Wenn‘s am schönsten ist

Es geht ja immer so auf und ab mit diesem alleine-leben-Dingsi. Es gibt gute Zeiten, da bin ich sehr glücklich über meine Freiheiten, auf niemanden Rücksicht nehmen zu müssen, alles tun zu können was ich möchte. Und dann gibt es nicht so gute Zeiten, da ist das alleine leben eben… alleine. Leer. Einsam. Solche Phasen gibt es, sie ziehen auf und ziehen wieder vorbei. Ich bin nicht einsam, ich habe wundervolle Freunde, aber das schwierige an wundervollen Freunden ist, dass man sich eben auch von Ihnen manchmal (kurzzeitig) trennen muss. Und zwar genau dann wenn es am schönsten ist. Und dann ist man wieder alleine.

Wir hatten einen wunderschönen Tag, ich und meine Freundin und ihr Mann. Ein furchtbar leckeres Frühstück, raus in die Sonne, Spazierengehen, gute Gespräche, Eiskaffee in der Sonne, das Frühlingsgrün, das Glitzern des Wassers, das umwerfende Blau des Frühlingshimmels, Lachen, Fliederduft, tiefes Verstehen. Am Abend fahren wir nach Hause, der Abschied naht, und je mehr wir uns dem Haus nähern, merke ich wie mein Herz schwer und schwerer wird, obwohl es doch eigentlich leicht ist nach all diesen schönen Erlebnissen. Ich spüre, wie sich mein Magen ein wenig zusammen zieht, möchte gerne noch ein wenig diesem wunderbaren Moment festhalten. Ich fürchte mich vor der Leere nach diesem prall gefüllten Tag, ich fürchte mich vor der Stille nach all diesem schönen Zusammen, nach all diesen sonnenverwöhnten Gesprächen. Ich frage mich, warum es gerade in solchen Momenten so schwer ist loszulassen, warum es gerade in solchen Situationen nicht reicht, von den schönen Erlebnissen zu zehren. Mein Kopf sucht nach weiteren unverfänglichen Gesprächsthemen, um den Moment noch ein wenig zu strecken, um den Abschied, das „Mach’s gut, bis bald mal“, die Stille hinter der geschlossenen Tür noch etwas hinauszuzögern. Am liebsten möchte ich betteln: Bitte lasst uns noch zusammen Abend essen. Nur noch 30 Minuten! Wie ein Kind, das nicht ins Bett gebracht werden will, geht es mir durch den Kopf. Ich will ansetzen etwas zu sagen und unterbreche mich selber. Ich bin kein Kind, ich bin erwachsen. Es hat keinen Sinn, die Szene noch künstlich in die Länge zu ziehen, es war ein toller Tag und es ist nun vorbei. Zeit sich zu verabschieden. „Macht’s gut“, sage ich. „Einen schönen Abend noch“, und ich weiß nicht ob ich das auch wirklich so meine. Die Haustür fällt ins Schloss und ich renne das Treppenhaus hinunter, an die frische Luft. Der Knoten in meinem Hals wird ziemlich groß. Hey, denke ich mir, warum jetzt so betrübt, es war so ein schöner Tag? Ich kämpfe weiter gegen den Kloß in meinem Hals an. Ich möchte nicht nach Hause, in die Stille, aber ich gehe dennoch durch den duftenden Park nach Hause. Beim Laufen wird der Kloß langsam kleiner, ich entspanne mich. Ich schließe meine Wohnungstür auf und bin zuhause. Etwas verwirrt und wehmütig und orientierungslos, aber ich bin zuhause. Ich setze mich aufs Sofa und sehe mir im ApfelPhone die Photos an von diesem schönen Tag. Die Sonne, die Frühlingsfarben, das Glitzern des Wassers, ich und meine Freundin lachend vor einem Brunnen. Ich muss leise Lächeln. Nein, ich bin nicht alleine. Aber manchmal ist der Abschied auch am schwersten, wenn es am schönsten ist.

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