Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne

Eine Twitter-Bekannte berichtet gerade von ihren Veränderungen im Job und dem Aufwind, den die Veränderung ihr bringt. Ein neues Projekt, eine neu zu eröffnende Einrichtung, diese ganze Aufbau- und Planungsphase. Viele Ideen, viele Pläne, viele Gestaltungsmöglichkeiten. Auf der anderen Seite eben dadurch auch viel Arbeit, aber hey! diese Arbeit macht so viel Spaß, dass es kaum noch als Arbeit zählt. Ich kann mich noch sehr gut an unseren Anfang erinnern und gerade jetzt, zum Ende unserer Einrichtung waren die Erinnerungen an den Anfang sehr lebendig. Ich kann mich noch zu gut an das begeisterte, beinahe euphorische Gefühl erinnern. Wir haben die Einrichtung beinahe als Baustelle übernommen, wir haben geschuftet, geschaffen, improvisiert und es war großartig. Es hat uns erst so richtig zusammengeschweißt. Zig Überstunden, kaum ein Tag frei, aber die Arbeit machte so viel Spaß wie nie zuvor. So erzählt meine Bekannte und so war es auch bei uns. Oft blieben wir sogar nach der Übergabe an den nächsten Dienst noch, um zu reden, zu planen, uns auszumalen wie alles einmal fertig aussehen würde. Unsere, UNSERE eigene Einrichtung, unser Haus in dem wir endlich alles so gestalten konnten wie wir es uns vorstellen. Es sollte die beste Jugendhilfeeinrichtung in der Stadt werden, das war unser erklärtes Ziel, und das wurde es in gewisser Weise auch. 

Ich habe sogar schon einmal geschrieben, was Routine mit mir macht, jetzt gerade aber denke ich dabei etwas weniger an meine eigene berufliche Entwicklung und mehr an diese Aufbruchstimmung, den Neuanfang, das große neue Projekt. Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, ist es nicht so? Ja, für mich war es so. Ich vermisse das sehr, in meiner Erinnerung war gerade das zweite Halbjahr meines ersten Berufsjahres, die Zeit nach dem Umzug also, die glücklichste Phase meines bisherigen Arbeitslebens. Trotz der vielen Überstunden – oder gerade weil? Ich funktioniere am besten unter Druck, ich mag das Besondere, das Herausfordernde, ich mag es sogar, nie zu wissen was passieren wird, wenn ich heute in die Arbeit komme. Ich mag das Improvisieren, schnelle Lösungen finden, wenn das neue XY halt doch erst in zwei Wochen geliefert wird. Aber irgendwann nach einigen Monaten des Aufbruchs, des Ausprobierens, des Planens war halt doch einmal alles eingerichtet, sogar das Fax funktionierte nach einem unglaublichen halben Jahr. Alles war mit der Zeit eingespielt, die Abläufe, die Dienste, der Alltag. Die Überstunden wurden weniger, die Euphorie wich der Routine. Wenn es etwas gibt, was mich lähmt, tot macht, dann ist es Alltag, Routine. Routine macht mich müde, macht dass mein Kopf nur zu 60% funktioniert. Und so denke ich gerade – aus aktuellem Anlass – doch etwas wehmütig zurück an die Anfänge, an den Anfang, dem so viel Zauber innewohnte, durch ich den aber auch ein paar meiner allerliebsten Menschen kennengelernt habe. Aber die Menschen, die bleiben ja, Gottseidank.

(So, und wo finde ich nun einen Job, in dem ich jedes halbe Jahr eine neue Einrichtung eröffnen kann? 😉 )

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