Symptom und Ursache

Heute in der F.A.S einen Artikel über Alkoholmissbrauch bei Jugendlichen und dieses geplante Verbot, Alkohol nachts an Tankstellen zu verkaufen gelesen und ziemlich entsetzt gewesen. Wenn schon die Jugendlichen selbst sagen, dass dieses Gesetz nichts bringt, weil man dann einfach nur vorher im Supermarkt entsprechend mehr (und nebenbei sogar billiger als an der Tanke) einkauft, dann sollte  unsere Gesellschaft und allen voran unsere Politiker sich vielleicht endlich mal überlegen, ob es nicht an der Zeit wäre, endlich einmal die Ursachen statt der Symptome zu bekämpfen.

Wer Rauschmittel will, der bekommt sie immer. Irgendwie und trotz aller Verbote.

(In Finnland gibt es ja ein Alkoholverkaufs-Verbot nach 18 Uhr, aber sehr viel nützt das scheinbar auch nicht. Habe selten in einer Innenstadt soviele Betrunkene gesehen wie Freitagabends in Helsinki.)

Jenseits der Stille

Vor einiger Zeit, noch im alten Jahr, musste ich plötzlich ständig an einen alten Film denken, den ich vor etlichen Jahren, als ich noch jung war, mal gesehen hatte.  Zufällig zu genau dieser Zeit schrieb auch Frau Nebelmädchen über Jenseits der Stille und postete diesen Trailer. Immer wieder spukte der Film mir durch den Kopf, aber so lange ist das her, dass ich mich kaum noch an die Handlung erinnern konnte. Es muss wohl einer der ersten „Erwachsenenfilme“ gewesen sein, die ich im Kino gesehen habe, ich war wohl elf oder zwölf Jahre alt. Ich weiß noch genau, dass mich dieser Film ungeheuer berührt und fasziniert hat, ich weiß, dass es einer der besten Filme ist, die ich in meinem Leben gesehen habe. Aber die Handlung war komplett aus der Erinnerung verschwunden. Ich wusste, dass es um ein musikalisch begabtes Mädchen und ihre tauben Eltern ging, mehr aber auch nicht. Faszinierend wie einem so ein Film nicht mehr aus dem Kopf geht, obwohl man sich kaum noch daran erinnern kann.

Der Trailer und etwas Recherche trugen dann, dazu bei das Gedächtnis wieder etwas aufzufrischen, aber dennoch war ich sehr neugierig und wollte den Film unbedingt zu Weihnachten haben zum Geburtstag haben aus der Videothek ausleihen sehen. Jetzt endlich, nach langem Warten, habe ich ihn mir dann doch bestellt damit ich ihn in weiteren 15 Jahren nocheinmal anschauen kann 😉 und er liegt nun endlich hier und ich freu mich wahnsinnig auf heute abend. Und bin irre gespannt. 🙂

Gut aufgestellt

Aus der Reihe: Weisheiten in der S-Bahn

Mir gegenüber ein Mann und eine Frau im Gespräch darüber, dass es sich nicht lohnt, nur wegen der Arbeit umzuziehen, weil das viel zu unsicher ist. Man könnte z.B. gerade frisch ins neue Heim gezogen unerwartet eine Kündigung bekommen und dann sitzt man irgendwo in der Pampas und der ganze Umzug war für das Umzugsunternehmen äußerst profitabel die Katz.

Weiter dann die Feststellung des Mannes, dass er selbst gottseidank seinen Wohnort so gewählt habe, dass er dort aus locker alle möglichen Plätze in und um München erreichen könnte, er also ziemlich gut „aufgestellt“ wäre. Er überlegt kurz und sagt dann:

„Die Wahl des Wohnortes ist ja wie Krieg. Im Krieg überlege ich mir ja auch, wie ich mich aufstelle.“


Fahrgaststrom

Heute ist Mittwoch, also musste ich heute nicht arbeiten. Das heisst allerdings auch Verzicht auf meinen Frühsport, den allmorgendlichen S-Bahn-Sprint. Im Herbst hab ich mal über dieses Problem mit den S-Bahnen, die auf verschiedenen Gleisen abfahren, geschrieben. Jetzt habe ich neulich durch Zufall in einer Kundenzeitschrift des hiesigen Nahverkehrsverbundes gelesen, warum das eigentlich so ist.

Sinngemäß ging es darum, dass sie bei Verspätungen und Unregelmäßigkeiten im Fahrplanablauf (so schönes Beamtendeutsch!!!) nicht anzeigen dürfen, auf welchem Gleis die nächste S-Bahn abfährt, weil dann sämtlliche wartenden Fahrgäste von einem Gleis auf das andere überlaufen würden und dieser Fahrgaststrom würde dann weitere Verspätungen mit sich ziehen.

