Anskus Deutschlandreise

Die Planung läuft an – vorraussichtliche Stationen und Treffen auf der Deutschlandreise werden folgende und mit folgenden Personen sein

11.3.Kaanu

12.3.Natalia & Steph

16.3.Chrizzo

17.3.Unterholzbewohner

18.3.Soulsilence

20.3. Lottea

21.3.Zimtapfel

22.3.Frau und Herr Momo

23.3.Rebenwanderin leider nicht

23.3. Agichan

24.3.Aoife

25.3.Wortteufel

Hach, wat freu ick mir!

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Der erste Tag

Der, der immer bereit ist für mich, der egal wohin ich will und egal zu welcher Tages- und Nachtzeit für mich aufsteht, um mich irgendwohin zu bringen oder zu holen.

Der, in dem ich immer öfter meine Charakterzüge wiedererkenne und darüber sehr stolz bin.

Der, mit dem man so herrlich zusammen lästern kann und mit dem man so herrlich zusammen schweigen kann.

Der, der immer einen guten Rat hat.

Der, der es irgendwie schafft, wenn ich frage “Kann ich auf der Deutschlandtour bei Dir pennen?”, mir ein eigenes Luxusappartment im Haus zu besorgen.

Der, der mich auch ohne viele Worte versteht.

Der hat heute Geburtstag. Alles Gute zum Geburtstag, Papa!!!

Der erste Tag hier in Aachen ist außer der Tatsache, dass der beste und liebste Papa der Welt heute Geburtstag hat, ganz unspektakulär angelaufen. Ich habe etwas Halsschmerzen und bin müde und somit hab ich hauptsächlich geschlafen, meine Luxus-Bleibe (wirklich DOPPEL-WOW!) genossen, gelesen und etwas die Gegend erkundet. Ich muss nur noch langsam lernen, dass ab jetzt Urlaubsmodus gilt und dass ich, auch wenn ich noch ein paar Dinge ausfindig machen und besorgen muss, dies ganz in Ruhe und ohne zu rennen tun kann. Immerhin HABE ich heute schon gelernt, was Aachener Reisfladen sind – es gibt hier nicht nur Printen, obwohl man das rund um den Dom herum gerne vermuten möchte – und dass nicht nur die Bekleidungs- und Shoppingtempel in allen Städten gleich sind, sondern inzwischen auch die Barkultur. Ich dachte mal in meiner grenzenlosen Naivität, das Saussalitos wäre eine Münchner Erfindung. Pah!

Das Wetter ist wechselhaft, aber immerhin besser als am Wochenende in München. Morgen ist ebenfalls kein Programm geplant, weil sich durch den weggefallenen Ausflug nach Holland alles etwas verschoben hatte – ich hab aber das Gefühl, dass die paar Tage Ruhe und ”Anlaufzeit” gar nicht so verkehrt sind. Vielleicht geh ich ja mal etwas shoppen oder mach einen kleinen Ausflug?

Sehr großes Glück hatte ich, als heute mittag ein Kollege aus der Arbeit angerufen hat und mir erzählt hat, dass er letzte Woche vergessen hätte, mir seine Lidl-Bahntickets anzubieten. Die kommen jetzt diese Woche mit der Post nachgereist, so dass ich mich jetzt für sämtliche längeren Zugstrecken nicht mehr wegen billigen Bahntickets stressen muss.

Also werde ich mir jetzt ein gemütliches kleines Café suchen und es mir dort mit einem heißen Tee oder Cappucino für meinen Hals und einem Buch gemütlich machen und darauf warten, dass der weltbeste Papa aus der Arbeit kommt und wir feiern gehen.

Hach, endlich Urlaub! Wie schön!

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Der zweite Tag

Also wenn Frau Ansku verreist, dann geht das natürlich nicht ohne Dusselcontent ab. Ich schrieb ja gestern, dass ich mir abends ein gemütliches Café suchen wollte, um auf den Herrn Vater zu warten. Nur leider ist das in einer Kleinstadt ja nicht so einfach und als ich dann endlich etwas gefunden hatte, machte das Café auch um 19 Uhr zu, ich stand also wieder auf der Strasse, auf der zusehends die Bordsteine hochgeklappt wurden. Kleinstadt halt. Also lief ich weiter und suchte und fand einen anderen größeren Platz, an dem es einige Bars und Cafés gab. Ich lief einmal um diesen Platz, um das beste Café ausfindig zu machen und entschied mich schließlich für das “Bistro petit”. Es gab kleine Tische, die recht nett eingedeckt waren, es war mittelhell beleuchtet, also würde ich dort auch eine Cola trinken und etwas lesen können, nur die halbe Stunde bis der Vater kommt. Soweit der Eindruck von außen. Also ging ich rein und stand…

… im vermutlich schniekesten und feinsten Bistro von Aachen. Und es gab im ganzen Raum nur vier Tische. Ich erschrack föschterlich, denn ich wollte doch eigentlich nur eine Cola trinken. Aber da war es schon zu spät, der Kellner hatte mir bereits den Mantel abgenommen und einen Tisch angeboten und die Karte gebracht. Während ich fieberhaft überlegte, wie ich hier ohne etwas zu essen wieder rauskommen würde, wagte ich einen Blick in die Speisekarte, die aber logischerweise nichts unter 30 Euro anbot. Ich sah keinen anderen Ausweg mehr und bestellte mit hochrotem Kopf eine Cola, stammelte etwas davon, dass ich noch jemanden erwartete und schickte mindestens 10 Stossgebete zum Himmel, dass mein Vater doch bald aus der Arbeit kommen möge und mich anrufen möge. Aber nichts geschah, neben mir bekamen Leute ihr Essen serviert, alles ebenfalls vom Feinsten und ich starrte verzweifelt mein Handy an, während ich an meiner Cola nippte. Als dann schließlich der erlösende Anruf kam und ich den Kellner zum Bezahlen herbeiwinkte, kam selbst die Rechnung über 2,50 Eur in einem kleinen Büchlein. So schnell habe ich wohl selten einen Laden verlassen!

Dass ich danach meinem Vater erzählte, dass ich am Rathaus auf ihn warte, in Wirklichkeit aber mich am Dom befand – Lasst das bloss keinen Aachener wissen!!! – , gehört dann wohl zu den kleinen, fast schon selbstverständlichen Pannen und Peinlichkeiten im Leben der Frau Ansku. Ebenfalls die Tatsache, dass ich heute mittag beim Fahrkartenkauf entdeckt habe, dass meine BahnCard schön ordentlich zu Hause in München liegt – ich wollte ja auch nur eine Deutschlandtour machen und meine schöne BahnCard mal richtig ausnutzen und zum Glühen bringen – kann mich eigentlich schon nur noch kurzfristig aus der Ruhe bringen.

Dafür hatte ich als Ausgleich heute bei ekelhaftem Regenwetter richtig Shoppingglück in Kölle! Erstes Geschäft, erste Hose, passte perfekt. :) Sollte tatsächlich einmal meine Shoppinghölle beim Hosenkauf ein Ende haben?? Ansonsten kann man sich hier grad nur nach Hause oder wahlweise in ein Café verziehen, lesen und sich auf das erste Bloggertreffen morgen vorfreuen.

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Reisetagebuch – Der erste und der zweite Tag

Nach einem tendenziell eher hektischen Wochenende zwischen GeburtstagsVORbereitungen, GeburtstagspartyNACHbereitungen (Kater auskurieren) und “nebenher” noxh Reisevorbereitungen wache ich den ersten Morgen in meinem Luxusdomizil in Aachen auf – und verschwinde nach einem kurzen Geburtstagsfrühstück mit dem allerliebsten Vater auch gleich wieder ins Bett. So unglaublich es klingt, ich habe Urlaub, endlich Urlaub. Nach einer weiteren Schlummerstunde und einer sündigen Runde durch das grottenschlechte Vormittagsprogramm des deutschen Fernsehnprogramms mache ich mich ausgerüstet mit einem Stadtplan auf, um Aachens Innenstadt zu erkunden, wobei mich prompt gleich zu Beginn der Reise mein vielgelobtes Orientierungsvermögen im Stich lässt. Aber egal, ich habe ja Zeit und lande schließlich endlich auch am Rathausplatz. Sehr schön und sehr altertümlich ist das alles hier, eine schnuckelige kleine Innenstadt, so wie ich es mag.  Ich möchte noch ein paar Dinge besorgen, u.a. Gastgeschenke, und den Bahnhof sowie Internetcafés ausfindig machen und bin sehr erstaunt darüber, dass ich dies tatsächlich ohne Stress und Hektik tun kann, ich kann in aller Ruhe durch die Geschäfte schlendern und ich könnte zur Not sogar auch morgen Gastgeschenke besorgen! Die Gastgeschenke verschiebe ich dann auch tatsächlich auf den nächsten Tag, dafür mache ich doch das eine oder andere Mal mehr halt für einen Kaffee. So etwas nenne ich Urlaub! Wenige Meter und ein paar sehr hübsche malerische Gässchen weiter stehe ich vor dem Aachener Dom, der mich durch seine wunderschöne Innenausstattung beeindruckt. Ich bin eigentlich kein Kirchengänger, aber ich setze mich doch hin und versuche einige Minuten innezuhalten. Auf meinem weitern Weg komme ich an einer Papeterie vorbei und bin von den wunderschönen Glückwunschkarten und Postkarten dort so begeistert, dass ich dort einen *ähäm* gewissen, nicht ganz geringen einen Bruchteil meines gesamten Gehaltes für den letzten Monat loswerde – nicht ohne schlechtes Gewissen, aber ich beruhige mich, dass ich jetzt für das ganze Jahr sicherlich keine Post- und Glückwunschkarten mehr brauche, ganz gleich, ob es sich um Geburtstage, Geburten oder was auch immer handelt. Und im weiteren Verlauf der Reise zeigt sich auch, dass ich diese Glückwunschkarten wirklich irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft brauchen werde, das freut mich ganz besonders daran. ;)

