5 – 4 – 3 – 2 – 1 – 0

Noch 5, noch 4, noch 3, noch 2, noch 1… und plötzlich ist Urlaub.

Der Urlaub wird trotz aller guten Vorschläge ein Heimaturlaub. Ich habe mir fest vorgenommen alle fünfe gerade sein zu lassen, alle viere von mir zu strecken und nichts zu tun ausser ein nettes Dreierlei aus Schlafen, Essen, Greys Lesen. Vermutlich erwarten mich nächste Woche erstens meine Nähmaschine, zweitens ein stürmischer und ein hitziger Besuch 😉 und drittens noch ein paar weitere liebe Freunde, sonst nichts. Ich finde aber, das reicht vollkommen für einen gelungenen Urlaub. Der letzte Urlaub war im September, ich muss also erstmal wieder üben, wie das geht, Urlaub. 😉 Aber ich freue mich darauf und probehalber bin ich vorhin auf dem Heimweg vom Büro schonmal ein paar Schritte gehüpft vor Freude. Bei Helligkeit aus dem Büro kommen, Sonnenschein, ein unverschämt gutes Schokocroissant vom Lieblingsbäcker und die Aussicht auf eine Woche nur Zeit, soviel Glück hält doch kein Mensch aus.

Prioritäten

Ich kämpfe – bereits jetzt – wie blöde mit meinem Stundenplan fürs Sommersemester. Bei uns sind ein Teil der Kurse, um genau zu sein fünf, einschreibepflichtig und die Einschreibung lief bereits die letzten eineinhalb Wochen online. Heute ist das Ende der Einschreibungen und ich stehe wortwörtlich vor den Scherben meines Stundenplans.

Bereits im Wintersemester habe ich zum Teil – in geringem Maß – zugunsten meiner zwei-Tage-Arbeit-drei-Tage-Uni-Regelung auf interessante Kurse, die aber zeitlich absolut ungünstig lagen, verzichtet und Kurse dafür genommen, die „nur“ zweite oder dritte Wahl waren. Das ist die eine Sache, das sind die Kompromisse, die dieser Weg, den ich bewusst mir ausgesucht habe, erfordert. Die andere ist, dass bei dieser Online-Einschreibung die Kurse verlost wurden und ich gerade ausgerechnet in den letzten Tagen, als ein Teil meines Stundenplanes schon feststand, solches Lospech gehabt habe, dass meine Zwei-Tage-Drei-Tage-Regelung gerade sehr auf der Kippe steht. Davon, dass ich gerade für ein Fach gar keinen Platz bekommen habe, weil alle verbleibenden Kurse sich mit meinen bereits gewählten überschnitten und das System nicht erlaubt, dass man sich in Kurse einschreibt, die sich zeitlich überschneiden, reden wir jetzt mal gar nicht… GRRRRRRRR!!!

Weniger arbeiten kommt nicht in Frage, halbe Tage arbeiten wäre theoretisch möglich, praktisch aber ziemlich anstrengend, weil alleine schon eine Stunde Fahrtzeit Uni – Arbeitsplatz.

Ich erzähle Opa beim Frühstück von diesem Problem.

Opas Antwort: Aber Kind, hör doch mal. Du studierst jetzt und das Wichtigste ist Dein Studium. Das hat ja wohl oberste Priorität, oder? Also wähl Dir Deine Kurse aus, in die Du gehen möchtest und Arbeit kommt danach.

Ich erzähle meinen Eltern beim Abendbrot von diesem Problem.

Mamas Antwort: Aber kannst Du Dir das nicht irgendwie arrangieren, hast Du nicht irgendjemanden zu dem Du gehen kannst, um das zu regeln? Jetzt ist es halt nunmal so, dass Du nicht nur immer das tun kannst, was Du gerne möchtest, aber Du hattest ja auch schon ein Studium, in dem Du tun und lassen konntest, was Du willst.

Aha.

Und ich? Ich bin so irgendwo dazwischen, glaube ich. Ich finde, beide haben Recht. Klar hat das Studium Priorität und ich habe fest vor, dieses Studium gut abzuschliessen, koste es was es wolle. Andererseits hatte ich bereits ein wunderbares Studium, in dem ich nicht viel arbeiten musste, eher konnte wenn ich wollte, und jetzt ist es einfach an der Zeit, erwachsen zu werden, mich mit den Umständen zu arrangieren und mir das Geld, was diese zweite Chance nun mal verschlingt, selber zusammenzubackenverdienen.

Das war die Prämisse für dieses Studium. Das es nicht immer leicht werden wird, das hab ich irgendwie geahnt. Willkommen im Studentenleben.

Frühförderung

Ich arbeite ja in „MediaCity“, dort wo sich eine Reihe bekannter und unbekannter TV- und sonstige Medienfirmen angesammelt und breitgemacht haben. Auf dem Weg zur Arbeit laufe ich zur Zeit jeden Morgen an einem Betriebskindergarten vorbei. Mitte der Woche aber hatte ich lieben Übernachtungsbesuch aus Hamburg und war deshalb auch am darauffolgenden Morgen erst nachdem ich den lieben Besuch mit Frühstück und Reiseproviant versorg und in den Bus zum Bahnhof gesetzt hatte später spät gegen Mittag im Büro.

Ich lief also bei strahlendem Sonnenschein wie gewohnt an dem Kindergarten vorbei, und bemerkte erfreut, dass die Kindergartenkinder heute draussen spielen. Doch irgendetwas an der Szene war irritierend. Ich blieb kurz stehen und betrachtet das faszinierende Bild, das sich mir bot:

Unten spielten die Kinder im Sandkasten und über ihnen am Gebäude pragt gross, rot und weithin sichtbar das Logo eines bekannten deutschen Fernsehsenders.

Das nennt sich dann wohl auch Frühförderung? 😉 Betriebskindergärten sind was faszinierendes.

Weiße

Wir hatten bereits Weiße, allerdings ohne Weihnachten. Auch in der bayrishen Landeshauptstadt hatte es die letzten zwei Wochen Wochen nach Kräften geschneit, so sehr dass ich nicht mehr wusste, wo ich den Schnee vor dem Ansku’schen und großelterlichen Domizil noch hinschippen soll. Die einen fluchten, Frau Ansku jubilierte, weil – jetzt kommt die harte Wahrheit – irgendwie ist es ja auch logisch, dass im Winter mal Schnee fällt.