Ich fand das zuerst ganz interessant und dachte mir „Oh schön, jetzt weiss ich wenigstens, warum ich jede Woche mindestens einmal einen Sprint aufs richtige Gleis einlege.“ Aber je länger darüber ich nachdenke, desto bescheuerter finde ich diese Begründung. Im Februar habe ich mindestens zweimal von weitem die auf dem anderen Gleis einfahrende S-Bahn gesehen und bin darauf von dem einem Gleis die Treppe runter, um die Ecke zur nächsten Treppe, die nächste Treppe runter, quer durch das Zwischengeschoss und die lange Treppe am anderen Ende wieder rauf bis zur wartenden S-Bahn gesprintet. Weil ich die S-Bahn erwischen musste, weil ich zur Arbeit musste. Ich habe es beide Male geschafft, aber sicherlich nicht ohne die S-Bahn ein paar Sekunden aufzuhälten. Einmal kassierte ich dafür eine verärgerte Lautsprecherdurchsage vom Lokführer, einmal schaffte ich es nur, weil mir ein junger Mann die Türe aufgehalten hat. Das wäre nicht passiert, wenn ich auch nur 2 bis 3 Minuten vor Einfahrt der S-Bahn Bescheid gewusst hätte und genug Zeit gehabt hätte, mich auf das richtige Gleis zu begeben.

Wenn man also weiß, welche S-Bahn als nächsten in einen Bahnhof einfährt – und das weiß man doch bestimmt (oder in 05% der Fälle), wenn die S-Bahn am vorigen Bahnhof abfährt, warum kann man dann nicht rechtzeitig, also zwei bis drei Minuten vorher, eine Durchsage oder eine Anzeige rauslassen, so dass die Menschen sich auf dem richtigen Gleis einfinden können? Das gäbe dann auch nach Adam Riese sicherlich weniger Verspätung als wenn alle erst in Panik losspurten, wenn sie die S-Bahn schon einfahren sehen. (Ha, soweit kann sogar die Ansku rechnen!)

Liebe Münchner Verkehrsbetriebe, eine Bitte: Wenn Ihr Euch das nächste Mal eine Ausrede Begründung einfallen lasst, dann macht Euch doch wenigstens die Mühe, Euch eine nachvollziehbare, oder sogar eine intelligente Ausrede Begründung einfallen zu lassen. Ich stehe wirklich sehr gerne in der Kälte und warte auf die S-Bahn, aber dann möchte ich bitte gerne auch einen triftigen Grund dafür haben!

Herzlichen Dank!

Eure treue Kundin

Frau Ansku

Happy Birthday!

Du!

Du wunderbare, sympathische, humorvolle, scharfzüngige, intelligente, aufmerksame, blitzscharf kombinierende und ständig hinterfragende Frau!

Du liebevolle Gastgeberin und tolle Gesprächspartnerin. Du treue Freundin.

Du Königin der Niedriggartemperaturen, Du Virtuosin der gestochen scharfen Logos, Du Freundin von Zigarren und Whisky, Du Herrscherin der gestochen scharfen Worte und Beschreibungen. 😉

Von ganzem Herzen wünsche ich Dir alles Gute für ein tolles, prächtiges, (nicht nur aufgrund von häufigem Prosecco-Genuss 😉 ) prickelndes, zufriedenes, ja für ein glückliches neues Lebensjahr!

Lass es krachen heute und lass Dir eine extradicke Zigarre schmecken, heute an Deinem Ehrentag. Du.

Nachtisch mit Hindernissen

Bisher haber ich natürlich auch immer bei den Weihnachtsvorbereitungen mitgeholfen, aber eigentlich war für das Essen immer hauptsächlich meine Mutter verantwortlich. Wir, mein Bruder und ich, haben dann z.B. den Baum geschmückt, letzte vergessene Lebensmittel und Geschenke besorgt oder bei den lieben Großeltern den Tisch eingedeckt, während meine Mutter einen ganzen Tag lang in der Küche stand und brutzelte und briet und herrichtete. Daran hat sich auch in den letzten Jahren, als wir schon erwachsen waren, wenig geändert. Gelegentlich dürfen wir mal Gemüse schnippeln oder hier oder dort etwas halten, etwas rühren, aber dann werden wir auch bald wieder aus der Küche hinausgeschmissen.

Als ich aber neulich Besuch von der wunderbaren Frau Lottea hatte, da waren wir eines Abends mal essen und da habe ich so wunderbare warme Schokoküchlein mit flüssigem Kern und darunter Bananancarpaccio gegessen, dass mir gleich ganz weihnachtlich zumute wurde. Die warmen Kuchen, dazu die frischen Bananen, herrlich. Sowas wollte ich immer schonmal selber machen. So nach und nach entstand dann in mir der Gedanke, dass das irgendwie auch ein tolles Weihnachtsessen wäre und ich überlegte mir, ob wir es vielleicht mal dieses Jahr so machen, dass ich mich für die Zubereitung des Nachtisches verantwortlich erkläre. wenn die Mutter mich denn lässt…

Inzwischen bin ich mir da aber gar nicht mehr so sicher, ob ich das wirklich machen sollte, denn erstens ist man ja nach einem Weihnachtsessen gar so vollgefuttert, dass wahrscheinlich auch kein noch so kleiner Schokokuchen noch reinpasst und zweitens – das größere Problem – sollten diese warmen Schokoküchlein ja frisch zubereitet bzw. erwärmt werden und zwar bitte so, dass genau der Kern noch leicht flüssig ist. Also Feinarbeit. Nun hat aber mein wunderbarer, äußerst fürsorglicher Herr Vater die Angewohnheit, einem während des Weihnachtsmenüs sobald das Weinglas leer ist, gleich sofort wieder nachzuschenken. Wir könnten ja verdursten. Und ich leichtgläubiges naives Ding hab die dumme Angewohnheit, die Gläser dann auch tatsächlich immer wieder leerzutrinken, weil es ist ja alles so schön und so gemütlich und so lecker und so… 😉

Das heisst, ich kann aus Erfahrung sagen, mir eigentlich auch mit meinen nicht-vorhandenen Mathekenntnissen ausrechnen, dass ich nach einem sicherlich einstündigen Festmahl mit einzweivielen Gläsern gutem Wein davor, dazwischen und danach, schon ein kleines bisschen angeschicksert und ziemlich sicher nicht mehr in der Lage sein werde, Schokoküchlein auf die Sekunde genau aus dem Ofen zu holen und die heißen Küchlein noch auf Bananencarpaccio zu drapieren und dann noch unversehrt von der Küche ins Esszimmer zu befördern. Dürfte ziemlich schwierig werden. *

Ich glaub, ich mach Obstsalat.