Über meinen kleinen – nennen wir es mal “Ausflug” – in die Haute Cuisine Aachens habe ich ja bereits berichtet. Irgendwann einige Zeit später sitzen der weltbeste Vater von allen und ich tatsächlich beim Essen im ältesten Restaurant von Aachen und leeren dann zu Hause noch zu Ehren des Tages eine Flasche Wein.

Am nächsten Morgen darf ich ausschlafen und geniesse weiterhin lümmelnd, lesend und über das Fernsehprogramm lästernd die Ruhe meines gemütlichen Domizils. Irgendwann aber zieht es mich doch nach draußen und ich beschließe, mich auf den Weg nach Köln zu machen, hat mich Köln doch irgendwie schon immer fasziniert und ausserdem muss ich noch eine Location auswählen für das am nächsten Tag geplante Treffen mit Frau Kaanu nebst Gatten. Ich wundere mich noch über das Preissystem der Aachener Busse, denn auf meine Aussage, dass ich zum Bahnhof möchte, bekomme ich einmal ein Kurzstreckenticket für 1,50 Euro und einmal ein City-Ticket für 1,35 Euro, doch am Bahnhof wartet gleich die nächste Überraschung. Ich stelle voller Entsetzen fest, dass ich meine BahnCard vergesen habe und rufe als erstes – genau! – meinen Vater an. ;) So kann ich nicht reisen, alleine die Fahrt von Aachen nach Köln kostet mich mit einem Tagesticket schon 10 Euro mehr als eine Fahrt mit BahnCard hin und zurück. Eine Lösung ist schnell gefunden, gottseidank ist mein Bruder gerade aus dem Urlaub zurückgekehrt und schickt mir die BahnCard nach. Ich bin froh, noch einige Tage in Aachen zu haben, so dass der Brief mich auf jeden Fall erreicht, überhaupt bin ich froh, für einen Teil der Reise ein festes Quartier zu haben, denn ich spüre deutlich die Müdigkeit und die Anstrengungen der letzten Wochen und Monate, den Prüfungsstress, den Einstieg ins “Berufsleben” direkt danach… Jeden Abend bin ich todmüde, was das Kopfkino aber nicht davon abhält, jeden Abend pünktlich zum Ins-Bett-Gehen anzuspringen und aufs heftigste zu rattern. Anstrengend, zeitweise habe ich keine Lust mehr, noch eine einzige Entscheidung in meinem Leben zu treffen, noch nicht einmal mehr die, ob ich den Zug um 12.13 Uhr oder um 13.13 Uhr nehme.

Ich bin etwas erstaunt, dass die Fahrzeit von Aachen nach Köln doch eine Stunde beträgt, ich bin immer davon ausgegangen, dass Aachen eher so ein “Vorort” von Köln ist. ;) Ich war schon ein paar Mal kurz in Köln, aber noch nie im Dom drinnen, deshalb ist es höchste Zeit, das nachzuholen und ich bin sehr begeistert von den vielen vielen und wirklich und ehrlich schönen Mosaiken in den Fenstern, ansonsten finde ich den Dom doch etwas puristisch innen, der Dom von Aachen gefiel mir allgemein etwas besser. Leider regnet es auch in Köln, zudem lande ich als ich den Dom verlasse, zu zweiten Mal in einem etwas düster wirkenden Stadtviertel mit sehr vielen türkischen und asiatischen Läden, wo ich eigentlich gar nicht hinwollte. Der Stadtplan, den ich von der Info am Bahnhof ergattert habe, ist nicht der allerbeste, aber schließelich und endelich kommi ich wieder mehr oder weniger dort an, wo ich hinwill, in der Fußgängerzone. Jippieh! Denn auch das Wetter mag mich an diesem Tag schonmal so gar nicht. Es regnet immer stärker, deshalb verziehe ich mich lieber ins Innere einiger Klamottenläden. Ich denke kurz daran, dass ich eine neue Hose gebrauchen könnte, aber alleine der Gedanke an einen Hosenkauf vermiest mir jegliche Urlaubsstimmung. Doch als mich schließlich in einem Laden eine Verkäuferin anspricht, nehme ich allen meinen Mut zusammen und sage, dass ich nach einer Hose schauen möchte. Sie zeigt mir ein paar Modelle und wir gehen zum probieren. Die Verkäuferin ist sehr jung und wie sich herausstellt, selber Studentin – Anglistik oder Germanistik oder so etwas. Sie ist ganz begeistert, als ich erzähle, dass ich Sprachwissenschaft studiert habe und wir kommen doch sehr nett ins Plaudern. Ich nutze die Gunst der Stunde und frage sie, ob sie einen guten Asiaten kennt. Die junge Studentin meint, dass sie sich mit asiatisch nicht so auskennt und empfiehlt mir aber einen “absolut super guten” Mexikaner, der zudem in einer Gegend “An den Ringen” liegt, die überhaupt und generell als Kölns Kneipenstrasse gilt. Nun ja, dort wird es ja auch Asiaten geben und somit verlasse ich glücklich mit meiner Einmal-probiert-passt-gekauft-Jeans den Laden. Dass mir sowas auch nochmal passiert!!!

Schließlich mache ich mich auf die Suche nach einer Location für das erste von vielen Bloggertreffen. Das ist gar nicht so leicht, wenn man sich in einer Stadt nicht auskennt und sich nur von der Nase leiten lassen kann und auch “An den Ringen” kann ich auf meinem popeligen Stadtplan nicht entdecken, also frage ich nochmal in einem Café den Barista, ob er einen guten Asiaten kennt und er empfiehlt mir schließlich einen am Heumarkt, der schließendlich auch bei genauer Betrachtung mein Gefallen findet – und hoffentlich auch das des Ehepaares Kaanu.

Nach einem kurzen Besuch im Internetcafé und der Frage, warum ich immer dann Millionen von Emails bekomme, wenn ich nicht zu Hause oder sonstwie beschäftigt bin, mache ich mich auf den Heimweg. Ich hatte versprochen, noch etwas zu essen einzukaufen und bin natürlich viel zu spät dran. Als ich in Aachen ankomme, ist es dunkel, ein Großteil der Geschäfte bereits zu (Kleinstadt… pöh!) ;) und ich versuche ziemlich hektisch, im Dunklen noch einen Supermarkt zu finden, und trotzdem wie vereinbart um 20 Uhr zu Hause zu sein. Bis der beste Vater von allen und ich dann in meinem Luxus-Domizil alle benötigten Küchenutensilien und Lebensmittel zusammengetragen und urplötzlich doch fehlende Küchenutensilien aus des Vaters Domizil herbeigeschafft haben und dann auch etwas essbares produziert haben, vergeht wiederum einige Zeit, passiert viel Chaos und es wird wieder ziemlich spät, bis wir etwas zu essen bekommen, aber schließlich sitzen wir doch noch sehr gemütlich auf dem Sofa und leeren noch eine “Hokuspokus” aufgetauchte Flasche Wein. Falls jemand es gemerkt haben sollte, ich bin ein absolutes Papakind und auch wenn wir uns die Woche in Aachen nicht allzuviel gesehen haben, weil der liebste Vater sehr viel arbeitet, war es doch sehr schön. ;)

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Reisetagebuch – Der dritte Tag