Jetzt haben wir Weihnachten, allerdings ohne Weiß, lediglich mit ein paar angegrauten Fleckerln. Aber Weihnachten in dieser Stadt wäre nicht Weihnachten, wenn nicht alle Jahr wieder pünktlich und genau zum 20.12. Tauwetter einsetzen würde. Das war letztes Jahr so und wird hoffentlich irgendwann einmal nicht mehr so sein.

Jetzt fl*cht Frau Ansku.

Persönliche Haftung

Wir sprechen in der Rechtsvorlesung über Rechtsstaatsprinzip und Sozialstaatsprinzip. Unter anderem geht es darum, dass jemand, der z.B. auf einem Amt falsch beraten worden ist, einen Ausgleichsanspruch hat, der ihn gleichstellen soll mit jemandem, der korrekt beraten worden wäre und z.B. alle Anträge dementsprechend rechtzeitig gestellt hätte. So etwas kann unter Umständen teuer werden, von daher ist so eine Glanzleistung natürlich auch beim Arbeitgeber nicht besonders rühmlich.

Da viele Sozialarbeiter auch beratende Funktion haben, ermahnt uns die Dozentin am Ende der Vorlesung, doch auch die ungeliebten und oft langweiligen Rechtsvorlesungen ernst zu nehmen, weil es so wichtig ist, sich genau auszukennen und später im Beruf gut beraten zu können. Wenn man derartig unangenehm beim Arbeitgeber auffällt, könne das ja auch unter Umständen anderweitige Folgen haben…

Studentin meldet sich und fragt ganz schüchtern: Müssen wir denn auch persönlich dafür haften, wenn jemand wegen uns durch schlechte und falsche Beratung geschädigt wurde??

(Und ich dachte immer, bei Sozialarbeitern gäb’s eh nichts zu holen. Das nenn ich Engagement!) 😉 😆

Gesamtschule

Mein Beitrag zur aktuellen Bildungsdiskussion:

Wir hatten vor einiger Zeit, in den ersten Wochen des Studiums, in einem Seminar eine Diskussion über Gesamtschulen.  Gerade in letzter Zeit begegneten mir häufig Sozialpädagogen und Sozialarbeiter, die so eifrig und vehement vom Konzept Gesamtschule sprachen, dass sich zwangsläufig mir der Verdacht aufdrängte, dass es so eine Art sozialpädagogischer Verhaltenskodex ist, für Gesamtschulen zu sein. Den Höhepunkt dieser Beobachtung bildete die Vorlesung eines Professors, in welcher dieser wetterte, dass Bayern so rückständig sei, dass es sämtliche Vorhaben, Gesamtschulen bundesweit einzuführen, blockieren und dass aufgrund dessen auch in Hessen und NRW die vorhandenen Konzepte für Gesamtschulen ad acta gelegt worden sein. (Woraufhin sich mir die Frage stellte, ob Hessen und NRW entgegen aller meiner bisherigen Informationen keine eigenständigen Bundesländer sind, die selber für ihre Bildungspolitik verantwortlich sind und stattdessen unter der Fuchtel der bayrischen Staatsregierung stehen.)

Ich weiss, das das Konzept Gesamtschule anderswo funktioniert, z.B. in Skandinavien. Ich weiss auch um die Vorzüge von Gesamtschulen. Ich weiss aber auch, dass z.B. im Pisa-Land Finnland die Bevölkerung um ein vielfaches homogener ist und dass man außerhalb der Hauptstadt Kinder ausländischer Herkunft oftmals mit der Lupe suchen muss. Und ich bin der Meinung, dass es zumindest für Deutschland nicht funktioniert. Abgesehen davon finde ich einen Ansatz von Gesamtschulen sehr gefährlich, nämlich den, alle Kinder gleich behandeln und somit auch gleich machen zu wollen. Das funktioniert nicht, denn jedes Kind ist anders. Jeder Mensch ist anders. Mein Bruder und ich haben dieselbe Kindheit und dieselbe Erziehung erfahren und trotzdem: Das Bruderherz ist jetzt Physiker, ich bin Sprachwissenschaftlerin. Das Bruderherz war auf einem naturwissenschaftlichen Gymnasium und hat dort (meist ohne zu lernen 😉 )  Mathe und Physik-LKs absolviert, ich hatte Altgriechisch und Geschichte und war glücklich damit. Was hätte es für einen Sinn gemacht, uns den gleichen Lernstoff vorzusetzen und uns gleich zu behandeln. Wer jetzt sagt, dass natürlich auch Gesamtschulen Unterschiede nach Begabung der Kinder machen, dem kann ich leider nur entgegnen: Wenn es anscheinend doch gut ist, Unterschiede zu machen, wozu brauchen wir dann Gesamtschulen? Es scheint so, dass ich das System nicht verstehe, nicht weil ich es nicht verstehen will, sondern weil ich es nicht nachvollziehen kann und die Vorzüge, die andere in diesem Konzept sehen, nicht nachvollziehen kann.

Es ist natürlich nicht so, dass ich unser jetziges Schulsystem bedingungslos toll finde. Wenn jemand für mehr Förderung ist, wenn jemand für eine Reform der Hauptschulen ist, ich bin dabei! Sofort, hier und jetzt!

Nur glaube ich einfach nicht, dass Gesamtschulen die ultimative Lösung aller Probleme sind. Und hoffe doch sehr, dass diese Einstellung NICHT dem sozialarbeiterlichen Verhaltenskodex widerspricht…

erwarten – erhoffen – befürchten

Du weisst, dass Du „was soziales“ studierst, wenn Du zu Beginn eines ganz stinknormalen Kurses über Träger der sozialen Arbeit eine geschlagene dreiviertel Stunde darüber diskutierst, was man bei einem derartigen Kurs erwarten, erhoffen oder befürchten darf/ kann/ soll/ muss, dann noch ein bisschen erörterst, ob man das was man erwartet, auch erhoffen darf oder ob es besser ist, das zu erhoffen, was man nicht erwarten darf, um dann zum Schluss festzustellen, dass man eigentlich ja gar nichts befürchten muss, weil es ja ganz natürlich ist, dass man zu Beginn eines Studiums eine gewisse Neugier mitbringt und neues Wissen erwerben möchte.

