Weniger ist mehr. 

Ein paar Menschen in meinem Bekanntenkreis haben sich in den letzten Wochen bei Facebook abgemeldet. Zuerst war da bei mir mal großes Erstaunen, dann eine Art von Bewunderung und dann setzte sich etwas in Bewegung. Und ich merkte, dass es mir schon seit einiger Zeit sehr auf die Nerven ging. Ich nutzte und nutze Facebook um mit Menschen in Verbindung zu bleiben, die ich wenig sehe, weil sie weit wohnen. Ich bekomme etwas aus ihrem Alltag mit, kleine Geschichten, Bilder. Einerseits finde ich das sehr schön, mit den Menschen in Verbindung zu bleiben, andererseits denke ich mir, was ist so eine „künstliche Verbindung“ wert? Würde die Verbindung, das Interesse am anderen auch noch halten, wenn es kein Facebook gäbe? Und was würde das dann über die Verbindung, die vermeintliche Nähe sagen? 

All das hat bisher aber noch nicht ausgereicht, um den Schritt zu wagen. Gerade jetzt, wo ich den Sommerurlaub in Finnland plane, bin ich doch froh um meine finnischen Freunde und eben DASS der Kontakt nicht ganz abgerissen ist. Meinetwegen auch trotz oder gerade wegen Facebook. Es ist mir gerade herzlich egal, wenn mir da so viel Freude entgegenströmt „Oh wie schön, Du kommst! Wir müssen uns unbedingt sehen!“ Dann denke ich mir, auch solche Kontakte und Freundschaften sind wichtig, auch wenn man sich vielleicht nur einmal im Jahr über Facebook schreibt. 

Aber in der letzten Zeit ist noch etwas dazugekommen, was mich sehr nervt. Es gibt kaum noch persönliches, sondern es gibt in meiner Facebook-Timeline nur noch Katzenvideos oder Politik. Und ganz ehrlich, es nervt. Es nervt mich gerade tierisch, dass es in meinem Leben im Moment gefühlt keinen Raum mehr gibt, egal in welchem Umfeld ich mich bewege, der nicht mehr politisch ist, und in dem ich nicht mehr mit eben DEM in der Politik alles beherrschenden Thema konfrontiert bin. Flüchtlinge. Es ist ja schön und nett, wenn jetzt mehr Menschen sich politisch engagieren, aber es gibt gerade gefühlt keinen Raum für privates, für kleine Sorgen und Nöte und für auch mal ein wenig heile Welt und Glück, zumindest für einen Moment. Einmal vor ein paar Wochen las ich einen Post, dem jemand geteilt hatte von einem bekannten Blogger und Publizisten, dass die kleinen persönlichen Sorgen, Nöte, aber auch Freuden angesichts der momentanen Lage keine Berechtigung hätten, zu banal seien um geteilt zu werden. Das hat mich sehr sehr wütend gemacht, ich hätte diesem Menschen sehr gerne persönlich die Meinung gegeigt und ihm erzählt, dass GERADE JETZT und angesichts dieser Lage auch ein Stück Banalität und Alltag sehr ihre Berechtigung hat, dass wir uns kaputt machen, wenn wir uns nicht auch einmal aus dieser großen, wüsten und momentan so unberechenbaren Welt zurückziehen können. 

Aber ich schweife ab. Was also tun? Ich habe nun für mich einen Kompromiss gefunden und die Facebook-App vom ApfelFon gelöscht. Es wurde zu viel. Schnell mal im Bus die App geöffnet, auf der Toilette Timeline nachlesen, in der Mittagspause mal schnell Facebook gucken und fünf Minuten später nochmal, einfach weil es gerade langweilig ist. So entstand eine Art Dauerberieselung, ein Viel zu Viel, wobei jedes Mal dann doch wieder nur Katzenvideos und Politik zu sehen waren und ich frustriert die App wieder zumachte. 

Ganz abmelden mag ich mich aus den beschriebenen Gründen dennoch noch nicht. So gibt es jetzt Facebook nur noch einmal am Tag abends auf dem Sofa und nach zwei Wochen stelle ich tatsächlich fest, dass mein Alltag etwas entschleunigter ist, weniger wirklich mehr ist und obendrein vollkommen ausreicht. 

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3 Kommentare zu „Weniger ist mehr. “

  1. hallo 🙂
    ich habe die App auf dem Phone gar nicht erst installiert. FB gibt’s nur zu Hause und nur so vielleicht 1-2x pro Woche. Alles was ich dann verpasst haben sollte, ist eben weg. Pech. Mein Leben geht trotzdem weiter. 🙂
    Es funktioniert. Glückwunsch zu dieser Entscheidung.
    Liebe Grüsse
    asty

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