* Anmerkung der Verfasserin: Und noch mal extra für alle, die das Augenzwinkern mutwillig oder aus nicht vorhandenem Sinn für Humor überlesen haben und meinen, die Hände überm Kopf  zusammenzuschlagen und wütende Kommentare verfassen zu müssen: Ich lege es nicht drauf an, mich an Weihnachten zu betrinken, ich sage nur, dass es durchaus passieren kann, dass man in einer schönen, festlichen, gemütlichen Runde auch mal das eine oder andere Glas Wein zu sich nimmt und dass es dann sein kann, dass ich nicht mehr in der Lage bin, solch einen feinen Nachtisch zuzubereiten, denn das wäre sehr schade um den Nachtisch.

Mfg, ganz die Ihre

Frau Ansku

Fragen, die die Welt Ansku bewegen (9)

Wie schnell können Lichterketten blinken und wird das dann auch in Bpm (beats per minute) gemessen oder eher in fpm (flashs per minute)?

(Jedes Mal denke ich, es könnte nicht mehr schlimmer neller kommen und jedes Mal werde ich doch wieder irgendwo eines Besseren belehrt. Die der Sozialwohnungen gegenüber können jedenfalls locker mit einer guten Electro-Party mithalten… Ich glaube, ich sollte nicht soviel denken.)

Bestätigung

Auch wenn es vermutlich hier schon weithin bekannt sein dürfte, für’s Protokoll hier nochmal: Ich liebe die Musik Shakira, über alle Maßen. Ich liebe sie für vor allem für ihre wunderbaren, poetischen Texte. Und obwohl ich ja eigentlich von der ersten neuen Single aus dem neuen Album nicht wirklich viel hielt und die zweite Single ganz hörbar, aber beileibe nicht mit Shakiras früheren Werken vergleichbar fand, kam es dann plötzlich vor etwa eineinhalb Wochen auf der Homepage eines namenhaften Internetversandes zu unkontrollierbaren Zuckungen in meinem rechten Zeigefinger und wenige Klicks Tage später flatterte das neueste Werk von Frau Shakira hier ins Haus.

Die Enttäuschung in den ersten paar Tagen war groß, inzwischen nach einer Woche habe ich mich wohl so sehr daran gewöhnt, dass ich den meisten Liedern etwas abgewinnen kann, jedoch so richtig Dauerbrenner-Ohrwurm-Stimmung wie bei den letzten Alben kam bisher noch nicht auf. Tanzbar sind die meisten Songs, das kommt mir sehr entgegen, ich mag es momentan lieber etwas bunter, schneller und bewegter. Mit dem „tanzbar“ kam aber leider auch sehr viel Einfluss aus der internationalen Musikwelt einher, einige Lieder klingen schon sehr nach Beyoncé und der ganzen bekannten R&B – Riege. Das widerum ging natürlich teilweise – nicht komplett, aber öfters – auf Kosten von Shakiras individueller Mischung aus lateinamerikanischen, arabischen und Rockeinflüssen.

Und zu meiner allergrößten Enttäuschung suche ich auch weitest gehend vergeblich nach Vergleichbarem mit ihren früheren Texten, die in so schönen Worten so perfekt Gefühle ausdrucken konnten. In den Genuss dieser Texte kommt man am ehesten, wenn man ihre alten Songs aus den Anfängen ihrer Karriere anhört, ich kann da z.B. „Grandes Exitos“ (Große Erfolge) empfehlen. Die zwei englischsprachigen Alben „Laundry Service“ und „Oral Fixation Vol.2“ sind zwar auch sehr nett anzuhören und textlich durchaus gut gemacht, sind aber dennoch nicht wirklich gleichwertig wie die früheren spanischen.

Ein Vergleich:

Antologia

para amarte necesito una razon
y es dificil creer que no exista
una mas que este amor
(…)
y aprendi a quitarle al tiempo
los segundos tu mi hiciste
ver el cielo aun mas profundo junto
a ti creo que aumente mas de
3 kilos con tus tantos
dulces besos repartidos
dessarollaste mi sentido
del olfato y fue por ti que
aprendi a querer los gatos
(…)
pero olvidaste una final
instruccion porque aun
no se como vivir sin tu amor

Übersetzung (frei nach Frau Ansku):

Um Dich zu lieben brauche ich einen Grund

und es ist schwer zu glauben, dass da noch ein anderer

existieren sollte als diese Liebe

(…)

und ich habe gelernt, mir von der Zeit die Sekunden zu nehmen,

Du hast mich dazu gebracht, in die Tiefen des Himmels zu sehen.