Inzwischen nach zwei Wochen und etlichen verschobenen und nochmals umgelegten Kursen, sind wir dann allgemein auch bei inhaltlich-fachlichen Themen angelangt und Frau Ansku findet das alles ganz wunderbar. Ich kann manchmal sehr geduldig sein, aber vor ungefähr einer Woche brachten oben geschilderte Diskussionen mich des Öfteren zur Weißglut, aber jetzt ist alles interessant und spannend und ganz fein.

(Ich versuche, möglichst viel von dieser Zeit aufzuschreiben, von dem ungewohnten und neuem. In ca. drei bis dreieinhalb Jahren dann werde ich dann hierhin verlinken, dann dürfen Sie über mich lachen.)

Werten

Es gibt in dieser Gesellschaft eine einzige Tendenz, die mich am allermeistens stört und mich manchmal richtig wütend macht. Man sagt, die Deutschen würden permanent jammern, vielleicht ist das auch so, aber das stört mich nicht so sehr. Also eigentlich manchmal doch auch sehr, aber nicht so sehr wie das, dass ständig über jeden und alles geurteilt wird. In den Medien, in Blogs, ständig wird alles, was anders ist, verurteilt. Letztes politisch relevantes Beispiel: Der Abgang Horst Köhlers. Der Ex-Bundespräsident hat sein Amt immer zuverlässig und gut ausgeübt,  vor einigen Monaten ist er überraschend abgetreten. Sofort zeigten alle mit dem Finger auf ihn und schimpften, dass man nicht einfach so die Flucht ergreifen dürfe. Aber woher wissen wir, dass es „einfach so“ war? Kennen wir die wahren Gründe? Ich kenne sie nicht und genau aus diesem Grund finde ich es vermessen, mir ein Urteil über diese Gründe anzumassen. Ich war nicht in der Situation drin, aber wer sagt mir, dass ich an Horst Köhlers Stelle nicht genauso reagiert hätte? Eins jedoch ist sicher: Horst Köhler ist ein Mann in einem „reifen, gesetzten Alter“, der viele Jahre lang sehr gut sein Amt ausgefüllt hat. Ich darf also annehmen, dass er sich etwas dabei gedacht hat, als er abgetreten ist. Dass er sich mit Familie, Freunden und Beratern besprochen hat, bevor er diesen Schritt gegangen ist. Und dass er nicht wie ein kleiner Schuljunge, der sagt „Och, heute hab ich aber keinen Bock auf Schule!“ ‚einfach so‘ mal eben zurückgetreten ist. Ich darf also annehmen, dass er es aus vernünftigen, rationellen Gründen aus einer für ein persönlich schwierigen Situatione heraus getan hat und über diese Gründe finde ich, hat keiner ein Recht, sich ein Urteil anzumaßen. Denn wir sind alle nur Menschen.

Es wird also fleissig geurteilt und verurteilt in der Öffentlichkeit, in den Medien, im Internet, in Blogs. Die meisten Artikel (meine manchmal sicherlich nicht ausgenommen) drehen sich in erster Linie darum, dass dieses oder jenes Verhalten von anderen Menschen nicht angemessen, dumm, doof oder unverschämt war. Aber wer sagt uns denn, dass wir in derselben Situation nicht genauso oder ähnlich reagieren würden? Wer viel im Internet unterwegs ist, bloggt, twittert und facebookt, der hat keinen Bezug zum realen Leben? Hat keine Freunde und keine Sozialkontakte? Und die, die ihren Internetkonsum im Rahmen halten, die sind dann automatisch die „besseren“ Menschen??? Wo bleibt denn dann bei diesen Pauschalurteilen der Mensch? Der Mensch, das Individuum, das so verschieden ist, wie es Menschen auf dieser Welt gibt? Und warum darf es dann nicht sein, dass für das eine Individuum ein bisschen mehr Internet okay und gut und sozialverträglich ist und für den anderen ein bisschen weniger? Nur weil irgenjemand mit Blogs und/ oder Twitter und/ oder Co. nichts anfangen kann, muss es doch nicht generell etwas Schlechtes sein? Vielleicht gibt es dafür ein paar andere Menschen, für die solche Dienste sehr nützliche und alltagserleichternde Funktionen haben? Und selbst wenn nicht, wenn es offensichtlich überhaupt keinen Sinn hat, was macht das für einen Unterschied? Warum kann es nicht einfach mal OKAY, warum kann es nicht einfach dem Individuum selbst überlassen sein, wie viel er im Internet unterwegs ist, bloggt oder twittert und trotzdem nebenher ein normales Leben führt? Es muss ja keiner lesen, der es nicht lesen will. Warum versuchen wir ständig, durch Be- und Verurteilen des Verhaltens anderer uns selber auf eine höhere Stufe zu stellen? Nur um uns für einen kurzen Augenblick besser als der andere zu fühlen? Ich muss bei solchen Aussprüchen immer wieder an den „Schatten“ denken. Ein sehr esoterisch-angehauchtes Thema, welches aber (leider) einen wahren Kern in sich trägt: Wir be- und verurteilen am liebsten das, was uns an uns selber stört und nervt. Denn sonst würde es uns ja nicht stören, is‘ klar, ne? 😉

Und so geht es weiter, eine endlose Liste lang. Menschen mit Kindern rümpfen die Nase über Menschen ohne Kinder und Menschen ohne Kinder rümpfen die Nase über Menschen mit Kindern. Berufstätige Mütter bekriegten Mütter, die zuhause bei ihren Kindern bleiben und Mütter die zuhause bleiben, ereifern sich über diese „Rabenmütter“, die ihre Kinder in eine Krippe abschieben. Fleischesser gegen Vegetarier und Vegetarier gegen Fleischesser, politisch engagierte Menschen gegen politisch nicht-aktive Menschen und so weiter… Dem folgt dann meistens eine ellenlange Diskussion, in der es letztendlich immer nur darum geht, wer der bessere Mensch ist und an deren Ende doch wieder nur herauskommt, dass es für alle diese Dinge keine Pauschallösung gibt, dass jeder sein Leben so gestalten muss, wie er sich damit wohlfühlt. Eine Lösung, zu der man eigentlich auch kommen würde, wenn man nicht pauschal alles, was irgendwie anders ist, verurteilen würde. Aber vermutlich ist leider gerade und genau das so unglaublich schwer, nämlich vor seiner eigenen Hütte zu kehren. Deshalb urteilt man lieber den lieben langen Tag über seine Mitmenschen und was die so tun und wie dumm die eigentlich sind.

