Furchteinflößend

Ich finde die Meldung, die vor zwei Wochen herumging, dass erstmals aus einer menschlichen Zelle ein Embryo geklont wurde, sehr furchtbar und auch furchteinflößend.

Zu meinem großen Erstaunen fand diese Meldung sehr wenig Interesse in den Medien. Als damals Klonschaf Dolly das Licht der Welt erblickte, war der Aufschrei um vieles größer, besonders als man damals angesicht dieser Forschungssensation spekulierte, ob es bald schon möglich sei, Menschen zu klonen – natürlich nur zu medizinischen Zwecken. Es gab unglaublich viel Gegenstimmen gegen diese Zukunftsaussichten, denn wenn es erstmal möglich sei, einen Menschen zu medizinischen Zellen zu klonen, z.B. um Stammzellen zu bekommen, dann sei es nur noch eine Frage der Zeit, bis diese Techniken in die falschen Hände geraten. Damals beherrschten Horroszenarien wie z.B. die, das ein gestorbener Mensch einfach so durch einen „identischen“ ersetzt werden kann, die Diskussion.

Nun ist der erste Schritt in diese Richtung gemacht und es scheint keinen großartig zu interessieren. Vergangene Horrorszenarien haben sich in Jubelrufe über die unglaublichen medizinischen Möglichkeiten, die sich nun eröffnen gewandelt. Was mich so wütend macht, ist dass sich jetzt keine mehr an die vergangenen Diskussion zu erinnern scheint. Was mich schrecklich wütend macht, ist diese unendlich langsame, schleichende Aufweichung aller Grenzen von Ethik und Moral, ganz leise, Schritt für Schritt. Heute ist es „nur eine Stammzelle“, noch ganz harmlos und natürlich „nur für medizinische Zwecke“, schließlich gibt es ja Gesetze und ethische Regeln die wahrscheinlich auch nicht immer eingehalten werden. Morgen schon werden daraus alle möglichen Zellen entwickelt werden, um Krankheiten heilen zu können – ebenfalls „nur für medizinische Zwecke“. Aber was wird übermorgen sein? Was kommt danach? Vor zehn Jahren schien es beinahe unmöglich, dass eine menschliche Zelle geklont werden könnte, heute ist es möglich. Und was wird in weiteren zehn Jahren sein?

Mich macht das sehr wütend und es macht mir große Angst vor der Zukunft und dem, was da noch kommen mag.

word!

„Ich habe beschlossen, mir Luft zu verschaffen und mich nicht darum zu sorgen, ob Selbstgespräche und Papier wohl bedeuten, dass ich schizo bin. Vielleicht ist die Stimme, an die ich mich wende, Gott, vielleicht ist es auch meine Meisterin, die sich auf diese Weise äussert, oder aber mein höheres Selbst oder vielleicht auch nur ein Konstrukt m einer unterbewussten Einbildungskraft, dazu gedacht, mich vor meinen selbstquälerischen Anwandlungen zu schützen. Die heilige Theresa von Ávila nannte solche inneren Stimmen „Lokutionen“ – Worte aus der Übernatürlichkeit, die, in unsere Sprache übersetzt, spontan in unsere Gedanken eindringen und uns himmlischen Trost spenden. Natürlich weiß ich sehr wohl, was Freud zu solchen spirituellen Tröstungen gesagt hätte – dass sie irrational sind und „keinen Glauben verdienen. Die Erfahrung lehrt uns, dass die Welt keine Kinderstube ist.“ ich stimme ihm zu – die Welt ist keine Kinderstube. Aber gerade diese Tatsache, dass diese Welt so ungeheuer herausfordernd ist, ist auch der Grund, warum man manchmal außerhalb ihres Gültigkeitsbereiches nach Hilfe suchen und an eine höhere Instanz appellieren muss, um Trost zu finden.“

(aus Eat Pray Love, Elizabeth Gilbert)

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“Wir haben größere Häuser, aber kleinere Familien,
mehr Bequemlichkeit, aber weniger Zeit,
mehr Wissen, aber weniger Urteilsvermögen,
mehr Experten, aber größere Probleme.

Wir rauchen und trinken zu viel, lachen wenig, fahren zu schnell,
regen uns unnötig auf,
sehen zu lange fern, stehen zu müde auf,
lesen wenig, denken selten vor, halten keine Zwiegespräche mehr.

