Dinner for one

Mir geht es genauso wie Ihr, aber dennoch weigere ich mich einfach strikt und definitiv, Anfang Dezember schon Silvester zu planen!! Das ist wie… ja das ist wie Schokonikoläuse im September. Ich bin gerade dabei, sämtliche liegengebliebene Weihnachtspost zu erledigen, Weihnachten zu planen und auf die Schnelle noch ein paar Geschenke zu beschaffen, ich müsste wohl ersteinmal überhaupt realisieren, dass nach Weihnachten Silvester kommt! Trotz – oder vielleicht auch gerade wegen einer langen Tradition Kette von Silvesterpannen, über die ich letztes Jahr schon geschrieben habe. Ich mag mir damit einfach keinen Stress mehr machen und am Ende klappt es doch nicht, also lass ich es einfach auf mich zukommen, warte gespannt, was denn da so kommt und wenn das nichts wird, dann feiere ich halt einfach nur doof zu Hause mit meinen Eltern, obwohl das auch keine Erfolgsgarantie ist. Oder stosse virtuell mit Frau Schussel und anderen Silvesternmuffeln Bloggern an. 😉

So. Punkt. Aus. Sense.

Aber is‘  ja nich‘ so, dass ich nich‘ neugierig wäre: Und Ihr so?

Umstellung

Heute also die Informationsveranstaltung für das neue Bachelor-Master-System. Ich dachte mir Ich hoffe, ich darf hier vielleicht ein bisschen jammern, aus dem Grund, da viele von Ihnen, der werten Leserschaft, ja schon öfters Interesse an meinem etwas exotischen „unnützen“ Studienfach bekundet haben und weil eben diese exotischen „unnützen“ Studienfächer am meisten unter diesen Prozessen zu leiden haben.Vielleicht kann ich ja hier etwas Trost finden etwas Verständnis erwecken.

Die Begriffe Bachelor und Master dürften für keinen mehr unbekannt sein, deshalb spare ich mir lange Einführungen, sondern erzähle ein bisschen, was so etwas für unser kleines Institut bedeutet. Ziel des neuen Systems ist also eine Vereinheitlichung und Angleichung der Studieninhalte und der Bewertungssysteme in Europa, so dass Studenten (auch international) mobiler sind und dass Studenten schneller „dem Arbeitsmarkt“ zur Verfügung stehen, nämlich schon nach drei Jahren.

Das ganze Konzept beruht ja auf den ECTS-Punkten, die eine Honorierung der Arbeitsleistung des Studenten darstellen. Während dem Studium kann man also in Zukunft bis zu 180 ECTS-Punkte sammeln, 30 in jedem der sechs Semester. Diese Bewertungen beruhen auf der Annahme, dass der Student 42 Stunden (das beinhaltet sowohl den Besuch von Veranstaltungen in der Universität als auch Arbeitszeit zu Hause) pro Woche (Gruss an die 38h-Arbeitnehmerfraktion hier! Ihr Faulen Säcke!!!! 😉 😀 ) und 45 Wochen im Jahr arbeitet (na, das ist ja fast noch nett – nur hätte mir das jemand mal früher sagen können, dass ich dieses Jahr 7 Wochen Urlaub gehabt hätte??? Ich hab davon nichts höchstens 2 Wochen gemerkt). Daraus ergibt sich eine Gesamtzahl der Arbeitsstunden, etwa 900 im Semester und die wird dann durch 30 geteilt, so dass man für etwa 30 Arbeitsstunden 1 ECTS-Punkt bekommt.

Nun ist es aber so, dass man jedes Semester GENAU diese Anzahl Punkte haben muss und damit man diese Punkte bekommen kann, muss auch eine entsprechende Anzahl von Lehrveranstaltungen geboten werden, sonst funktioniert das Ganze nicht und der Student könnte rein theoretisch die Uni verklagen, weil sie einen Studiengang anbietet, den sie nicht durchführen kann. Personal bräuchte man, um so einen Studiengang also durchzuführen, mindestens fünf festangestellte Lehrkräfte. Leider, leider hat unser Institut nur für drei Studiengänge zusammen fünf festangestellte Lehrkräfte, plöd, das. Die Lösung: Kleines Fach, Orchideenfach, Exotenfach, zu wenig Personal, sowieso unnütz, kann diesen Studiengang nicht anbieten, also weg damit!! Und wieder ein Schritt in Richtung arbeitsmarktgerechterer Student gemacht, gut was? Leider waren unsere Dozenten schlauer und haben sich jetzt mit drei weiteren Fächern zusammengeschlossen und jetzt wird für alle zusammen ein Studiengang „Sprachwissenschaft“ angeboten, in dem man dann vertiefende Schwerpunkte wählen kann, also Allgemeine Sprachwissenschaft oder Indogermanistik oder Phonetik oder Finnougristik oder oder. Unser Fach wird es damit nicht mehr so geben, wie es bis jetzt war, aber immerhin wird es als Schwerpunkt erhalten bleiben. Sehr gut, ich möchte meinen großen Respekt aussprechen, da haben unsere Dozenten sich wirklich reingehängt! 🙂

(Falls sich jetzt jemand fragt, wie wir das früher gemacht haben: 1. Wir haben noch ein paar Lehrbeauftragte/ Tutoren etc. 2. Es gibt halt weniger Auswahl und es gibt halt meistens nur ein Hauptseminar, aber bis jetzt sind immer alle hungrigen Mäuler irgendwie gefüttert worden. 🙂  und 3. sitzen bei uns sowieso häufig vom Erst- oder sagen wir vielleicht eher Zweitsemester bis zum Doktoranden alle in einem Kurs (außer natürlich Einführungskurse etc.), vor allem wenn es um eine neue, interessante, exotische Sprache geht. Davon haben immer alle profitiert, es fördert zusätzlich den Austausch und hat bis jetzt immer super funktioniert. Das ist aber in Zukunft nicht mehr oder nur eingeschränkt möglich, weil diese ganzen Kurse und Module etc. ja aufsteigend und nach Jahren getrennt sind.)