Der dritte Tag fängt so gemütlich an, wie der zweite aufgehört hat – oder naja, fast so gemütlich. Der Wecker klingelt um 6.45 Uhr, ich habe meinem Vater versprochen mit ihm gemütlich zu frühstücken, aber ich darf ja danach auch gleich wieder ins Bett im Gegensatz zur arbeitenden Bevölkerung. :lol: Ich bin wohl endlich im Urlaubsmodus angekommen. Im Laufe des Vormittags ruft mein Vater mich an und erzählt mir, dass meine Briefe, sowohl die BahnCard als auch die Lidl-Tickets bereits angekommen sind. Ich sage, dass es doch praktisch wäre, die BahnCard jetzt schon zu haben, schließlich will ich nachmittags noch nach Köln und er verspricht, sie mir vorbeizubringen und ich solle doch 10 min. später vor dem Haus stehen. Als ich gerade zum Haus herauskomme, passiert diese komische Geschichte mit der Polizistin: Mein Vater steht in der Feuerwehreinfahrt, es ist aber weit und breit kein Feuer zu sehen, er bewegt sich keine zwei Schritte vom Auto weg und verlässt den Platz auch nach fünf Minuten wieder. Trotzdem keift eine Politesse, die gerade vor dem Haus Parksünder aufschreibt, lauthals meinen Vater an, als ich aus dem Haus trete, und droht ihm mit einem Strafzettel. Mein Vater wiegelt das ab, die Frau keift noch mehr und sehr unfreundlich. Also gehe ich sehr schnell zu ihm, hole meine Briefe und gehe zurück zum Haus, während mein Vater wegfährt. Und jetzt kommt das, was ich nicht verstehe, denn obwohl ich nur indirekt mit der Situation zu tun hatte und einfach nur ganz ruhig an der Politesse vorbei zurück zum Haus gehe, beginnt sie mich ebenfalls zu beschimpfen und droht auch mir mit einem Strafzettel über 35 Euro, wenn ich mir für so etwas nicht beim nächsten Mal einen anderen Ort aussuche. Ich bin in solchen Situationen immer sehr perplex und weiß zuerst überhaupt nicht, was ich sagen soll. Kurz überlege ich mir, völlig cool zu ihr zurückzugehen und zu sagen “Wissen Sie, Sie haben vermutlich recht, aber bei uns im Süden regelt man so etwas auf freundliche Art so etwas kann man auch in einem freundlichen Tonfall regeln.” verkneife es mir aber dann. Irgendwie bin ich trotzdem etwas geschockt und verwirrt, als ich in die Wohnung zurückkomme. Ich habe es ja schon dem einen oder anderen erzählt, Freundlichkeit scheint im Rheinland nicht allzu groß geschrieben zu werden, denn auch ein Gruß auf dem Hausflur scheint hier eher ein Fremdwort zu sein. Den Rest des Tages denke ich sehr viel über Nord-Süd-Unterschiede, Freundlichkeit und Höflichkeit nach.

Ich will aber noch kurz in die Stadt, ein paar Kleinigkeiten besorgen und finde dabei auch tatsächlich und endlich den kürzesten und direktesten Weg in die Stadt – ohne mich zu verlaufen. Auf dem Heimweg will ich noch am Supermarkt vorbei, um mir etwas zum mittag zu kaufen, da werde ich von einem dunkelhäutigen Jungen – ja wirklich Jungen, den älter als 20 kann der nicht gewesen sein – angesprochen, der vorgab, nett mit mir ratschen zu wollen. Ich, beim Versuch nicht so typisch deutsch-spiessig-weltoffen-interessiert an anderen Kulturen zu sein, ratsche mit und erfahre, dass der junge Mann aus Jamaica kommt. Als ich jedoch das Gespräch dann beenden will, weil ich langsam in Zeitnot komme, fragt er auf einmal ziemlich eindeutig und mehrmals, ob ich mit ihm spazierengehen will, ob ich mit ihm nach Hause kommen will, so aufdringlich, dass ich schließlich einfach gehe und ihn stehen lasse. Immerzu passiert das mir, und zwar genau dann, wenn ich besonders cool und weltoffen sein will. Hmpf.

Als am Nachmittag das Wetter tatsächlich sich zu bessern scheint, mache ich mich auf zum Bahnhof und fahre Richtung Köln. Es ist zwar noch reichlich Zeit bis zum Treffen mit Frau und Herrn Kaanu, aber da es gestern geregnet hatte, konnte ich kaum etwas von Köln fotographieren, das muss ich doch jetzt ausnutzen. Am Bahnhof beim Fahrkartenautomat treffe ich eine dunkelhäutige Frau, die mich bittet, ihr beim Fahrkartenkauf zu helfen. Sie braucht eine Fahrkarte für ihren Mann und ihre Tochter am Samstag nach Düsseldorf. Nun, auskennen tu ich mich ja in dieser Gegend und mit diesen Tarifen nicht wirklich, aber immerhin bin ich ganz gut mit Fahrkartenautomaten vertraut. Ich frage nocheinmal nach und sie erwidert, dass sie eine Fahrkarte für die Tochter braucht. Also wähle ich ein Tagesticket NRW für 25 Euro, frage nochmal nach, ob alles seine Richtigkeit hat, ob die Tochter denn auch wirklich erst nach neun Uhr früh fahren wird etc. und drücke auf bestätigen. Die Frau schiebt einen 50 Euro-Schein in den Automaten und erzählt mir im selben Moment, dass sie jetzt noch eine Karte für ihren Mann braucht. Mir rutscht das Herz in die Hose, ich denke natürlich zuerst, dass das mein Fehler war, dass ich die Frau nicht richtig verstanden habe und mir tut es unendlich Leid, denn die Frau sieht nicht so aus als hätte sie allzuviel Geld. Ich frage nach und sage dann vorsichtig, dass das vielleicht dann die falsche Karte ist, aber die Frau beruhigt mich und sagt, dass Tochter und Mann mit zwei verschiedenen Zügen nach Düsseldorf fahren. Puuuuh, was war ich erleichtert!

Für heute reicht es mir erstmal mit komischen Begegnungen, jetzt freue ich mich nur noch auf die NETTE Bloggerbegegnung am Abend. Ich fahre nach Köln, spaziere am Rheinufer und über die Rheinbrücke, photografiere, was das Zeug hält, amüsiere mich über die an der Rheinbrücke hängenden Schlösser – das scheint so ein Ritual von Jugendlichen zu sein!? Und ich läute trotz der Kälte die Eissaison 2009 ein, vielleicht hilft das ja etwas gegen die Halsschmerzen, die mich seit zwei Tagen nerven.

Und dann endlich abends das Treffen mit Herrn und Frau Kaanu! Wunderbar, nein wunderbarst war es, gleich von Anfang an total schön und harmonisch. Wir haben sehr sehr lecker beim Thailänder gespeist, Gesprächsthemen fanden sich auch irgendwie immer wieder neue und so waren die zwei Stunden, bis das Ehepaar Kaanu zurück ins Hotel und ich zum Bahnhof musste, wie im Flug und natürlich VIEL zu schnell vergangen.

Ich hatte mir schon im Restaurant eine Zugverbindung herausgesucht, bis wir bezahlt und vor allem uns verabschiedet ;) hatten, wurde die Zeit dann doch etwas knapp und so musste ich doch sehr flotten Schrittes zum Bahnhof eilen. Dennoch aber hörte ich vor einer Kneipe etwas leicht angeheitertes, finnisches Gebrummel – das erkenn ich unter tausend Menschen wieder! ;) – und beim kurzen Blick über die Schulter habe ich mir sogar eingebildet, dass das dieselbe Finnengruppe ist, an der ich an diesem Tag schon zweimal vorbeigelaufen bin. :lol: Köln ist anscheinend auch ein Dorf, wie jede Großstadt.

Die Eile zum Bahnhof war dann wie bereits erwähnt doch unnötig und so musste ich etwas warten, kam sehr sehr spät in Aachen an, aber dafür ohne Umsteigen und sicher. Dazu trug auch der Lokführer bei, der kurz vor Aachen alle ermahnte, an der Endstation auch wirklich auszusteigen, denn “der Zug fährt danach ins Depot. Dort gibt es keine Möglichkeit mehr auszusteigen”. Ah ja, Danke für die Information! ;)

Und jetzt noch ein Spaziergang durch Köln, bitte folgen Sie mir!

