Tagebuchbloggen November ’17

Nun habe ich schon einige Zeit lang nicht mehr beim Tagebuchbloggen mitgemacht, aber jetzt reizt es mich mal wieder. Frau Brüllen fragt jeden fünften des Monats: „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“ und recht hat sie damit. Fragt man sich ja selber doch recht häufig.

Mein fünfter beginnt – nimmt man es mit der Uhrzeit sehr genau – um 0:00 Uhr, ich befinde mich im Nachtdienst, strickend und Gilmore Girls sehend. Alles ist ruhig, die Jungs sind in ihren Betten, irgendwann höre ich, wie einer noch im Bad duscht. Es ist die Folge, wo Lorelai und Christopher in Paris spontan heiraten und ich stelle fest, dass seit unserer Rückkehr sämtliche Filme und Serien, die ich ansehe, in Paris spielen und das ist eine große Ungerechtigkeit, hier herrscht nämlich große Paris-Vermisselung. Die Vernunft siegt dann aber doch und auch ich gehe ins Bett. Die Nacht ist ruhig, aber kurz. Ich erwache mal wieder 45 Minuten vor dem Weckerklingeln.

Ich fahre nach Hause, Kaffee an dem Lippen und frisches vom Bäcker im Gepäck. In der Ubahn sitzen mir gegenüber ein Mann und eine Frau, die sich in einer anderen Sprache unterhalten und ich habe mal wieder Gelegenheit, Sprachen raten zu spielen. Leider bin ich scheinbar ziemlich aus der Übung, erst dachte ich ja Italienisch, aber vermutlich geht es eher in die slawische Richtung. Okay, nächstes Mal wieder. Ich steige um und verbringe die restliche Fahrt mit Nachgrübeln, in der Arbeit stehen Veränderungen an, positive und spannende. Darüber fliegen meine Gedanken zur Einladung fürs Klassentreffen, die ich bekommen habe. Hingehen oder nicht? Den aufgeblasenen Grossmäulern 15 Jahre after nochmal die Meinung geigen oder es einfach gut sein lassen. Vergangen, abgeschlossen, interessiert mich nicht mehr? Leider zählt ja dann doch die Neugier zu meinen hervorragendsten Charakterschwächen, ich ahne worauf es hinauslaufen wird und blicke in den Himmel, der noch einige kleine blaue Flecken zwischen den Wolkenfetzen hervorblitzen lässt.

Zuhause angekommen. Ich bin sehr glücklich, als ich endlich meine Wohnungstür aufsperre, die ich vor ziemlich genau 24 Stunden verschloss. Gestern war Umzugsmarazhon des kleinen Bruders und seiner Freundin, von dort aus entschwand ich direttamente zum Nachtdienst. Umso froher bin ich jetzt über ein paar freie Stunden bis zum nächsten Nachtdienst. Doch ich schaffe es gerade einmal, auf dem Sofa bei einer angefangenen Strickjacke die letzten zwei Reihen aufzutrennen, die Nadeln wieder einzufädeln und zwei Reihen zu stricken. (irgendwann musste es mich ja auch einmal treffen: Wolle ausgegangen, Farbe nicht mehr erhältlich, deshalb jetzt weiter in einer anderen Farbe und Streifen beim Übergang). Dann siegen doch die Hummeln im Hintern, es hält mich nicht mehr auf dem Sofa und ich wage einen Blick aufs Konto. Ich muss dringend was an meinem Finanzkonzept ändern, oder dem was eben scheinbar doch kein Finanzkonzept ist, so kann es nicht weitergehen. Also fange ich an, Unterlagen zu ordnen (als erste Maßnahme gleich mal Geld von der Krankenkasse zurückholen!) und Ideen zu sammeln, zwischendurch hier noch ein wenig aufräumen und da noch ein wenig kruschen. Draußen fängt es an zu regnen.

