Loslassen 

Sie sagen mir, ich müsse lernen loszulassen, ich solle nicht so an Menschen und Dingen festzuhalten. Manchmal kommt es mir vor, als wäre eher das Gegenteil der Fall. Mein Leben lang mache ich nichts außer loszulassen. Lieben, Menschen, Hoffnungen, Routinen, Dinge, Vertrautes, Sicherheiten, ich war immer wieder gezwungen loszulassen. Sogar in der Arbeit lasse ich ständig los, lasse „meine“ Kinder weiterziehen in die große weite Welt, manchmal höre ich ab und zu von ihnen, oft auch nie wieder. Ich hatte noch nie eine Beziehung, ich habe noch nie gelernt festzuhalten, ich hatte noch nie etwas, was mir gehört. Was soll ich denn noch loslassen, wenn ich mit leeren Händen dastehe? Ich bin so müde loszulassen, ich möchte vielmehr lernen festzuhalten und ich möchte auch einmal erleben, dass jemand oder etwas an mir festhält. Mich festhält. 

Sie sagen mir, ich könne ja meine Gefühle für diese Person behalten, ich müsse nur meine Sehnsüchte loslassen. Aber ist das nicht dasselbe: Gefühle, Hoffnungen, Sehnsüchte? Und kann man wirklich Sehnsüchte loszulassen, wenn dann die Gefühle bleiben, die dennoch so unglaublich stark sind, dass es mir manchmal fast den Atem nimmt? 

Loslassen.

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