Fällt jetzt aber jemand in einem der Kurse durch die Prüfung und bekommt daher die Punkte nicht, die er aber benötigt, so kann er die Prüfung einmal wiederholen.  Weil das ganze System aber aufsteigend und ziemlich eng gedrängt ist, gibt es nun Kurse, die man im ersten, im dritten, im fünften Semester macht. Fällt man also bei einem Kurs zweimal durch die Prüfung, muss man ein Jahr warten, bis der Kurs wieder für den nächsten Jahrgang angeboten wird. Dann kann man den Kurs nochmal machen, die Prüfung nochmal machen und bestehen. Fällt man nochmal durch, ist es endgültig aus, aber man hat immerhin ein Jahr umsonst studiert. Das Problem dabei ist nur, man hat ja auch im dritten Semester seine 42 Wochenstunden (s.o.) zu leisten. Kommt da nun ein Nachholkurs aus dem ersten Semester dazu, dann ist das irgendwie so, als würde man in der siebten Klasse durchfallen, aber unter dem Vorbehalt, dass man gleichzeitig die siebte Klasse wiederholt, in die achte gelassen werden. Überhaupt, in Zukunft darf es im Gegensatz zu unserem Magisterstudiengang keine unbewerteten Lehrveranstaltungen mehr geben, also wird JEDE Veranstaltung, egal ob Seminar oder Sprachkurs oder Vorlesung irgendwie geprüft. Dies erhöht laut Aussage meines Dozenten den Prüfungsaufwand (für Studenten UND Dozenten) im Vergleich zum Magisterstudiengang um das 32fache (in Worten: zweiunddreißigfach). Wer soll das machen und vor allem welcher Dozent soll das alles korrigieren?

Die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sollen dabei also steigen. Hm. Aus den Nachrichten hört man, dass die Wirtschaft die neuen Bachelorstudenten nur zögerlich annimmt. Ein interessantes Beispiel hörte ich heute aus dem neugeschaffenen Bachelor-Studiengang Sprachheilkunde. Die Absolventen dort haben gerade enorme Probleme, mit ihren drei Studienjahren eine Arbeit zu finden, denn weder können sie gegen die Logopäden, die eine schulische Ausbildung mit sehr viel Praxis in Kliniken etc. haben konkurrieren, noch können sie mit dem theoretischen Wissen der Studenten mithalten, die Sprachheilkunde oder ähnliches auf Magister und zwar fünf Jahre lang studiert haben. Finde ich sehr bezeichnend. Überhaupt, nach sechs Semestern. Wenn ich zurückdenke, hab ich nach sechs Semestern langsam angefangen, die Breite meines Faches zu überblicken und mir langsam über einige grundliegende Dinge klarzuwerden. Ich hab da gerade erst „so richtig“ angefangen und konnte mir vielleicht zu ersten Mal eine eigene Meinung bilden, wenn jemand mir ein Problem vorlegte. Davor war das einfach nicht möglich. Der Prozess zum wissenschaftlichen Arbeiten ist ein sehr langer Prozess, da muss man im wahrsten Sinne erst hineinwachsen. Nach sechs Semestern fertig, das ist irgendwie nichts halbes und nichts ganzes. Finde ich.

Das sind also die Auswirkungen, die kleinen und großeren Haken im System, die uns bis jetzt betreffen. Ich könnte noch über einige Dinge hinwegsehen, denn da wo gehobelt wird, da fallen Späne und da wo reformiert wird, da gibt es halt Opfer und das sind mal wieder die kleinen „unnützen“ Fächer. Aber nun sehe ich das leider irgendwie so, dass das System vielleicht mal eine gute Idee war, aber praktisch auf ganzer Linie versagt. In Punkto Mobilität kann ich mir schlecht vorstellen, dass noch Leute bereit sind, für ein Jahr ein Auslandsemester zu machen, wenn ihr Studium sowieso nur drei Jahre dauert und somit gerade mal zwei Jahre übrigbleiben, hier zu studieren. Auch sind die Ausführungen dieses Programmes wohl doch auf jeder Uni anders, so dass man zwar problemlos mit seinen Punkten ins Ausland gehen kann und sagen kann „Hallo. Ich habe xx Punkte und bin im 2. Studienjahr“, aber im selben System studieren kann man deswegen in Paris, Amerika, England etc. trotzdem nicht. Ich würde die eingangs erwähnten Personalschwierigkeiten gerne als böse Nebeneffekte verbuchen, die halt jetzt leider uns getroffen haben/ treffen werden, aber wenn noch nicht einmal das Grundziel dieses Programmes erreicht ist? Chancen auf dem Arbeitsmarkt? Bessere Mobilität? Beides irgendwie Fehlanzeige.

Und das sind nur die Probleme, die jetzt schon klar sind. Was für Kinderkrankheiten dann nächstes Jahr eintreten, daran mag ich grad gar nicht denken.

Ich weine fast ein bisschen, ich weine um unsere alte, über ewige Zeiten gewachsene Wissenschaftskultur, um eine Wissenschaftskultur, die eigenständiges Arbeiten, Organisation, die Bereitschaft, sich selbständig (und über längere Zeit) in komplizierte Sachverhalte einzuarbeiten und selbstständiges Denken – übrigens meiner bescheidenen Erfahrung nach auch Qualitäten, die von vielen Arbeitgebern sehr geschätzt werden! – honoriert und fördert, die jetzt einem verschulten System von Leistungsabfrage, Kontrolle, strikte vorgeschriebenen Inhalten und Einheitlichkeit weichen muss. Unter diesen Faktoren wird vermutlich nicht zuletzt auch das Niveau (zumindest ein wenig) leiden, da sind sich bei uns momentan alle einig.

So geht es gerade einem kleinen Exotenfach. Vermutlich sind wir nicht die einzigen. Oder doch? Gibt es andere Fächer, die diese Umstellungen weniger hart treffen? Andere Erfahrungen? Meinungen? Verteufelungen? Wer will, egal ob dafür oder dagegen, bitte sehr gerne in den Kommentaren.

gelacht

Vorhin musste ich sehr lachen. Bei der Vorstellung des neuen Bachelor-/ Master-Systems für unser Fach, was im Wintersemester 2009/ 2010 beginnen soll (passenderweise genau dann, wenn hier in Bayern zwei Abiturjahrgänge, G9 und G8, an die Unis strömen).

Wer hat sich diesen Schmarrn nur ausgedacht? Es hakt hinten und vorne und rechts und links auch noch dazu, das sieht selbst ein Blinder mit Krückstock!!! Und zugleich muss ich auch ein bisschen weinen, nämlich um unsere über Jahrzehnte und Jahrhunderte in Deutschland aufgebaute Wissenschaftskultur.

(Bei Interesse heute abend genaueres über die Auswirkungen einer solchen Umstellung auf ein Mini-Exotenfach).

