Mehr in 2016

Willkommen in 2016. ich hoffe Sie hatten schöne und erholsame Weihnachtstage und haben es sich gut gehen lassen, sich die Bäuche vollgeschlagen und alles, was dazu gehört. Und hoffentlich sind Sie auch gut in das neue Jahr gerutscht – nicht wörtlich genommen – und haben einen netten Abend mit Ihren Liebsten verbracht. 

Ein neues Jahr liegt vor uns, leer und unbeschrieben. Ich für meinen Teil kann sagen, dass selbst dieses noch so jungfräuliche Jahr bereits so einige Böcke geschossen hat, so dass sich das übliche erwartungsschwangere, hoffnungsvolle Neujahrsgefühl bei mir bisher nicht einzustellen vermochte. Dennoch möchte ich kurz ein paar Dinge für dieses Jahr loswerden, einiges davon geht mir seit längerer Zeit im Kopf herum. 

Viel zu oft höre ich von Menschen, dass ja alles zu viel wäre. Weihnachten ist zuviel, und überhaupt ist ja alles nur Konsum. Und man schenkt sich ja neuerdings unter Erwachsenen nichts mehr. Und überhaupt, die Feiertage, alles nur Stress, die Verwandtschaft. Deshalb gibt es an Weihnachten traditionell Würstchen mit Kartoffelsalat,  weil das macht wenig Arbeit. Und dieser Valentinstag, den feiern wir schon gar nicht. Wir haben das nicht nötig, denn wir zeigen uns ja regelmäßig dass wir uns lieben. (Tun wir das wirklich?). 

Auch scheine ich einer der letzten Eremiten zu sein, die ihren Geburtstag feiert. Weil „nein, mir ist das unangenehm im Mittelpunkt zu stehen“ oder „ach, ist ja nicht so wichtig, dieser Tag“. Auch der neueste Schrei beim Konsum geht in die Richtung „Verzichte!“ „Möglichst wenig haben, möglichst wenig besitzen“ „bloß nicht zu viel“. 

Gleichzeitig wird aber unser aller Alltag immer voller, immer hektischer. Es gibt immer mehr Termine, ToDs, Hin und Hers, immer noch etwas zu tun. Ich beobachte das in meinem Umfeld, aber auch an mir selbst. Der Alltag ist so viel und so voll, dass wir abends vollkommen überfüttert und ermattet auf das Sofa sinken und am liebsten nichts mehr sehen und hören möchten, statt noch ein wenig spazieren zu gehen. Oder eine Freundin anzurufen. Freizeitaktivitäten bestehen hauptsächlich aus Fitnessstudio, denn man muss ja in Form bleiben, die neue Art der Selbstverwirklichung. 

Unser Privatleben, Feste, Freunde, Freizeit schränken wir also immer mehr ein, verzichten auf immer mehr zugunsten von was? Zugunsten der Arbeit? Sind wir nur noch Arbeitstiere, die nach Feierabend brav zurück in ihren Bau kriechen? Ich nehme mich da nicht aus, auch mich kostet es enorme Anstrengungen, um wieder vom Sofa hochzukommen. Um Feste zu organisieren und Freunde zu treffen. 

Denn ja, mir ist es wichtig, meinen Geburtstag zu feiern. Nicht wegen dem Geburtstag, sondern wegen dem feiern. Es ist eine Gelegenheit (im günstigsten Fall eine von vielen), wo ich alle meine Lieblingsmenschen um mich herum versammelt habe, wo ich mit ihnen allen feiern und sie verwöhnen und die Zeit mit ihnen genießen kann. 

Und ja, mir ist es wichtig Weihnachten zu feiern mit allem was dazugehört. Mit Baum, Geschenken, festlicher Dekoration und Essen bis allen die Bäuche platzen. Weil es mir das wert ist, auch wenn ich dafür drei Tage in der Küche stehe und wenn ich mir dafür die Hacken wund laufe auf der Suche nach ein paar kleinen liebevoll ausgesuchten Geschenken (denn bei GEschenken geht es ja schon qua Definition nicht um Konsum, sondern um Aufmerksamkeit für den BEschenkten, auch das ist so ein grundlegender Irrtum unserer übersättigten Wohlstandsgesellschaft). Weil meine Familie es mir wert ist und weil es kein einziges Mal sonst im Jahr so eine festliche und erhabene Stimmung gibt. Weil das die Momente sind, an die man sich später erinnert. Nicht der fünfhundertste Nachmittag in der Arbeit oder die Schinderei im Fitnessstudio ist es, an den wir später einmal gerne zurückdenken, sondern an diese Momente, die für einen Augenblick den ganzen Alltag, das ganze Gewusel vergessen machen. Und weil Feste wichtig sind. Sie sind wiederkehrende Rituale, die uns daran erinnern, was wirklich wichtig ist im Leben. Nämlich Freunde (Geburtstag), Famille (Weihnachten) und der Partner (Valentinstag). 

Und deshalb wünsche ich mir und ihnen allen da draußen in 2016 nur eines: Mehr. Mehr Feste, mehr Feiern, mehr Zeit mit Freunden, mehr Unsinn im Sinn, mehr Urlaub, mehr Verschwendung, mehr durchwachte und durchzechte Nächte, mehr Ich im Jetzt und Hier, mehr Herzklopfmomente, mehr Frezeit, mehr Überraschungen, mehr sich auch mal etwas gönnen, mehr Mut zur Lücke, mehr Konfetti, mehr hemmungsloses Kichern und Lachen. Mehr von allem. 

Und auch ich wünsche mir dieses Jahr ein bisschen mehr von allem, ich möchte vor allem mehr Freizeit und mehr diese auch sinnvoll nutzen. Ich möchte mich mehr politisch emgagieren, möchte gerne etwas ehrenamtlich arbeiten und ich möchte wieder mehr sprachwissenschaftliches lesen; ich möchte mehr nähen und stricken und vor allem möchte ich wieder mehr Zeit mit Freunden verbringen. 

Das sind meine Wünsche für mich und für unsere ganze Gesellschaft für dieses noch so jungfräulichen Jahr. Oder auch nur ein großer Wunsch. Mehr in 2016. 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s