Von Scheren und Wirtschaftsordnungen

Es gab vor zwei Wochen bei titel thesen temperamente einen Beitrag, der meiner Meinung nach die Flüchtlingskrise wunderbar zusammenfasst und sie doch nochmal unter einem ganz anderen Licht beleuchtet. 

Dort wird u.a. unter Berufung auf die Forschungen des Historikers Blom erwähnt: 

Die Flüchtlinge zeigten vor allem eins: Unser Nachkriegsmodell, die Wirtschaftsordnung und Außenpolitik funktionierten so nicht mehr.

Unser Wohlstand ist die Armut der anderen

Es wird auf unsere globale Wirtschaftsordnung eingegangen und festgestellt, dass der Kapitalismus in seiner jetzigen Form nicht mehr funktionieren kann, dass die Schere zwischen Arm und Reich in unserer Gesellschaft auch schon ohne Flüchtlinge immer weiter auseinanderklafft und dass es jetzt eigentlich an der Zeit wäre, das Problem an der Wurzel zu packen und weniger über Flüchtlinge und Obergrenzen zu reden als viel mehr darüber, ob wir in dieser Welt weiterleben wollen mit dieser Fotörm des „entfesselten Kapitalismus“, wie es die Autoren des Berichtes nennen. 

Es ist ja wissenschaftlich erwiesen, dass sobald Menschen Angst haben müssen, etwas von dem was sie haben zu verlieren, nach oben buckeln und nach unten treten – stark vereinfacht gesagt. Von daher verwundern mich im Zusammenhang mit der bereits erwähnten Schere in unserer Gesellschaft auch gewisse politische Strömungen im Zusammenhang mit den Flüchtlingen nicht mehr. Ich bemerke sogar, dass ich es irgendwie hinnehme, akzeptiere, teils auch bewusst ignoriere nach dem Motto „Don’t feed the troll.“ Das macht es zwar für mich einfacher zu ertragen, ich kann seitdem diese monatelange sich ständig im Kreise drehende Diskussion in den Medien besser aushalten. Es macht nur die Sache an sich nicht besser, aber das kann ich auch gar nicht, zumindest nicht alleine. 

Und dann gibt es doch wieder die Momente, wo ich nicht nur im Fernsehen oder in der Zeitung damit konfrontiert bin, sondern direkt von Angesicht zu Angesicht, meistens unvorbereitet, im Gespräch, auf irgendeiner Party. Und in diesen Momenten hilft mir auch das ganze Wissen um Wirtschaftsordnungen und Scheren nicht mehr und ich stehe mal für mal wieder fassungslos und wütend da vor so viel Egoismus, Dummheit, Kurzsichtigkeit, dass mir sämtliche Argumente ausgehen und ich dem kaum etwas entgegenzusetzen weiß. 

Es macht mich so fassungslos, dieses Getrete auf die, denen es noch schlechter geht, dass mit einem Schlag alle Argumente weg sind. Es macht mich so wütend, dass mit einem Schlag alle christlichen Werte, für die wir doch vorgeblich so sehr einstehen, vergessen sind. Es macht mich wütend, dass keiner langfristig planen kann oder will. Gerade erst gab es in der FAZ einen großen Artikel, dass die Versorgung trotz aller Kosten die sie erstmal verursacht von Flüchtlingen für ein gewaltiges Wirtschaftswachstum in unserem Land sorgt und gewissen Branchen (Deutschkurse, Caterer, Containerbauer Unsummen von Gewinnen in die Kassen spült. Oder noch einfacher nur als Stichwort Fachkräftemangel. Und es macht mich einfach nur traurig, dass dieses einst so hochgelobte Europa und seine Werte heutzutage nicht mal mehr das Papier wert ist, auf dem es erschaffen wurde, dass Solidarität nur dann etwas gilt, wenn sie uns zugute kommt. 

Da hilft dann auch das Wissen um solche Hintergründe nicht mehr, da gibt es kein Verstehen mehr. Da gibt es nur noch Fassungslosigkeit. 

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