Momente

Nur ein Moment, nur ein kurzer Augenblick.

Ich sitze auf meinem Sofa, in meiner Wohnung. Meine Wohnung, die ganz alleine mir jetzt gehört. Also nicht gehört, aber es ist meine, nur meine. Es ist 7.30 Uhr, ich trinke Cappucino. Cappucino, den ich mir in MEINER Küche zubereitet habe. Meine Küche. Sie ist klein, aber sie ist meine und ich muss jetzt nicht mehr drei Stockwerke runterrennen, um mir eine Kleinigkeit zu essen zu machen. Die Kaffeemaschine stand nicht in der Küche, die war auf dem Schreibtisch und ständig müsste man aufpassen, dass nichts von dem ganzen Zeug, das da sonst noch herumlag nass wurde. Später muss ich noch einen Reiniger für das Ceranfeld kaufen, aber seit dem Umzug macht mir selbst das Putzen nichts mehr aus. Ich könnte zehnmal am Tag putzen, damit alles so schön und sauber und neu bleibt wie jetzt.

Ich sehe mich weiter im Raum um, ich schaue auf die Bücherwand. So eine, wie ich mir immer gewünscht habe. Nun müssen sich meine Bücher nicht mehr im Schrank verstecken, jetzt kann sie jeder sehen und bestaunen. Ich denke daran, wie ich beim Umzug ein paar verlorene Schätze wiedergefunden habe und mich sehr darüber gefreut habe. Meine Mama hat mir eine Zeitlang mal viel Bücher geschenkt, die in Australien spielten, und ich habe sie verschlungen. Das ist Jahre her, ich habe schon wieder vergessen, um was es genau ging. Ich muss diese Bücher unbedingt bald mal wieder lesen.

Mein Blick fällt auf die Schränke und Kommoden an der Wand bei der Küche. Sie ist genauso geworden, wie ich es mir immer gewünscht habe. Pastellfarben mit weißen Möbeln, Hemnes-Serie, ganz im skandinavischen Stil. Ich muss zum hundertsten Male in dieser Woche ein wenig kniepern, weil es genau so geworden ist, wie ich es mir ausgemalt habe. Weil alles passt, wie ich es geplant habe, ich wollte einen großen Tisch und ein großes Sofa, aber ich wollte auch nicht, dass der kleine Raum zu vollgestellt wird, ich brauche auch Platz und Luft zum Atmen. Die Rechnung ist tatsächlich aufgegangen, und es ist noch reichlich Platz da. In manchen Momenten kann ich das immer noch nicht glauben.

Ich denke daran, dass es irgendwie komisch ist. Ich freue mich über die erste eigene Wohnung und einige Freunde von mir planen gerade zusammen mit ihren Partnern Häuser zu bauen. Ein flüchtiger, etwas bedrückender Gedanke, den ich aber gleich wieder wegwische. Dazu ist es einfach zu wunderschön. Auf diesem meinem Sofa. In dieser meiner Wohnung.

Ich denke daran, dass ich später arbeiten gehen muss und obwohl ich meinen Job natürlich weiterhin sehr mag, ist Arbeiten gehen momentan das letzte, waschechte möchte. Das Problem daran ist das „gehen“, denn um arbeiten zu „gehen“ muss ich ja diese Wohnung verlassen… Und mein Sofa, derzeit mein liebster Ort auf der ganzen Welt. Mir ist so sehr nach Einigeln zumute, dass es schmerzt. All die Müdigkeit der vergangene Wochen kommt jetzt zutage, ich will und kann mich nicht mehr bewegen. Ich sitze einfach hier und staune und genieße. Die Welt dort draußen kann sich gerne weiterdrehen und weitertönen, ich staune und genieße.

Und muss zwischendurch ab und zu ein bisschen kniepern vor Glück.

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