Leseempfehlung!

Tolle Gedanken und toll geschrieben. Unbedingt lesen!

Diese Paradoxie, die macht mich auch manchmal ganz irre. Ich sitze in einem Büro, habe einen sicheren, relativ gut bezahlten Job, der mir obendrein noch Spaß macht. Die Sonne scheint durch das offene Fenster, die Vögel zwitschern, die Kirchenglocken läuten. Kaum vernehmbar höre ich den Stadtlärm im Hintergrund, es ist eine ruhige, nette Wohngegend hier. Ich bin ziemlich glücklich und zufrieden, während gleichzeitig anderswo auf der Welt das Chaos tobt, Menschen im Krieg sterben, Menschen verhungern, Menschen im Mittelmeer ertrinken, Menschen um ihre Angehörigen trauern.

Ich habe mir so und so oft vorgenommen, mich wenigstens irgendwo ein wenig politisch zu engagieren, aber daraus ist auch nie was geworden. Ich tue ja in meiner Arbeit schon was für die Gesellschaft, beruhige ich mich selber dann oft, irgendwann mal muss ich auch an mich denken, irgendwann auch meine Energiereserven auffüllen, irgendwann reicht es. Reicht es wirklich?

Und dann verfalle ich doch immer wieder dem Gedanken: Was kann ich schon ausrichten? Ich weiß ja noch nicht einmal, wo ich anfangen soll, in welchem Verein, gar noch welcher Partei ich mich engagieren sollte. Wer spiegelt meine Interessen und Wünsche, ist es nicht irgendwo auch schon egal, weil eh alles auf das Gleiche hinausläuft und ich sowieso nichts ändern kann? Ich kann in meinem kleinen Kosmos versuchen, „gut“ zu leben. Ich kann möglichst regional, saisonal, verpackungsfrei und nachhaltig einkaufen. Ich kann in meinem Umfeld, in meinem täglichen Erleben, gegen Not und Ungerechtigkeit kämpfen. Irgendwann reicht es, ich kann nicht die Welt retten, ich kann sie nur ein kleines bisschen besser machen. Reicht es wirklich?

Ich habe am Wochenende einen Artikel in einer älteren Brigitte gelesen. Es ging um’s Aussteigen, um Bewusstheit, um Auszeiten und um Achtsamkeit. Letzten Endes kam dabei heraus, dass es gar nicht so sehr darum geht, wirklich auszusteigen und nichts zu tun, denn selbst wenn wir nichts tun, haben wir immer noch Pläne und Listen, was wir denn jetzt alles tun müssen, wo wir endlich mal nichtstun müssen. Es geht viel mehr darum, den Dingen die wir tun, mehr Aufmerksamkeit zu schenken, statt ständig drei Dinge gleichzeitig zu tun, währenddessen noch etwas zu essen und noch schnell das Smartphone zu checken. Die Dinge mit Hingabe zu tun, wie es in dem Artikel bezeichnet wurde.

Dieses Ding mit der Hingabe, das hat mich beschäftigt. Vielleicht bräuchte es nur eine Veränderung des Blickwinkels. Vielleicht ist politisches Engagement unter einem anderen Blickwinkel betrachtet ja gar kein Zeit- und Ressourcenfresser mehr, sondern mit Hingabe getan eine Bereicherung?

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