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Reisetagebuch – Der vierte Tag

Der vierte Tag beginnt so gemütlich wie der dritte geendet hat, aufstehen, frühstücken, wieder ins Bett. :lol: Irgendwann gegen Mittag mache ich mich auf zum Bahnhof, diesmal ohne unliebsame Begegnungen. Dann geht es auf nach Köln, wo ich zunächst Mama Fuzzy treffe. Wir, und auch Natalia, die später dazustossen wird, haben uns ja schon beim Bloggertreffen letztes Jahr kurz kennengelernt und es ist wirklich eine Freude, die beiden wiederzusehen und das Kennenlernen, was letztes Jahr wirklich SEHR kurz war, etwas auszuweiten. Das Wetter ist mal wieder bescheiden, also bekomme ich heute nicht besonders viel von den Orten, an denen ich mich befinde mit, aber das macht gar nichts, auch so mit den beiden Damen wird es nicht langweilig. Zunächst laufen Mama Fuzzy und ich durch Köln auf der Suche nach einem Café. Um wenigstens noch etwas von den interessanteren Sehenswürdigkeiten von Köln zu zeigen, führt sie mich zum Hafen, wo wir dann auch endlich ein gemütliches Café in einem Schokomuseum finden und eine unglaublich leckere Schokolade mit Nüssen bzw. mit Baileys (nun ratet doch mal, wer welche getrunken hat. ;) ) schlürften. Dann war es Zeit, nach Düsseldorf aufzubrechen, nicht jedoch ohne Zwischenhalt in Leverkusen, denn Leverkusen muss man einfach gesehen haben, wenn man schon auf Deutschlandreise ist!  :lol:

In Düsseldorf angekommen – es regnet immer noch – laufen wir zwar kurz am Rheinufer entlang, aber eigentlich nur, um möglichst schnell zum diesem leckeren italienischen Imbiss zu kommen. Bei Pizza und Malzbier ratscht es sich ganz wunderbar und unsere fröhliche Runde wird eigentlich nur von einer kleinen Verlegung der Location ins nächste Café unterbrochen. Ein Kölsch für Frau Fuzzy und für mich, ein Kakao für den schwangeren Teil unserer Dreierrunde und der Gesprächsstoff geht nie aus, von Studium über Altersunterschiede von Geschwistern bis zu Dialekten, es findet sich immer etwas. Kein Wunder bei drei so verschiedenen Lebensgeschichten. Aber das ist ja immer das Spannende daran und auch das Spannende beim Bloggen.

Leider ist dann irgendwann doch die Zeit so vorgeschritten, dass es Zeit wird, zurück zum Bahnhof zu fahren. Ich bin erstaunt, weil der Bahnhof von Düsseldorf anscheinend eine Zone ist, in der Ladenöffnungszeiten nicht gelten und so haben fast alle Läden auch noch um zehn Uhr abends auf. Frau Fuzzy und ich fahren gemeinsam mit dem Zug zurück nach Köln und ich kann netterweise gleich sitzenbleiben und nach Aachen weiterfahren. Und komme wieder irgendwann seeeeehr seeehr spät in Aachen an, ich bin wirklich sehr müde und spüre auch schon das sich anbahnen, was am nächsten Tag über mich hereinbrechen wird, aber all das war’s allemal wert.

Es war wunderbar, Euch endlich einmal wiederzusehen und wunderbar, Euch etwas besser kennenzulernen. Hoffentlich bald wieder!

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Reisetagebuch – Der fünfte, sechste und siebte Tag

Diese drei Tage sind sehr schnell erzählt: Ich hatte es am Abend vorher auf der Heimfahrt von Köln nach Aachen, als ich urplötzlich so müde wurde, dass ich fast im Zug einschlief, schon befürchtet und am nächsten Morgen, als ich aus komatösem Zustand erwache und zum liebsten Vater zum Frühstücken gehen will, bewahrheitet es sich: Jetzt bin ich wirklich krank, habe Fieber, Husten und Halsschmerzen. Eigentlich war übers Wochenende ein Besuch bei meinen Verwandten geplant während der liebste Vater wie jedes Wochenende heim nach München fliegt. Wir überlegen etwas hin und her, entscheiden uns aber dann doch dafür, alleine schon im Sinne des weiteren Verlaufs der Deutschlandreise und angedenk der Etappen, die noch vor mir liegen, den Verwandtenbesuch abzusagen, obwohl es jammerschade und jammertraurig ist, weil wir uns so unglaublich selten sehen. Also rufe ich meinen Cousin an, der mich von Bonn aus zu seiner Familie mitnehmen wollte und lege mich wieder ins Bett. Jetzt will ich wirklich nur noch schlafen. Später ruft noch meine liebe Tante an und fragt, ob mich nicht lieber bei ihnen ins Bett legen will und gesunden will und obwohl mir der Gedanke an ein Wochenende ganz alleine in Aachen wirklich gar nicht behagt, bleibe ich im Luxusdomizil. Es war vorherzusehen, es war vor allem meine erste Erkrankung in diesem Winter auf die ich seit Ende Janaur nur gewartet habe, aber trotzdem war’s der denkbar falsche Zeitpunkt. Frau Mama Fuzzy schrieb mir am Abend in einer SMS dann auch noch den schönen Satz von abfallender Spannung und Erkrankungen und so, ich nehme an, Sie alle kennen diesen Satz. Letzten Endes aber muss ich doch zugeben, dass diese Zwangs-Ruhepause nicht das Verkehrteste war, gerade wenn man den weiteren Verlauf der Reise bedenkt.

Gegen Mittag bin ich dann wieder einigermaßen munter und zumindest etwas wiederhergestellt, zumindest so weit, dass ich daran denke, bis zur nächsten Apotheke die Höhle zu verlassen. Und während ich so überlege, was ich wohl alles brauchen könnte für das Wochenende, fällt mir potzblitz ein, dass ich zwar einen kleinen Fernseher, aber keinen DVD-Player hier zur Verfügung habe, dass ich kein Internet habe und auch keinen MP3-Player, das einzige, was ich im Luxusdomizil im Überfluss habe, ist Platz auf dem Fußboden. Und dann fällt mir dieser glorreiche Gedanke ein, mir endlich mein Lieblingspuzzle zu besorgen, auf das ich schon lange scharf bin und das Wochenende zu puzzlen. Puzzlen hat für mich etwas sehr meditatives und entspannendes, obwohl ich sonst nicht unbedingt der Meditationsfreund bin, also kann das doch auch für die Gesundung nur positiv sein. Gesagt, getan, ich verlasse eilig die Wohnung und begebe mich zur nächsten Spielwarenabteilung. In der Apotheke erkläre ich dem Apotheker meine Symptome und als er dann fragt, ob ich etwas pflanzliches oder etwas chemisches zur Bekämpfung der Symptome habe will, erwidere ich nur: “Also ich verreise am Dienstag Montag. Ich kann mich ja schon übers Wochenende ins Bett legen und das brav auskurieren, aber ich möcht’ halt bitte am Montag wieder fit sein. Können Sie das so machen?” Wir entscheiden uns für eine Mischung aus pflanzlich und chemisch, wobei ich letztendlich die chemischen Drogen doch nicht angerührt habe. Auf dem Heimweg mache ich noch einen Abstecher beim Textildiskont mit den drei Buchstaben und der schrecklich nervigen Werbung. Ich habe keine einzige bequeme Freizeithose, noch nicht einmal eine Schlafanzughose zum Rumlümmeln dabei und will das Wochenende doch nicht ohne eine solche verbringen. Da aber zuhause mein Kleiderschrank überquillt vor Freizeithosen, will ich auch keine neue und vor allem keine teure anschaffen und erstehe daher nach längerem, wirklich längerem Suchen ein beige-rosanes Prachtexemplar für 4,99 Eur, das zu meinem großen Erstaunen doch tatsächlich bis Sonntag durchhält, bevor es beginnt, sich aufzulösen. Soweit meine Erfahrungen mit dem rotweissen Textildiskont. :lol:

Die restlichen Tage verlaufen relativ eintönig und puzzlend – meist bei Tageslicht, aber auch mit einigen umgestellten Lampen abends – , schlafend, fernsehend und lesend, unterbrochen nur von gelegentlichen Versuchen, etwas zu kochen und einem Ausflug pro Tag ins Internetcafé bei dem netten Araber (wenn’s denn einer war?) ein paar Straßen weiter. Wenn ich schon alleine in Aachen bin, so will ich doch nicht abgeschnitten von der Welt sein.

