Muttertag

Für meine Mutter war letzten Sonntag das Schönste am Muttertag, dass sie ihre Kinder um sich herum hatte und uns bekochen durfte. Alle Versuche, ihr den Kochlöffel aus der Hand zu nehmen und sich bekochen zu lassen, weil es ist ja schliesslich Muttertag!!, scheiterten. Nun sind bei uns die Voraussetzungen für den Muttertag und speziell für diesen Muttertag etwas anders: Meine Mutter hat keine kleinen Kinder mehr und außerdem sind durch unsere derzeitige Familiensituation die Gelegenheiten, zu denen sie überhaupt noch für die Familie kochen kann, selten. Also gab ich es nach dem etwa zehnten Versuch auf und überließ sie glücklich ihrer Küche. Das Essen war großartig, eben wie bei Muttern. 😉 

Parallel dazu las ich die Tage im Netz wieder jede Menge Muttertags-Bashing. Der Muttertag gehöre abgeschafft, der Muttertag sei verlogen und überhaupt: nur einmal im Jahr die Mutter zu ehren, pfui. Beim Lesen fragte ich mich immer wieder: Wer macht sowas? Um nicht missverstanden zu werden: Ich bezweifle nicht, dass es Familien gibt, in denen es so läuft, was ich aber stark bezweifle ist, dass es nicht in diesen Familien dann auch noch andere und vor allem hervorstechendere Baustellen gibt als den Muttertag. 

Es wurde statt Blumen die Erfüllung politischer Forderungen gewünscht, wo ich mich schon immer fragte, warum es hier ein entweder oder geben muss. Ich bin wirklich auch sehr für Gleichberrchtigung und für bessere Chancen für Mütter am Arbeitsmarkt, aber das eine ist ein politisches Statement und Blumen sind ein privates Statement, wenn man so will. Eine nette Geste einfach. Beides läuft also auf verschiedenen Ebenen und kann somit meiner Ansicht nach bedenkenlos nebeneinander existieren, ohne sich gegenseitig den Wert zu schmälern. Man kann politische Forderungen aussprechen und sich trotzdem gleichzeitig über selbstgebastelte Geschenke und ein wenig Wertschätzung freuen, wie hier bei Das Nuf dargestellt. 

Es wurde wieder gesagt, ich brauche keinen Muttertag, ich möchte dass meine Arbeit jeden Tag wertgeschätzt wird. Und auch wenn es natürlich auch noch 364 weitere Tage im Jahr gibt, an den die Mütter „geehrt“ werden sollten, let’s face the facts: Viel zu vieles geht im Alltagsstress unter, viel zu vieles bleibt im Spagat zwischen den zehn verschiedenen Hochzeiten, auf denen wir alle tanzen unter, und aus diesen Grund finde ich sämtliche Feiertage und Rituale enorm wichtig. Zum Innehalten für alle, nicht nur die Mütter. 

Es wurde wieder geschimpft über die Mütter, die am Muttertag brav bei der Familie bleiben, während die Väter am Vatertag durch die Lande ziehen. Und ich blickte hoch und sah, wie meine Mutter glücklich in ihrer Küche herumwirbelte, froh darum – eben in unserer speziellen Situation – endlich einmal wieder Mutter sein zu dürfen. Und da dachte ich mir, warum nicht einfach jede Mutter ihren Muttertag so feiern darf, wie sie es sich wünscht. Mit der Familie oder mit Zeit für sich. Mit Blumen oder mit politischen Statements oder mit beidem. Aber immer mit Wertschätzung und Liebe. 

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