Gemeinsam mit Dir habe ich glaube ich drei Kilo zugenommen mit Deinen

ständigen süßen Küssen.

Du hast meinen Sinn für Parfüm entwickelt

und es war für Dich,

dass ich gelernt habe Katzen zu lieben.

(…)

Aber Du hast eine finale Anweisung vergessen, weil

ich immer noch nicht weiss, wie man ohne Deine Liebe leben soll.

Auf Spanisch klingt das ganz noch etwas poetischer als auf Deutsch, das mag aber auch an meiner Übersetzung liegen. 😉 Aber auch auf Laundry Service findet man noch solche bilderreichen Texte, z.B. in Poem to a horse

(…)

I’ll leave again
Cuz I’ve been waiting in vain
But you’re so in love with yourself
If I say my heart is sore
Sounds like a cheap metaphor
So I won’t repeat it no more

I’d rather eat my soup with a fork
Or drive a cab in New York
Cuz to talk to you is harder work
So what’s the point of wasting all my words
If it’s just the same or even worse
Than reading poems to a horse

(…)

Die neue Platte dagegen hält sich mit Platitüden, Allgemeinplätzen und vom Sinn her bereits 1000 mal in der Popwelt geschmachteten Zeilen wie „Let’s get physical.“, „Something’s coming on, coming on strong / Don’t take too long / Don’t you wanna know / Baby come home.“ oder „One more / Night with you / I won’t / Think it through / Time’s money / But you knew / Nothing in the world / You can think of / That I won’t do to you.“ nicht zurück. Ein Beispiel:

„Good stuff“

Tell me all your wishes
I am here to make them true, don’t wonder
You don’t have to rub a lamp
‚Cause I’ll take care of you

Nobody knows, nobody knows
Nobody knows, nobody knows

Tell me what you think I’m one of your kind
You know a girl like me is difficult to find
I bet you’ve never seen nothing like this before
I bet you’ve never met someone who loved you more

You know that I’m a witch and I can read your mind boy
Where do I have to sign
I’m on a board

Schöne Texte gibt es, gelegentlich, aber man muss sie suchen. Das, was von allem meiner Meinung nach textlich und musikalisch noch am ehesten von allem an die frühere Shakira herankommt und Frau Ansku regelmäßig zum Mithüpfen veranlässt, ist „Mon amour“

Und noch etwas fällt auf: An manchen Stellen merkt man bei „Whenever, whatever“ deutlich, dass der Song eigentlich auf die spanische Version „Suerte“ (Glück) zugeschnitten war, der Rythmus, der Klang, alles passte viel besser zu „Suerte“, man merkte dass Frau Shakira in ihre eigenen Muttersprache, in der sie sich sicher fühlte sang und nach ein paar Mal Hören der Originalversion war eigentlich klar, dass „Whenever, whatever“ eine auf den Song angepasste Übersetzung war. Es gibt für mein Gehör immer wieder kleine Haken im Rythmus oder im Text. Einen direkten Vergleich und eine kleinen Ahnung, was ich meine, bekommt man vielleicht hier bei diesem Experiment. Auf dem neuen Album sind von den zwei Singles „She Wolf“ und „Did it again“ und einem weiteren Song („Why wait“) die spanischen Versionen enthalten und als ich die entdeckte und freudig-erwartungsvoll anhörte, wurde ich derbe enttäuscht: „Lobo“ (Wolf) und „Lo hecho está hecho“ (Das Getane ist getan.) passen für mein Gefühl irgendwie so gar nicht zur Musik, der Text hört sich an wie auf einem anderen Band als die Musik: Manchmal habe ich das Gefühl, die Silbenanzahl einer Liedzeile passt aber gar nicht zum Takt oder ich habe das Gefühl, es wird absichtlich ein anderes Wort verwendet, um den Rythmus passender zu machen, nicht so wie früher, wo eigentlich jedes Wort an der Stelle wo es war passte.

Ich bin natürlich kein Musikexperte und kann das alles nicht beweisen, aber ich war jetzt schon einige Male beim Hören der CD etwas irritiert von den Übersetzungen und meinte, mich verhört zu haben. (Vielleicht macht es manchmal etwas aus, was man zuerst hört? Aber eigentlich habe ich bei allen dieser Songs zuerst die englische Version gehört.)

So, jetzt sitz ich hier mit meinem neuen Album und muss mir eingestehen, dass sowas wie früher wohl doch nicht mehr kommt und dass manche Dinge einfach nicht oder nur sehr bedingt wiederholbar sind. Ich wollte es vorher nicht glauben, also musste ich mich selber davon überzeugen, nur blöd, dass der Spass mich gleich 12,99 Eur gekostet hat. Schade.

Fremd

Noch etwas fremd, noch etwas suspekt, rauh und komisch fühlt sich mein neuer Arbeitsplatz, fühlt sich diese große, unübersichtliche Finanzwelt nach dem ersten Tag an. Mal sehen, wie sich das noch entwickelt.

Da fällt es aber dann umso mehr auf, wenn die Frau vom Firmen-Reisebüro, die ich anrief, weil der Online-Check-In für den Chef partout nicht klappen wollte, fröhlich und mit einem Lächeln auf den Lippen, das ich quasi durch den Telefonhörer hören kann, antwortet und sagt „Ach, das mach ich mal eben schnell für Sie. Ich mail es Ihnen dann einfach zu.“

Danke.

