauer ganz schön anstrengend!

* Ich kann hier nur die Meinung wiedergeben, die in dem Vortrag vorgestellt wurde, ob das tatsächlich ein Misstand ist, kann ich als Berufsanfängerin noch nicht beurteilen.

Heute gehe ich zum Friseur

Heute nicht, heute braucht Ihr nicht länger als bis 17 Uhr mit mir rechnen, knurre ich den Kollegen etwas gereizt und mit einem Zwinkern in den Augen an. Heute gehe ich zur Abwechslung einmal pünktlich, nachdem ich Dir gestern bis ewig spät mit Deinem Bericht geholfen habe. Ich wollte gestern schon zum Friseur, aber dann war’s zu spät und ich konnte nicht mehr. Heute gehe ich definitiv zum Friseur.

Hast Du einen Termin? fragt der Kollege.

Nein, deshalb will ich ja pünktlich gehen, erwidere ich.

Merkst Du, zwinkert der Kollege der liebsten Kollegin zu, merkst Du, was sie uns sagen will? Die beiden grinsen sich an und machen ein Spiel aus der Sache.

Sie will uns sagen, ich bin dabei mich zu verändern. Ich habe einen neuen Lebensabschnitt begonnen und ich bin dabei mich zu verändern. Und weil ich mich verändere, gehe ich jetzt zum Friseur und Ihr könnt mich nicht aufhalten. Gestern habe ich fleißig gearbeitet, deshalb habe ich es nicht geschafft, aber heute, heute könnt Ihr mich nicht aufhalten. Ich habe ein schwarzes T-Shirt an, ich habe Macht und heute werde ich mein Vorhaben durchziehen. Auch ohne Termin…

Er unterbricht sich und fragt die Kollegin: Was meinst Du, was wird sie beim Friseur machen? Haare kurz? Als Zeichen für Veränderung.

Die beiden sehen mich abschätzend an. Hast Du einen Plan? fragen sie.

Oh ja, habe ich, nicke ich. Aber den verrate ich nicht, Ihr müsst schon bis nach dem Feiertag warten.

Wir lachen alle drei, bis wir Tränen in den Augen haben.

Beim Verlassen des Büros grinse ich in mich hinein. Nein, heute nicht. Heute wird es keine größeren äußerlichen Veränderungen geben. Nur das normale Programm, um wieder Haare statt Stroh auf dem Kopf zu haben.

Aber ja, ich bin dabei mich zu verändern. Oh ja, und wie. Und nicht zuletzt wegen diesen wunderbaren Menschen, die ich als meine Kollegen haben darf.

Vier Wochen

Nach vier Wochen (waaas? Nur noch 18 Wochen?) Praktikum glaube ich mit Fug und Recht behaupten zu können, dass ich den besten, spannendsten, schönsten und berührendsten Job auf dieser Welt habe. Und nicht nur das: Die besten, liebsten, tollsten, unterstützendsten Kollegen und beste, schlaueste und liebste Anleiterin und Chefin habe ich noch dazu. So ist das hier, auch wenn das für Sie da draußen jetzt hart sein muss, dass Sie den besten Job, die tollsten Kollegen und die liebste Chefin nicht mehr haben werden können, aber ich kann an diesen Tatsachen momentan jetzt einfach nichts ändern. Sie verstehen? Sie werden das also jetzt einfach irgendwie verarbeiten müssen, es bleibt Ihnen ja eigentlich auch gar nichts anderes übrig. 😉

(Sehr müde, aber sehr sehr glücklich, hier so.)

Sozialdingesnbummens

Zwei Jahre studiere ich nun schon dieses Fach, dieses komische Sozialdingensbumens. Unglaublich finde ich das, aber in erster Linie unglaublich schön. Besonders am Anfang war ich jedoch oft etwas ratlos, wie ich mein Studium nennen soll und wie ich Leuten erklären soll, was ich studiere. Das ist nämlich so:

Auf meinem Studentenausweis steht hochoffiziellst „Soziale Arbeit“. In der Zwischenzeit aber habe ich gelernt, dass „Soziale Arbeit“ so ein Mischmasch aus Sozialarbeit und Sozialpädagogik ist. Was ist da der Unterschied? Ganz einfach: Die Sozialpädagogik entwickelte sich der Jugendbewegung der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts und ist stärker pädagogisch ausgerichtet. Die Sozialarbeit im klassischen Sinne dagegen entspringt der Tradition der Armuts- und Wohlfahrtspflege, so habe ich gelernt. Natürlich kann man auch hier einen gewissen pädagogischen Aspekt manchmal nicht absprechen, aber in erster Linie geht es tendenziell eher um Hilfe, Pflege und Versorgung. Nun begann man in den ersten Jahren dieses Jahrtausends sich im Zuge des Bologna-Prozesses zu entsinnen, dass Sozialarbeit und Sozialpädagogik – so verschieden ihre Wurzeln auch sein mögen – doch ziemlich viele Berührungspunkte hätten. Da man eh gerade so fleissig am Rationalisieren von Studiengängen war, rationalisierte man die Sozialarbeit und Sozialpädagogik auch gleich zusammen zu einem neuen Studiengang. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich finde das nicht das Schlechteste, schließlich kann sich jeder ausmalen, dass es da in der Praxis ziemlich häufig zu Berührungspunkten der beiden Fächer kommen kann. Ziemlich schnell jedoch gab es auch um diesen neuen Studiengang wieder Streit, nämlich wie man das denn nun nennen sollte. Sozialpädagogik? Sozialarbeit? Oder doch lieber und ganz einfach Soziale Arbeit?

Und ich? Wenn sich schon die Fachleute nicht einigen können, wie sie den Studiengang nennen wollen, was soll ich dann erzählen, wenn ich gefragt werde, was ich studiere? Den Leuten zu erzählen, dass ich „Soziale Arbeit“ studiere, zehn Nachfragen („Sozialarbeit??“ – „Nein, Soziale Arbeit!“) beantworten zu müssen und dann noch erklären zu müssen, was das denn überhaupt ist, war mir von Anfang an zu blöd. Zu unpraktisch und umständlich. Also blieben mehr oder weniger nur noch zwei Alternativen, auf solche Fragen zu antworten: Sozialarbeit oder Sozialpädagogik. Eine Zeitlang fand ich es nett, Leuten zu erzählen, dass ich Sozialpädagogik studiere, insbesondere bestimmten BWLern, Juristen (Ich hoffe es fühlt sich jetzt hier keiner persönlich angegriffen oder beleidigt.) und ähnlichen arroganten Schnöseln, die einen gerne mal mit einem verächtlichen Zucken im Mundwinkel fragen: „WasstudierstnDUda?“ Denn Sozialpädagogik hört sich für das gemeine Volksohr besser, qualifizierter, höherwertiger an als Sozialarbeit, das konnte ich mitunter auch anhand der Reaktionen feststellen. Auch ich selber war sehr verunsichert, was ich denn nun eigentlich bin und was ich nicht bin und sagte mal dies, mal das und irgendwann blieb es bei Sozialpädagogik. Weils irgendwie netter klang.

Kurze Zeit später bekam ich von einer Sozialarbeiterin, die ich fälschlicherweise als Sozialpädagogin ansprach, einen gehörigen Rüffel. Da ging mir das erste Mal auf, dass das ein Unterschied ist und was für ein Unterschied das ist. Ich fing an zu studieren und ich begann, meine neue „Profession“ mehr und mehr zu mögen. Mir gefiel dieser Gedanke mehr und mehr, für die Schwächsten der Gesellschaft dazusein und denen zu helfen, die sich nicht mehr selber helfen können. Und umso mehr und mehr ich diese Profession mochte, desto mehr und mehr fing ich an, den Leuten die mich danach fragten, zu erzählen, dass ich SozialARBEIT studiere. Das geschah ganz schleichend, zunächst vollkommen unbewusst. Und als uns schließlich der ganze theoretische Hintergrund lang und breit in der Uni eingetrichtert und durchdiskutiert wurde, als es mir schließlich mehr und mehr bewusst wurde, war ich selber ganz erstaunt über diese Wahl der Bezeichnung, aber es hat sich bis heute erhalten.

Ich studiere Sozialdingensbumens… äh Sozialarbeit.

Kommunikationswissenschaft II

Zu Ende des Semesters und beim Lernen für die Klausuren ist mir aufgefallen, dass es vielleicht noch einen anderen Grund gibt, warum mich das Fach Kommunikationswissenschaft so abgeschreckt hat.

