Tagebuchbloggen November ’14

Jeden 5. eines Monats fragt Frau Brüllen: “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” und hat diesen Tag zum WMDEDGT-Tagebuchblogging-Tag ausgerufen. Ich finde es immer sehr schön, mal einen Tag aufzuschreiben, was alles so gelaufen ist, deshalb wollte ich es unbedingt nachholen. Hier also zwar leicht verspätet, aber immerhin mein Tagesablauf vom Mittwoch, den 5.11.14

Ich wache morgens relativ ausgeschlafen auf und gehe erstmal joggen. Eigentlich habe ich gar keine Lust dazu, aber was muss das muss. Also einen Kaffee und rein in die Laufschuhe. Unerwarteterweise wird es aber dann doch ein guter Lauf, Durchschnittsgeschwindigeit 6:10 Min pro Kilometer, das ist ein neuer Rekord! Gegen 10.00 Uhr bin ich wieder zuhause, trinke einen zweiten Kaffee und hüpfe unter die Dusche. Nun ja, hüpfen ist übertrieben, ich kann mich nicht so gut aufraffen und so komme ich dann letztendlich doch in Stress, pünktlich in der Arbeit zu sein.Ich habe mich mit dem Kollegen um 12 Uhr noch vor Beginn der offiziellen Schicht verabredet, um noch schnell einen Groß-Groß-Groß-Einkauf beim DM zu erledigen. Es werden tatsächlich fast zwei Einkaufswägen voll mit Toilettenpapier, Schwämmen, Seifen, Waschmitteln, Zahnputzbecher, Spülmittel, Reinigungsmittel und anderem Kram, die wir am Ende in seinen kleinen Flitzer laden. Mit Porsche zum DM, Understatement können wir oder so ähnlich. Ich liebe mein Team und meine Kollegen, sehr, müssen Sie wissen. 🙂 Dann hüpfen wir noch schnell in den GhettoNetto nebenan, um Gewürze und ein Mittagessen zu kaufen. Dabei beschließt der Kollege spontan, mir einen Kinderschokoladen-Schoko-Weihnachtsmann zu schenken und ich beschließe ebenso spontan, ihm einen Kinderschokoladen-Schoko-Weihnachtsmann zu schenken. So eine Überraschung! 😉

Wir düsen im kleinen Flitzer zurück zum Wohnheim, laden aus und ich werde etwas nervös, weil ich in einer Stunde um 14 Uhr mit einem Jugendlichen einen wichtigen Arzttermin habe und der Kollege, der uns ebenfalls begleiten wollte, noch nicht da ist. Schließlich aber taucht er auf, wir gehen gemeinsam zur Ubahn, sammeln noch dort den Jugendlichen ein und fahren zu dritt zum Arzt. Unterwegs lässt der Kollege noch eine Runde Getränke für alle springen. Ich bestelle ein Wasser, bereue die Entscheidung aber sofort, als ich sehe, dass der Kollege sich selber einen Kaffee mitgebracht hat. Ich bin furchtbar müde, Kaffee wäre wahrlich die bessere Entscheidung gewesen. Die Fahrt zum Arzt dauert ziemlich lange und dass erstmal eine Anschlussubahn ausfällt, macht die Sache nicht besser. Um 14.10 Uhr sind wir bei der Arztpraxis, wo die Dolmetscherin bereits wartet. Sie erklärt mir dann, dass sie nur bis 15 Uhr Zeit habe und ich seufze innerlich, aber rede ihr und mir gut zu, dass wir den Termin schon in der Zeit schaffen werden. Nach 10 Minuten warten werden wir dann zur Ärztin hereingebeten. Ich bin sehr froh um die Unterstützung des Kollegen, der sich auf dem Gebiet naturgemäß viel besser auskennt als ich und die Fragen der Ärztin kompetenter beantworten kann. Am Ende gibt es noch ein paar Tests und dann werden wir wieder entlassen.

Der Kollege macht sofort Feierabend, der Jugendliche und ich fahren zurück in die Einrichtung. Auf dem Weg stellt mir der Junge sehr viele Fragen und ich merke, dass es ihn grad sehr beschäftigt, wie es – ganz allgemein, ohne konkreten Anlass – in Zukunft mit ihm weitergehen wird. Ich versuche zu trösten und Sicherheit zu geben, zu erklären, aber am Ende ist dann doch eine Umarmung das Mittel, was am besten hilft.

