28. April

Ich war fünf Tage in Meran. Eigentlich hatte ich mir einen Chill-Lese-Relax-Urlaub vorgenommen, gekommen ist es dann anders. Ich hab die Wanderslust für mich entdeckt, aber das ist ein anderes Thema und einen Extra-Blogpost wert. 

Dementsprechend hatte ich viel zu viel Gepäck dabei, in erster Linie Bücher und Strickzeug, und erst in zweiter Linie wettergeeignete Kleidung. Nun ja. Das Wetter war dann auch nur teilweise (Samstag und Sonntag) geeignet, den Rest der Zeit eher ungeeignet. Also zog ich am ersten verregneten Nachmittag auf einen Erkundungsgang durch die Cafés und Geschäfte (Gottseidank durch die Laubengänge überdacht). Der geneigte Leser ahnt das Ende der Geschichte: Der erste Laden, in den ich hineinstolperte, war ein Wolladen, der zweite ein Buchladen. 

Im Buchladen fand ich dann einen unglaublich spannend klingenden Südtirol-Krimi und nun ja, es passte ja irgendwie zum Setting. Um die Südtiroler Seele also noch besser zu verstehen, musste das Buch mit. Ungeachtet, der zwei dicken Wälzer, die noch im Hotel auf mich warteten. 

Ich fing an zu lesen. In dem Krimi geht es um ein Drama, einen grausamen Dreifachmord, in einem Südtiroler Bergdorf. 30 Jahre wurde über diese Tragödie geschwiegen, bis ein junger Drehbuchautor eingeheiratet neu in das Dorf kommt und anfängt, sich für diese Geschichte zu interessieren. Ich las also, irgendwann kam ich zu der Stelle, wo die Hauptperson sich von Zeugen erzählen lässt, was diese noch über das Drama am Bletterbach wissen. Ich las und las und plötzlich stockte ich über ein Datum: Die Geschichte spielte am 28. April vor dreißig Jahren. Ich musste mich kurz kneifen, kurz überlegen und mein Gedächtnis sortieren. Welches Datum war heute? Richtig, der 28. April, allerdings 2017, nicht 1983. Ich musste einmal tief durchatmen, dieser Zufall verlieh der Geschichte gleich etwas noch gruseligeres. Sowas ist mir noch nie passiert, dass ich ein Buch am gleichen Datum lese wie das Datum in der Handlung, und es war in diesem Fall sehr spooky, es fühlte sich gleich viel realer an. Ob es nur mit der Tatsache zusammenhängt, dass das Buch ein Krimi war? Um diese Frage zu beantworten, wäre wohl eine Gegenprobe nötig. Mal sehen. 

(Nebenbei übrigens eine schöne Schilderung sämtlicher Symptome einer PTBS, stellenweise wohl auch etwas literarisch übertrieben, aber durchaus mit einem wahren Kern. Sehr lesenswert!) 

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4 Kommentare zu „28. April

  1. Zufälle gibt’s… Ich musste jetzt beim Lesen sofort daran denken, wie ich einst völlig überrascht feststellte, dass es von Eppu Normaali, mit deren Songtexten mir der liebste finnische Freund nach meinem allerersten Winter in Finnland und meiner Rückkehr nach Deutschland weiterhin geduldig Finnisch beibrachte, ein Lied namens „Viides toukukuuta“ gibt. Wo wir uns doch an einem 5. Mai voneinander verabschiedet hatten! (Und ja, das war damals seeeehr traurig, weil ich nicht wusste, ob ich jemals wiederkommen würde.) Und jetzt guck dann mal, was heute für ein Datum ist!

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