Welttoilettentag

Frau Momo war schneller als ich, aber trotzdem und gerade deswegen, weil es eine wichtige, eine gute Sache ist, die gar nicht oft genug erwähnt weren kann, nochmal:

Heute ist Welttoilettentag! Zumindest sagte mir mein Kalender das heute morgen. Klingt lustig, hat aber einen ernsten Hintergrund. Wer jetzt vorm PC lachend und japsend zusammenbricht und denkt, Frau Ansku würde gerade rituelle Tänze vor ihrer Kloschüssel aufführen oder selbige beweihräuchern, dem sei versuchert, das ist nicht so! Der Welttoilettentag soll vielmehr daran erinnern, dass der größte Teil der Menschheit von hygienischen Verhältnissen wie unseren noch nicht einmal zu träumen wagt und dass diese absolut unzureichenden hygienischen Verhältnisse eine ständige Quelle von Seuchen sind. Das wäre also (wiedermal) ein Gebiet, wo noch sehr viel zu tun ist, deshalb gibt es auch den Welttoilettenverein (WTO).

Ich persönlich gehöre zu den Leuten, die es zweifelhaft finden, einmal im Jahr etwas für das schlechte Gewissen zu spenden und die restlichen 364 Tage zu ignorieren, dass das Problem überhaupt existiert, deshalb weiß ich noch nicht, wie ich solche Dinge in Zukunft handhaben werde. Nichtsdestotrotz sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass es den Welttoilettentag gibt und dass es das Problem gibt und das soll aber hier keinen davon abhalten, etwas für die Weltgesundheit zu tun.

(Nein, ich hab nichts mit dem Verein zu tun, das ist nur meine arg soziale Veranlagung.)

Also, vor der nächsten „Sitzung“ bitte einmal kurz innehalten und bewusst dran denken, wie gut wir es eigentlich haben!

Zweitens

finde ich Geschenke kaufen für Jungen Männer ungefähr 17,3924 mal so schwer wie für Frauen. Bei Frauen muss man sich nur zwischen diesem Schnickeldi, dem anderen Krimskrams oder jener Bodylotion entscheiden, fertig. Aber – abgesehen von Weihnachten – wäre das dann auch schon wieder für dieses Jahr geschafft, ich hab was für den kleinen Bruder und lebe noch.

(Nein, ich verschenke nicht nur Schnickeldi und Krimskrams.)

Lästerschwester

Frau Schlapunzel machte sich kürzlich Gedanken über Menschen ohne Ecken und Kanten und ich wollte zuerst einen Kommentar schreiben, dann ist es aber doch ein ganzer Blogeintrag geworden, auch aufgrund eines speziellen Erlebnisses. 😉

Ich habe erst vor ca. anderhalb Monaten lange über das Thema nachgedacht, weil ein Geschäftsfreund meines Vaters mitsamt neuer Freundin bei uns zu Besuch war. Er 36, sie 21, angehende Medizinstudentin. Nett, blond, hübsch, sympathisch, aber wie hunderttausend andere Mädels auch angezogen (Röhrenjeans, rosa PoloSchickimickishirt), kleine, unauffällige Ohrringe, schicke Handtasche. Sie hat sich den Abend über nett, lieb und eloquent mit meinen Eltern unterhalten und hatte zu allem und jedem eine Meinung, egal ob es um die Arbeit ihres Freundes, meine Berufsaussichten oder um die Planung ihres Studiums und ihres Budgets ging: Sie hat uns erzählt, dass sie sich „schon immer soooo sehr für Medizin interessiert hat“ und deshalb (über Beziehungen) durchgesetzt hat, dass sie bei einer Hüft-OP bei sich selber nur eine örtliche Betäubung bekommen hat und mitansehen durfte, wie sie operiert wurde. Das Ganze ist natürlich gründlich in die Hose gegangen, sie hat noch vor dem ersten Schnitt nachträglich eine Vollnarkose bekommen. Sie hat uns ganz genau erzählt, wieviel Geld sie für welche Ausgaben einplant und hatte damals gerade einmal die Zusage für eine Wohnung und noch nicht einmal für eine einzige Vorlesung o.ä. Bücher angeschafft. Das kann man da einfach noch gar nicht wissen, wie das alles läuft im Studium! Was mich am meisten genervt hat, war dass ich den Eindruck hatte, sie versucht krampfhaft, ach-so-kompotent und erwachsen zu wirken, sie versucht, die reife, adrette, nette, erwachsene, vorzeigbare, schicke Frau an seiner Seite darzustellen, mit 21…! (Nichts gegen Beziehungen mit grossem Alternsunterschied zwischen den Partnern, das muss wirklich jede/r für sich entscheiden.) Was mich in Gegenwart dieses Mädchens so sehr gestört hat war wohl, dass sie sich als etwas anderes gegeben hat als sie ist, als etwas, was sie in dem Alter einfach nicht sein kann. Und das hat sie meiner Meinung nach eben getan, um anzukommen und um als seine Frau akzeptiert zu werden, aber ich hätte sie wohl eher akzeptiert, wenn sie sich so gegeben hätte, wie sie ist und dazu gestanden hätte, dass der Altersunterschied zu ihrem Freund eben da ist und dass sie da nicht immer mithalten kann, denn es ist halt so. Ich jedenfalls nahm ihr das nicht ab. Meine Eltern waren zuerst völlig begeistert von dem Mädel, ich hätte ihr auf’s Poloshirt kotzen können.

Ich hab dann viel drüber nachgedacht, was mich so an solchen Menschen stört, anfangs konnte ich das selber nicht begründen. Es ist klar, dass man nach einem Abend nicht einen Menschen in seinem ganzen Wesen erkennen kann, aber ja, es ist so: Der erste Eindruck zählt dennoch, das kann man nicht leugnen, und der war in diesem Fall völlig gekünstelt, aalglatt und tussihaft. Es geht nicht nur um das Aussehen, aber das Aussehen ist meiner Meinung nach eben doch manchmal eine Art Abbild des Charakters, zum Beispiel was Kleidung betrifft. Ich mag jetzt eigentlich nicht entscheiden, ob es das Leben leichter oder schwerer macht, immer lieb und nett und hübsch zu sein und ich mag auch nicht darüber urteilen, bei wievielen Menschen/ welchen das nur eine Fassade ist, hinter der es gewaltig bröckelt. Aber das, was mich am allermeisten gestört hat, ist wohl dennoch dieses Sich-als-etwas-anderes-geben-als-man-ist. Für mich ist Authentizität eines der wichtigen Merkmale und Charakterzüge eines Menschen, das weiss ich jetzt.

(Meine Mutter hat es aber dann später eingesehen und sich meiner Meinung angeschlossen.)

Aha-Erlebnis

Dem/ der einen oder anderen hab ich das schon erzählt, aber weil ich es so nett fand, möchte ich es hier nochmal aufschreiben. Vor zwei Wochen in Wien, da hatte ich so ein Aha-Erlebnis, ein äußerst interessantes.