Aus diesen Gründen versuche ich Schritt für Schritt, mir Beurteilungen und Urteile über andere Menschen, über ihre Motive und über ihr Verhalten abzugewöhnen. (Da gibt es natürlich auch Extrem- oder Grenzfälle. Schwere Straftaten z.B. müssen natürlich sowohl juristisch als auch gesellschaftlich verurteilt werden, das ist klar. Jeden einzelnen Fall auszuführen, würde aber hier zu weit führen.) Bei meiner Arbeit mit den Jugendlichen würde ein solches Verhalten auch zu gar nichts führen, das merke ich immer stärker. Oft ertappe ich mich selber noch bei dem Gedanken „Wie können die nur…!“ „Wie können die nur bis mittags um 2 Uhr im Bett liegen! Was sind das denn für Faulpelze!“ Doch dann muss ich mich selber zur Vernunft rufen und mir sagen: „Ja klar können sie. Wie sollen sie es auch ANDERS können? Wer hat es ihnen bisher so vorgelebt?“ Bin ich nun etwas Besseres, nur weil ich eine Familie hatte, die mir vorgelebt hat, jeden Morgen pünktlich aufzustehen, mir Ziele zu stecken und diese auch diszipliniert zu verfolgen statt den lieben langen Tag vor PC und Fernseher zu verbringen oder gleich im Bett? 😉

Erst neulich purzelte ich beim Lesen von Kartographie über diesen Satz, der mir so zutiefst aus dem Herzen spricht: „Verurteile niemanden, bevor Du nicht selber in seiner Situation warst.“ Das gilt sicherlich für Kriegssituationen wie in diesem Buch beschrieben, es gilt aber genauso sehr für das „ganz normale“ Leben. Für ein friedliches Leben im Miteinander und in Wohlwollen zueinander.

Ich mag nicht mehr, dass permanent an mir herumgezerrt wird. Ich mag mich nicht mehr permanent rechtfertigen für die Entscheidungen, die ich treffe. Ich mag mir nicht mehr ständig anhören, wie an anderen Menschen herumgezerrt und wie über sie rücksichtslos geurteilt wird, ohne die Gründe dafür zu kennen und ohne sie zunächst einmal anzuerkennen als Handlungsmotive. Ich mag auch nicht mehr selber dauernd ein Urteil über alles und jeden parat haben müssen.

Ich mag auch manchmal etwas einfach so unkomentiert stehen lassen dürfen, einfach so, aus Respekt dem Menschen gegenüber.

Ich möchte einfach nur so: Leben und leben lassen.

Sommer-To-Do

Jeder kennt das, diese Dinge, die man ja „schon immer mal“ machen wollte. Man sitzt gemütlich mit Freunden zusammen und plötzlich geht das Pläneschmieden los und ein Wort gibt das andere, einer überbietet den anderen. „Wir könnten ja mal diesen und jenen Film anschauen.“ – „Oh, und wir müssen uns unbedingt mal in diesem neuen Lokal treffen, das müssen wir ausprobieren.“ – „Ich möchte ja unbedingt mal (wieder) Sushi/ Thailändisch/ Burger essen gehen.“ – „Oh, wir könnten ja mal eine Fahrradtour machen, das wäre mal was ganz anderes. Und Ort xy soll SOO schön sein, da könnten wir mal einen Ausflug machen. Picknick? Ja, Picknick ist super. Immer doch.“

Das meiste davon bleibt dann aber doch ungetan, man trifft sich weiterhin mit den Freunden in seiner Stammkneipe und ca. genau ein Jahr später fällt es einem plötzlich wieder ein. „Ach, und weißt Du noch letztes Jahr? Wir wollten ja noch einen Ausflug nach xy machen. Und das Picknick haben wir bisher noch nicht einmal im Stadtpark hinbekommen. Ach ja, die Zeit.“ Daraufhin schauen sich alle etwas betreten an und nehmen sich ganz fest vor, das im nächsten Jahr endlich zu realisieren.

Und dann sammeln sich so die Listen an, die mit jedem Treffen länger werden, weil es gibt immer neue Pläne, die auf die lange Bank alternativ auch die Liste geschoben werden. Es gibt ja ständig tolle neue Filme, Bars und Ausflugsziele, weil der X war ja mal in Y und da war es so schön und so weiter. Irgendwann braucht man diese Flut von Plänen auf Halde gar nicht mehr zu erwähnen, ein Wort reicht und beide Freunde brechen in Lachen aus.

Die liebste Freundin und ich haben so eine Liste tatsächlich mal aufgeschrieben. Sie ist beeindruckend, etwa eine DIN A4 Seite lang. Sie enthält neben „Russisch lernen“, „Sushi essen“ auch solche waghalsigen Unternehmungen wie „Juhannus, also Mittsommer,  in einem mökki in Finnland feiern“ und liegt seit etwa fünf Jahren säuberlich bei der liebsten Freundin in einem Ordner. Zur „Abarbeitung“ hat das allerdings leider bisher wenig beigetragen. Daneben habe ich noch eine eigene To-Do-Liste, so eine Art Sommer-To-Do-List mit all den Dingen, die man während eines Sommers mal getan haben muss, um den Sommer so richtig zu geniessen. Diese Liste steckt voller Jugenderinnerungen, all diese Dinge, die wir früher ständig gemacht haben und für die jetzt nie mehr jemand Zeit hat. Dennoch nehme ich mir jedes Jahr zu Anfang des Sommers immer ganz ganz feste vor, die Liste fein säuberlich brav abzuarbeiten. Letztes Jahr habe ich kaum etwas von der Liste erledigt, vor allem wegen schlechtem Wetter und auch dieses Jahr sieht es eher mau aus. Also hab ich mir gedacht, ich schreibe die Liste hier auf, gebe jetzt im August und während des Sommerlochs nochmal alles und dann werden wir ja in ungefähr einem Monat sehen, was davon noch übrig ist.