Zumindest in einem Teil des Semesters, in einer Vorlesung über Kultur- und Kommunikationswissenschaft, ging es wie bereits geschrieben sehr viel um Mediengeschichte. Es ging um Evolution, um kulturelle Entwicklung, um Sprache, Schrift, die Erfindung des Buchdrucks, um Medienbrüche in der Geschichte der Menschheit. Es ging auch um Medienkritik, um Kulturarbeit, um Öffentlichkeit, um Meinungsbildung. So weit, so gut, das sind defintiv alles wichtige Themen. Es ging bis hin zur „Geburt des Cyberspace“, um es mit den Worten des Dozenten auszudrücken. Und hier kam dann der entscheidende Punkt: Durch die zunehmende Technisierung des Alltags ergeben sich auch für die soziale Arbeit in der Zukunft neue Herausforderungen. Dinge wie bespielsweise der demografische Wandel bergen für meine Profession große Aufgaben, das ist klar. Aber laut des Dozenten wird sich unsere Gesellschaft auch in vielen weiteren Punkten in den nächsten Jahren extrem wandeln. So werden wir zum Beispiel in 20 Jahren nicht mehr zum Lernen in die (Institution) Schule oder Uni gehen, sondern es wird eine Vielzahl von neuen, offenen und sehr viel spezialisierteren Bildungsangeboten geben, wo jeder sich quasi seine Nische heraussuchen kann. Globalisierung und die Wissensgesellschaft tun laut Auskunft des Dozenten ihr Übriges dazu. Auch die Technisierung unserers Alltags schreitet unaufhörbar voran, man brauche sich ja – so der Dozent – kein Faktenwissen mehr merken, weil man alles bequem in seinem iPhone nachschauen kann.

Einen Höhepunkt der Vorlesungen bildeten Filmausschnitte aus Minority Report oder ähnlichen Kinofilmen, in denen bisher gültige Gesetze über Raum, Zeit und menschliche Beziehungen komplett ausser Kraft gesetzt werden. Ich schaue mir solche Filme nicht an, ich finde das gruselig. Vielleicht bin ich konservativ, vielleicht spießig, vielleicht verschließe ich auch die Augen vor den Realitäten dieser Welt, aber beim Anblick dieser Filme wurde mir klar, dass ich so eine Welt, wie sie in den Filmen und eben auch in Teilen der Vorlesung beschrieben wurde, nicht erleben möchte. Das schürt in mir Zukunftsangst, mindestens ebenso viel wie Diskussionen über die Knappheit von Ressourcen und die Möglichkeit, dass daraus Kriege entstehen könnten. Ich kann und mag mir nicht vorstellen, dass wir irgendwann alle funktionieren wie die Roboter, so wie es für mich (gefühlt) in diesen Filmen dargestellt wird.

Gleichzeitig lerne ich in anderen Fächern wie zum Beispiel in Motivationspsychologie sovieles darüber, wie Menschen gestrickt sind, nach welch einfachen Regeln und Motivatoren Menschen „funktionieren“ und handeln. Und nicht zuletzt spüre ich momentan gar sehr, welche Sehnsüchte in Menschen schlummern. Dazu reicht es schon, wenn ich mir meine eigenen Klagen über meinen Job und die Klagen anderer Freunde und Berufseinsteiger über ihre Arbeitsbedingungen anhöre, die unter Stress leiden und unter dem Druck von oben, den sogenannte „Führungskräfte“ einfach ungefiltert nach unten weitergeben, ganz getreu dem Motto: Nach oben buckeln, nach unten treten. Menschen brauchen und wollen (in ihrem Arbeitsumfeld) Anerkennung und Harmonie. Sie WOLLEN sich nicht ausgenützt fühlen, sie WOLLEN sich nicht wie Arbeitsroboter fühlen, die ständig nach irgendjemandes Pfeife tanzen. Menschen wollen soziale Kontakte und Warmherzigkeit, keine gefühlskalte Welt wie in Minority Report oder ähnlichen Hollywoodstreifen.