Mit der liebsten Freundin war ich an meinem letzten sonnigen Wien-Montag im Kunstmuseum (Leopold-Museum). Dort war gerade eine Ausstellung über Christian Schad, ein mir bis dato unbekannter Künstler, aber er hat sich dann doch sehr schnell als sehr vielseitig und sehr spannend herausgestellt. Am Anfang der Ausstellung wurde wie so oft ein kleines Filmchen über sein Leben und sein Werk gezeigt. In dem Filmchen erzählte seine Witwe etwas über eine Bilderserie von ihm, in der er Gesichter gezeichnet bzw. gemalt hatte. Diese Gesichter waren „geteilt“, in der Mitte ging ein Strich durch das Gesicht und die linke und rechte Hälfte schienen zunächst etwas verzerrt. Schads Ehefrau erzählte dann, dass diese Bilder oft als die Zerrissenheit im Inneren des Menschen interpretiert wurden, als etwas tragisches, dabei wäre das eigentlich gar nicht die Absicht des Künstlers gewesen, dies darzustellen. Vielmehr war die Absicht Schads, die beiden wichtigsten Perspektiven in der Kunst, nämlich Frontalansicht und Profil in einem Bild zu vereinen. Das fand ich sehr spannend und ich fragte mich, wie sich Kunstexperten so irren können und obwohl sie sich jahrelang tagein tagaus mit Kunst beschäftigen, diese einfach, simple Absicht des Künstlers nicht erkennen können.

Und plötzlich dachte ich, dass ich mir diese Frage auch schon oft bei der Literatur gestellt habe. Zum Beispiel damals, wenn wir in der Schule berühmte Werke lasen und dann wurde daran heruminterpretiert und herumgedoktort und das Werk zerpflückt, dass es ein Graus eine Freude war. Für mich blieb da oft ein fahler Beigeschmack, ich konnte mir nicht vorstellen, dass Menschen etwas so kompliziert und so verschleiernd schreiben. Später in der Uni habe ich ein paar Male, wenn die Gelegenheit sich ergab, Gastvorträge oder Seminare von Gastdozenten über finnische Literaturgeschichte besucht. Bitte, verstehen Sie mich nicht falsch, ich habe allergrößten Respekt vor Menschen, die so etwas analysieren können, ich sass in diesen Kursen und kam aus dem Staunen nicht mehr heraus, welch Fülle an Motiven und Bildern sich in den Texten fand. Es ist einfach nur ein Bereich, der sich mir bis jetzt – obwohl ich mich durchaus für Literatur interessiere und begeistern kann – nicht erschlossen hat. Ich kann da nichts oder nur sehr wenig herauslesen, ich arbeite gewöhnlich mit Lauten und Morphemen (= grammatikalischen Einheiten), das sind sozusagen „hard facts“, wo es wenig bis gar nichts zu interpretieren gibt. Und somit ist mir dieser kleine feine Schlüssel, wie man aus einem literarischen Text die wirkliche Absicht des Autors bzw. Künstlers, die dahintersteht, herauslesen kann, bis heute verborgen geblieben und ich habe mich immer wieder gefragt, ob es diesen Schlüssel überhaupt gibt oder ob das ganze doch nur ein lustiges Ratespiel mit einer Gewinnchance von 1: x ist.

Aber Rettung aus meiner Not naht! Ich habe diese Geschichte letzte Woche der liebsten Ungarischlehrerin-Freundin und gleichzeitig größten Attila Jozséf-Expertin diesseits des Urals erzählt und demnächst werde ich wohl bei einer unserer Kaffee-Monatsfeier-Konferenzen* eine kleine feine Einführung in das Werk Attila Jozsefs in die geheime Welt der Dichter und Denker bekommen. Vielleicht komme ich dabei dem Schlüssel zu dem Ratespiel etwas näher.

(* Die allerliebste Ungarischlehrerin-Freundin und ich, wir haben nämlich beide an einem 14. des Monats Geburtstag und daher ist der 14. sowieso schon von vorneherein als der beste Tag des Monats anzusetzen und das muss natürlich gefeiert werden – Monat für Monat. Wehe, es wagt jetzt irgendjemand zu wiedersprechen und einen anderen Tag als den besten Tag im Monat zu sehen!!! 😉 )

Winter

Draußen ist zwar gerade noch strahlendstes Herbstwetter, aber das drohende nahende Ende der Sommerzeit erinnert schmerzhaft daran, dass der Winter naht. Für mich ist Winter eigentlich sowieso schon dann, wenn ich erstens Kopf- und Ohrenschmerzen bekomme, wenn ich mich draußen bewege und zweitens wenn es um 20.15 Uhr dunkel ist. 20.15 Uhr deshalb, weil ich früher oft mit meinen Großeltern GZSZ geschaut habe und danach dann nach Hause gelaufen bin. Irgendwie hat sich im Laufe der Zeit dann diese Einteilung ergeben: Wenn ich nach Hause laufe und es ist noch hell, ist Sommer, ist es aber dunkel, ist Winter. Also beginnt nach diesen Kriterien mein Winter ungefähr Ende September und endet Anfang April und das ist eindeutig zu lang. Man mag mich jetzt für verrückt oder paranoid oder beides erklären, aber nach dieser meiner Rechnung sind das quasi sechs Monate Dunkelheit. Empfinde ich so.

Ich fahre auch nicht Ski, nur sehr selten Schlittschuh und bevorzuge Eiskaffee im Trägertop deutlich vor Tee im kratzigen Rollkragenpullover (Tee an sich ist natürlich gut, aber dafür brauch ich keinen dunklen, ekelhaft nasskalten, grauen Regentag Mitte Dezember, um Tee trinken zu können). Ich brauche auch keine einsamen, von der Welt abgeschnittenen eingeschneiten Berghütten, um in Weihnachtsstimmung zu kommen. Nein, ich bin wahrlich kein Winterfreund. Winter bedeutet für mich: Stickige, trockene, überheizte Zimmer, trockene Lippen, rissige Hände, endloses An- und Ausziehen, wenn man nur mal eben den Müll rausbringen will, Erkältung, Nässe, Kälte, rutschige Straßen, vereiste Wege, auf denen Menschen eher schlittern als Laufen und vor allem immer wieder Dunkelheit und Lichtmangel und daher akuter Mangel an Glückshormonen. Dieser Mangel muss dann wiederum mit einer erhöhten Ration Schokolade bekämpft werden und das wieder bereut man spätestens Ende März bitter. Mit allen anderen Dingen könnte ich mich arrangieren beziehngsweise ich könnte sie sogar für einen schönen Winterspaziergang mit Schnee und Sonnenschein ignorieren, aber womit ich Jahr für Jahr wieder kämpfe, das ist die Dunkelheit. Und ich weiß schon, warum ich meine Magisterarbeit im Sommer geschrieben habe.

