Warum ich Geschenke so sehr liebe

Mich regt ein bisschen die Abschaffung von schönen Ritualen allerorts auf. Ständig kommt jemand daher und erklärt mir: Ja, WIR schenken uns dieses Jahr (und die Jahre zuvor und die nächsten zehn Jahre auch) nichts, weil wir haben ja schon alles und Weihnachten geht’s ja nicht um die Geschenke und Zeit miteinander verbringen und bla bla bla. Irgendwie macht mich das immer so traurig, diese vollkommen übersättigte Wohlstandsgesellschaft, in der scheinbar nicht einmal mehr Platz ist für ein kleine (!) liebevoll (!) ausgesuchte Aufmerksamkeit. Denkt Ihr, dass die Leute die sich etwas schenken nicht auch Zeit miteinander verbringen wollen? Dass es uns nicht um den Geist von Weihnachten geht? 

Wir haben uns gegenseitig etwas geschenkt und es war ein wundervolles Weihnachten. Schon Tage zuvor habe ich mich wie ein kleines Kind auf die Gesichter meiner Lieben gefreut, denn obwohl vieles bekannt war, war auch die eine oder andere Überraschung darunter. Das Aussuchen, das Einpacken, dann den vollen Karton zu meinen Eltern bringen, all das hat mir riesigen Spaß bereitet. Es war für mich (bis auf einmal, als ich für das Geschenk meines Bruders die halbe Innenstadt abgelaufen bin, weil es nirgendwo Puppenmöbel (die ganze Geschichte s.u.) gab) kein Stress, ich musste nur an die Bescherung und die schöne, vorfreudige, aufgeregte, Neugierige Weihnachtsstimmung denken. 

Wir sitzen zur Bescherung alle gemeinsam vor dem Baum, an dem die Kerzen brennen, trinken Sekt und essen eine Kleinigkeit. Dann darf jeder der Reihe nach ein Geschenk auspacken. In den Augen aller blitzen Neugier und Erwartung. Wie wird der Beschenkte reagieren? Was wird er sagen? Das sind Momente, die mir immer lange in Erinnerung bleiben und von denen ich lange zehre. Es geht nicht um das Geschenk, es geht um das gemeinsame auspacken, die knisternde Spannung, die gegenseitige Freude. Das ist für mich einer der schönsten Momente an Weihnachten. Dabei glaube ich durchaus, dass es solche Momente auch ohne Geschenke geben kann. Dennoch ist eine liebevoll ausgesuchte Kleinigkeit für mich einfach ein wunderschöner Ausdruck von Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Und das steht für mich persönlich im Vordergrund, deshalb macht es mir so viel Spaß zu schenken und auch Geschenke zu bekommen. 

Dieses Jahr gab es dabei ein paar ganz besonders schöne Momente: Ich habe meinem Bruder, der bald mit seiner Freundin zusammenziehen will, einen Ikea-Gutschein geschenkt. Um das Geschenk etwas aufzupeppen habe ich lange nachgedacht und dann letztendlich ein paar Puppenmöbel besorgt. Das Set bestehend aus 15 Einzelteilen habe ich in fünf oder sechs Päckchen aufgeteilt und alle meine Geschenke meinem Bruder überreicht mit der Anweisung, das kleinste Päckchen als letztes auszupacken. Mein Bruder packte das erste Päckchen aus: eine kleine Holz-Stehlampe und eine kleine Nachttischlampe. Er muss sehr verdutzt gewesen sein, hat es aber gekonnt überspielt und sich artig bedankt. Bei der nächsten Runde gab es zwei Blumentöpfe, da haben alle bereits schallend gelacht. Dazu kamen ein Fernseher und ein Radio und ab da wurde dann fleißig spekuliert, was das eigentliche Geschenk sein könnte. Es wurde schnell erraten, aber den Spaß, den wir beim Auspacken hatten, werden vermutlich alle Beteiligten nicht so schnell vergessen. 

Ich wiederum habe ein Geschenk bekommen, das mich sehr berührt hat, völlig ohne dass die Schenkenden es wissen konnten: Ein Jugendlicher hat einmal vor ca. 1,5 Jahren allen Kollegen eine Kleinigkeit geschenkt, ich bekam dabei so eine Handy-Station und mein männlicher (!) Kollege eine kleine, aber sehr teuer aussehende Handcreme. Wir haben damals sehr gelacht, die Handcreme blieb dann letzten Endes im Büro und wurde vornehmlich von dem weiblichen Teil des Teams aufgebraucht. Es war eine sehr gute Handcreme und ich nahm mir vor, mir diese Handcreme auch einmal zu kaufen. Passiert ist das letztendlich nie, erst habe ich die Creme nirgends gefunden, dann vergaß ich es usw. Als ich jetzt an Weihnachten das Päckchen meines Bruders und seiner Freundin öffnete, war obendrauf noch ein kleines Give away festgebunden, zwei kleine Tübchen. Ich sah mir die Tübchen genauer an und es war genau DIE Handcreme und dazu noch ein Lip Balm. Ich habe mich so sehr gefreut, dass die beiden ohne dass sie die Geschichte mit dem Kollegrngeschenk kannten, kennen konnten, genau diese Firma und diese Creme ausgesucht haben, die ich mir ja irgendwie doch jetzt 1,5 Jahre gewünscht habe. Es war so ein schöner Moment, mein Bruder freute sich natürlich ebenfalls gleich noch mehr als er erfuhr, was es mit er Creme auf sich hatte. Ein echter Zufallstreffer, fast schon ein bisschen magisch. 

So ist das bei uns mit der Magie von Weihnachten. Und wunderschön. 

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