R.L.

Eine Schulfreundin von mir hat mal für ihre Facharbeit den Herrn von der Kommune 1 interviewt und erzählte danach etwas schockiert, dass der Meister schon ein sehr komischer Kauz sei. Ich hatte damals insgeheim etwas Schwierigkeiten, das zu glauben, immerhin gehört der Meister doch der Hippie-Generation an und Hippies sind doch durchaus sehr nette Menschen, sehr tolerant, manchmal auch ein bisschen bekifft, immer aber voll gechillt und insgesamt sehr umgänglich.

So dachte ich bis gestern. Sah ihn beim perfekten Promi-Dinner und musste mit anhören, wie der Herr von der Kommune 1, als für ihn als Veganer ein Extra-Essen serviert wurde, zu den anderen Promis sagte: „Und Ihr esst den Mist.“  Und auch wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass die Sendung solche Menschen immer etwas ironisch und abwertend darstellt, fand ich den Meister aufgrund solcher Äußerungen einen äußerst komischen Kauz, der noch nicht einmal seinen Gästen Besteck anbieten konnte wirklich nicht besonders sympathisch.

Liebe Schulfreundin, ich bitte daher vielmals um Verzeihung!

Aufregung?

Ich versteh gar nicht so ganz diese Aufregung, die jetzt um die nicht eingelösten Wahlversprechen gemacht wird.

Das war doch schon immer nach jeder Wahl so und das ist so und das wird vermutlich immer so bleiben. Vor der Wahl wird anders geredet als nach der Wahl.

Quer durch die Bank und bei allen Parteien.

(Das das natürlich nicht so schön ist, das steht auf einem ganze anderen Blogeintrag Blatt Papier. )

Traurig, aber wahr.

Vor dem Supermarkt

Vorhin wollte ich auf dem Heimweg noch schnell eine Kleinigkeit vom Supermarkt holen. Es war gegen 19 Uhr und bereits dunkel, als ich auf den Supermarkt zulief. Einige Menschen strömten ebenfalls in den Supermarkt und erledigten ihren Feierabendeinkauf, an einer Säule kauerte ein Mann mit viel Gepäck und mittendrin vor dem Supermarkt standen zwei Kinder alleine, ein Junge in einem Buggy und ein Mädchen auf einem Fahrrad. Als ich näherkam, bemerkte ich, dass das Mädchen lauthals weinte. Ich sah genauer hin und konnte keine Mutter dazu entdecken, ich sah mich um, und konnte immer noch keine Mutter entdecken und auch niemanden sonst, der sich für die Kinder zu interessieren schien. Zunächst war ich völlig erstaunt über dieses Bild, sah mich nocheinmal um, die Mutter war immer noch nicht zu finden und so ging ich zu den Kindern hin, ging in die Hocke und fragte das Mädchen, ob sie auf ihre Mama wartete und als die Kleine dies bejahte, fragte ich, ob die Mama im Supermarkt ist. Als das Mädchen dies abermals bejahte, erklärte ich ihr, dass die Mama sicherlich gleich wiederkommt und fragte sie, ob sie möchte, dass ich so lange dableibe und mit ihr auf die Mama warte. Auf mein Angebot hin beruhigte sich die Kleine augenblicklich, hörte auf zu schluchzen und wir fingen an, uns sehr nett zu unterhalten. Ich erfuhr, wie alt sie (4) und ihr kleiner Bruder (2) sind und wie die beiden heißen. Der kleine Bruder, der bis dahin bemerkenswert still und cool in seinem Buggy gesessen hatte, schleuderte mir, als ich auch ihn begrüßte, ein fröhliches „Hi, ich bin der C.!“ entgegen, so dass ich herzhaft lachen musste. Beide Kinder fingen sofort sehr vertrauensvoll an, mir zu erzählen, dass die große Schwester schon in den Kindergarten geht und das Mädchen zeigte mir irgendein Buch/ eine DVD – so genau konnte ich das in der Dunkelheit nicht erkennen – dass sie auf dem Gepäckträger ihres Fahrrads mit sich herumfuhr.

Schließlich, nach knapp fünf Minuten, kam die Mutter wieder mit ein paar kleinen Einkäufen in der Hand. Ich erklärte ihr, dass ihre Tochter ziemlich arg geweint hatte und dass ich solange bei den Kindern geblieben war. Die Mutter bedankte sich bei mir, machte aber ansonsten keine Anstalten, noch ein weiteres Wort mit mir zu wechseln oder die Situation noch weiter zu klären und begann für die Kinder die beiden Apfelsaftflaschen, die sie aus dem Supermarkt mitgebracht hatte, zu öffnen. Also verabschiedete ich mich von den Kindern und von der Mutter und ging.

Nennt mich spiessig oder wie auch immer, aber ich find das irgendwie schlimm. Mir käme niemals im Leben in den Sinn, ein kleines Kind alleine vor dem Supermarkt stehen zu lassen, auch nicht „nur fünf Minuten“. Ich weiß nicht genau, wie das Zeitempfinden von 2- und 4-jährigen Kindern ist, aber ich vermute mal stark, dass es da relativ wenig Vorstellung von „nur mal fünf Minuten“ gibt, für Kinder vergeht die Zeit ja meistens viel langsamer als für uns. Nicht nur das, es gibt ja auch Leute, die bleiben nicht bei den Kindern um auf die Mutter zu warten, sondern die nehmen die Kinder mal eben mit!