Deshalb stimme ich mit ihr im Chor ein: Schafft den Winter ab (oder reduziert ihn wenigstens auf drei Wochen)!

Kinder

Es erstaunt und entsetzt mich immer wieder, wieviele junge Mädchen in meinem Alter und jünger der Meinung sind, erstmal ein Kind bekommen zu müssen, nur weil sie nicht wissen, was sie in ihrem Leben machen wollen und völlig orientierungslos sind. Das ist jetzt nicht „Super Nanny“ oder sonst irgendeine Doku-Soap, das ist in meinem erweiterten Bekanntenpreis passiert und passiert vermutlich bald ein zweites Mal.

Diese Mädchen haben eine Ausbildung abgeschlossen, eine gute Ausbildung, oder sogar ein Studium. Es sind gebildete und intelligente Mädchen. Doch dann kommt der schwierige Punkt: Was mach ich jetzt mit meinem Wissen? Was mache ich aus mir? Wo will ich im Leben hin? Ich weiß es selber, und es bereitet mir im Moment selber einiges an Kopfzerbrechen. Es ist unglaublich schwer, sich zu entscheiden, was man machen möcht, gerade dann, wenn man etwas studiert, was nicht zu einem bestimmten Berufsbild führt, wie zum Beispiel Arzt, Lehrer, Designer. Man muss kreativ sein, man muss „seine eigene Lücke“ im Arbeitsmarkt finden, die den eigenen Kenntnissen und Fähigkeiten entspricht, in der man sich entfalten und bewähren kann; man muss sich Zeit nehmen, seine Bedürfnisse und Wünsche an das Berufsleben zu formulieren und so vieles mehr. Das frisst Nerven, Zeit und Energie. Das ist anstrengend.

Aber glauben diese Frauen ernsthaft, nach 3 5 10 Jahren zu Hause und mit drei Kindern wäre es leichter, sich beruflich zu orienteren? Natürlich gibt es Frauen, die sich bewusst dafür entscheiden, jung Mutter zu werden und natürlich sollen hier auch keine Mütter mit drei und mehr Kindern kritisiert werden – das würd‘ ich mich gerade hier in Klein-Bloggersdorf doch niiieee trauen. 😉 . Ich habe selber den heimlichen Wunsch, möglichst nicht erst ab meinem 30. Geburtstag Kinder zu bekommen, wenn ich denn mal den Mann dafür und das Geld und so weiter blablabla und ich wäre sicherlich keine Mutter, die ihr Kind nach einem knappen halben Jahr 8 Stunden am Tag in die Krippe gibt, um wieder arbeiten zu dürfen. 😉 Von daher mein vollstes Verständnis und Respekt für die, die sich wirklich dafür entscheiden, mit ganzem Herzen Hausfrau und Mutter zu sein. Aber das, was ich nicht verstehen kann, ist dass man ein Kind nur aus „Verlegenheit“ oder aus Orientierungslosigkeit zeugt, weil man nicht weiss, was man mit seinem Leben anfangen soll? Da läuft doch etwas schief.

Mir tun dann diese Kinder so Leid, die der einzige Lebensinhalt ihrer Mutter sind. Das kann doch nicht gutgehen, das endet doch entweder in überverwöhntem Balg oder einem überforderten Kind, das immer perfekt funkionieren muss, oder? Und gemeinhin sagt man ja auch, dass Kinder am ehesten mitbekommen, wenn es den Eltern nicht gutgeht…

Nach-Bericht aus der Wiesn-Hölle

Sie waren gekommen, um die Sternstunde zu sehen, das traditionelle Abschiedsritual des Oktoberfestes, wenn beim letzten Lied Wunderkerzen verteilt werden und die feierwütige, wabernde, hüpfende Masse im Zelt auf einmal sehr still und melancholisch wird. Doch leider leider, eine hat es nicht geschafft und das war Frau Ansku. Nachdem der liebste Bruder mir glaubhaft versichert hatte, dass man schon nachmittags dort anrücken müssen, um sich einen Platz im Zelt zu erkämpfen, hat es mir nach dem zehnten Male „Über den Wolken“ einfach gereicht und ich bin nach Hause gegangen. Schlappe zwei Stunden zu früh, was mich sehr ärgert traurig stimmt. Und auch wenn mir das jetzt hier wieder keiner glaubt, es lag nicht am Alkohol! Ich werd wohl alt.

Aber das heisst nicht, dass ich nichts zu erzählen hätte! Bitteschön, verehrte Leserschaft, treten Sie näher und staunen Sie! (Und zahlen Sie bitte ersteinmal 8 Euro Eintritt für dieses Vergnügen der ganz besonderen Art.)

1. Es gibt so unglaublich hässliche Dirndl. So abgrundtief hässlich, dass man es gar nicht glauben mag, dass Menschen für sowas auch noch viel Geld ausgeben. Mein Favorit: durchsichtige rosa Bluse, dazu blaues Dirndl mit Rüschen am Kragen und rosa Schürze. Babykleidung sieht schöner aus.

2. Es ist voll am letzten Sonntag, sehr voll. Eigentlich immer am Wochenende. Dann wundert man sich auch nicht mehr, wenn es links und rechts um einen kaum anders tönt als: „Daniel, warte!“ „Peter, renn nicht so!“ „STOOOOPP!“

3. Doch sehr wundern muss man sich, wenn eine Mutter ihr kleines Kind anraunzt, welches – obwohl an der mütterlichen Hand geführt – fast in den Menschenmassen verschwindet oder überrannt wird: „Alessandro, jetzt pass doch mal auf, wo Du hinläufst!!“

4. Wenn man in noch nicht-besoffenem Zustand durch ein Bierzelt läuft, da sieht man eine Fülle von Gesichtsausdrücken so mannigfaltig wie selten zuvor erlebt. Von euphorisch-erwartungsvoll über glücklich-alkoholbeseelt bis hektisch-verwirrt-suchend bis völligleer-entrückt gibt’s alles, was man sich dazwischen noch vorstellen kann. Sehr geeignet auch für psychologische Charakterstudien. 😀

5. Es gibt noch hässlichere Dirndl. Zum Beispiel das grüne mit schwarzer Schürze und schwarzer Bluse darunter und grüner Handtasche, wo die bezaubernde Freundin des kleinen Bruders sagte: „Schau mal, die sieht aus als würde sie bei PI.N arbeiten.“