  • Jeden Tag Eis essen (Ich futter schon fleissig, es könnte aber noch mehr sein)
  • Mit einer Menge Leute an der Isar grillen, und zwar hier bei uns, wo man auch Lagerfeuer machen darf!
  • An den Starnberger See ins Strandbad
  • Ins Open-Air-Kino (letzte Woche, Sex and the City 2!)
  • nach Finnland fahren und beobachten, wenn die Sonne um 23 Uhr abends untergeht
  • nach Italien fahren und auf einer Piazza richtigen italienischen Cappucino trinken, dann danach an den Strand und stundenlang durch diese kleinen Strandlädchen streifen
  • spontan eine Gartenparty schmeissen und alle Freunde dazu einladen
  • eine Nacht durchmachen und den Sonnenaufgang um 4 oder 5 Uhr in der Früh ansehen (letztes Wochenende einmal die Dämmerung gesehen, zählt das?)
  • in den Tag hinein leben (ich arbeite dran und das zunehmend erfolgreich)
  • Mindestens eine Woche lang morgens nur Unterwäsche und ein leichtes, blumiges Sommerflatterkleidchen überstreifen und fertig ist das Anziehen
  • Mindestens zwei Wochen lang jeden Abend mit Rotwein auf dem Balkon verbringen.
  • vielen Stunden im Park oder am See verbringen und lesen
  • Scheisselkram machen, z.B. in einen Brunnen mitten in der Stadt steigen, weil es viel zu heiss ist

(Es gilt wie immer durchgestrichten ist erledigt.)

Für Bayern ist für die nächsten Tage Dauerregen vorhergesagt. Sie sehen also, die Liste ist sehr optimisch, aber es gab da ja mal dieses Lied vom Sommer und von dem, was in Deinem Kopf passiert…

Wenn – dann

Mal so generell gesagt: Wenn gewisse Unternehmen, so zum Beispiel der magentafarbene Telefonriese oder jenes Unternehmen, welches aufgrund seiner Klimaanlagen gerne mal in die Schlagzeilen gerät, genau so schnell wären, Kundenanfragen, Briefe und Einsprüche zu bearbeiten wie Mahnungen zu schicken, dann hätten sie schon längst (und gerne) ihr Geld von mir bekommen. Das einzige, was ich mir wünsche ist eine Stellungnahme, eine Reaktion!

Das Leben könnte so einfach sein. 😉

Nerd Nite

Frau Ansku war gestern auf der Nerd Nite und kann das nur bedingungslos und uneingeschränkt* weiterempfehlen. Nerds kennt jeder und jeder lacht über sie, aber auf der Nerd Nite darf man das ganz offiziell. Hier wird den Nerds die passende Bühne geboten, zur Untermalung gibt es sogar Musik. Jeder Nerd, jeder Freak der möchte, darf auf der Nerd Nite über ein Thema, welches ihn interessiert referieren und das Publikum mit seiner ausgefeilten PowerPoint-Präsentation zum Rasen bringen. So kam ich gestern in den Genuss eines Vortrags über die Welt der IT, über IT als vollständig erschlossene Wissenschaft und die Deutsche Post, die irgendwie auch etwas mit IT zu tun hat, das aber eigentlich gar nicht will, weil sie doch eigentlich eine Dienstleistungsgesellschaft sein will. Oder so ähnlich. 😉 Desweiteren kamen wir in den Genuss eines Vortrags einer Medizinstudentin aus Wien, die das Thema Reizdarm auch im Internet in ihrem Darmblog publik machte, die Folgen von „Social Networks und Social Latte“ auf den Darm untersuchte und Reaktionen zur Wiener  Kulturpyramide Essen – Verdauen – Ausscheiden sammelte. (Absoluter Lieblingstweet darunter: Der hier!!!). Den Abschluss bildeten zwei schon etwas ältere Herren, die uns alles, was wir noch nie über Messerschleifen, scharf Messer und den „erotischen Schnitt“ wissen wollten, erzählten. (Lieblingszitat auch hier: Der Schleifstein muss immer nass sein und wenn er gewässert ist und keine Blasen mehr aufsteigen, dann ist er gewässert.“ Unschlagbare Logik.)

Verstanden hab ich irgendiwe fast gar nichts, aber das war ja definitiv auch nicht der Sinn des Abends! 😉

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* Bedingunslos und eineingeschränkt gilt jedoch momentan nur für München, da hier der Trend aus den USA als erstes angeschwappt ist. In Berlin und Wellington (NZ) sind angeblich weitere Nerd Nites geplant. Ich lebe anscheinend in einer Trendsetterstadt, eine Tatsache, die mich gestern fast noch mehr erstaunt hat als die Nerd Nite selber. ;)!

Vorbei

Spass hat’s gemacht, sag ich mal so als typischer Nur-EM-WM-Meisterschafts-Fußballgucker. Das Finale weniger, das Geholze und Gefoule, das die beiden Mannschaften sich geboten haben, war meiner Meinung nach sicherlich nicht eines WM-Finales würdig. Jetzt dürfen wir also sämtliche Vuzuelas und Vuvuselas wieder einmotten und abwarten, was sich die Brasilianer in vier Jahren einfallen lassen, um uns daran zu erinnern, dass ein bisschen Lebensfreude eben doch in jedem von uns steckt. 😉

Und… so unter uns… bis zur nächsten WM hat sicherlich auch Herr Réthy gelernt… ich sag mal so… in ganzen und vor allen Dingen in… was für eine Glanzleistung!!!… zu.sam.men.hän.gen.den (!) Sätzen zu sprechen…Würd ich mal so sagen.

Olé.

Hymypoika

Vor etlichen vier Jahren während meiner Zeit in Finnland hab ich mir mal rein zufällig aus der Videothek einen Film ausgeliehen, von dem ich ziemlich begeistert war. Und dank einer wunderbaren Freundin, die jetzt Neu-Münchnerin ist 😉 konnte ich diesen Film letztes Wochenende nochmal anschauen.

