Themen

Schon spannend, mit welchen Themen man von seiner Umwelt konfrontiert wird, wenn man selber gerade mitten in so einem Thema steckt. 

Montag Abend (nachdem ich dann doch mit dem Auto in die Arbeit gefahren war, alleine, und alles gut ging) meldete sich ein ehemaliger Jugendlicher, der vor ca. zwei Monaten ausgezogen ist. Ich hätte ihm doch beim Abschied gesagt, dass er jederzeit zu mir kommen dürfe, wenn er Probleme habe und ob das immer noch gilt? Ja, natürlich gilt das immer noch. Daraufhin erzählte mir der Junge sehr ausführlich, wie dankbar er sei für all die Hilfe, die er bei uns bekommen hatte. Er fragte mich sogar, ob und wie er etwas jetzt uns zurückgeben könne. Außerdem erklärte er mir, wie wichtig unser Haus und alle Betreuer immer noch für ihn seien, wie tief in seinem Herzen wir alle seien und dass wir immer noch wichtige Gesprächspartner für ihn seien. Um so wichtiger sei es ihm, dass wir wissen, wie dankbar er ist, aber leider sei in der letzten Zeit irgendetwas für ihn in Schieflage geraten. Er habe das Gefühl, dass in letzter Zeit bei seinen Besuchen irgendetwas sich verändert habe, dass vielleicht die Betreuer ihn für undankbar hielten. Ob er etwas falsch gemacht hätte? Auf Nachfrage konnte er dann aber nur zwei konkrete Situationen nennen, die wir dann ziemlich schnell als ziemlich großes Missverständnis entlarvten. 

Ach mein armer kopfkinogeplagter Junge, ich kann dich so sehr verstehen. Ich weiß genau, was in Dir vorgeht, vielleicht mehr als Du selbst. Ich sage Dir aus vollem Herzen, dass Du nichts falsch gemacht hast, dass Du nur genauso gut Kopfkino kannst wie ich in Deinem Alter. Ich versichere Dir, dass all Deine Gedanken und Sorgen, die Du Dir gemacht hast, nur ein Auswuchs Deines Kopfkinos sind und gleichzeitig kann ich Dich so sehr verstehen, weil ich früher – und jetzt auch noch manchmal – genau so bin wie Du. 

Und ja, auch ich kann Situationen heute noch sehr gut „zerdenken“, bis sie nur noch ein auf dem Boden liegendes undefinierbares Knäuel von Gefühlen und Emotionen sind. Ich habe erst einen ganzen Tag lang mir den Kopf zerbrochen über eine Autofahrt von lächerlichen 30 Minuten. Und ich finde es großartig, dass Du gerade jetzt zu mir kommst und mir zeigst, wozu zuviel Kopfkino führen kann. 

Und ja, es ist natürlich einfach, jemand anderem zu sagen, zerbrich Dir nicht deinen Kopf. Und wenn man selber in der Situation steckt, zerbricht man sich eben doch den Kopf. Du über deutsche Umgangsweisen, ich übers Autofahren. Deshalb habe ich Dir gesagt, dass Du anfangen solltest, Deine Gedanken aufzuschreiben, nur für Dich, und sie werden sich ganz von alleine sortieren. Du wirst sehen, es hilft Dir, ich spreche aus Erfahrung. 😉 

Und ja, auch ich habe in dieser Nacht ziemlich mies geschlafen, denn wer mit dem Auto in die Arbeit zum Nachtdienst fährt, muss nach dem Nachtdienst auch mit dem Auto wieder nach Hause fahren. So wie Du in der Nacht davor wegen dieses einen doofen Missverständnisses. Und ich finde es großartig, dass Du ausgerechnet an diesem Abend zu mir kamst und mir auf Deine ganz eigene Art einen Spiegel direkt vor’s Gesicht gehalten hast. 

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