Wunderbares aus der bunten Welt der Sprache und was Sprachwandel mit dem Brexit zu tun hat

Wir fahren durch Finnland, durch die Schäreninseln. Es ist ein leicht bewölkter Sommertag, die Landschaft toll, das Meer wunderbar. Das einzige, was diese perfekte Stimmung trüben könnte, ist der Brexit, der vor zwei Tagen beschlossen wurde und immer noch in aller Köpfe und Munde ist. Plötzlich fragt mein Vater: Ansku, verstehen die Finnen eigentlich die Ungarn? 

Ich fange an zu erklären. Nein, die beiden Sprachen sind gegenseitig nicht verständlich. Die Gemeinsamkeiten beziehen sich lediglich auf einige grammatische Strukturen wie z. B. die Lokalkasus. Und wenn man es weiß, erkennt man bei einigen Wörtern gemeinsame Wurzeln, aber z. B. ‚Baum‘ heißt auf Finnisch puu und auf Ungarisch . Welcher Laie sollte da wissen, dass die mal einen gemeinsamen Ursprung hatten.

Und warum ist das so? Die kommen doch beide aus dem Kaukasus.

Nein, die Urheimat der Finnougrier wird im Ural vermutet. Man geht davon aus, dass das Urvolk vor vielen vielen Jahrhunderten im Ural gelebt hat. Die Finnen sind dann nach Norden gewandert und die Ungarn etwas weiter nach Süden, also ins beutige Ungarn. Und die beiden Sprachen haben sich dann unterschiedlich entwickelt. Das liegt daran, dass sich Sprachen verändern, unterschiedliche Umwelteinflüsse, unterschiedliche Kontakte zu anderen Völkern und Sprachen. Auch so etwas kann Sprache(n) beeinflussen. 

*****

Etwas später, nach dem Mittagessen, wir fahren weiter über Parainen zurück Richtung Turku. Unsere Tour nähert sich dem Ende, leider. Mama schläft. Plötzlich noch eine Frage von meinem Papa: Ansku, warum verändern sich Sprachen?

Schau Papa, Sprachwandel ist ein ganz langsamer Prozess, über Jahrzehnte und Jahrhunderte. Wir zum Beispiel sprechen ja auch schon ein klein wenig anders als zum Beispiel Deine Großeltern. Wir benutzen zum Teil andere Wörter, oder wir sprechen Wörter anders aus. Oder oder oder. Und, das hab ich ja vorhin schon gesagt, wenn Sprachen sich aufteilen in Dialekte oder neue Sprachen und diese neuen Sprechergruppen dann mit jeweils unterschiedlichen Umwelteinflüssen oder anderen Völkern in Kontakt kommen, dann beeinflusst das die Sprache auch nochmal. Das ist wie gesagt ein ganz langsamer Prozess, über viele Generationen. Du kannst Dir in etwa vorstellen, dass das Altenglisch, das ungefähr im Mittelalter gesprochen wurde, noch ganz anders aussah als unser heutiges Englisch. Da gab es noch eine komplette Verbkonjugation, für jede Person ich, du, er, sie, es, wir, ihr, sie eine andere Endung. Nun, davon ist heute ja vieles verlorengegangen. Das geschieht zum Beispiel dadurch, dass Menschen schlampig sind bei der Aussprache oder eben durch Kontakteinflüsse oder oder oder. Von dieser Konjugation ist heute ja nur noch das -s in der dritten Person Singular erhalten, also he do-es und selbst das ist schon teilweise am Verschwinden! In der Jugendsprache, im Slang, in Songs und Raps geht das -s auch schon langsam aber sicher verloren. 

Mein Papa daraufhin, blitzschnell kombiniert:  Also ist das sprachwissenschaftlich nicht so schlimm, dass die Briten jetzt aus der EU ausscheren? Die bringen uns ja eh nicht weiter!

Genau Papa. Genau deshalb. ;-)) 

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