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Ich habe jetzt zwei Wochen lang nicht mehr an den Vorfall in der Arbeit gedacht. Heute war ich zum ersten Mal seitdem wieder (offiziell) in der Arbeit. Vielleicht war’s ein etwas unglücklicher, harter Einstieg, denn ich kam an und wir hatten quasi sofort den Termin zur Supervision. Thema: Der Vorfall. Und es war alles wieder da. 

Es war nicht das erste Mal, dass ich Gewalt unter Jugendlichen miterlebt habe oder einen Krankenwagen rufen musste. Zwar noch nicht in diesem Ausmaß, aber ganz neu war die Situation nicht. Ich kann normalerweise mit solchen Situationen gut umgehen, ich kann das relativ gut verarbeiten. Es gehört – leider – neben den vielen wunderschönen Aspekten auch zu meinem Job dazu. Ich habe in zweieinhalb Jahren Berufsleben glaube ich einen guten Abstand und guten Umgang damit gefunden. Und irgendwie war’s für mich auch dieses Mal nach ein paar Tagen gut verdaut, auch wenn der erste Schock groß war. Ich dachte wirklich, ich sei darüber hinweg. Klar wusste ich, es würde unangenehm werden, besonders wenn ich das nächste Mal, das erste Mal „danach“, alleine im Dienst bin und mit dem Bewusstsein, dass so etwas theoretisch jederzeit noch einmal passieren kann. Aber ich hatte das Gefühl, das wird schon irgendwie werden. Wie gesagt, das kommt in meinem Beruf nunmal vor und es kann theoretisch mit quasi jedem Klienten passieren. 

Heute dann kam ich in die Arbeit, wir saßen alle zusammen in der Supervision und meine Kollegen berichteten über den Vorfall, diskutierten strukturelle Änderungen und Verantwortungsbereiche. Ich konnte nicht viel dazu sagen, nicht viel zur Diskussion beitragen, ich durchlebte währenddessen die komplette Situation von vor zwei Wochen noch einmal. Die Bilder, die Geräusche, die quälend lange Zeit, in der ich alleine war. Es war alles wieder da, was zuvor die anderthalb Wochen zuhause nicht da war, wahrscheinlich nur ganz weit weg von mir und gut verdrängt. Ich war nur noch Emotion. Am meisten hat mich die Plötzlichkeit, die Heftigkeit und das Unerwartete überrumpelt, dachte ich doch noch heute morgen zuhause, es wäre alles okay. Und plötzlich saß ich da inmitten meiner Kollegen und hatte das Bedürfnis, nur noch rausrennen oder mich übergeben zu wollen. Ich konnte kaum auf die Fragen meiner Kollegen und des Supervisors antworten, was mir denn jetzt helfen würde, so sehr hat es mich überrollt, wie eine Welle mitgerissen und weggespült. 

Ich habe gottseidank einen guten Supervisor, der sofort eine Diagnose gestellt hat (die mich zwar zuerst erschreckt hat, aber auf der anderen Seite auch gut war, dem Ding einen Namen zu geben), sehr verständnisvolle und liebe Kollegen und gleich morgen einen Termin zur Einzelsupervision. Alles andere kann vermutlich sowieso nur die Zeit heilen. 

(Augen auf bei der Berufswahl, ich sag’s ja immer wieder.)

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