Sonntag abend ist dann auch der liebste Vater wieder da, meine Ellenbogen sind vom Knien auf dem Teppich durchgescheuert, das 2000-Teile-Puzzle ist zu zwei Dritteln fertig und ich bin fast wieder einigermaßen fit und voller Vorfreude und Spannung auf die zweite Woche

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Reisetagebuch – Der achte Tag

Es geht in die zweite Woche! Ich fühle mich fast wieder fit, beschliesse aber trotzdem, es am Vormittag noch ruhig angehen zu lassen und verbringe den Vormittag damit, Wäsche zu waschen. Und siehe da, an meinem letzten Tag in Aachen haben sich doch tatsächlich alle dafür entschieden, dass sie ja zum Abschied auch mal nett und freundlich zu mir sein könnte, ich werde im Haus gegrüßt, zweimal stehe ich vor dem verschlossenen Büro des Hausmeisters, um eine Waschkarte zu bekommen bzw. um sie wieder abzugeben und zweimal kommen Hausbewohner vorbei und sagen mir von sich aus, wo der Hausmeister zu finden ist. Im Bus setze ich mich auf den einzelnen Platz in einer Dreier-Sitzgruppe und die ältere Frau mir gegenüber bietet mir den Platz neben sich an, damit ich in Fahrtrichtung sitzen kann. Find ich extrem süß und es versöhnt mich wieder sehr mit Aachen. :)

Gegen Mittag dann im strömenden Regen los zum Bahnhof und aus irgendeinem bescheuerten Grund beschliesse ich, einen Teil der Strecke zu laufen und aus irgendeinem bescheuerten Grund meine ich, DIE Abkürzung zum Bahnhof überhaupt gefunden zu haben – und komme 15 Minuten später fast an derselben Stelle wieder an. Naja, irgendwie schaffe ich es dann doch noch rechtzeitig zum Zug und dann geht es los nach Düsseldorf zu Frau Chrizzo und dem kleinen Mann. Die beiden erwarten mich mit Kaffee und Kuchen zu Hause, doch fällt mir kurz vor der Ankunft des Zuges in Düsseldorf Hauptbahnhof ein, dass ich ja gar nicht weiss, wie Frau Chrizzo eigentlich mit Nachnamen heisst und wo ich klingeln muss. Eine SMS später bin ich schlauer. Und ich finde tatsächlich ohne größere Schwierigkeiten zur Casa Chrizzo, ein paar Stationen mit der Tram und dann noch eine Station mit dem Bus – was bin ich nur froh, dass ich entgegen meinen kurzzeitigen Überlegungen diese “eine kleine” Station doch nicht gelaufen bin und brav auf den Bus gewartet habe.

Das Treffen mit Frau Chrizzo war sofort und gleich von Anfang äußerst nett. Der kleine Mann war bei meiner Ankunft noch etwas mittagschlaf-verschlafen und schüchtern, aber ich wäre nicht Frau Ansku, wenn ich nicht das ideale Kleinkinder-Bestechungsmittel dabei hätte, nämlich eine tolle Knistertüte mit einer Schleife obendrum und viel Schokolade innendrin. Damit hatte ich auch den Geschmack des kleinen Mannes – und hoffentlich auch der Eltern – getroffen, ich glaube, er hat mehr Schokolade gegessen als Kuchen, oder? ;) Jedenfalls, nach eniger Zeit sass der kleine Mann auf meinem Schoss und wollte ein Buch vorgelesen bekommen, doch ich musste ihn leider leider auf den nächsten Besuch vertrösten. Das Wetter hatte sich inzwischen merklich gebessert und zwischendurch waren tatsächlich sogar ein paar Sonnenstrahlen zu sehen, also beschlossen wir, die Casa Chrizzo zu verlassen und nach draußen zu gehen und Düsseldorf zu erkunden. Es gab dann einen langen Spaziergang, bei dem wir uns auch etwas besser und vertieft unterhalten konnte, über Brasilien, über Finnland, über den kleinen Mann, übers Studium, es gab sehr viel, unglaublich viel zu bequatschen. Aber zuerst wollte der kleine Mann etwas ausgetobt werden und so gingen wir auf den Spielplatz, um danach die Stadtbesichtigung in Angriff zu nehmen. Dabei durfte natürlich ein Besuch am Rheinufer nicht fehlen, es hatte zwar wieder etwas zugezogen, aber immerhin regnete es nicht. Der kleine Mann freute sich, ich freute mich, der kleine Mann fotografierte, ich fotografierte, ich fotografierte den kleinen Mann beim Fotografieren und wir haben wirklich alle sehr viel Spaß.

dusseldorfLeider hatten die Bars am Rheinufer noch geschlossen, daher zogen wir weiter in die Innenstadt und ich “musste” ein echtes Düsseldorfer Alt probieren, Kulturprogramm beinhaltet auch so etwas! Als es schon dunkel wurde, brachen wir auf Richtung Bahnhof, nicht jedoch ohne einen Abstecher über die Kö – und waren reichlich verwundert, als dort abends um kurz nach sieben schon fast alle Geschäfte geschlossen waren. Können die nicht verkaufen oder wollen die nicht verkaufen oder sind die alle schon auf Promi-Partys? Wir hatten dann noch reichlich Zeit, bis mein Zug fuhr, aber trotzdem war auch dieses Treffen viel zu kurz und schreit nach einer Fortsetzung.

Vielen Dank Chrizzo, vielen Dank kleiner Mann, Eure Fröhlichkeit und Lebensfreude ist so unglaublich ansteckend. Ich hatte sehr viel Spaß an diesem Nachmittag und es war wunderschön mit Euch!

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Reisetagebuch – Der neunte Tag

Oh, wie bin ich aufgeregt. Heute geht es wirklich und richtig los auf große Reise. Ausnahmsweise bin ich sogar früher als der Wecker wach und frühstücke mit Papa. Dann kommt, was kommen muss: Ich habe mehr als genug Zeit, fange an aufzuräumen, die letzten Reste einzupacken und auf einmal, urplötzlich und aus dem nichts kommt die Panik, ich könnte ja meinen Zug verpassen. Hektisch versuche ich, meinen Koffer zuzubekommen, hektisch kontrolliere ich (zweimal), ob in der Wohnung, die ich nun wieder abgeben muss, alles in Ordnung ist, hektisch schnappe ich mir meinen Koffer, hektisch warte ich auf den langsamen Aufzug. Hektisch renne ich mit Koffer zum Hausmeisterbüro, um den Schlüssel abzugeben und sehe, während ich vor dem Büro auf der Straße stehe, noch die Rücklichter des Busses zum Bahnhof. Irgendwie schaffe ich es dann doch zum Bahnhof – wie bereits erwähnt, 40 Minuten zu früh. Ich beschliesse während ich über eine halbe Stunde warte und die Bettler vor dem Bahnhofsgebäude abwimmele, entweder diesen Urlaub als Selbsttherapie zweckzuentfremden oder mich nach dem Urlaub selbst schleunigst in Therapie einweisen zu lassen zu begeben.

Die Bahnfahrt macht mir Spass, nicht zu letzt machen mir die Zugbegleiter sehr viel Spass: Ich schwöre bei meiner BahnCard, ich habe selten “Senk ju vor träweling wis Deutsche Bahn” in so reiner Form, so schön und so “akzentfrei” wie in diesem ICE von Düsseldorf in die Unterholzstadt am 17.3. gehört. Hörrlisch, ich bin fast unter meinen Sitz gekrochen, um nicht laut loslachen zu müssen. Noch mehr lachen durfte dann bei einer Kopplung von zwei ICEs zwischdurch: “Se doors will remein looked (SIC!) until se cupling is completed.” Ich glaub, ich weiss jetzt, was ich beruflich mache: Fremdsprachentrainerin für Bahn-Mitarbeiter, dieser Job wäre wahrlich eine Lebensaufgabe. ;) Was nicht so schpassisch ist, ist die Fahrt durchs Ruhrgebiet, wenn der MP3-Player kaputt ist oder meint, kaputt spielen zu müssen und man auf das ICE-Boardprogramm angewiesen ist – ich kann leider im nachhinein nicht mehr sagen, ob ich zwischen Düsseldorf und Dortmund auch nur ein Lied zu Ende hören durfte OHNE eine Durchsage dazwischen. “Meine Damen und Herren, wir erreichen jetzt Essen Hbf. Ihr Anschlussmöglichkeiten in Essen Hbf sind…” – 10 min. – “Meine Damen und Herren, wir begrüßen alle Fahrgäste, die in Essen Hbf zugestiegen sind…” – 2 min. – “Meine Damen und Herren, wir möchten Sie noch auf unser BordBistro aufmerksam machen…” – 10 min. – “Meine Damen und Herren, wir erreichen in Kürze…” usw. und sofort und wieder von vorne

Ich bin in der Unterholzstadt! Am Bahnhof stelle ich mich erstmal gekonnt dumm und frage an der Info nach, wie ich denn zur Jugendherberge komme, schaffe es aber trotzdem, mich heillos zu verlaufen. Man sollte niemals glauben, man sei schlauer als die Einheimischen, AUCH WENN diese zunächst von der Frage nach einer Jugendherberge etwas überrascht scheinen. ;) Irgendwann, einige Zeit später, komme ich in der Jugendherberge an, ärgere mich etwas, dass ich gleich Mitglied bei diesem Jugendherbergsring werden muss und somit doch im Endeffekt mit Aufnahmegebühr 38 Euro für eine Nacht loswerde und beziehe mein Zimmer, welches aber zu meiner großen Überraschung wirklich äußerst neu, modern und sauber ist. Toll! Hier lässt es sich aushalten. Ich mache mich nur kurz frisch, beschliesse, dass es bei dem Sonnenschein höchste Zeit ist, meinen Rock auszuführen bevor er im Koffer verschimmelt und mache mich auf in Richtung Unterholzstadt City. Das Wetter ist grandios zum Photografieren, Eisessen und gemütlich durch die Fußgängerzone schlendern. Schließlich hab ich fast alles gesehen, aber noch etwas Zeit übrig, also setze ich mich in ein Straßencafé, geniesse einen Cappucino, lese und lasse mir die Sonne auf den Pelz scheinen.Urlaubsfeeling delüxe kommt auf.

