Auf allen Ebenen

Ich finde sehr spannend zu beobachten, dass wenn es in meinem Leben ein bestimmtes, mitunter auch schwieriges Thema gibt, dass sich dieses Thema immer wieder gerne auf allen Ebenen durchzieht. Privat, beruflich, im Freundeskreis, gesellschaftlich… Immer wieder erlebe ich, dass ich – völlig zusammenhangslos – auf mindestens zwei verschiedenen Ebenen, in zwei verschiedenen Lebensbereichen mit dem Thema konfrontiert werde. Derzeit also Trennung, die Trennung meiner Eltern, die – nun ja, altersentsprechend – an sich kein wirklich schlimmes Thema wäre, weil sowohl ich als auch das Bruderherz inzwischen erwachsen und selbstständig sind. Leider ist es halt doch ein Thema, weil – nun ja – erstens man sieht halt auch als erwachsenes Kind die engsten Familienangehörigen nicht gerne leiden und zweitens, so friedlich wie wir uns das alle vier (!) anfangs vorgestellt und erhofft hatten, läuft es in der Realität (zumindest derzeit) dann halt doch nicht ab. Man ist auch als erwachsenes Kind nie zu alt, wie schon gesagt …. 

Fast gleichzeitig ist es mir jetzt aber auch passiert, dass ich beruflich zum ersten Mal mit einem Jungen zu tun habe, dessen Eltern sich trennen. Unbegleitete Flüchtlinge und Eltern, das ist natürlich immer ein schwieriges Thema, weil die Eltern sind in 98% der Fälle eben nicht da. Weit weg, im schlimmsten Fall auch verschollen oder verstorben oder es ist schlicht aus organisatorischen Gründen nicht möglich, zu ihnen Verbindung aufzunehmen. Eltern sind also immer ein Thema, mal mehr, mal weniger, mal offen und sehr schmerzvoll, mal eher still, leise und verborgen, aber dass ein Jugendlicher von der Trennung seiner Eltern berichtet, daran kann ich mich in drei Jahren Berufserfahrung nicht erinnern. Und das passiert jetzt, wo ich auch privat mit dem Thema konfrontiert bin. 

Das ist tatsächlich nicht das erste Mal, dass dieses Phänomen mir begegnet. Anscheinend muss ich ein Thema immer gründlich durchkauen, es von allen Seiten und auf allen Ebenen beleuchten, um es dann wirklich als abgearbeitet markieren zu können. Ich habe das schon öfters bemerkt und falls sich jemand noch an den Vorfall mit dem Jugendlichen in der Arbeit erinnert, mit dem ich letztes Jahr konfrontiert war, auch da gab es einen Aspekt, einen Moment, wo der Junge eines meiner ganz eigenen Themen gespiegelt hat. Zunächst war mir das völlig unbewusst, deshalb hat mich die Sache zunächst auch so mitgenommen. Als dann dieser eine Aspekt, der mein Thema so sehr spiegelte, herausgearbeitet war, das Thema offen auf dem Tisch lag, ging es mir auch schlagartig mit dem Geschehenen besser. 

Wahrscheinlich muss das so, wahrscheinlich zieht man, wenn man selber mit einem Thema beschäftigt ist, auch Personen mit demselben Thema an. Anstrengend ist es trotzdem manchmal. Anstrengend, intensiv, aber auch sehr lehrreich. 

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