Gibt mir zu denken, das Ganze.

Der Schuster

Beim nahegelegenen Supermarktriesen mit dem grünen M gibt es in einer Ecke zwischen Parkhaus und der Rolltreppe, die hinunter in die Verkaufsetage führt, einen kleinen Schuster. Der Schuster ist aus Italien, steht den ganzen lieben langen Tag inmitten von Lärm, von Maschinen und auch Dreck, arbeitet sechs Tage die Woche. Aber es ist einer von diesen wenigen Menschen, denen das nichts anzuhaben scheint, die immer gut gelaunt sind, die immer zu einem Scherz aufgelegt sind. Es ist eine Insel der guten Laune inmitten all der Menschen, die vom Parkhaus in den Supermarkt hasten, jeder der an der kleinen Schusterei vorbeigeht, bekommt ein Lächeln, einen Gruß. Sechs Tage die Woche, immer. Wir geben schon seit Jahren unsere Schuhe dort zum Reparieren ab. Es ist so einer von diesen Schustern, wo man mal schnell die Schuhe abgeben kann, um eine kleine Ecke der Sohle kleben zu lassen und man dann einkaufen gehen kann und wenn man wiederkommt, die Schuhe abholen und nach dem Preis fragen will, mit einer Handbewegung und einem verlegenen Lächeln weitergeschickt wird. Einfach so.

Es ist so ein Schuster, der mich heute mit „Isse schon wieder kaputt???“ begrüßte (ich war zuletzt vor ca. 1-2 Monaten dort). Der, als ich meine 6 1/2 Paar abgelatschte Schuhe auspackte (ich habe dieses Problem, dass meine Schuhe sich immer ungleichmäßig, also nach außen hin schief, ablaufen), theatralisch die Hände über dem Kopf zusammenschlug und der mich, als ich dann kleinlaut erklärte, was ich will, breit angrinste und sagte: „Biste nettes Fräulein, für nette liebe Fräulein ich mache!“ Der sich unglaublich freute, als ich mich mit „Grazie, ciao!“ verabschiedete.

Solche Leute braucht es in unserer Welt, solche Menschen schaffen es immer wieder mit ihrem niemals enden wollenden Willen, dass ich das Geschäft mit einem Lächeln auf den Lippen und mit einer großen Portion Demut im Kopf verlasse.

Und jetzt gibt es Gerüchte, dass der neue (angeblich ziemlich unsympathische) Chef von dem Supermarkt den Schuster rauswerfen will, einfach so, obwohl das Geschäft glänzend läuft. Obwohl der Schuster so eine Insel im Alltag aus Stress, Missmut und Hektik ist. Ich hoffe, ich hoffe sehr, dass es nicht soweit kommen wird.

Wenn ich heute abend ein Glas Wein trinke, dann werde ich mein Glas auf unseren Schuster und auf alle diese unverwüstlichen, tapferen, faszinierenden Menschen erheben.

Auf dass sie irgendwann etwas zurückbekommen von den vielen kleinen Momenten, die sie ihrem Umfeld geben.

Promi-Blog

Wenn mir eine Sache wirklich auf die Nerven geht, dann ist es die, dass inzwische jeder, aber auch wirklich jeder Promi, bevorzugt die der Kategorie B, C und Y einen Blog sein eigen nennt. Diese Blogs, gerne auch im Fernsehen beworben, dienen dann lediglich der Selbstbeweihräucherung und zum Pseudo-Entertainment. Entweder es gibt alle paar Monate mal einen unwillig hingeschmierten Beitrag inklusive einer Entschuldigung und unglaubwürdiger Beteuerung, dass man ja so gestresst wäre, oder es gibt ständig Beiträge, die dann aber nur dazu dienen, das neue Album, die neue Show oder irgendwelche sonstigen Wichtigkeiten des Möchtegern-Starlets anzukündigen. Jedenfalls hab ich bis heute keinen Promi-Blog gefunden, bei dem ein echtes Interesse am Austausch erkennbar wäre und finde diese ganze Internetpräsenz von Promis, egal ob bei Facebook, Twitter oder im Blogoversum daher ziemlich scheinheilig und unnötig und Promi-Blogs deshalb eine echte Seuche. Aber was will man auch anderes erwarten?

Eine kleine Ausnahme bildet da der Blog von Frau Kallwass, man mag von ihr halten was man will, aber ich schau da gerne ab und zu rein. Sie schreibt manchmal sehr interessante Gedanken.

All der Rest darf allerdings von mir aus gerne wieder in den Untiefen des Internets verschwinden.

.

F.A.S von heute, Herzblattgeschichten. Ich darf frei zitieren:

„… Frank-Walter Steinmeyer hat in Bunte wieder ein Wahlversprechen abgegeben, nämlich dass er nach der Wahl mit dem Rauchen aufhören wolle. Unterwegs schaffe er das nicht, aber zu Hause käme er gar nicht auf die Idee zu rauchen unter den strengen Blicken seiner Tochter. Herr Steinmeier stellt sich offenbar darauf ein, nach der Wahl häufiger zu Hause zu sein.“

😉

Einen schönen Sonntag Euch und Ihnen und allen und viel Spaß heute abend beim Fernsehgucken.

Das Internet, eine Müllkippe?