Dann ist es Zeit für das Treffen mit Frau Unterholz, die große Uhr finde ich auch zum Glück sofort. Wir beschliessen, in eine kleine Bar zu gehen und dort eine Kleinigkeit zu essen. Ich mache den Fehler, mir einen Salat mit Knoblauchsauce zu bestellen, was mir später etwas leidtut für meine Zimmergenossen in der Jugendherberge, denn die Sauce hat ihren Namen wirklich verdient. Aber alle leben noch. :lol: Nach dem Essen und nach einer noch viel längeren Ratsch-Session ;) brechen wir noch zu einem kleinen (Verdauungs-) Spaziergang auf und ich sehe noch etwas die Unterholzstadt bei Nacht, das Unterholzspital live und in Farbe, allerdings in der Dunkelheit. Es ist auch eine große Freude und äußerst lustig, sich mit Frau Unterholz zu unterhalten, endlich darf ich lustige Geschichten aus dem Unterholzspital, Interessantes und Lustiges über die Unterholzstadt und ihre Bewöhner und noch einige andere lustige Sachen live und in Farbe persönlich hören. Spannend ist das, daran könnte ich mich gewöhnen, jeden Tag neue, interessante Menschen zu treffen!

Hach, verehrte Leserschaft und liebe Deutschlandtour-Blogger, langsam wird es langweilig, immer dasselbe zu schreiben, so langsam weiss ich nicht mehr, wie ich es noch formulieren soll, aber es stimmt nun mal! Deshalb ganz kurz, auf den Punkt gebracht und geradeheraus aus vollem Herzen. Das Treffen mit Frau Unterholz war wie alle Treffen wirklich äußerst nett und kurzweilig, nur mal wieder viel zu kurz. Schön, Dich persönlich kennengelernt zu haben!

Und nun folgen Sie mir bitte auf einen Spaziergang durchs Unterholz. :)

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Liebe Logopädin

wir haben uns in der Jugendherberge in der Unterholzstadt getroffen und ich kenne nicht einmal Deinen vollständigen Namen, sonst würde ich Dir jetzt wahrscheinlich einen Brief oder eine Email schreiben. Ich habe lange überlegt, aber ich muss hier aufschreiben, wie wir uns begegnet sind, weil es mich so unglaublich berührt hat und weil ich Dir so unendlich dankbar bin und weil ich dieser Dankbarkeit irgendwie Ausdruck verleihen möchte, auch wenn Du das vermutlich niemals lesen wirst.

Ich kam abends nach dem Treffen mit Frau Unterholz zurück ins Zimmer in der Jugendherberge und sah Dich und unsere dritte Mitbewohnerin, eine junge Studentin. Du bist soweit ich mich erinnere in den Vierzigern, Du warst äußerst sympathisch und als wir anfingen, uns zu unterhalten und Du sagstest, Du seist Logopädin, da ist mir wirklich für einen kleinen Moment das Herz stehengeblieben. Ich habe natürlich sofort angefangen, Dich auszufragen, schließlich interessiere ich mich seit Jahren für Logopädie und überlegte auch bis vor kurzem noch, einen Aufbaustudiengang, eine Ausbildung oder etwas ähnliches in Logopädie auf mein Studium draufzusetzen. Ich dachte bis vor kurzem noch, das sei ein Traumberuf, schlecht bezahlt, das wusste ich, aber ein Traumberuf. Ich könnte mit Sprache arbeiten und mit Kindern und falls das jemals langweilig werden sollte, werden Logopäden ja auch noch in vielen verschiedenen anderen Bereichen gebraucht.

Du hast mir erzählt, dass Du drei Tage die Woche in Hamburg arbeitest, dass Du Patienten mit Kehlkopfkrebs behandelst und dass Dir das sehr viel Spaß macht. Du hast aber auch gesagt, mehr als vier bis fünf Patienten pro Tag schaffst Du nicht, nicht mehr in Deinem Alter. Also pendelst Du jede Woche, jede einzelne Woche für zwei Tage in die Unterholzstadt und unterrichtest dort Logopädie. Die Nacht dazwischen übernachtest Du in der Jugendherberge und Du hast Dich wirklich in dem Zimmer bewegt, als sei es Dein Zuhause, das habe ich sofort bemerkt. Das alles nimmst Du auf Dich, weil es die Möglichkeit ist für Dich, so einigermaßen über die Runden zu kommen. Ich habe Dir von einer Bekannten von mir erzählt, die dasselbe wie ich studiert hat, dann noch ein Logopädiestudium draufgesetzt hat und jetzt für einen Hungerlohn in einer Praxis 8 – 9 Patienten á 45 Minuten pro Tag behandelt und Du hast gesagt, das wäre bei Dir wohl ziemlich ähnlich, wenn Du nur in einer Praxis arbeiten würdest.

Ich habe Dir dann von meinen verschwurbelten Überlegungen über meine Zukunft und meinem Berufswahldilemma erzählt und als Du u.a. gehört hast, dass ich Finnisch spreche und noch so die eine oder andere Sprache und als Du gehört hast, dass ich auch von meinem Professor ein Angebot habe zu promovieren, da hast Du mir sehr ernst und sehr eindringlich und deutlich gesagt: “Aber liebes Kind, wenn Du solche Möglichkeiten hast, wenn Du so ein Sprachtalent hast und wenn Du so leicht Sprachen lernst, dann mach etwas daraus! Mach etwas aus Deinem Talent und werde Dolmetscherin, Übersetzerin, promoviere oder mach sonst etwas. Aber mit diesen Vorraussetzungen brauchst DU Dich nicht als Logopädin krumm und buckelig arbeiten. Mach etwas aus Deinem Talent.” Ich glaube, das war einer der schönsten Sätze, die bis jetzt in diesem Jahr jemand zu mir gesagt hat, wirklich, und ich verspreche Dir hiermit, dass ich Deinen Rat befolgen werde. Ich werde etwas aus meinem Talent machen in welcher Form auch immer.

Liebe Logopädin in der Jugendherberge in der Unterholzstadt, ich bin Dir unendlich dankbar dafür, dass Du mir so ehrlich und direkt Deine Meinung gesagt hast, dass Du mir die Augen geöffnet hast für eine Realität, in der manchmal noch nicht einmal zwei Universitätsabschlüsse und Unmengen von Wissen und Unmengen von Einfühlungsvermögen für Menschen anerkannt werden. Ich habe so etwas nun zum zweiten Mal gehört und ich habe jetzt sehr stark den Eindruck, dass ich nicht für diesen Beruf gemacht bin. Das ist alles ein bisschen ZU krass für mich, ich muss keine Millionen verdienen, aber ich wünsche mir eine gerechte Bezahlung für das, was ich leiste. Ich habe auch momentan nicht die Kraft und nicht die Muße, noch mal ganz von null anzufangen, noch eine Ausbildung anzufangen oder ein zweites Studium. Weiterstudieren ja, möglicherweise, aber nicht von null auf. Bye bye mein Traumberuf Logopädin. Ich finde einen anderen Traum, einen der besser für mich passt.

Für mich war unsere Begegnung fast schon etwas Mystisches, fast schon ein Wunder, zwar eines von vielen Wundern auf dieser Reise, aber doch ein sehr bedeutsames Wunder. Ein Wunder, das mich zum Nachdenken angeregt hat, das mich heute noch sehr stark rührt und berührt, noch während ich dies hier aufschreibe und ein Wunder, das mir einen großen Schritt in Richtung Zukunft weitergeholfen hat. Danke!

Mach es gut, liebe Logopädin, ich wünsche Dir für Deine Zukunft von ganzem Herzen alles Gute und vor allem Anerkennung für die schwierige Arbeit, die Du leistest.

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Reisetagebuch – Der zehnte Tag

Zehn Tage bin ich schon unterwegs? Das kann nicht sein, es kommt mir vor wie drei Tage. So schnell ist die Zeit bis jetzt vergangen und so viele liebe Menschen habe ich bis jetzt getroffen. Aber das ist ja noch nicht alles, ne?