6. Das U-Bahn-Phänomen gibt es auch in Bierzelten: Der Anblick von fünf jungen Burschen alle gequetscht in eine Ecke einer langen Bierbank in einem völlig überfüllten Bierzelt mutet sicherlich recht komisch an, aber dass dann trotzdem minütlich Menschen dorthin und fast schon quer über die Bierbank stürzen und fragen, ob noch Platz frei wäre, das mutet noch komischer an. Antwort der Jungs: „Ja, wenn Sie die K**ze aufwischen wollen.“  Alles genau gleich wie im Untergrund. Blick nach unten, Menschen schneller wieder weg, als sie über die Bierbank stürzen können. 😀

Es gibt auch allerhässlichste Dirndl. Ich bin sehr sehr stolz, Ihnen, meine verehrte Leserschaft, dieses ganz besondere Modell „Verpackung mit Beschriftung“ präsentieren zu können, sicherlich ein Einzelstück. Leider ist es mir nicht gelungen, zu entziffern, was da drauf steht, aber ich tippe mal auf: „Nimm mich von hinten“??? Weitere Vorschläge?

(KLICK macht’s groß.)

(Ich weiss, es ist sehr äußerst unhöflich, Leute von hinten zu photografieren, aber es tut mir Leid: Wer so was anzieht, der hat es nicht anders verdient. Punkt!)

Der Wahnsinn hat vorerst ein Ende, nächstes Jahr wieder, dann mit ihr, nicht wahr? 😉

FAQ – Frequently asked Questions

Kinder fragen viel. Irgendwann fängt sie an, die berüchtigte Fragephase “Mama, warum ist denn der Baum grün?” „Mamaaa, wieso fallen die Menschen auf der Südhalbkugel nicht runter von der Erde. Die stehen doch auf dem Kopf!!“ „MAMAAA, was is‘n das?“ „Mamaa….?“ Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum – es scheint manchmal kein Ende zu nehmen.

Und in der Tat, manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass es wirklich im Leben kein Ende nimmt, der Mensch möchte wissen und er möchte dieses Wissen erfragen. Umgekehrt wird man, sobald man aus dem Kleinkindalter heraus ist, ja nun auch ständig mit Fragen konfrontiert. Zuerst noch ganz lieb von der Tante Berta: „Na, und wann kommst Du denn in die Schule?“, dann bald schon etwas zielorientierter „Uuund, was willst Du denn werden, wenn Du groß bist?“ Später dann, man ist inzwischen schon groß und studiert, und womöglich studiert man auch ein etwas exotischeres Fach als Jura oder BWL, dann wird auf jeder Party erst einmal groß geguckt und natürlich auch gleich gefragt. „Sprachwissenschaft… Soso… Und welche Sprachen studierst Du dann? Englisch, Französisch…?“ – (…) – „Ahaaa… Hmm, und was macht man dann damit später?“ Ist man schon länger in einer Beziehung, wird automatisch davon ausgegangen, dass: „Und wann wollt ihr denn jetzt heiraten? Ach ja, und wo soll die Hochzeit denn stattfinden?“ Irgendwann im Leben, wenn sich der Nachwuchs ankündigt: „Ach wie süüüüß! Was wird es denn?“ „Ooh, wie schön, Ihr erwartet ein Baby… Wie soll der/ die Kleine denn heißen?“ Das Bedürfnis zu fragen scheint ein so elementares soziales Bedürfnis zu sein ich schließe mich selbst natürlich nicht davon aus, dass es ein Leben lang nicht aufhört, hat man einmal als Kind die wichtigen Worte Wer? wie? warum? erlernt. 😉

Allerdings gibt es im Leben eines Menschen zwei Phasen, in denen diese Fragestunde absolut tödlich ist, das ist zum einen der Schulabschluss bzw. das Abitur, wenn man 100 mal am Tag und sogar womöglich noch von der Bäckersfrau gefragt wird, „Uuuund? Was willst Du dann danach machen?“ –“Ich weiß es nicht, du blöde Schnepfe, ich will erstma überhaupt irgendwie mein Abitur bestehen!“ „Also, wissen Sie, ich überlege da, mich an der Hochschule für Politik für den Elite-Studiengang Internationales Politikmarketing einzuschreiben. Der ist dreisprachig Englisch-Französisch-Chinesisch und danach gehe ich zur UNO und werde dort…“

Die zweite Phase, das ist der Studienabschluss, ziemlich ähnlich. „Und was willst Du dann danach machen, so mit Deinem Studium… Was gibt es denn da für Möglichkeiten…?“
„Wissen Sie was? Könnten wir bitte das Gespräch an dieser Stelle unterbrechen und uns nächstes Jahr weiterunterhalten? Geht das? Ja? Vielen Dank, ich habe nämlich leider noch einiges zu tun, ich mache gerade ERSTEINMAL meinen Abschluss.“

Mein grosser Freund Stuve

Stuve (Studierendenmiteverwaltung) ist toll! Wer sich für Stuve engagiert, ist megahip, weil engagieren und seine Meinung äussern ist absolut in. Also bin ich heute abend meinen studentischen Pflichten nachgekommen und zu einer Sitzung des FSK (Fachschaftskonvent) gegangen, ein Gremium aus gewählten Fachschaftsvertretern, welches zumindest meines Wissens nach keine wirkliche Entscheidungsmacht hat. Man kann da also viel diskutieren, aber wenig in der Unileitung entscheiden mitreden. Die ideale Plattform für engagierte Studenten wie mich.

Dank dieser ehrenvollen Tätigkeit gerate ich zum zweiten Mal in zwei Tagen in ein U-Bahn-Chaos, Panne, nichts geht mehr, und komme eine halbe Stunde zu spät. Es befinden sich ca. 50 Studenten in einem Hörsaal. Alle Fächer vertreten und zu meinem grossen Erstaunen finden sich doch relativ wenig Anzuträger und Gucci-Tussis, aber auch wenig Ökos und Alternative. Ich dachte immer, der Laden besteht nur aus topgestylten Anglistik-Studentinnen, die früher auch alle schon brav in der SMV tätig waren, weil es ist ja schick, sich zu engagieren. (Ein grosses Sorry an alle Anglisten, die hier mitlesen!!! Es gibt natürlich auch andere Anglisten, und zu meiner Verteidigung: Diese Info mit der SMV habe ich von einer Nebenfach-Anglistin. 😉 ) Als ich und zwei andere Mädchen eintreten, brandet Applaus auf und ich bin irritiert, denn ich kenne hier keinen Menschen Studenten. Doch anscheinend sind wir durch die zusätzlich Eingetroffenen nun beschlussfähig geworden. Toll, da sieht man/ frau (mit freundlichem Gruss an das Gleichstellungsreferat), dass sich die Leute gerne engagieren.

