Wie geht es Dir eigentlich Ansku? 

Wie geht es mir eigentlich? Gar keine so einfache Frage. Ich könnte antworten, dass es mir gut geht. Ich könnte sagen, dass im Job alles gut läuft, sogar mein Problemfällchen ist gerade so was von Zucker und auch gesundheitlich geht es mir wieder relativ gut. Sogar die homöopathiebedingte kaffeelose Zeit ist vorbei und sitze gerade am Sonntag morgen mit einem ECHTEN Cappuchino auf dem Sofa! Ich darf nach vier Monaten des Koffeinentzuges wieder meiner Sucht fröhnen, aber das ist eine andere Geschichte und ein extra Blogpost. 

Ich könnte also sagen, dass es mir gut geht. 

Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Ich könnte andererseits auch sagen, dass es mir gerade ziemlich mies geht. Dass das Alleinesein gerade unglaublich wehtut, vielleicht ist es eine Phase, vielleicht ist es der Herbst oder der Sack Reis in China. Es spielt auch keine Rolle. Ich könnte erzählen, dass ich mich momentan sehr einsam fühle. Ich könnte auch sagen, dass ich unfuckingfassbar traurig und wütend bin. Dass ich Sonntag morgen mit meinem Cappuchino auf meinem Sofa sitze und einfach nur traurig bin, dass keiner da ist, mit dem ich die Freude über meinen Cappuchino teilen kann. Ich könnte erzählen, dass ich es momentan so leid bin, immer für eine Person zu kochen, dass ich meistens lieber gar nicht koche. Und ich könnte antworten, dass wenn ich andere glückliche Paare in der Öffentlichkeit sehe, ich manchmal mich zwingen muss, nicht schnell in eine andere Richtung zu sehen, weil es mich so traurig macht. Ich könnte sagen, dass ich nicht verstehen kann, wie es sein kann, dass so viele Menschen mir immer erzählen, Ansku Du bist so ein wunderbarer Mensch, und dann gehe ich am Abend doch wieder alleine nach Hause. Dass ich manchmal dann in der Wohnungstür am liebsten umkehren möchte, obwohl ich meine Wohnung doch an sich sehr sehr liebe. Ich könnte sagen, dass all das so immens viel Kraft kostet. Ich könnte sagen, dass ich es so was von leid bin. 

Ich könnte aber auch sagen, dass ich viel zu lange gesagt habe, dass es mir gut geht, obwohl es mir genau das eben nicht ging. Ich könnte über die Wut sprechen, statt sie zu unterdrücken. Ich könnte all die angestaute Traurigkeit einfach zulassen. Ich könnte darüber reden, wie groß die Sehnsucht und gleichzeitig die Verzweiflung ist. Und ich könnte auch anfangen, mir einzugestehen, dass ich lange Zeit die fröhliche lustige Ansku gespielt habe, die das alles so locker hinnimmt, weil ich glaubte, dass die Menschen in meiner Umgebung mein Gejammer leid sind und weil ich glaubte, dass ein Trauerkloß auf das andere Geschlecht ja auch nicht so anziehend wirkt. Ich könnte dieses Thema, das in meiner Umgebung schon fast zum Tabuthema geworden ist, einfach ansprechen, das Tabu enttabuisieren. Ich könnte aufhören, den Kloß im Hals herunterzuschlucken, wenn Freunde mir von ihren glücklichen Beziehungen erzählen und zum ersten Mal seit langer Zeit erzählen wie es mir ohne glückliche Beziehung geht. Und ich könnte zugeben, dass eben auch dieses ganze Schauspiel so immens viel Kraft kostet. Ich könnte auch sagen, dass ich ganz schlicht und einfach die mitleidigen Blicke leid war und dass ich gar kein Mitleid, keine großen Worte oder ähnliches will, denn letztendlich kann kein anderer Mensch mir da helfen, und dass es am meisten hilft, wenn jemand einfach nur da ist und zuhört. 

Ich könnte endlich angefangen, die ganze Wahrheit zu erzählen, wenn jemand fragt, Ansku wie geht es Dir?

Vorgestern habe ich damit angefangen. Und es war eine da und hat zugehört. 

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3 Kommentare zu „Wie geht es Dir eigentlich Ansku? 

  1. Ach liebste Ansku!
    Mir tut das so leid und ich wünsche Dir von ganzem Herzen dass sich ganz bald jemand findet mit dem Du all die großen und kleinen Momente, Freuden und Nöte teilen kannst!!!!
    Ich drück Dich!

    Gefällt mir

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