Der Film heisst „Hymypoika“, die englische Übersetzung ist „Young Gods“. Es geht um eine Gruppe von Abiturienten, die im Rausch der Abschlussfeier auf die ziemlich abgefahrene Idee kommen, einen Club zu gründen. Sie wollen bessere Liebhaber werden und beschliessen, sich gegenseitig beim Sex zu filmen, um dann voneinander zu lernen. Dabei gibt es drei Regeln:

1. Alles wird gefilmt.

2. Jeder muss einen Film machen.

3. Keiner darf davon etwas wissen.

Interessant ist, dass alle Jungs aus unterschiedlichen Gründen zum Filmen kommen. Waisenkind z.B. Jere erbt pünktlich zu seinem 18. Geburtstag das verlassene Haus seiner Eltern und meint, nur durch die Kamera Erinnerungen an seine Kindheit in jenem Haus wiederzubekommen. Bald jedoch artet das Projekt in einen Wettkampf aus mit allen Nebenwirkungen, die man sich denken kann und jeder Menge verletzter Gefühle. Auch das Ende ist sehr dramtisch.

Der Film mag abstossend, verwirrend, unangenehm sein, aber das soll er auch. Ich finde ihn aus irgendwelchen Gründen, die ich selber nicht genau benennen kann, total faszinierend fesselnd und er geht mri seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf wie lange kein anderer Film. Ich habe ein Interview mit dem Regisseur gesehen, der erklärte, dass es ihm schlicht und einfach um die „Übersexualisierung“ unserer Gesellschaft geht, darum dass die viele Sexualität, mit der wir täglich draussen bombardiert werden, uns zusehends abstumpfen lässt. Das fand ich sehr interessant. Der Regisseur sagte zudem, dass all diese „Übersexualisierung“ in den Innenstädte, auf Plakaten, in den Medien etc. einem erst auffällt, wenn man einmal mit einem Kind, dass das alles nicht kennt, durch eine Innenstadt geht. Dagegen wollte er mit dem Film ein Zeichen setzen.

Ich finde es ist ein gutes Zeichen. Ich weiss, dass der Film in Finnland einige Preise gewonnen hat, ob er im Ausland gezeigt worden ist, weiss ich nicht.

Und ganz besonders liebe ich den Soundtrack zu diesem Film, der ebenfalls „Hymypoika“ heisst. Ein Ansku-tune-Ohrwurm über eine Beziehung, von der man sich nicht loslösen kann, in der man doch immer wieder dem Ruf des anderen folgt auch wider besseres Wissen. Ein Ansku-tune, der mir ebenfalls seit dem Wochenende einfach nicht mehr aus dem Kopf will.

Übersetzung erste und zweite Strophe & Refrain:

„Er ruft mich mit seiner Hand und nimmt mich wieder mit sich.

Kein Erbarmen kennt er, keine Wärme, gar nichts.


Er bringt mich dazu, zu folgen und gegen meinen Willen zu handeln.

Er geht neben mir her und ich komme nicht los um zu flüchten.


Und er bringt mich viel zu leicht dazu, alles zu vergessen.

Ich sage, dass ich ihm niemals mehr zuhören werde

an diesen Traum glauben.“

Lesen!

Mein Vorhaben, endlich wieder mehr zu lesen, zeigt zumindest geringe Erfolge. Momentan ist es sowieso viel schöner, draußen zu sein, aber heute zumindest regnet es hier, somit kann man wunderschön den ganzen Tag in der Bude vergammeln und: Lesen!

Deshalb hier einige wunderbare Bücher, die ich vor kurzem gelesen habe und gerne weiterempfehlen möchte.

Denis Theriault – Siebzehn Silben Ewigkeit.

„Es war eine großartige, originelle, derart geniale und gewagte Idee, das Bilodo erschrak. Doch er wuste, er hatte keine andere Wahl.“

Bilodo, ein junger Postbote aus Montreal mit einer Vorliebe für Kalligraphie, geht seinem Beruf voller Leidenschaft nach: Heimlich öffnet er abends über Wasserdampf handgeschriebene Briefe und träumt sich in fremde Lebenswelten. Eines Tages stößt er auf die ungewöhnliche Korrespondenz zwischen Professor Grandpré und Ségolène, einer Lehrerin aus Guadeloupe, die sich Gedichte schicken. Bilodo verliebt sich in Ségolène. Als Grandpré bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt, ersinnt Bilodo einen waghalsigen Plan: Will er den Kontakt zu Ségolène nicht abreißen lassen, muss er in die Identität des anderen schlüpfen und lernen, wie man mit siebzehn Silben die Ewigkeit einfängt … (Quelle)

Ein wunderbar zu lesendes Buch! So skurril diese Geschichte klingt, so wunderbar ist sie auch. Denis Theriault benutz eine wunderbare, fein nuancierte Sprache, die sich wiederum auf harmonische Weise mit den von der Hauptfigur so sehr geliebten japanischen Haikus verbindet. Gleichzeitig wird sehr einfühlsam geschildert, wie Bilodo sich immer mehr in seiner Traumwelt verliert. Sehr berührend und mit einem überaschenden Ende! 😉

Kate Morton – Das geheime Spiel

„Zwei Schwestern, ein geheimes Spiel und eine verbotene Liebe“

Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs kommt Grace Bradley als Dienstbotin nach Riverton Manor. Selbst noch nicht erwachsen, bewundert sie die Hartford-Mädchen Hannah und Emmeline, die mit ihrer unbeschwerten Fröhlichkeit für Leben auf dem Anwesen sorgen. Doch die Begegnung mit dem jungen Dichter Lord Robert Hunter wird Hannah und Emmeline für immer verändern. Als einzige Vertraute versucht Grace die beiden Schwestern vor Unheil zu bewahren – vergeblich …

Mehr als 75 Jahre bewahrt Grace das Geheimnis, bis sie endlich die Wahrheit über jene Tage preisgibt. (Quelle)

Auch dieses Buch ist in einer wunderbaren Sprache geschrieben. Mir hat es sehr gut gefallen, weil ich diese Art Erzählungen, die man vielleicht als „Familiengeschichten“ bezeichnen könnte, sehr gerne mag. Es wird teilweise in der Gegenwart über Grace als alte Frau erzählt, teilweise gibt es wieder Rückblenden und ihre Erinnerungen, die sie für ihren Enkel auf Band aufnimmt. Auch diese Geschichte geht mitten ins Herz und lässt es nicht mehr los, bis man zum Ende gekommen ist.

Außerdem kann ich wärmstens empfehlen:

Mitch Albom – The five people you meet in heaven

On his eighty-third birthday Eddie, a lonely war veteran, dies in a tragic accident trying to save a little girl from a falling cart. With his final breath, he feels two small hands in his – and then nothing. He awakens in the afterlife, where he learns that heaven is not a lush Garden of Eden but a place where your earthly life is explained to you by five people who were in it. These people may have been loved ones or distant strangers. Yet each of them changed your path for ever.

