History

Ilewela hat neulich einen Artikel verlinkt, der mich gleichzeitig sehr nachdenklich machte, aber auch gut meine Gedanken zusammenfasste zum Thema Rechtsradilalismus. 

Es wird zwar immer gesagt, dass die derzeitigen braunen Stimmen ja nur die Minderheit sind, die einfach nur momentan besonders laut krakeelen und dadurch große Aufmerksamkeit bekommen. Nebenbei bemerkt: Ich bin bei diesem Thema Aufmerksamkeit ja auch immer zwiegespalten zwischen „Man muss das ernst nehmen, man muss das thematisieren und mit den Leuten reden, damit sowas nicht ausufert“ und „Don’t feed the troll.“ , sprich: „Jede auch noch so negative Werbung (Aufmerksamkeit) ist doch Werbung (Aufmerksamkeit).“

Aber abgesehen davon, auch ich frage mich schon insgeheim schon seit einigen Monaten, warum die breite Masse die laut krakeelende Minderheit so stoisch erträgt. Und hat es damals nicht auch so angefangen, dass eine laut krakeelende Minderheit die stumme Masse einfach überrannt hat? 

Und ja, auch ich frage mich, was ich tun soll, tun kann, tun muss. Und scheitere immer wieder an den Grenzen meines Einflussbereiches. Klar kann ich in meiner kleinen Welt für demokratische Werte, für Toleranz und Offenheit einstehen, aber ganz ehrlich, in meiner kleinen Welt bin ich auch nur marginal mit Rechtsradikalismus konfrontiert (was natürlich schön ist und für meine Fanilie, Freunde, ja für meine ganze Filterblase spricht!). Bisher hab hab ich höchstens mal Personen, die ausländerfeindliche Äußerungen posteten, aus meiner Freundesliste bei Facebook gelöscht. Fertig. 

Ich habe mich auch wie die Autorin des Artikel in der Schulzeit intensiv mit dem Nationalsozialismus beschäftigt, mit Interesse, aber natürlich auch mit Schrecken. Irgendwann aber war im Gegensatz zu ihr bei mir eine Grenze erreicht. Ich fühlte dieses geschichtliche Erbe tonnenschwer auf meinen Schultern, das Thema war in der Schule, in sämtlichen Fächern, aber auch in den Medien omnipräsent, ständig irgendein Gedenktag und ich war es als junge Erwachsene Leid, ständig wieder mit der Nase auf etwas gestoßen zu werden, wofür noch nicht einmal meine Eltern etwas können, mich ständig „schuldig“ zu fühlen, nur weil ich zufällig in diesem Land geboren wurde. Ich empfand das damals so und deshalb habe ich dann irgendwann nach außen die These vertreten, dass ich nicht ständig zurückschauen möchte in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft. Ich möchte meinen Beitrag dazu leisten, dass so etwas nie wieder passiert. Dazu ist natürlich Aufklärung und die Weitergabe unserer Geschichte an die nächsten Generationen notwendig, aber ich möchte dann auch darüber nachdenken, was wir tun können, tun sollen und tun müssen, damit sich Geschichte hier einmal nicht wiederholt. 

Auch wenn ich nie damit gerechnet hätte, vor allem nicht so bald, aber wenn dann noch selbst mein sonst so gelassener Vater in einem lockeren Gespräch über die Flüchtlingssituation solche Sorgen wie oben beschrieben anklingen lässt, dann scheint für mich doch einiges dafür zu sprechen, dass jetzt die Zeit gekommen ist, meine Worte von vor zehn Jahren in die Tat umzusetzen. Aber wie?

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s