Tagebuchbloggen März ’16

Und wie jeden Monat fragt Frau Brüllen: Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Und wie jeden Monat bin auch ich wieder bei dieser inzwischen liebgewonnenen Tradition dabei.

Um 6:44 Uhr klingelt die Schlaf-Rythmus-App, scheinbar war ich gerade in einer „leichten“ Schlafphase, was mir selber jedoch am allerwenigsten bewusst war. Ich drehe mich nochmal um, aber dann fällt mir ein, dass ich die Zeit für Aufstehen, Anziehen, Zähneputzen gestern Abend nicht allzu großzügig bemessen habe und stehe pflichtbewusst auf. Dennoch recht die knapp bemessene Zeit noch dafür, auch das gespülte Geschirr wegzuräumen, zwei Kaffee zu trinken und ein Photo für #609060 zu machen.


Um 7.24 Uhr verlasse ich das Haus und begebe mich zur Bushaltestelle. Am Wochenende in der Früh sind die Verbindungen zur Arbeit schlecht bzw. sehr unterschiedlich. Meine App gaukelt mir nämlich vor, dass ich den Anschluss von Bus zur Ubahn in einer Minute Umsteigezeit nicht bekomme und dann 10 Minuten warten muss und zu spät kommen würde. De facto funktioniert der Anschluss, zwar nicht immer, aber meistens. So auch heute. Daher steige ich dann auch um 7.51 Uhr aus der Ubahn, zeitgleich erhalte ich eine SMS der Lieblingskollegin, dass sie spätestens um halb zehn Uhr da ist.

Bei der Übergabe mit der Kollegin aus dem Nachtdienst verratschen wir uns ein wenig, aber ich erfahre viel Neues aus der Einrichtung in der ich früher gearbeitet habe. Ich beschließe spontan, die ehemaligen Kollegen am Montag zu besuchen, da ich sowieso dort in der Nähe einen Arzttermin habe. Juchu!

Dann widme ich mich – wie so oft am Wochenende – dem Haushalt, davor mache ich mir aber noch einen Tee. Dabei fällt mir ein, dass es Sinn machen würde, wenn wir um 10 Uhr mit den Jungs frühstücken wollen, dass dann das Geschirr sauber wäre. Also räume ich die Spülmaschine ein, gehe ins Büro um nachzusehen ob es dort noch dreckiges Geschirr gibt – und vergesse prompt die Spülmaschine anzustellen. Das fällt mir dann 10 Min. später ein beim Wäschemachen und ich haste wieder den langen Gang entlang in die Küche. Manchmal denke ich, ich sollte Kilometergeld in der Arbeit bekommen.

Nun hat, anyway, es ist 8.45 Uhr und ich wecke den Jugendlichen, der gestern angeblich vom Schwimmen viiiieeel zu müde war, die Küche zu putzen und bitte ihn, das jetzt noch vor dem Frühstück nachzuholen. Und oh wow: Der Jugendliche, der sonst immer antwortet: Ich komme in einer Minute, und nach 30 Minuten ist immer noch nichts von ihm zu sehen, hat sich tatsächlich 10 Minuten später aus dem Bett geschält und steht mit Besen, Staubsauger und Putzlappen in der Küche. Ich zeige mich hocherfreut und stelle ihm gleich noch Putzeimer und Wischmob dazu. Der Jugendliche putzt, ich befasse mich weiter mit der Wäsche, Frühstücksvorbereitungen usw. Alles ist noch sehr ruhig und sehr friedlich.

Gegen 9.15 Uhr kommt die Lieblingskollegin vollbepackt an und ich mache mich an die erste Runde Wecken. Zwei Jungs sagen, dass sie nun doch nicht mit auf den Asflug gehen wollen. Den einen davon spricht die Lieblingskollegin wenige Minuten später an und fragt ihn, warum er denn nicht mitgehen würde. Der Junge sagt zu ihr, dass er natürlich gerne mitgehen werde. Die Kollegin lacht und sagt: Da hast Du die Ansku nur verarscht, oder? Ich sage lachend, dass man seine „Mama“ doch nicht verarscht.