Bereits bei dem ersten Tagesordnungspunkt beweist sich das nette Miteinander hier. Es geht um die Wahl des neuen Geschäftsführers, aber Ilona ist dagegen, den heute zu wählen und erklärt auch warum. Weil sie jedoch kein Mikro hat, ein walkie-talkie-ähnliches Ding, dass von einem netten sportlichen Komilitonen während der ganzen Veranstaltung durch den Hörsaal von Redner zu Redner herumgetragen wird und von den Studenten mehr oder weniger ungeschickt verwendet wird, versteht man in den hinteren Reihen kaum etwas von Ilonas Rede, Gemurmel wird laut und jemand ruft, dass er nichts verstanden hat. Daraufhin Ilona über die Schulter nach hinten „Das musst Du nicht verstehen.“ Hauptsache, sie hat es verstanden. 🙂
Es entsteht also eine lebhafte, sehr eloquente Diskussion darum, ob man denn nun heute wählen sollte oder vielleicht doch erst in zwei Wochen und ca. 10 min. später ist allen klar, dass wir ja hier „sozusagen die Exekutive wählen“ (es wird sogar mit Fachbegriffen um sich geworfen!), also wird die Wahl verschoben.

Inzwischen gab es eine Verwarnung und Belehrung für Störenfried S., der meint, ständig zwischenreinquatschen zu müssen. Selbiger Störenfried, Stefan aus der Mathematik, stellt dann auch gleich darauf einen Antrag, den Tagesordnungspunkt 11.1 vorzuziehen. („und zwar weil… öööh was hab ich da nochmal geschrieben?…“) Er möchte, dass Herr Thomas H., aus seinem Amt entlassen wird, weil er zuwenig hochschulpolitisch aktiv ist (ich kenne Herrn Thomas H. leider nicht, denn ich studiere nicht Mathematik, demnach weiss ich leider auch nicht, welches Amt er bekleidet und wie gut er es bekleidet). Herr Stefan dagegen scheint sehr politisch aktiv zu sein, denn im Folgenden beschreibt er eindringlich die Zustände in der Mathematik („Ja also, ich war heute in einer Veranstaltung für Lehramtsstudenten und da mussten die Leute auf dem Fussboden sitzen“), unter den Studenten („Es gibt sehr viele Leute, die unter Prüfungsdruck leiden.“) und in unserer schönen Stadt allgemein („In unserer Stadt leiden sehr viele Menschen, es gibt Kranke, Einsame, Selbstmörder… 716 Menschen haben sich 2007 in München umgebracht und wir wollen die Elite sein, also müssen wir da auch was tun“) Er wird immer heftiger, jedoch bald unterbrochen und der Tagesordnungspunkt wird abgebrochen. Daraufhin wird der Stefan noch ausfallender und drohender dass mir schon etwas angst und bange wird tigert zwischen seinem Platz und dem Rednerpult hin und her, fällt Leuten ins Wort und schreit schliesslich, als er sein Vorhaben gescheitert sieht, bedrohlich wütend, dass wir gar keine Ahnung hätten, wir würden uns nur mit uns selber beschäftigen und wir sollten uns die Zahl 716 merken. Dann wird er vor die Tür gebeten, bzw. er geht freiwillig, jedoch nicht ohne die Türe ordentlich zuzuknallen.

Es geht weiter und es wird viel geredet und viel abgestimmt. Bei so wichtigen Versammlungen läuft das nämlich so, dass man zuerst abstimmen muss, ob man eigentlich abstimmen möchte, um dann schliesslich endlich abstimmen zu können, dass man an irgendeinem schönen Abend im kommenden Monat in einer extra Sitzung über die Grundsätze des FSK reden und abstimmen möche. Man sieht, es herrscht tatsächlich Diskussionsbedarf, schliesslich gibt es diese Ordnung in dieser Form ja auch schon erst fast ein Jahr. Und ich weiss, dass ich an diesem Tag ganz plötzlich ganz ganz schlimme Migräne haben werde. Also werden im Folgenden in schöner Regelmässigkeit rote, gelbe, blaue und grüne Kärtchen (Das hat mir keiner gesagt! Warum hab ich keine Karte???) geschwenkt, um abzustimmen, ob jemand dagegen ist abzustimmen – oder so ähnlich.

Die Diskussion um die Geschäftsführer ist noch nicht zu Ende. Auf der Bank vor mir taucht inzwischen ein Harry Potter auf und ich grinse, während ich gemütlich mein Abendbrot vertilge. Es wird eifrig und engagiert um Personlia, Kandidaten, ehemalige Geschäftsführer und weitere Unwichtigkeiten diskutiert. Abermals erhitzen sich die Gemüter, es fallen ein paar heftige Kommentare, dass dieses Amt ja ein Full-Time-Job ist, weil zu wenig Leute mitarbeiten und die Kommunikation untereinander mehr als schlecht ist. Es tritt kurzzeitig Stille ein, alle sind sehr betroffen. Doch dieses Thema ist bedeutend weitläufiger, als man denken mag. Ein Student (Philosoph? Politiologe??) macht die brisante Bemerkung, dass eindeutig zu wenig passiert, weil die Entscheidungen, die in dieser Versammlung getroffen werden, nicht nur entschieden, sondern auch ausgeführt werden müssen. (Ha! Politologe, eindeutig!!) Wir müssen also unsere Arbeit grundsätzlich überdenken, denn auch das Referat für Hochschulpolitik ist mit nur einer Person besetzt, der dann auch relativ wütend und eindringlich seine Lage schildert. Das klingt alles wirklich sehr dramatisch, und ich weiss noch genauer, dass ich an besagtem Mittwoch im Mai Migräne bis zum Umfallen haben werde.