Vor einigen Jahren, es muss wohl um das Jahr 2001/2002 gewesen sein, diskutierten wir mit unserem Geschichtslehrer im Leistungskurs über das Internet. Der Lehrer, ein bekennder Zyniker, aber großartiger Lehrer und Diskussionspartner, wollte uns damals weismachen, dass das Internet eine Art überdimensionale Müllkippe ist. Eine riesengroße Plattform, auf der jeder das publizieren kann, was er meint, publizieren zu müssen. Und jeder andere kann das frei zugänglich nutzen. So weit, so gut. Mein Lehrer ging jedoch noch weiter, indem er behauptete, dass wirklich wertvolle Publikationen, wirklich heiße Infos, einzigartie Forschungen und Ergebnisse dennoch nach wie vor in Buchform publiziert werden. „Wer wirklich etwas Interessantes zu berichten hat, der veröffentlicht das doch nicht im Internet, der will doch daran verdienen!“

Oft denke ich heute noch über diesen Satz nach, auf irgendeine Weise ist er mir sehr prägend in Erinnerung geblieben und beeinflusst auch heute noch meinen Umgang mit dem Internet. Dennoch stelle ich fest: Das Internet hat sich verändert in den letzten Jahren. Trieb ich mich in den Jahren 2000/2002 im zarten Alter von 18 Jahren vielleicht in ein paar Fanforen rum, schrieb Emails, kämpfte gelegentlich mit für meine Begriffe damals ziemlich unbrauchbaren Suchmaschinen und hatte allgemein nicht so wirklich viel Ahnung geschweige denn Überblick über dieses neue Medium, so machen wir heute eigentlich alles per Internet. Wir buchen unsere Urlaube im Netz, wir shoppen, wir networken, letztes Jahr beim Schreiben der Magisterarbeit fand ich verlorengegangene Literaturhinweise mit ein paar Klicks im Netz wieder, statt umständlich die Bücher neu ausleihen zu müssen. Es gibt zahlreiche Fachzeitschriften inzwischen auch online, meistens jedoch nicht frei zugänglich, natürlich wollen die Leute etwas an ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen verdienen und das muss man auch tolerieren. (Auch wenn es manchmal wirklich sehr ärgerlich und frustrierend ist, einen vielversprechenden Artikel zu finden, der GENAU auf das zu erforschende Thema passt und diesen nicht lesen zu können ohne zu zahlen.) Internet und Verdienst, das muss sich nicht mehr ausschließen. Und heute fand mein Bruder sogar eine Software, um den Drucker meiner Eltern auf meinem Laptop zu installieren, weil die Installations-CD verlorengegangen ist. Als das tatsächlich funktionierte und der PC den Drucker erkannte, staunte ich nur. „Ich wusste gar nicht, dass es jetzt sowas auch im Internet gibt.“ (Software klar, aber von solchen maschinenbezogenen Installationen wusste ich bisher nichts) Die Antwort meines Bruders: „Im Internet gibt es ALLES.“

Ich glaube trotzdem in gewisser Hinsicht weiterhin an diesen Satz, ich glaube, dass das Internet vor allem ein schnelles Medium ist, gut um sich einen Überblick zu verschaffen, aber nicht sonderlich gut, um sich intensiv mit einzelnen (geistigen) Themen gründlich auseinanderzusetzen. Ich möchte auch gar nicht auf Printmedien verzichten. Ich konsultiere sicherlich auch weiterhin, insbesondere wenn ich mich mit wissenschaftlichen Inhalten beschäftige, zuerst ein gutes Handbuch. Aber ich googele auch den Begriff, mit dem ich mich gerade beschäftige, denn immer häufiger finden sich auch kleine, unscheinbare, aber sehr hilfreiche Perlen im Internet. Und dennoch zwingt mich dieser kleine Satz meines Lehrers vor ca, 7,8 Jahren doch immer auf’s Neue, meinen Umgang mit dem Internet zu überdenken, darauf zu achten, wo und wie ich mich im Netz bewege und nicht alles unreflektiert zu konsumieren.

Graues Mäuschen

Oftmals hört man: Schwarz ist keine Farbe und obwohl in meinem Kleiderschrank nicht übermäßig viel Schwarz zu finden ist, finde ich diese „Farbe“ eigentlich noch ganz okay, für bestimmte Anlässe und bestimmte Typen durchaus passend. Für mich dagegen gilt der feste Grundsatz: Grau ist keine Farbe!

Grau assoziiere ich mit Dreck, Staub oder wahlweise auch mit „graues Mäuschen“. Besonders dieses hellgrau, das sieht immer irgendwie alt, dreckig und verwaschen aus. Und dennoch scheint das dieses Jahr mal wieder der größte Modetrend zu sein. Wenn ich durch die Stadt laufe, sehe ich so viele Frauen, die Grau tragen, zur Zeit wieder bevorzugt diese tunikaartigen kurzen Kleidchen. Nur: Die Farbe steht ihnen nicht, die Farbe Grau teht vielleicht 1% aller Frauen. Liebe graue Mäuschen Modepüppchen, merkt Ihr das denn nicht?

Das Irritierendste daran finde ich, wenn Freunde von mir Grau tragen, die ich absolut nicht mit dem Begriff „Graues Mäuschen“ in Verbindung bringen würde, sondern eher mit dem Gegenteil. Es sind junge aktive lebensfrohe Frauen, die sich als graues Mäushen und Aschenputtel verkleiden. Ich bin dann immer sehr verwirrt, weil die Kleidung so einen gänzlich anderes Bild überträgt als die Person eigentlich ausstrahlt.