Dann können wir endlich das Frühstück vorbereiten. Meine Kollegin freut sich über die mitgebrachten Reste meines selbstgebackenen Brotes, die Jungs freuen sich über Trauben, halal-Wurst (mit Aprikosenmarmelade), Honig und Orangensaft Die frischen Tomaten, der Blutorangensaft und der Käse dagegen werden eher verschmäht. Aber so oder so, wir haben wie immer viel zu viel eingekauft und so wird es vermutlich morgen nochmal ein Frühstück für alle geben.
Nach dem Aufräumen wollen wir dann auch langsam aufbrechen zu unserem Ausflug in den Zoo. Eine weitere Lieblingskollegin kommt mit ihrem Sohn, sie wird auch auf den Ausflug mitgehen. Inzwischen ist es 11.20 Uhr, geplant war, dass wir um 11 Uhr losgehen. Wir versuchen also, die Jungs zusammenzutrommeln, was gar nicht so einfach ist, denn einer muss noch duschen, einer muss noch sein Zimmer putzen (bei uns ist Samstag eigentlich Putztag, wir hatten dies den Jungs aber vorsorglich schon für Freitag ermöglicht, ohne Erfolg). Irgendwann sind fast alle fertig, da bemerken wir plötzlich, dass es einem der Jungs gar nicht gut geht und so muss wohl oder übel einer im Haus bleiben. Die Wahl fällt dann auf die Lieblingskollegin, was einerseits sehr schade ist, aber ich hatte mich schon sehr auf den Ausflug gefreut, ich war seit Jahren nicht mehr im Zoo!

Die Kollegin, die daheimbleiben muss, hilft mir dennoch netterweise, alle fünf verbliebenen Jungs aus dem Haus zu schubsen und gemeinsam schaffen wir es mit ca. einer Stunde Verspätung gegen 12.15 Uhr zur Ubahn aufzubrechen. In Thalkirchen angekommen laufen wir über die Isar zum Eingang. Auf dem Kanal schwimmen Schwäne und Enten. Ich frage die Jungs, ob sie wissen, was das für Tiere sind und erkläre: Die großen weißen heißen SCHWAAAN und die kleinen grauen heißen ENTEN. Die Jungs sehen mich an und wiederholen: „Ente und SCHWAANGER.“ Ja, Jungs, fast. 🙂

Am Eingang hole ich unsere Gutscheine ab, der Zoo hat irgendeinen Aktionstag für soziale Einrichtungen und wir haben Gutscheine für den Eintritt, ein Essen plus Getränk, Popcorn oder Eis und ein Geschenk. Dann gehen wir los und sehen zunächst den europäischen Teil des Zoos, Hirsche, Esel (im Bild ein Kiang, eine asiatische Eselsunterart, mir bis heute auch unbekannt…) und so weiter. Schneller als gedacht geht es mit Gejammer los: Ansku, ich hab SOOO Hunger! Ansku, ich will aber jetzt nicht essen, ich habe KEINEN Hunger! Ansku, ich hab‘ SOOO Hunger, können wir etwas essen? Da die Mehrheit der versammelten Personen Hunger hat, steuern wir das Restaurant an, das sowieso an unserer Route liegt. Die Schlange ist lang, das Essen laut Aussage der Jungs schlecht.

So frisch gestärkt laufen wir weiter in Richtung Polarwelt. Davor müssen wir durch den Streichelzoo, besonders die Ziegen haben es den Jungs angetan. Ein Junge macht lauthals eine Ziege nach, was sich ziemlich lustig anhört, ein anderer fragt mich, ob man in Deutschland Lamafleisch essen kann. Wir wären auch fast bei der Polarwelt angekommen, wenn nicht davor die Hängebrücke wäre. Die Jungs steuern schnurstracks auf die Hängebrücke zu und es gibt ein wildes Gehupfe und Gejohle. Leider müssen wir dadurch fast die gesamte Strecke durch den Streichelzoo nochmal laufen, aber schließlich sind wir endlich bei Eisbär, Pinguin und Co. Ich bin ziemlich beschäftigt damit, fünf Jungs, zwei Betreuer und ein Kind zusammenzuhalten, ständig ist einer verschwunden, einer muss unbedingt noch ein Photo machen, einer muss dem Sohn meiner Kollegin irgendwelchen Unfug beibringen und so weiter, deshalb laufe ich vermutlich jeden Weg nicht einmal, sondern gefühlt fünfmal auf und ab. Kilometergeld, ich erwähnte das vielleicht? 🙂

Erkennen Sie, wer hier schwimmt? Nach der Polarwelt kommen wir zu den Pavianen, die große Begeisterung auslösen. Neben uns sagen einige Kinder „So ein Affentheater!“, solche Sätze schnappen unsere Jungs natürlich sehr begeistert auf und ich denke, das wird für die kommenden Wochen der nächste geflügelte Satz in unserer Einrichtung.

