Stresstest

Woran ich als erstes merke, dass es Zeit für einen Urlaub ist? Ich habe deutlich weniger Geduld mit den Jugendliche, deutlich weniger Geduld für unsinnige Diskussionen um Betreuungsgespräche, Geld, Dinge die einfach feste Konstanten und nicht diskutabel sind. Leider machen Diskussionen einen großen Teil meines Jobs aus, sie gehören zur pädagogischen Arbeit. Teilweise sind es Diskussionen um Dinge die verhandelbar sind, da diskutiere ich auch gerne und ich glaube meine Jungs kommen bei diesen Diskussionen auch immer ziemlich gut weg. 😉 Teilweise sind es aber auch Diskussionen um Dinge, die nicht verhandelbar sind. Das wäre zum Beispiel das Thema, dass es einmal die Woche einen festen Termin mit der blöden Betreuerin gibt, dieser Termin ist Pflicht und entfällt auch nicht dadurch, dass man jetzt eine Ausbildung angetreten hat. (Natürlich kommen die Jugendlichen auch außerhalb dieses Termins zu uns, wenn sie etwas brauchen, aber es gibt eben einen festen Termin, denn gerade unsere Azubis bekämen wir sonst vermutlich wochenweise gar nicht zu Gesicht.)

Nun haben Jugendliche ja immer so einen siebten Sinn für Stimmungen ihrer Betreuer und somit steigt immer dann, wenn sowieso alles ein wenig zuviel, ein wenig zu stressig und ein wenig zu anstrengend ist, der Anteil der unsinnigen, unverhandelbaren Diskussionen exponentiell, während sich gleichzeitig die Länge meines Geduldsfadens proportional dazu  verkürzt. Ich versuche mich irgendwie so gut es geht zusammenzureißen, aber meistens gelingt es mir nicht und ich reagiere sehr anders als ich das unter normalen Umständen in derselben Situation tun würde. Vor allem aber reagiere ich dann nicht so wie es mein professioneller Anspruch an mich selbst wäre. Einfach weil die Kraft nicht mehr reicht und ich keine Energie mehr habe, zum 184sten Male dieselbe Leier herunterzubeten. Normalerweise kann ich das ohne Probleme ab, jaja, das gehört zu meinen Job, no problem. Zur äußersten Not nehme ich meine Ansage auf Band auf und spiele es dem Jugendlichen 184 Mal ab. 😉 Aber grundsätzlich ist das etwas, was halt dazugehört. Nur eben nicht in solchen Situationen, da gehen mir dann schon in kürzester Zeit die Worte, die Argumente, aber auch das Verständnis und last but not least eben auch die Geduld verloren. Ich versuche dann immer ruhig zu bleiben und lieber zweimal als einmal durchzuatmen, bevor ich ansetze den Jugendlichen einen Kopf kürzer zu machen dem Jugendlichen eine Ansage zu machen. Es. Ist. Verdammt. Schwer. 

Leider ist mir sowas jetzt schon häufiger passiert und ich fühle mich mit solchen Situationen sehr unwohl, weil die Jugendlichen ja nichts für meine Situation können und weil ich auch unter Stress natürlich gerne trotzdem irgendwie (pädagogisch) handlungsfähig bleiben möchte. Es kommt natürlicherweise vor, dass man mal überarbeitet/ gestresst etc. ist, auch über eine längere Phase. Natürlich wäre Urlaub in solchen Momenten die Lösung, der lässt sich aber leider nicht immer und jederzeit aus dem Hut zaubern. 

Eine wirkliche Strategie um bis zum Urlaub zu überleben hab ich noch nicht gefunden, aber hey, bis zum Urlaub ist es jetzt erstmal nur noch eine Woche lang. 

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