Von Mitch Albom hatte ich schon früher gehört, unter anderem wurde mir von der werten Frau Kiwi wärmstens „Tuesdays with Morrie“ empfohlen. Und dann hab ich im Herbst durch Zufall dieses Buch geschenkt bekommen, bin aber leider vor einiger Zeit erst dazu gekommen, es zu lesen. Nun, nach der Lektüre von „The five people you meet in heaven“ bin ich nur noch neugieriger auf „Tuesdays with Morrie“! Diese Sichtweise auf das Leben nach dem Tod ist unglaublich spannend und beeindruckend. Unter anderem finde ich, dass diese Rezension einer Leserin es sehr gut trifft. Es bleibt genügend Raum, um das eigene Leben daneben zu sehen und am Schluss erleichtert aufzuatmen.

Einen fröhlichen Lesesommer wünsche ich Ihnen allen!

Ein bisschen die Welt retten

Ich habe gerade die neue NEON in der Hand und darin einen Artikel gelesen, der mich ungemein beruhigt hat. Es geht um Vegetarier.

Ich esse Fleisch, zwar nicht übermäßig viel, nicht täglich, aber ich esse gerne Fleisch. Ich mag keine Innereien, keine Sülzen und dergleichen und kein fettes Fleisch, aber ich mag Fleisch. Ich versuche, möglichst darauf zu achten, wo mein Fleisch herkommt. Nur: Während um mich herum immer mehr Leute zum Vegetarismus konvertieren, stehe ich etwas verloren da, werde immer stiller und komme mir plötzlich ganz schlecht und böse vor. Ich, Fleischesser, verantwortlich für Millionen gequälte Tiere und CO2, für lange Transportwege von argentinischen Rindern und den gesamten Hunger der dritten Welt. Dafür werde ich bezahlen müssen, nämlich damit, dass ich früher und kränker als ein Vegetarier sterben, nein elendig zugrunde gehen werde. Aber nein, so ganz stimmt das nicht.

In dem Artikel nun ging es hauptsächlich darum, dass viele Gerüchte und Legenden um Vegetarismus herumschwirren, von denen viele schlicht und einfach nicht wahr sind. Es geht darum, Nahrungsaufnahme IMMER auf Kosten anderer geht, es kommt nur drauf an, wer, wo und in welchem Maße. Wer sich bewusst ernährt, darauf achtet woher sein Fleisch kommt und wie es gelebt hat und nicht ständig billiges Fleisch vom Discounter haben muss, kann sich durchaus genauso vernünftig wie ein Vegetarierer ernähren. Mythen, dass Vegetarier länger und gesünder leben, sind laut dem Artikel längst als Urban Legends bewiesen, weil die Experimente, die dies vor langer Zeit bewiesen haben sollen, völlig sinnlos und falsch waren. Und nein, Fleischesser sind nicht für den gesamten Hunger in der dritten Welt verantwortlich. Wenn alle sich nur von Getreide ernähren würden, hätten die lokalen Hersteller in Dritte-Welt-Ländern irgendwann gar keine Chancen mehr, ihre Produkte zu verkaufen. Auch könnte man nicht einzig und alleine mit dem, was an Rinder verfüttert wird, allen Hunger der Dritten Welt stillen, Zahlen belegen das.

Sehr interessant fand ich auch das Argument, dass wenn einer ein Steak von einem Rind, welches glücklich auf einer heimischen Weide gegrast hat, dabei noch die Wiese gedüngt und mit seinem Getrampel die Pflanzen zum Wachsen angeregt hat, isst und ein zweiter ein Tofu-Schnitzel, für welches Soja von weither importiert werden musste und für dessen Anbau unter Umständen sogar Regenwald abgeholzt werden musste, ja wo sogar für die Produktion des Schnitzels noch eine Menge Energie aufgewendet werden musste, dann ist plötzlich gar nicht mehr so klar, wer jetzt wirklich „umweltschädlicher“ lebt.

Ich atme insgeheim ein bisschen auf, endlich einmal ein Artikel der die „bösen“ Fleischesser etwas in Schutz nimmt und versucht, mit Legenden und Halbwahrheiten aufzuräumen. Ich will nicht triumphierend sagen: „Ich hab es doch gewusst!“, nichts liegt mir ferner als das. Ich will niemanden zum Fleischessen überreden. Aber ich will auch nicht zum Vegetarianismus überredet und missioniert werden. Denn die Welt ist nicht nur gut und böse, schwarz und weiß, es gibt soviel dazwischen. Und auch ob das wirklich die ganze Wahrheit ist, keiner weiss es. Aber es ist eine Entscheidung, die jeder für sich selber treffen muss.

Und ach ja: Ich will nachher, bei der Geburtstagsfeier der liebsten Mutter dieser Welt, ohne schlechtes Gewissen mir ein richtig feines Schnitzel vom bayrischen Weiderind (oder so) bestellen können. Njam!

Unbedingter Sehbefehl!

Heute mal wieder ein Veranstaltungstipp:

„Deutsches Essen ist wie guter Sex – schmutzig und verboten“ (Philipp Weber „Futter“)

Wer diesem bereits mit dem bayrischen Kabarettpreis ausgezeichneten jungen Herren zuhört, könnte tatsächlich denken, dass Essen schmutzig und verboten ist, schließlich nimmt der Herr Weber die Essgewohnheiten der Deutschen mal gehörig auseinander, unterzieht nach eigener Aussage im Programmheft „die Gesellschaft einer satirischen Magenspiegelung“ und erläutert auch eingehend die politische Dimension des Essens, u.v.a. mit diesem Zitat:

„Biogemüse, dass 5000 km aus China angereist ist? Da vertraue ich doch eher noch S.ex.spi.elzeug aus dem Va.tik.an!“

Heute das Geburtstagsgeschenk von Papa eingelöst und was soll ich sagen? Es war schlicht und einfach grandios. Jeder einzelne Satz eine Pointe, ein Feuerwerk von Lachsalven Wortwitz. Selbst wenn wir jetzt noch essen wollten, wir könnten nicht mehr, weil wir alle zweieinhalb Stunden (!) lang in einem durch vor Lachen gewiehert haben und mein Bauch vermutlich noch Tage braucht, um sich von diesen (Lach-)Krämpfen zu erholen. 😉

Deshalb ergeht hiermit an alle, besonders an Kulinarier und solche, die es werden wollen, unbedingter Sehbefehl, sollte Herr Weber mal bei Euch in der Nähe vorbeikommen! Gehen Sie hin, ist noch nicht einmal teuer und lohnt sich auf jeden Fall.