In der Einrichtung angekommen – es ist inzwischen 16.00 Uhr – fühle ich mich sehr k.o. und kopfschmerzig. Ich hatte immer noch keinen Kaffee, also mache ich erstmal eine kurze Kaffeepause. Aber als das auch nicht hilft, sage ich den Kollegen, dass ich kurz einmal um den Block spazieren gehe. Der Arzttermin hat mich sehr aufgewühlt und nochmal einige meiner eigenen Einschätzungen in Frage gestellt, ich brauche einen freien Kopf. Mit Musik im Ohr, das beste Mittel zum Abschalten, gehe ich eine Runde im Viertel und fühle mich tatsächlich etwas fitter, als ich wieder zurückkomme. Jugendliche kommen, Jugendliche stellen Fragen, Jugendliche haben Redebedarf, Frau Ansku aber hätte eigentlich jede Menge Arbeitsbedarf, der Stapel Papierkram auf dem Schreibtisch ist groß… Allerdings ist es nun schon nach 17.00 Uhr und ab 18.00 Uhr ist unser wöchentlicher Gruppenabend, es lohnt sich schon nicht mehr, noch irgendetwas großes anzufangen. Also beantworte ich Emails und futtere nebenbei den Kinderschokoladen-Schoko-Weihnachtsmann – „der erste dieses Jahr!!!!“ (O-Ton Kollege). Ebenfalls nebenei wundere ich mich ein wenig, dass die Jugendlichen, die diese Woche den Auftrag haben für den Gruppenabend zu kochen, um 17.30 Uhr mit vollen Einkaufstüten in das Haus gestolpert kommen. Ich bin sehr gespannt, wie sie das schaffen wollen, dass um 18.00 Uhr das Essen auf dem Tisch steht, aber ich bleibe ruhig. Hier zeigen sich vermutlich bereits erste Anzeichen von beruflicher Abgebrühtheit. 😉 Um kurz vor 18.00 Uhr schauen der Kollege und ich in den Gruppenraum/ Küche, wo die Jugendlichen gerade dabei sind, zwei Säcke Zwiebeln für 15 Personen zu schälen. Ich wundere mich noch mehr, was man mit so vielen Zwiebeln kochen will, besinne mich aber dann auf meine berufliche Abgebrühtheit – call it Professionalität 😉 – und beobachte das Ganze gespannt. Der Kollege spült ab, denn die Spülmaschine ist mal wieder kaputt und ich helfe dann doch mit Gemüse und Zwiebeln zu schnippeln. So beginnt der Gruppenabend mit gemeinschaftlichem Kochen und Abwaschen – also zumindest den Teil der Jugendlichen, der nicht vor dem Fernseher herumlümmelt. 😉

Schließlich und endlich um 18.30 Uhr köchelt das Essen auf dem Herd und wir setzen uns alle an den Tisch und besprechen die wichtigsten Themen, die anliegen. Sauberkeit, Ordnung, Aufräumen, Teller abwaschen, Regeln für die Benutzung der Waschmaschine. Irgendwie ist es jede Woche dasselbe. Aber anyway, heute läuft es gut, alle hören aufmerksam zu und alle versprechen, in Zukunft besser aufzupassen – oder zumindest so lange die Spülmaschine kaputt ist. Dann gibt es Essen, die Jugendlichen haben wirklich gut gekocht, eine Art Gulasch mit vielen Zwiebeln, aber es schmeckt wirklich gut.

Nach dem Gruppenabend – und nachdem alle gemeinsam aufgeräumt haben !!! – ist es schon fast 20:00 Uhr. Ich versuche noch einen Vormund telefonisch zu erreichen, um mit ihm einiges abzusprechen, das scheitert aber zunächst am Telefon, dann an der Erreichbarkeit des Herren. Da ich morgen als allererstes einen Aussentermin habe, suche ich noch ein paar Unterlagen zusammen und packe sie in meine Tasche. Dann kommt der Kollege zum Nachtdienst. Nach einer kürzeren oder längeren Übergabe – es gibt so vieles zu besprechen – darf ich dann endlich um kurz nach 21:00 Uhr nach Hause. Ich habe sicherlich wieder die Hälfte vergessen dessen, was es zu besprechen gäbe, aber das ist mir jetzt egal. Ich bin müde und will nur noch heim. Zuhause angekommen falle ich dann auch ziemlich umgehend ins Bett, bis dahin ist es allerdings auch schon kurz nach 23:00 Uhr.

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