Ich hoffe, es fühlt sich jetzt keiner aus der werten Leserschaft angesprochen bzw. auf sein graues Tunikakleidschen getreten, ich kenne Eure Kleiderschränke ja nicht. 😉

Es tut mir Leid

Als ich neulich meinem Finnischschüler das finnische Wort valitettavasti ‚leider‘ erklärte, fing er urplötzlich an zu lachen. Ich muss wohl etwas verwirrt geschaut haben, er erklärte mir aber gleich, was ihn an dem banalen Wort ‚leider‘ so ungemein erheiterte:

Es liegt daran, dass er seit er in Deutschland lebte, immer wieder dieses ‚es tut mir leid‘ gehört hat, aber er hatte das Gefühl, dass es in den seltensten Fällen wirklich bedeutet, dass einem etwas LEID tut, dass man sich wirklich für etwas entschuldigen will oder Mitleid empfindet. Ich stutzte, überlegte kurz und musste dann ebenfalls lachen. Ja, das stimmt eigentlich wirklich: Auf Deutsch sagt man sehr gerne, dass einem etwas Leid tut, obwohl es einen eigentlich gar nicht berührt und man gar nicht das Bedürfnis verspürt, sich für etwas zu entschuldigen. Wie oft, wie geradezu inflationär verwenden wir diesen Ausdruck, obwohl uns nur in den seltensten Fällen etwas wirklich Leid antut? Wenn man dann mal nachdenkt, fallen einem tatsächlich einige Situationen ein, in denen wir meinen, uns für etwas entschuldigen zu müssen, dies aber nicht wirklich als Leid empfinden.

Zur besten Freundin: „Es tut mir Leid, ich kann heute nicht zu Dir kommen, ich bin schon mit XY verabredet.“

Wenn jemand, der hier in der Stadt fremd ist, uns beispielsweise auf der Straße nach dem Weg fragt: „Es tut mir Leid, das weiß ich auch nicht, da kann ich Ihnen nicht weiterhelfen.“

In der Uni: „Es tut mir Leid, ich hab die Bahn verpasst.“ (Anwesende Akademiker hier wissen, wovon ich spreche. 😉 )

Und jedem von Euch fallen sicherlich noch weitere Szenen ein, in denen er diese Floskel gebraucht hat. Die Frau Sprachwissenschaftlerin in mir fragt sich in solchen Fällen natürlich sofort, woher das wohl kommen mag. Also hab ich mal gegrübelt gegoogelt. Und auch hier die Bestätigung:

Es tut mir Leid, aber das Adjektiv „leid“ hört sich zwar ähnlich an, hat aber mit „leiden“ oder „Mitleid“ nichts zu tun und ist auch sprachgeschichtlich nicht mit „leiden“ verwandt. Die Bedeutung erschließt sich aus der Substantivierung „das Leid“ = Bedrückung, Schmerz, Kummer etc. „leid“ heißt betrübend, widerwärtig, unangenehm …, vgl. „mir ist etwas leid“ = ich mag es nicht mehr, bin dessen überdrüssig. „Es tut mir Leid“ heißt also: Mir ist es unangenehm o. ä. Ich kann diesen Satz ja auch verwenden, wenn ich meinen Gesprächspartner n i c h t verletzt habe, ihm kein Leid zugefügt habe, z. B. wenn ich anderer Meinung bin, also gar nicht „mit ihm leiden muss“.

Und weiter:

Etymologisch ist „Leid“ unter anderem auch auf die Bedeutung „Schmerz, Sünde, Böses“ zurückzuführen (von Mittelhochdeutsch: „leit“ = Beleidigung, Unrecht).
Vom Ursprung her bedauert man also, jemandem Schmerz oder ein Unrecht zugefügt zu haben und entschuldigt sich dafür.

„leiden“ hieß allerdings früher im Mittelhochdeutschen ursprüngl. fahren, gehen, reisen; erst im Mittelalter wurde das mhd. „lidan“ durch das Christentum mit dem Wort „Leid“ verbunden (Reise durch das Leben als Jammertal). vgl. leit-en = ursprünglich: jmd. veranlassen, zu gehen, fahren.

Das Wort ‚leid‘ kommt aber tatsächlich von ‚leiden‘, gemeint ist jedoch vielleicht viel öfter, dass mir etwas leid ist, sprich dass mir etwas unangenehm ist, z.B. weil ich nicht wirklich weiterhelfen kann oder eben anderer Meinung bin (für die ich mich ja nicht entschuldigen muss) oder weil mich die Situation unangenehm berührt und ich mich ihr hilflos gegenüber fühle (z.B. wenn jemand von einen tragischen Vorfall erzählt). Vielleicht trifft es da das englische I’m sorry besser: „Ich bin traurig/ betroffen (wegen einer Sache)“.

In diesem Sinne, ich bin dann mal weg, Sommer und Sonne genießen: Es tut mir nicht Leid, wenn hier in den nächsten Tagen mal nicht so viele wahnsinnig spannende und schlaue Beiträge erscheinen sollten, sondern nur etwas Weichspül-Getwitter, aber das reale Leben ist momentan praller und spannender als das virtuelle. 😉 8)