Tagebuchbloggen April ’16

Es ist wieder so weit, Frau Brüllen fragt wie jeden Fünften des Monats „Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?“

Ich wache auf vom Gezwitscher der Vögel draußen, was ja irgendwie schon schön ist, und meiner drückenden Blase, was weniger schön ist und weil <6,5 Stunden Schlaf halt dann doch wieder nicht so schön sind. Aber ich drehe mich nochmal um und dämmere noch etwas vor mich hin, auch wenn die Blase weiterhin ziept und meine Chefin mich im Traum als ich sie etwas wegen der Abrechnung fragen will, in die sie mich heute einarbeiten wird, nur wütend anknurrt: Lass mich schlafen! Dito, aber nein, mein iPhone, äh, Wecker klingelt um 6.45 Uhr. Um es auszustellen muss ich aufstehen und gehe halt dann doch endlich mal auf die Toilette. 

Während ich zwei Becher Kaffee trinke (die Milch musste weg, aber ich gelobe Besserung, echt!!), meinen halben Kühlschrankinhalt für die Arbeit einpacke, in der Hoffnung, dass die gefräßigen Kollegen mich darin unterstützen, den Kühlschrank bis zur Abreise nach LONDON (!!!) morgen leerzufuttern und eine Ewigkeit über meine Kleiderwahl an diesem eigentlich warmen, aber für eine Frostbeule wie mich doch gefährlichen Frühlingstag sinniere, kommt mir eine Konversation mit meinem Opa vom Sonntag in den Sinn: Ich erzählte ihm, dass ich diese Woche Frühdienst habe und um 8.00 Uhr in der Arbeit sein muss. Großes Entsetzen, so früh! Als ich dann erzählte, dass ich dafür um 6.30-6.45 Uhr aufstehen muss, war es ganz aus. In Gedanken gab ich ihm aber dennoch Recht, so ganz meine Zeit ist das gerade auch nicht. Aber anyway, ich fühle mich heute sogar halbwegs fit, die Abrechnung kann kommen. 

Den Weg zur Arbeit verbringe ich mit Bloggen und ein bisschen weinen angesichts der Preise für meine neue Monatskarte. 

Um 8.00 Uhr bin ich halbwegs pünktlich in der Arbeit und mache Übergabe mit der Kollegin vom Nachtdienst. Als diese gegen halb neun das Haus verlässt, komme ich kaum dazu, etwas aufzuräumen und meine ToDos für den Tag zu überblicken, da ist schon meine Chefin da. Ich weise sie dezent darauf hin, wie unfreundlich sie letzte Nacht zu mir war, sie darauf: Wenn Du mich auch mitten in der Nacht mit solchen Fragen störst!

Den restlichen Morgen, ach eigentlich Tag, verbringe ich mit:

  • Wäsche aufhängen und dabei unterbrochen werden – ich weiß schon nicht mehr von was
  • Mir die Abrechnung erklären lassen
  • Dabei gefühlt 1000 Mal vom Telefon unterbrochen werden, u.a. von der Kollegin, die am Mittag einen Arzttermin mit einem Jugendlichen hat, für welchen uns in letzter Minute der Dolmetscher abgesprungen ist
  • Neuen Dolmetscher organisieren
  • Weiter Abrechnung einarbeiten
  • Den Jugendlichen informieren, dass der Arzttermin stattfindet
  • Weiter Abrechnung machen
  • Mich wundern, warum der Jugendliche statt bei Arzt plötzlich bei uns vor der Türe steht
  • Wieder Kollegin über die Planänderung informieren
  • Weiter Abrechnung machen
  • Nochmal gefühlt 1000 Mal vom Telefon unterbrochen werden
  • Die Abrechnung fertig machen 
  • Die angefangene Wäsche fertig aufhängen 
  • Übergabe machen 
  • Die neue Kollegin bitten, ob sie für mich meinen Jugendlichen zum Fussballtraining bringen kann
  • Die neue Kollegin einarbeiten, wie man einen Jugendlichen neu aufnimmt
  • Den neuen Jugendlichen zusammen mit der neuen Kollegin in Empfang nehmen
  • Dabei gefühlt 1000 Mal von wasauchimmer unterbrochen werden 
  • Die Neuaufnahme alleine beenden müssen, weil es schon so spät ist und die Kollegin mit meinem Jungen zum Fußball geht. 
  • Etwas essen
  • Literweise koffeinfreien Kaffee für den Placeboeffekt trinken, aber ich glaub Placebo wirkt nur, wenn man es nicht weiß 
  • Echten Kaffee trinken, weil Placebo nicht wirkt und mein Kopf nur noch Matsche ist
  • Froh sein, dass echter Kaffee wirkt
  • Bürobedarfabestellung vorbereiten
  • Einen Lachkrampf bekommen, weil äü 😉
  • Stellungnahme fürs Jugendamt schreiben 
  • Dabei gefühlt 1000 Mal …
  • Anschreiben für Jugendamt und Vormund dazu verfassen  

Ich verlasse die Arbeit zusammen mit meiner Chefin zu einer Zeit, die ich hier leider nicht nennen darf, da wir sonst Probleme mit dem Arbeitszeitengesetz bekommen würden. Ist es nicht immer so vor dem Urlaub? Wir haben denselben Heimweg und sehen uns beide immer wieder seufzend an: Morgen um diese Zeit… Weil es schon so spät ist und wir beide keine Lust zum Kochen, sondern nach diesem langen Tag einfach nur Lust auf Fett und Fleisch haben, kehren wir auf dem Heimweg noch beim McDonalds ein. Das Gespräch kreist immer wieder um London, um unseren gemeinsamen Urlaub, was wir alles machen wollen. Morgen um diese Zeit…!

Als wir uns im Bus dann verabschieden, ist es schon dunkel. Wir sehen uns an und sagen beide gleichzeitig: Morgen um diese Zeit sitzen wir ja schon im Flieger! Dann müssen wir beide ganz doll grinsen. Morgen! 

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