Passend dazu las ich neulich im Spiegel einen Artikel über die neue Abhängigkeit des Menschen von Smartphones und deren Auswirkung auf unser aller Alltag und war danach sehr nachdenklich und sehr erschüttert. Auch hier wird ein sehr vernichtendes Bld über die Abhängigkeit des Menschen von der Technik und über den allumfassenden Einfluss der Technik auf den Alltag gezeichnet. Klar, zugegeben, auch ich würde mein iPhone inzwischen nicht mehr hergeben wollen. Es ist unglaublich praktisch, es ist manchmal mein Alleinunterhalter und auch ich bin inzwischen erstaunt, wie oft und wie häufig ich es nutze (dafür bleibt hier der PC immer öfter aus, aber das ist eine andere Geschichte). Aber es ist nicht mein bester Freund. Ist es nicht noch ein Unterschied, ob ich eben schnell im iPhone nachsehe, wann der nächste Bus fährt und wann das iPhone völlig meine Alltagssteuerung übernimmt. Ist es denn so schlimm, wenn ich bei Facebook ein Foto von dem lila-grün gestreiften Dackel, den ich gestern gesehen habe, veröffentliche und mich mit Freunden darüber unterhalte, solange ich dieses Ereignis auch noch bei einem Kaffee in real echten Freunden mitzuteilen vermag? Echte soziale Beziehungen sind – egal wie sehr ich den Austausch über das Internet, über Blogs und Twitter und Facebook mag – unersetzlich.

Diese Vorlesung hat jedoch ein gänzlich anderes Bild gezeichnet. Viele Medien tun das ebenfalls und das macht mir angst. So kann und will ich mir unsere Zukunft nicht vorstellen, jedenfalls nicht für die nächsten paar Jahre. Denn Menschen bleiben Menschen, und menschliche Bedürfnisse bleiben menschliche Bedürfnisse, egal wie viele iPhones Apple verkauft oder nicht.

Vielleicht ist das alles etwas wirr geschrieben, vielleicht sind aber auch nur meine Gedanken zu diesem weitumfassenden Thema etwas wirr. Vielleicht hat aber auch der eine oder andere verstanden, was ich damit sagen möchte, auch wenn ich vielleicht manchmal selber nicht genau weiss, was ich sagen möchte. Was ich auf alle Fälle sehr hoffe ist, dass bei allem Glauben an Technik und Fortschritt, man den Menschen nicht vergisst und dass das Bild vom Menschen nicht ganz so negativ gezeichnet wird wie es oftmals den Eindruck macht. Denn ich weiss, dass es da draussen viele Herzensmenschen gibt, die wissen, worauf es ankommt.

Und nun möchte ich bittedanke auch gerne weiterhin daran glauben, dass meine Kinder auch in 20 Jahren noch in die Schule und in die Uni gehen und nicht zuhause vorm PC ihr Wissen in homöopathischen Dosen aus der Steckdose eingetrichtert bekommen. Weil wir alle Menschen sind und weil Menschen nach sozialen Kontakten streben. Und weil Schule und Uni nicht nur für die Vermittlung und „Eintrichterung“ von Wissen zuständig sind, sondern auch für die Entwicklung sozialer Kompetenzen so unglaublich wichtig. Das sage ich bewusst, obwohl meine Schulzeit nicht immer die schönste und glücklichste war, wichtig war sie aber in jedem Fall. Das war immer so und das wird hoffentlich immer so bleiben.

Karriereweg

Ich hatte am Wochenende ein langes Gespräch mit meiner Mutter über meine Kindheit. Es hat sich so ergeben und ich habe nochmal ein paar interessante Dinge erfahren. Zum Beispiel war ich als Kind anscheinend gutmütig wie ein Schaf, nein sogar noch gutmütiger. Kam ein anderes Kind an und wollte mit meinen Spielsachen spielen, habe ich, statt empört zu schreien „Nein, das ist MAAAIINNEEEES!!!“ anscheinend stets dem anderen Kind noch die Spielsachen hingehalten und gesagt „Oh ja, schau mal! Lass uns doch zusammen spielen.“

Das erklärt eigentlich alles, oder? Bei soviel Altruismus schon in der frühesten Kindheit kann doch eigentlich nur eine Sozi-Tante dabei rauskommen oder sehe ich das falsch?

(Oder – ähäm – anders gefragt: Sollte ich mir jetzt Sorgen machen? Ist das nun die Entdeckung des Sozialarbeitergens oder eher das Helfersyndrom, von dem immer alle sprechen?… )

Bezeichnend

Dieses Semester schreibe ich – ausser der bereits zitierten Kommunikationswissenschaft
Klausuren in Motivationspsychologie und in Sozialrecht.

Ich muss immer ein wenig grinsen beim Lernen, ich finde diese Kombination schon sehr… ja, interessant. Und auch bezeichnend für mein Studium und für den Beruf. Ein ewiger Spagat zwischen Motivation und Vorgaben, zwischen Hilfe und Kontrolle.