Ich lese mir die Unterlagen zum heutigen Bürgerentscheid in München durch und komme doch zu keinem Ergebnis. Beide Positionen haben ihre Wahrheit, aber welche ist die richtige. Eigentlich aber Ansku, sage ich mir, ist es doch irgendwie bereits klar, wie Du Dich entscheidest. Ich habe Rückenschmerzen und lasse mir eine Badewanne ein, das entspannt etwas. Frischgesäubert will ich mich auf den Weg zum Wahllokal machen. Beim Durchsehen meiner Schminksachen fällt mir auf, dass ich doch einen roten Lippenstift besitze. Ich hatte den völlig vergessen, als ich in Paris zur liebsten Freundin sagte, dass ich keinen roten Lippenstift habe. Mal ausprobieren, oh, gar nicht so schlecht! Mir fällt ein, dass wir von der Reise noch „nacharbeiten“ müssen, wir wollten zwei berühmte Bilder aus dem Louvre nachstellen. Um meinen roten Mund breitet sich ein Grinsen aus und ich beschließe, jetzt einfach so nur mit rotem Lippenstift und ohne sonstiges Make-up zum Wahllokal zu gehen, weil es mir so gut gefällt. Und btw, es ist Sonntag!! Bis ich beim Wahllokal ankomme, bin ich einmal durchnässt.

Mein Essen heute besteht eher so aus Snacks, irgendwie komme ich in letzter Zeit mehr und mehr von den drei Hauptmahlzeiten ab und tendiere zu vier oder fünf kleinen Mahlzeiten. Ich bin mir allerdings nicht sicher wie das entstanden ist: Als magenschonendere Alternative zu drei großen Mahlzeiten oder als Zeichen dafür, dass Essen hier so grad zur Nebensache verkommt, zur „Zwischen-Tür-und-Angel“-Angelegenheit. Auch während des Essens springe ich immer wieder auf, weil mir hier noch etwas einfällt und ich da noch schnell nebenbei… Zuerst gibts ein Croissant, gegen Mittag ein zweites Frühstück mit Rührei und – oh Wunder – nicht versalzen. Ich kann ja prinzipiell recht gut mit Salz umgehen, es gibt nur zwei Dinge, die ich wirklich konsequent jedesmal versalze: Salatsaucen und Rührei. Je. Des. Mal. Also außer heute. Kurz bevor ich das Haus verlasse und wieder in die Arbeit fahre, esse ich noch eine Semmel, das ist die dritte Mahlzeit. Ich bin natürlich zu spät in der Arbeit. Der Kollege übergibt mir, dass drei Jungs noch nicht geputzt haben, zwei von ihnen aber eventuell spät, erst nach 22 Uhr, kommen werden. Das sei ja nicht so gut, das müsse man mal ändern, meint er und ich beschließe für mich, das gleich heute zu ändern und die Jungs anzurufen, damit sie etwas früher kommen. Das mache ich dann auch. Draußen ist es schon wieder dunkel.

Ich telefoniere über eine Stunde lang mit meinem besten Freund, wir haben uns seit Juli nicht gesehen und nicht gehört, seit er wegzog aus München und es ist grandios. Es gibt viel zu erzählen. Danach setze ich mich mit einen Seufzer an den PC und fange doch endlich an, die beiden Berichte (fertig) zu schreiben, die ich seit Wochen vor mir herschiebe. In der Arbeit komme ich nie dazu. Zwischendurch überkommt mich der Hunger, ich mache mir einen Salat (Liebe Kollegen, das mit den Ölflecken im Übergabebuch war ich. Tut mir ehrlich Leid!) und eine aufgewärmte Gemüsesuppe (vierte Mahlzeit). Der Jugendliche kommt heim zum Putzen, früher als erwartet, und oh warte, jetzt sollte ich schnell erstmal mein schmutziges Geschirr in der Küche wegräumen…

Irgendwann sind dann wirklich alle Putzdienste erledigt, alle Berichte fertig (oder so fast, öhöm…), alle Gelder ausgezahlt und alle Anskus… äh, Jungs müde und im Bett. Der Tag endet, so wie er begann: auf einem Schlafsofa im Büro einer Jugendhilfeeinrichtung in einem kleinen alten Häuschen irgendwo in München, wo Kühlschrank und diverse andere Elektrogeräte mich mit ihrem sanften Surren in den Schlaf geleiten.

Mehr Tagebüuchbloggereien finden Sie wie immer bei Frau Brüllen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s