Gratis

Ich war von Freitag auf Samstag kurz und auch relativ kurzentschlossen in Frankfurt am Main und habe mich dort mit lieben Freunden aus Finnland getroffen, die gerade einen Kurz-Ostertrip nach Frankfurt gemacht haben. Zu der mir in den letzten Tagen häufig gestellten und mit großen Augen gestellten Frage, warum meine Freunde denn im Himmels Willen ausgerechnet in Frankfurt Urlaub machen wollen dann ein anderes Mal.

Jedenfalls, vor dem Treffen lief ich nachmittags ein wenig los auf eigene Faust durch die Stadt zu erkunden und da passierte, was irgendwann zwangsläufig passieren muss: Natürliche Bedürfnisse.

Leider jedoch bin ich immer noch nicht bereit, für natürliche Bedürfnisse zu bezahlen und während ich da so einige Zeit lang auf der Suche nach einer öffentlichen, und zwar einer wirklich ÖFFENTlichen, Toilette über die Zeil und durch die Straßen lief, da dachte ich mir so bei mir still und leise, das es doch wirklich etwas skurril ist:

In den deutschen Innenstädten prangt inzwischen an jedem zweiten Café dick und gross ein Schild „Gratis W-Lan“, geht man aber in das Café hinein und möchte diesem natürlichen Bedürfnis nachkommen, wird man sofort aufgefordert zu zahlen.

Könnte man also nun denken, dass die Freiheit, im Internet zu surfen, dem Menschen in diesen Zeiten ein größeres Bedürfnis ist als das natürliche Bedürfnis an sich oder warum sonst gibt es nirgendwo ein – meinetwegen auch ganz kleines – Schild, welches einem einen „Gratis WC“-Besuch erlaubt?

( 😉 )

3 aus 2010

Das Jahr 2010 ist noch keine drei Monate alt und trotzdem gibt es schon drei Lieder, mit denen man dieser Tage ständig und überall zugedröhnt wird und die ich (persönlich) bereits jetzt nicht mehr hören kann. Sorry, aber die gehen mir tierisch auf den Senkel. Das ist so eine Mischung aus diesem Dauerbeschallungsphänomen, welches einem manchmal selbst die tollsten Lieder verleidet, wenn sie ZU häufig gespielt werden und einer persönlichen Abneigung gegen dauerbetrunkene, möchte-gerne-coole Blondinen. 😉

Das (fand ich am Anfang sogar sehr gut, aber jetzt irgendwie nicht mehr),

das und

das.

(Und weil ich die so ganz föschterlisch nervig finde, beschränke ich mich hier auf Verlinkungen. In den Ansku-Blog kommen nur original erprobte und für gut befundene Ansku-tunes. So ist das.)

Bye bye Grünstreifen

Hier am Ende der Straße ist eine große Straße, die in die Stadt hineinführt. Die große Straße ist zweispurig und hat einen Grünstreifen in der Mitte, der mit einer bunten Ansammlung von Bäumen und Büschen bepflanzt ist, nicht ein gleicher Baum neben dem anderen, sondern wirklich Natur mit den verschiedensten Sorten Bäume und Sträucher.

Wir wohnen hier am Stadtrand der schönen bayrischen Landeshauptstadt und das ist eigentlich sehr angenehm, weil es sehr grün ist (und hier auch mal sehr ruhig war), aber wer will oder muß, ist dank guter Verkehrsanbindungen trotzdem in etwa 20 Minuten mitten im Geschehen in der großen Stadt. Wenn man aber nicht in die Stadt will, ist man mit dem Fahrrad in etwa 15 Minuten in die Gegenrichtung auf dem Land und in 20 Minuten beim Baggersee.

Ich kann mich noch gut dran erinnern, wie ich als Kind hier abends immer mit Opa den Hund ausführte und wie grün hier alles war. Kleine Wohnsiedlungen, meinetwegen auch einmal dreistöckig, gab es, aber dazwischen gab es immer wieder Felder, die auch noch richtig bewirtschaftet wurden. Große Straßen gab es nur mit Grünstreifen in der Mitte, der der großen Straße etwas das Große und Hektische nimmt. Es gibt hier in der Nähe einen kleinen Park, in dem ich jogge oder mich sonne, der wurde von einer alten Frau der Stadt vererbt. Allerdings nur unter der Auflage, dass er niemals zugebaut wird. Es war also mal alles sehr grün und sehr schön hier, nur tun einige Leute seit etwa 10 Jahren ihr allermöglichstes, damit das nicht so bleiben möge.

Ab heute muss wiedereinmal die Natur ein Stückchen weiter der Zivilisation weichen, ab heute wird der Grünstreifen in der Mitte der großen Straße gerodet und wir bekommen einen neue Tram die eigentlich hier keiner will und kaum jemand braucht um die zukünftigen Bewohner der 1600 neuen Wohnungen auf der anderen Seite der Straße auch ratzfatz in die Stadt verfrachten zu können. Und aus Erfahrung der letzten Jahre weiß ich, es ist manchmal ganz schön schwer, in einem stark expandierenden Wohngebiet zu wohnen sich an solche Veränderungen zu gewöhnen. Ich könnte mich jetzt hier länger über die Sinnhaftigkeit von Bezirksausschüssen und dass grundsätzlich immer alles erstens anders kommt und zweitens als der Bezirksausschluss beschliesst auslassen, aber ich tue es nicht, weil ich selber kaum Ahnung davon habe. Ich sage einfach nur leise: Bye bye Grünstreifen, bye bye ein Stück von diesem kuscheligen, grünen Heimatviertel.

(Bye bye grüner Mittelstreifen, auch wenn Du jetzt wegen der Kälte noch braun bist.)

(Eine Straßenseite mit wunderschönen neuen Laternenpfosten. Links die Schrebergartenanlage.)

(Isch könnt‘ kotzen.)