Entgegen meiner Gewohnheiten der letzten Tage, wo ich gar nicht spät genug aus dem Bett kommen konnte, bin ich früh um sieben wach und kann nicht mehr einschlafen, das mag vielleicht am Gewusel in unserem Dreier-Jugendherbergszimmer liegen, man weiss es nicht. Also beschliesse ich irgendwann aufzustehen und erstmal frühstücken zu gehen, vielleicht ist bis dahin die junge Studentin, die noch am Abend zuvor angekündigt hatte, sie muss früh in die Uni, geduscht und ich kann das Bad benutzen. Ich bin ausserordentlich positiv überrascht von dem Frühstück in dieser Jugendherberge, muss ich echt mal sagen. Relativ einfach, typisch Jugendherberge, aber vom Kaffee bis zum Gemüse ist alles wirklich sehr frisch und sehr lecker. Kann ich nur empfehlen, diese Jugendherberge. Zurück im Zimmer schläft unser Erstsemesterküken natürlich noch und als ich sie vorsichtig frage, ob sie nicht zu spät zur Uni kommt, antwortet sie, es sei doch etwas spät geworden gestern und das ist ja nur eine Einführungsveranstaltung… Alles klar! In dem Moment wünschte ich mir, auch nochmal Ersti zu sein. :lol:

Ich mache noch einen Spaziergang durch die Unterholzstadt und erklimme den Burgberg. Es ist nicht ganz so sonnig wie gestern, aber trotzdem habe ich eine gute Aussicht über die Stadt und geniesse es, etwas hier zu verweilen und über die gestrige Begegnung nachzudenken. Gegen Mittag ist es Zeit, meinen Koffer aus der Jugendherberge zu holen und zum Bahnhof zu gehen. Ich gehe sehr zeitig los, schließlich will ich zu Fuß zum Bahnhof und noch etwas die inzwischen hervorgekommene Sonne geniessen und das Flair der Unterholzstadt. Zuerst geht auch ncoh alles gut, ich bin gar nicht nervös wegen des Zuges, ich habe noch fast eine Stunde Zeit und etwa eine halbe Stunde Weg vor mir. Doch dann stellt sich wieder so eine geniale Abkürzung von mir nicht wirklich als Abkürzung, sondern nur als Umweg heraus und ich werde doch leicht panisch, das gibt sich aber wieder, weil ich schnell den richtigen Weg finde. Immerhin, fast 30 Minuten zu früh am Bahnhof, aber wenigstens nicht durchgeschwitzt. Und ich hab noch in Ruhe Zeit, Fahrkarten zu kaufen.

Fahrkarten kaufen ist lustig. Ich tippe mehrere verschiedene Verbindungen in den Fahrkartenauotmaten ein und schließlich endlich stellt sich heraus, dass die Verbindung mit IC mich mit meinr BahnCard tatsächlich billiger kommt als eine Verbindung mit RE, denn dafür kann ich die BahnCard nicht nutzen. Wow! Die Fahrtzeit ist die gleiche, nur der IC fährt 10 min. früher und kommt somit auch 10 min. früher an. Dann hatte mein Gerenne zum Bahnhof ja doch etwas Gutes. ;)

In Minden werde ich sehr herzlich von Soulsilence in Empfang genommen. Wir fahren noch kurz etwas einkaufen und dann nach Hause, wo ich auch Lana endlich einmal kennenlernen darf. Die Dame freut sich auch immer über Besuch und wir verstehen uns von Anfang an ziemlich gut. Ich werde mit Kaffee und Kuchen verköstigt und tja, was soll ich sagen, die Plapperei nimmt ihren Lauf. :) Zwischendurch bekomme ich noch ein feines Abendessen serviert, außerdem hab ich zu meiner größten Faszination zum ersten Mal so ein Internet-Handy-Communikator-Dingens kein iPhone in der Hand und werde von Frau Soulsilence in die Geheimnisse der allerallerbrandneuesten Technik eingeweiht. Faszinierend ist das, nur eine Frage stellt sich mir jetzt: Und warum hab ich so ein Dingens nicht für die Deutschlandreise gehabt???

Irgendwann kommt das Gespräch natürlich auch aufs Bloggen und ich bewundere laut dieses schöne Widget auf Frau Soulsilence’s Blog, wo man sehen kann, was am heutigen Tag vor einem Jahr passiert ist. Dann muss ich kuz überlegen und mir fällt ein, dass ich mich genau heute vor einem Jahr zum Magister angemeldet habe. Und jetzt sitzen wir hier, ich habe mein Abschlusszeugnis und zerbreche mir Frau Soulsilence’s Kopf über meine berufliche Zukunft. Wow!

Überhaupt, Berufswahl, das ist ja auch so ein Thema. Gegen Abend, nachdem ich Frau Soulsilence fast einen Nachmittag lang mein Berufswahldilemma geklagt habe und diese mir mehr als geduldig zugehört hat, gelegentlich etwas geraten oder aus eigenen Erfahrungen beigesteuert hat, gegen Abend passierte dann noch so etwas, was mich irgendwie sehr berührt hat. Plötzlich sagt Frau Soulsilence unvermittelt “Aber wenn man Dich so sprechen hört, dann merkt man doch, dass Du Dich doch eigentlich schon entschieden hast.” und ich bin erstmal ziemlich baff und denke mir, wie kann ein Mensch, den ich seit ein paar Stunden persönlich kenne, so etwas von mir wissen. Doch dann begreife ich, dass das genau der Sinn und auch die Chance dieser Reise ist, denn ich selber, ich höre mich ja so selten reden, ich stecke in meinem Gedankenwirrwarr fest und kann kaum nach links und rechts sehen und da tut es gut, wenn jemand den Blick hat, um vor lauter Bäumen wieder den Wald zu sehen. Und noch besser, wenn dieser jemand mir etwas von seinem Blick mitteilt und abgibt. Und ich muss sogar zugeben, dass die gute Frau Soulsilence ein bisschen recht und eine sehr gute Menschenkenntnis hat. ;)

Doch damit der Höhepunkte nicht genug, des Abends durfte ich endlich endlich mit einer lieben Bloggerin persönlich mit einem leckeren brandneuen Mädchenbier anstossen und der letzte Höhepunkt des Tages folgte dann, als ich mein Schlafgemach aufsuchte, ich durfte nämlich das besuchsgeräumte, nigelnagelneue Gästezimmer in der Casa Soulsilence testen und einweihen und kann nur sagen, ich habe ganz wunderbarst geschlafen und kann dieses Quartier ganz bedenkenlos weiterempfehlen. Wenn also irgendjemand dort in der Gegend ist, unbedingt bei Frau Soulsilence vorbeischauen, es lohnt sich und ist wirklich ganz sehr viel äußerst nett!!! ;):lol:

Dankeschön, Danke besonders für’s Zuhören und für den Blick auf den Wald. An Euch alle. aber hier erstmal ganz besonders an Frau Soulsilence. Danke auch für die nette Zeit und für die Gastfreundschaft, es war alles eigentlich wie immer.

Wie immer ein wunderbarer, interessanter, lustiger und toller Tag.

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Reisetagebuch – Der elfte und zwölfte Tag

er elfte und zwölfte Tag kommen jetzt in einem Post und sind ein zaghafter Versuch, mich kurzzufassen, auch weil die nächste Station nach der Casa Soulsilence irgendwo im Nirgendwo in Niedersachsen nicht allzu spektkulär verlief und daher relativ schnell erzählt ist. – Ich war übrigens in der Schule immer die, die so kurz und knapp geschrieben hat, dass sie eine halbe Stunde vor allen anderen abgegeben hat und wenn die anderen im Deutschaufsatz sechs Seiten geschrieben haben, hatte ich mit Mühe und Not dreieinhalb Seiten und hab Panik bekommen, weil ich dachte, ich hätte was vergessen. Ich war sozusagen die Reinkarnation von “In der Kürze liegt die Würze”, so von meinem Schreibstil her. Glaubt mir wohl jetzt nach diesen Reiseberichten eh keiner mehr, aber ich wollt’s mal gesagt haben.