  Abgesehen davon werde ich aber ständig gefragt, wo die Krokodile (auf persisch „Timsa“) sind, und die Löwen und die Elefanten müssen auch unbedingt noch nagesehen werden. Doch bevor wir zum Elefantenhaus und zu den Löwen kommen, machen sich bereits erste Müdigkeitserscheinungen breit. Um dem vorzubeugen, steuere ich schnell das Affenhaus an, denn dort gibt es nochmal mit Gutschein Popcorn oder ein Eis. Wiederholt muss ich ermahnen, doch bitte nicht die freilaufenden Tiere im Park mit Popcorn zu füttern. („Warum Ansku???“ – „Weil die Tiere nicht alles essen können, was wir essen und sonst Bauchweh bekommen. So wie Du letzte Woche auch Bauchweh hattest“ – „Ach sooo, nein, kein Problem!!“)

Danach aber ist der Ofen aus, das große Jammern geht gegen 16.15 Uhr los: Ansku, ich bin müde. Ansku, mir ist kalt. Ansku, ich will nach Hause. Der Rundweg ist sowieso kurz vor dem Ende, wir machen also nur noch kurze Abstecher ins Aquarium, hier gibt es endlich auch zumindest ein kleines „Timsa“, und gehen dann Richtung Ausgang. Die Jungs haben es jetzt auf einmal sehr eilig, wir Erwachsenen kommen kaum hinterher. Kurz vor Ende des Rundganges kommen wir dann endlich auch zu meinen persönlichen Lieblingstieren. Den Flamingos und den Przewalski-Urpferden:

  

Dann fahren wir endlich nach Hause. Alle Jungs sitzen ziemlich erschöpft in der Ubahn, aber dann beim Aussteigen dreht die Rasselbande noch einmal auf und es gibt wilde Kabbeleien auf der Rolltreppe, so dass ich eingreifen muss, damit nicht einer der Jungs stürzt. Gegen 17.30 Uhr sind wir in der Einrichtung. Zu meiner Überraschung ist die Lieblingskollegin noch da und gerade mit dem Kollegen vom Nachtdienst bei der Übergabe. Ich werde erstaunt begrüßt, angeblich hat die Lieblingskollegin gar nicht mehr gerechnet, dass ich noch komme und fragt mich lachend, ob ich Angst gehabt hätte, dass die Jungs den Heimweg nicht finden. Nein, ich hatte noch Sachen hier. Ich geselle mich noch zur Übergabe dazu und dann können wir um 17:58 Uhr nach gut 10 Stunden auf den Beinen endlich nach Hause gehen. Beim Gehen erfahre ich noch, dass ich netterweise morgen erst um 9.00 Uhr in der Arbeit erscheinen muss, ich bin über die Stunde Schlaf mehr höchst erfreut. Die Lieblingskollegin hat den gleichen Heimweg wie ich und so gehen wir gemeinsam zur Ubahn. Beide gähnen um die Wette, wir sind ganz schön k.o. von dem Tag. Im der Ubahn tauschen wir kurz ein paar Rezepte aus (wir sollten wirklich einen Kochclub gründen), darüber bemerken wir beide gleichzeitig, dass wir auf dem Heimweg noch kurz in den Supermarkt müssen. Ich brauche Nüsse und Rosinen für das nächste Brotbackprojekt, sie ein Abendessen für morgen. Die Abendessensfindung dauert deutlich länger, dafür stehe ich am Ende mit deutlich mehr Artikeln an der Kasse. War ja irgendwieklar, „nur schnell“ Rosinen und Nüsse. Und Tomaten. Und Avocado. Und O-Saft. Und…!

Dann endlich bin ich zuhause. Ich fühle mich plötzlich sehr ausgelaugt und müde und sinke erst einmal aufs Sofa. Nachbars Katze schaut kurz durch die offene Terassentür herein, verschwindet aber ganz schnell wieder, als ich vom Sofa aufstehe. Irgendwann schaffe ich es, mich hochzurappeln und springe zum Erfrischen erstmal unter eine heiße (sehr heiße!) Dusche. Danach fühle ich mich schon deutlich besser und mache mir einen Salat zum Abendessen. Dabei entdecke ich einen zweiten Eindringling, über den ich mich aber sehr freue:

Danach gibt es nur noch Sofa, essen, bloggen und Fernsehen („Ein Fall für zwei“, Matula, der Held meiner Kindheit!). Meinen Vorsatz, mindestens einen Tag einmal keine Gummibärchen zu essen, kann ich auch heute wieder nicht einhalten, aber egal. Draussen prasselt der Regen und ich freue mich schon sehr auf mein Bett.

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