Jungssprech

Ich arbeite jetzt mit „großen“ Jungs, Jungs die schon ein paar Jahre in Deutschland sind. Jungs die mehr mitbekommen, mehr verstehen, mehr Erfahrungen gesammelt haben. Zum Beispiel im Asylverfahren. Und sie bekommen viel mehr mit, als man denken mag. Die Anschläge in Kabul, Nürnberg, Abschiebung, Abschiebestopp. Das war ein großes Thema diese Woche und es brauchte lange, um zu beruhigen, zu trösten, den Fokus wieder auf andere Dinge zu richten. Soweit die Kollegin und ich überhaupt beruhigen konnten, wenn so vieles so sinnlos erscheint, weil doch immer die Furcht da ist, eh wieder zurückgeschickt zu werden. Wenn wir darauf hinweisen wollen, was sie alles schon erreicht haben, wie viel (Deutsch, aber auch andere Dinge) sie gelernt haben und wir nur die Antwort bekommen: „Was bringt uns denn Deutsch in Afghanistan?“ Wenn wir sagen, dass unsere Jungs jung und fit und stark und schlau sind und mir entgegnet wird: „Ich bin nicht stark, all dieser Stress, diese Ungewissheit macht mich krank“. Wenn sie mit ernster Miene fragen: „Warum sagt Frau Merkel zuerst, wir dürfen kommen und jetzt sagt sie, wir müssen wieder gehen…?“

Irgendwann gibt’s kein Trösten mehr. Irgendwann gibt’s nur ein Da-Sein, ein Aushalten. Will I ever learn? 

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