Ein Tisch voller guter Dinge

So ein Tisch in einer Wohnung verkommt ja meistens zur bloßen Ablagefläche. Man kommt nach Hause, die Tasche entweder in die Ecke gepfeffert oder mal eben schnell auf dem Tisch abgeladen. Küchenutensilien, Papiere, alles wofür man/ frau gerade keine Hand frei hat, alles was „später“ noch zu erledigen ist, wofür man jetzt halt gerade keine Lust hat, es aufzuräumen, landet auf so einem Tisch. War der Tisch morgens noch leer, sauber und aufgeräumt, so ist er spätestens abends keines mehr von dreien. Ich glaube ja, Tische sind heimliche Magneten, nur dass sie nicht nur metallische Dinge anziehen, sondern einfach… alle Dinge. 

Gestern Abend wuselte ich durch die Wohnung, machte mir rasch etwas zu essen und sah nebenbei im Fernsehen „Sing meinen Song“ mit Paddy Kelly. Kindheits-Flashback galore. Auf dem Weg vom Sofa zur Küche fiel mein Blick nebenbei auf den mal wieder viel zu vollen Tisch und ich rollte innerlich mit den Augen und dachte mir, dass es dann wohl schon wieder Zeit wäre das Chaos zu lichten. Also aufzuräumen. 

Dann sah ich nochmal hin. Und nochmal. Und da fiel es mir auf: Auf dem Tisch befanden sich zwar die unterschiedlichsten Dinge, die da nicht hingehören, aber (fast) alle Dinge, die sich auf dem Tisch befanden, hatten etwas gemeinsam: Es sind Dinge, die mich glücklich machen, Hobbyutensilien, Kram der mich erdet und der mich auch in gewisser Weise ausmacht: 

Meine beiden Nähmaschinen, daneben Stoffe und Schnittmuster für nächste Nähprojekte, für die ich nie Zeit habe. Neue Sportswear, Blumen – eine ganz dunkle Pfingstrose die meine Mama extra für mich aufgetrieben hat (!), Kopfhörer für tolle neue Musik, rechts das Brotbackbuch, links gegenüber unter dem Geschirrtuch eine Schüssel mit angesetztem Vorteig für den nächsten Tag und ein Tablett mit Sprossen zum Selberziehen für mein Lieblingsbrot. Ganz am Rand vorne ein Sprachführer, denn ich bin nächste Woche ein paar Tage in Rumänien und seit ich Sprachwissenschaft studiert habe, kann ich nicht mehr in ein Land fahren, ohne mich wenigstens ein Minimum in der Landessprache verständigen zu können. Aus Gründen fühlt sich das für mich sehr komisch an, deshalb kaufe ich meistens vor einer Reise einen kleinen Sprachführer. 

Nähen, Musik, Sport, (Brot) backen, Blumen. All das sind einige der Dinge, die mich derzeit glücklich machen, die mich zur Ruhe kommen lassen und mich als Ansku auch beschreiben, dachte ich. Was für eine schöne Sammlung. Ich stand da und betrachtete den Tisch mit all den Dingen und plötzlich hatte ich es gar nicht mehr so eilig mit Aufräumen. 

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