Die brisante Diskussion setzt sich fort, es geht darum, ob Fachschaften die Daten über die Verwendung von Studiengebühren weitergeben bzw. veröffentlichen dürfen. Dieser Tagesordnungspunkt erstreckt sich eigentlich über den ganzen Rest der Veranstaltung, denn ein paar besonders schlaue und technisierte Komilitonen haben ihre Laptops ausgepackt und forschen intensiv nach E-Mails und Gesetzestexten, die über die Schweigepflicht von Fachschaftsvertretern aufklären sollen, um sie sich dann zu jeder unpassenden Gelegenheit sobald sie es gefunden haben, einfliessen zu lassen. Sämtliche Eventualitäten werden dabei mit einbezogen: „wenn es so wäre (gewichtige Pause), dass…“

Im Folgenden kommen zwei Situationen, die ich zu meinem grossen Bedauern nicht so ganz verstanden habe: Komilitone A. bittet, die Protokolle dieser illustren Versammlung in Zukunft verständlicher zu schreiben (Studenten und verständlich? Was denkt der denn??), denn „schliesslich arbeiten wir ergebnisorientert“. Doch es gibt eine Gegenstimme, die einwirft „Es ist ja nicht gesagt, WIE ergebnisoriert“, woraufhin A. genervt abwinkt und verspricht, das Protokolle schreiben das nächste Mal selber zu übernehmen. Ich nehme jetzt mal zu Gunsten dieser anderen Person an, dass er sich nur vorm Protokollschreiben drücken wollte.
Die nächste Situation, es soll ein neues tolleres Stuve-Logo geben und verschiedene Entwürfe stehen zur Auswahl. Wieder einmal geht es um den Abstimmungsmodus, denn verschiedene Modi könnten ja verschiedene Ergebnisse bringen. Schliesslich wird als ultimative Lösung vereinbart, für beide Logos einzeln mit „ja“ und „nein“ abzustimen „und wenn wir für beide Logos ein NEIN bekommen, müssen wir sowieso von vorne anfangen.“ Schliesslich wird also abgestimmt, dass wir nun so abstimmen wollen (erwähnte ich mal, dass wir ziemlich viel Zeit fürs Abstimmen verbraucht haben?) und „über den Schriftzug können wir uns ja dann noch gesondert unterhalten“. Gottseidank nicht mehr heute.

(Stefan ist zwischenzeitlich zurückgekommen, tigert weiterhin durch den Raum, ruft zwischenrein und fordert die Absetzung von Thomas H., schleicht weiter durch den Raum, geht zum Fenster, lehnt sich zum Fenster, kommt zu mir und quatscht mich von der Seite an, was ich denn da schreibe (Blog-Notizen 😉 ), ich fauche ihn an, dass ich gefälligst zuhören will. Will ich ja eigentlich gar nicht, aber…)

Auf der Zielgeraden gibt es nochmal erhitzte Diskussionen, müssen wir (muss das AntiFa-Referat) zu dem alljährlichen Gebirgsjägertreffen in Mittenwald Stellung beziehen? Und zu dem Coca-Cola-Plantagen in Kolumbien sowie den erbärmlichen Arbeitsbedingungen dort? Argumentation: Immerhin sieht man an der Uni tagtäglich etliche tausend Leute mit Coca-Cola-Flaschen herumlaufen, deshalb betrifft uns auch Kolumbien! Oder liegt das vielleicht doch ausserhalb unserer Kompetenzen? Und was sind eigentlich unsere Kompetenzen??? Was wollen wir eigentlich? Gottseidank gibt es ja die Grundsatzdiskussion in ein paar Wochen und ich weiss schon wer dann…. Die Diskussion wird noch durch sehr aufschlussreiche Wortbeiträge wie z.B. „Ja, ich finde das auch sehr unterstützenswert. Da besteht noch Informationsbedarf.“ quasi als Sahnehäubchen garniert. Hörrlisch, jetzt wissen wir mehr!

Wir nähern uns dem Ende, die Leute packen einer nach dem anderen ihre Sachen und gehen, so dass der Versammlungsleiter bitten muss, doch zwecks der Beschlussfähigkeit noch kurz zu bleiben. Ganz zum Schluss führen wir uns aber als Krönung des Ganzen noch etwas selbst ad absurdum. Es wird der Vorschlag gemacht, Fachschaftsvertreter als Anerkennung ihrer Arbeit und als Anreiz für mehr Mitarbeit in den Fachschaften von den Studiengebühren zu befreien. Es macht auch ganz bestimmt keinen schlechten Eindruck nach draussen, wenn wir als Studierendenvertretung uns von dem, wogegen wir kämpfen, als allererstes mal selbst befreien… Das haben gottseidank ziemlich schnell viele eingesehen und somit war für mich und einige andere die Sache erledigt und ich hab’ meine Sachen gepackt und dieser geballten Sinnlosigkeit ein Ende bereitet.

Welcome to Abs(t)urdistan! Früher gab’s bei uns den (inoffiziellen) AstA ohne Kompetenzen, den gibt’s jetzt nicht mehr, dafür gibt es jetzt den (halboffiziellen) FSK ohne Kompetenzen, aber das Gequatsche ist gottseidank dasselbe geblieben und mich beschleicht das leise Gefühl, dass ich meinen Beruf als Studentin verfehlt habe, weil ich nicht aus Prinzip dagegen bin und erstmal über alles diskutieren möchte. Ich bin nicht für die Studiengebühren, und schon gar nicht in dieser Höhe, aber deshalb muss ich nicht wissen, wieviel meine Dozenten verdienen, weil ich weiss, dass sie sowieso zu wenig verdienen für die wunderbarst tolle Arbeit, die sie tun. Ich weiss auch, dass bei uns die Gelder vernünftig eingesetzt werden, wir haben viel mehr Möglichkeiten, Gastvorträge, Aktivitäten etc. als früher, also vertraue ich unseren Dozenten, dass sie sich überlegen, wofür sie unsere Studiengebühren ausgeben. Ich bin vielleicht mal wieder gnadenlos naiv und alleine mit dieser Einstellung, aber ich kann mir auch wirklich bessere Beschäftigungen am Mittwochabend vorstellen als zwei Stunden um nichts zu diskutieren.

Utz, utz, utz, utz, utz…

Ich hasse Elektromusik! Ich hasse Elektromusik! Ich hasse Elektromusik! Ich hasse Elektromusik! Ich hasse Elektromusik! Ich hasse Elektromusik! Ich hasse Elektromusik! Ich hasse Elektromusik! Ich hasse Bars, in denen die Musik so laut ist, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Ich hasse Elektromusik! Ich hasse Elektromusik! Ich hasse Elektromusik! Ich hasse Elektromusik! Ich hasse Elektromusik! Ich hasse Elektromusik! Ich hasse Elektromusik! Ich hasse Elektromusik! Und es klingt auch nicht schön, wenn man versucht, diese Musik mit einem lauthals geschmetterten Happy Birthday zu übertönen. Ich hasse Elektromusik! Ich hasse Elektromusik! Ich hasse Elektromusik! Ich hasse Elektromusik! Ich hasse Elektromusik! Ich hasse Elektromusik! Ich hasse Elektromusik!
Utz, utz, utz, utz, utz…