Am Morgen wache ich in meinem nigelnagelneuen besuchsgeräumten Gästezimmer auf und Wunder oh Wunder, die Sonne scheint immer noch! Also fackeln wir gar nicht lange, sondern machen uns hübsch und gehen in die Stadt in ein sehr nettes kleines Café zum Frühstücken. Danach bekomme ich eine nette kleine Führung durch Minden und wir gehen etwas shoppen. Als ich einen Wunsch nach einer Postkarte von Minden äußere, wird auch der erfüllt, allerdings erst in der Touristeninfo, nachdem wir zuvor in zwei Läden erfolglos gesucht haben. Lustigerweise entdecke ich später am Bahnhof eine wirklich reichliche Auswahl von schönen (!) Postkarten von Minden, aber vorerst muss ich mich mit einer kleinen Auswahl zufriedengeben. Auch einen Rotwein für den folgenden Abend brauche ich noch und Frau Soulsilence führt mich in ein ganz feines kleines Feinschmeckergeschäft. Wir plaudern ein bisschen mit dem Besitzer, der stolz erzählt, dass sie relativ bekannt und erfolgreich mit ihren Weinen sind und dass sie manchmal auch Geschenkkörbe verschicken bis nach zum Beispiel…. er überlegt etwas … zum Beispiel München. Haha, sage ich, ich bin aus München, was den netten Herrn sehr erfreut. Ich sollte wohl wirklich bald mal einen Geschenkkorb bestellen, der Wein war wirklich sehr gut.

Bitte folgen Sie mir nun auf einen kleinen Spaziergang durch Minden.

Danach fahren wir noch zu dieser einzigartigen Brücke, wo der Mittellandkanal über die Weser führt und ich bin vollkommen fasziniert und begeistert von dieser Baukunst. Ein Fluss, der über einen Fluss führt, ist das cool! Ich kann mich gar nicht sattsehen und sattfotografieren und lese mir auch brav alle Erklärungstafeln durch. So langsam kann ich es wohl nicht mehr verleugnen, ich bin Akademikerin und bin scheinbar auch jetzt auf Bildungsurlaub. Jeden Tag lerne ich etwas dazu, zum Beispiel eben, dass es solche Brücken gibt. Umso mehr freut es mich, dass auch meine Gastgeber scheinbar von meinem Besuch profitieren, denn Frau Unterholz weiss jetzt, wo in der Unterholzstadt dieser alte Stadtplan zu finden ist und auch Frau Soulsilence kennt sich jetzt besser in ihrer Stadt aus und weiss nun, wie man auf direktem Weg zur Weser-Brücke kommt. :)

Und schon ist es Zeit, sich zu verabschieden! Wo ist nur wieder die Zeit geblieben? Ich steige wieder in einen Zug und erlebe zum ersten Mal (jawoll ja, zum ersten Mal!) auf dieser Reise mit der DB wirklich Verspätung, die aber mit 10 Minuten geradezu peinlich ist, um noch Verspätung genannt zu werden und durch die 10 minütige Verspätung des Anschluss-ICEs schon wieder in perfekter Manier weitergeführt wird. 10 Minuten mehr kalkuliert man auf einer Bahnreise einfach von vorneherein mit ein, oder? ;) Beim Umsteigen in Hannover und beim Warten auf den ebenfalls verspäteten Anschluss-ICE stand ich dann bei strahlendem Sonnenschein auf dem Bahnsteig und dachte mir für ein paar wenige Minuten lang, dass das ja schon irgendwie komisch ist, was ich hier tue. Stehe auf dem Bahnsteig und lausche fasziniert Lautsprecherdurchsagen über Zugverspätungen, statt in einem Café zu sitzen und mir die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Aber nein, ich habe noch einiges vor, viele schöne Stationen hinter mir und noch viele schöne Stationen vor mir, also weiter im Programm! Ich kann aber nicht verhindern, dass doch nochmal schlechte Stimmung aufkommt, denn insgesamt verbringe ich an diesem Nachmittag über fünf Stunden in Zügen und an Bahnhöfen und muss dreimal umsteigen, es geht zu einer alten Freundin in der Nähe von Stade. Als ich dann auch noch in Stade den Bus durch eigene Blödheit verpasse – ich stehe im Busbahnhof neben einem Bus mit der richtigen Nummer, in dem der Fahrer Pause macht und warte und warte, dass der seine Pause beendet und währenddessen fährt an der Nachbarhaltestelle mein Bus ab :lol: – und so erst bei Dunkelheit bei der Freundin ankomme, bin ich wirklich und richtig k.o und genervt, aber das Abendessen, der leckere Rotwein aus Minden und Gespräche mit der lieben alten Freundin entspannen ungemeinst.

Am nächsten Morgen heisst es früh aufstehen, sehr früh aufstehen, denn die liebe Freundin muss arbeiten und so geht es schon bei Sonnenaufgang los Richtung Pferdestall. Allerdings machen wir davor noch einen kurzen Abstecher Richtung Deich. Dieser Sonnenaufgang, blauer Himmel, schweinekalte Luft, das platte Land, unendliche Weite, in der Ferne die Elbe, dafür hat es sich wirklich gelohnt aufzustehen! Ich bin begeistert, wirklich sehr. Obwohl ich mich eindeutig im Süden zu Hause fühle, fehlt mir diese uneingeschränkte Sicht, nicht von Bergen, von Häusern oder von sonstirgendetwas versperrt, manchmal doch sehr.

Ich verbringe dann den Vormittag im Pferdestall, ich schaue der lieben Freundin beim Arbeiten zu, schwelge in Erinnerungen an meine eigene Kindheit im Pferdestall und an die Zeiten, die wir beide früher zusammen im Stall verbracht haben, zwischendurch darf ich mit anpacken und ein Pferd longieren und vor allem tue ich eines, nämlich frieren.

Mittags bringt mich meine Freundin dann zum Bus und prompt zeigt sich, dass die  Haltestelle vor ihrem Haus erstens die falsche Haltestelle ist, es muss wohl irgendwo noch ein Schulzentrum geben und zweitens gibt es diese Haltstelle  Schulzentrum zweimal auf dem Fahrplan, so dass schwer zu erkennen ist, welche Abfahrtszeit denn nun die richtige ist. Landleben! So warte ich eine halbe Stunde länger auf den Bus, verfluche das Landleben und die Hersteller von Bushaltestellen auf denen nirgendwo geschrieben steht, um welche Haltestelle es sich eigentlich handelt. Versuch mal einen Fahrplan zu lesen ohne zu wissen, wo Du Dich befindest, haha, guter Witz! Es folgt eine weitere vierstündige Odysee mit Bus und Bahn und etlichen Mal umsteigen, zuerst nach Stade, dann nach Hamburg, dann noch weiter Richtung Norden, alles mit meinem Riesenkoffer. Ich schwöre, an diesen beiden Tagen hat es mir mit Bus und Bahn so sehr gereicht, dass ich schon der festen Überzeugung war, mein Bedarf für die gesamten zwei Wochen sei gedeckt und ich könne eigentlich auch gleich nach Hause fahren. Glücklicherweise ging aber dann an allen darauffolgenden Tagen alles gut, die Strecken waren kürzer und mit weniger Umsteigen und die Zugfahrerei hat mir nicht mehr wirklich etwas ausgemacht. Oder ich war es einfach nur inzwischen gewöhnt.

Und immerhin, in Hamburg hatte ich etwas Zeit zum Umsteigen, bin einmal die Einkaufsstrasse gegenüber vom Bahnhof langgelaufen, hab Hamburg-feeling eingeatmet und in der Sonne einen Coffee to go mal wieder genossen. Und immerhin, ich hatte ja noch etwas ganz Tolles vor, denn an meinem Zielort wartete schon Frau Lottea auf mich und meinen Riesenkoffer, ich wurde mit Exklusiv-Service nach Hause geleitet, musste den Koffer nur ein einziges Stockwerk hoch schleppen ;) und dann haben wir den ganzen Abend geredet. Soviel Zeit war seit unserem letzten Treffen vergangen, es gab wirklich viel zu besprechen. Irgendwann haben wir unsere Besprechung dafür unterbrochen, um eine Suppe für die gesamte Familie Lottea mit allen Gästen des Hauses zu kochen, danach ging’s nahtlos weiter.

Frau Lottea und ich, wir mussten zuerst überlegen, wie lange wir uns nicht gesehen haben. Das hat einige Zeit gedauert, das Überlegen, denn schließlich sind wir zu dem Schluss gekommen, dass es vier Jahre waren. Vier Jahre, die sich aber bereits nach wenigen Minuten anfühlten wie gestern. Danke meine Liebe, es war wunderbar, es war wie früher – oder sogar noch besser und es hat sich angefühlt, als wären diese vier Jahre gar nicht da gewesen. Schön, wenn man solche Freunde seine nennen darf, mit denen man immer wieder da anknüpfen kann, wo man davor aufgehört hat, egal wie viel Zeit und wieviele Kilometer dazwischen sind. Danke!

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Reisetagebuch – Der dreizehnte Tag
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16 Kommentare zu „Anskus Deutschlandreise“

  1. Schussel, aber unbedingt!

    Wortman, ja ich habe Urlaub und ich habe drei Wochen dafür eingeplant. Nach einem dreiviertel Jahr Studiumabschluss, find ich, hab ich mir das verdient. 😀

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