Wir haben unseren Besitz vervielfacht, aber unsere Welt reduziert.
Wir wissen, wie man den Lebensunterhalt verdient, aber nicht wie man lebt.
Wir haben dem Leben Jahre zugefügt, aber können wir den Jahren auch mehr Leben geben?

Wir kommen zum Mond, aber nicht mehr zur Tür des Nachbarn.
Wir haben den Weltraum erobert, aber nicht den Raum in uns gefüllt.
Wir können Atome spalten, aber nicht unsere Vorurteile.

Es ist die Zeit, in der es wichtiger ist, etwas darzustellen als zu sein.
Wo Technik einen Text wie diesen in Windeseile in alle Welt tragen kann und wo Sie die Wahl haben:
Etwas zu ändern, oder das Gelesene ganz schnell zu vergessen.”

via dort. Und immer wieder großartig.

Reaktionen

Sehr interessant waren auch die Reaktionen auf meinen Praktikumsplatz, die ich hier in den letzten Wochen beobachten durfte. Die nachfolgende Liste gibt KEINE Verteilung nach Sozialen Berufen und Nicht-Sozialen Berufen wieder.

„Oh! Mein! Gott! Das könnte ich ja nie und nimmer!“
„Oh! Mein! Gott! Na dann viel Spaß…“
„Anti-Agressionstraining? Oh, das brauch ich auch. Kann ich vorbeikommen?“
„Anti-Aggressionstraining? Darf ich meinen Freund bei Dir vorbeischlichen???“
„Anti-Aggressionstraining? Nein danke, sowas brauche ich nicht. Ich will meine Aggressionen frei ausleben.“
„….“
„Oh wie toll, das finde ich total super, dass Du das machst.“
„Oh wow, das stelle ich mir total interessant vor.“

Ach ja.

Kaum zu glauben

…. wie viel Neid und Missgunst in meinem angeblich sozialen Studiengang so herrschen. Wehe, einer wird benachteiligt, wehe, ein anderer bekommt einen leichtem Vorteil oder macht es sich leicht. Dann kann der aber was erleben!

Da wird dann schonmal vom Dozenten verlangt, dass der nachmittags um vier eine zweite Anwesenheitsliste rumgehen lässt und die Glücklichen Kommilitonen, die an einem
strahlenden Samstag das sinkende Schiff Seminar bereits mittags, also drei Stunden vor dem Ende verließen, schlechter bewertet. Nein, es herrschte keine Anwesenheitspflicht und nein, gut fand ich das auch nicht. Aber so what? Wir sind alle freie erwachsene Menschen glaubte ich zumindest und jeder muss selber entscheiden, wie er seine Prioritäten setzt. Und nein, fair war das vermutlich auch nicht, nicht gegenüber dem Dozenten und nicht gegenüber den Dummen denen, die bis zum Ende ausharrten, aber muss ich deswegen gleich wie ein angeschossenes Schwein rebellieren, weil jemand sich einen klitzekleinen Vorteil verschafft hat? Den ich auch haben könnte, ich müsste ja nur aufstehen, den inneren Schweinehund zum Schweigen bringen und gehen. Ein Vorteil, der mich ja eigentlich sogar nur indirekt betrifft?

Anderes Beispiel: ein Seminar, die Zeit wird gegen Ende reichlich knapp, es wollen noch mehrere Gruppen, darunter eine Gruppe von Müttern, ihre Vorträge halten. Ich so: „Ist es vielleicht möglich, dass meine Gruppe als nächstes vorträgt. Ich muss sehr pünktlich gehen, genauer gesagt sogar eine Viertelstunde vor Kursende, denn ich habe einen [wichtigen, durchaus für mein Studium relevanten, im jugendstrafrechtlichen Kontext, Anm. d. Red.] Termin?“
Müttergruppe: „Na und? Andere Leute haben Zuhause wartende Kinder.“

Ich bin entsetzt. Ehrlich. Soviel stures Pochen auf den eigenen Vorteil. Soviel Unfähigkeit, mal jemandem den Vortritt zu lassen. So wenig Loyalität oder einfach nur wenigstens Freundlichkeit. Ausgerechnet im sozialen Bereich…

Oder müsste es doch eher heißen: GERADE im sozialen Bereich?