Tagebuchbloggen Mai ’15

Diese Monatsfünften haben es scheinbar in sich, wieder einmal bin ich nicht dazu gekommen, rechtzeitig tagebuchzubloggen. Deshalb muss ich mal wieder nachliefern, reichlich spät, aber hey, besser spät als nie. 

6:30 Weckerklingeln. Eigentlich wollte ich vor der Arbeit noch einkaufen gehen, aber wie das so ist mit dem „eigentlich“ am Morgen sitze ich um 7:22 Uhr noch Kaffee trinkend auf der Couch. Immerhin fertig angezogen. Wie üblich zu spät komme ich in der Arbeit an und mache mit der Kollegin Übergabe. Ich bin so müde, dass ich kaum die Augen offen halten kann. 
Der Dolmetscher für meinen Problemjugendlichen verspätet sich, statt um 10 Uhr erscheint er um 11.30 Uhr. Davor trinke ich Unmengen von Kaffee und versuche mich auf irgendeine andere Arbeit zu konzentrieren, aber weitestgehend erfolglos. Das bisschen Haushalt wird so nebenbei erledigt, um 10 Uhr kommt die Kollegin und ich habe endlich jemanden zum Quatschen. 

Dann kommt der Dolmetscher, das Gespräch verläuft so semi-erfolgreich. Danach bin ich ersteinmal durch mit den Nerven und muss mal raus. Gottseidank ist hinterm Haus die Heide, die hat mir schon so manchen Tag gerettet. 

Gegen 14 Uhr ziehe ich mit zwei Jungs los zu einem Vorstellungsgespräch in einer Wohngruppe. Auf dem Weg gibt’s gratis von mir noch ein kurzes Briefing, wie sie sich bei dem Gespräch Verhalten sollen. Schon beim ankommen bemerken die Jungs die benachbarte Autowerkstatt: Oh, da können wir dann später Ausbildung machen! Ja meine Herzen, genau so stelle ich mir das vor. 

Wir müssen ein wenig auf die Kollegin warten, in dieser Zeit erzählt mir C., dass er ja anfangs in Deutschland nur sehr wenig gesprochen habe, da er sich nicht getraut habe. Aber jetzt sei er viel sicherer und traue sich mehr zu. Dennoch findet er es gut, dass seine Betreuerin bei dem Gespräch dabei ist, denn er braucht ja noch Rat und Unterstützung, wie er sich in Deutschland verhalten solle, was er tun und was er lieber lassen soll. Ich sage tröstend, dass das ja wohl ganz natürlich sei, er ist ja noch nicht sooo lange in Deutschland und da müssen alle Jungs noch viel lernen: “ Schau, C.,  wenn ICH nach Nigeria“ – ich blicke zu K. – „oder nach Afghanistan fahren würde, dann wäre ich ja auch fremd dort und bräuchte Hilfe, was ich tun oder lassen soll…?“ Beide Jungs winken mit der Hand ab und lachen lauthals los: „Ist dort alles egal, Ansku, dort keine Kontrolle, keine Polizei. In Nigeria und Afghanistan jeder kümmert sich um sich selber, Du kannst machen, was Du willst…“ Äääh, ok, vielleicht schlechtes Beispiel. Alles klar Jungs, die naive Betreuerin hat mal wieder erst gesprochen und dann gedacht. 🙂

Das Gespräch verläuft dann auch sehr positiv, ein angenehmer Höhepunkt dieses Tages. Dann verlassen wir die Einrichtung wieder, beide Jungs sind sehr begeistert und sind in Gedanken eigentlich schon eingezogen. Wir fahren eine Station mit der Bahn und ich verabschiede mich von den Jungs, denn ich habe Feierabend und will noch schnell ein zwei Kleinigkeiten im nahegelegenen Einkaufstempel einkaufen. Ich habe eigentlich reichlich Zeit, bevor heute Abend die Lieblingschefin-Freundin zu Besuch kommt. Aber wenn man dann so unterzuckert und gehirnentleert durch den Supermarkt rennt, dass der „kleine“ Einkauf mal eben eine knappe Stunde dauert, wenn man auf der Suche nach einem Stück Parmesan dreimal zwischen käsetheke und Kühlregal hin- und herrennt, wenn man dann statt mit zwei drei Kleinigkeiten mit einem halben Großeinkauf inklusive schokomarienkäfern als mitgebsel an der Kasse steht und wenn man dieselbe Frau aus der Obst- und Gemüseabteilung, die einem am Anfang den letzten Topf Koriander gerettet hat, am Schluss des Einkaufs nach 15 Minuten hektischem Suchen sehr verwirrt nach Sesam fragen muss, dann kommt man durchaus in Zeitnot. 

Die Busfahrt zurück dauert eine halbe Ewigkeit, so dass ich schließlich 20 Minuten vor der verabredeten Zeit Zuhause bin. Ich habe gerade einmal Zeit das Bad zu putzen, um die Einkäufe zu verstauen reicht es nicht mehr, da die Lieblingsfreundinn überpünktlich ist. Aber dank meiner offenen Küche kann ich ganz entspannt mit dem kochen beginnen und wir unterhalten uns nebenbei. Es gibt zuerst Rucola mit Tomaten und Parmesan und danach sesamtofu mit Kokossauce und Brokkoli (wobei der Sesam nicht am Tofu kleben bleiben will und deshalb an den Brokkoli wandert) und es wird ein sehr netter und entspannter Abend mit gutem Essen und guten Gesprächen. Erst um 0.15 Uhr verabschiedet sich die Chefin, nicht ohne sich vorher versichert zu haben, dass ich am nächsten Tag keinen Frühsienst habe. „Oh gut, dann muss ich kein schlechtes Gewissen haben, dass ich dich vom schlafen abhalte…!“ 

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