(Wobei Motivationspsychologie zwar nicht ausdrücklich zum Fächerkanon meines Studiums gehört, sondern eher eine Art Wahlpflichtfach ist, trotzdem ist es irgendwie ein netter Zufall.)

Lern-Bootcamp

Die Prüfungswoche rückt unaufhaltsam näher und die Frau Ansku zieht sich zurück ins Lern-Bootcamp. Wenn man aber so einen schönen Garten hat wie der bei den liebsten Großeltern, dann ist so ein Lern-Bootcamp eigentlich ja nicht das schlechteste und man kann es auch hervorragend zu einen Brunch-Lern-Garten-Lese-Sonnen-Chill-Ich-bewege-mich-heute-keinen-Meter-Camp ausbauen. Ich werde dennoch versuchen, mich etwas mehr mit Paragraphen, Regelbedarfen und Mehrbedarfen, anrechenbarem Einkommen und Vermögen zu beschäftigen als damit, Löcher in den blauen Himmel zu starren. Zumindest versuche ich es. Hach, ich mag die Prüfungszeit so sehr. Zumindest habe ich vor, mich für die nächsten 2 Wochen nicht mehr von hier fort zu bewegen. 😉

Damit Sie Sich aber nicht vernachlässigt vorkommen, habe ich mir mal wieder ein kleines Spiel einfallen lassen. Das erste Photo wurde vor dem Frühstück aufgenommen, das zweite danach. Und jetzt sind Sie gefragt: Wer findet alle Unterschiede? 😉

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Und nicht, dass jemand hier auf falsche Ideen kommt – „Crank“ muss ich aus studienbedingten Gründen lesen, Jawoll!!

Reaktionen

Sehr interessant waren auch die Reaktionen auf meinen Praktikumsplatz, die ich hier in den letzten Wochen beobachten durfte. Die nachfolgende Liste gibt KEINE Verteilung nach Sozialen Berufen und Nicht-Sozialen Berufen wieder.

„Oh! Mein! Gott! Das könnte ich ja nie und nimmer!“
„Oh! Mein! Gott! Na dann viel Spaß…“
„Anti-Agressionstraining? Oh, das brauch ich auch. Kann ich vorbeikommen?“
„Anti-Aggressionstraining? Darf ich meinen Freund bei Dir vorbeischlichen???“
„Anti-Aggressionstraining? Nein danke, sowas brauche ich nicht. Ich will meine Aggressionen frei ausleben.“
„….“
„Oh wie toll, das finde ich total super, dass Du das machst.“
„Oh wow, das stelle ich mir total interessant vor.“

Ach ja.

Kommunikationswissenschaft

Fächer im Studium sind manchmal mehr sinnvoll, manchmal weniger. Manche Inhalte überzeugen mehr, manche weniger. Wovon ich jedoch ab.so.lut überzeugt bin, ist der Sinn dieser Vorlesung in Kommunikationswissenschaft dieses Semester. Wir lernen hier nicht etwa Kommunikationstheorien oder dergleichen. Nein, wir lernen etwas über die Geschichte der Sprache, die Erfindung des Buchdruckes und Mediengeschichte. Und wirklich, ich bin total überzeugt davon, dass das unglaublich wichtig und praxisrelevant ist, viel mehr als so komische Fächer wie Psychologie oder Pädagogik zu büffeln,muss ich doch wissen, welche Vernetzung von Techniken zur Erfindung des Computers geführt hat und wie Medienintegration funktioniert.

Und wenn ich später einmal arbeite, davon bin ich fest überzeugt, und ich habe einen total gewaltbereiten Jugendlichen vor mir, der kurz davor ist, zuzuschlagen, dann werde ich ihm eine Stunde lang einen Vortrag halten über die Geschichte der Schrift und er wird verstehen. Er wird verstehen, innehalten, die erhobene Faust sinken lassen und mit einem Schlag erkennen, was in seinem Leben bisher falsch gelaufen ist und er wird durch diese wunderbare Erkenntnis beflügelt umgehend sein Leben um 180 Grad ändern. Von alleine, versteht sich, und ohne Hilfe, denn alles was er wissen wollte, weiß er ja nun jetzt. Erleuchtung allen Menschen!

(Ich bin Geisteswissenschaftlerin, wenn dann sollte ich es verstehen.)

(wtf)