Tagebuchbloggen Oktober ’14

Jeden 5. eines Monats fragt Frau Brüllen: “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” und hat diesen Tag zum WMDEDGT-Tagebuchblogging-Tag ausgerufen. Schon wieder ein Monat ohne Blogbeitrag vorbei und auch dieser 5. des Monats war ein voller Arbeits-Sonntag, weswegen auch diesen Monat der monatliche Tagebucheintrag nachgereicht werden muss. Aber ich finde, solche vollgestopfte Tage sind ein guter Grund mehr, sich zu fragen: WMDEDGT – Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?

Um 6.45 Uhr klingelt nach nur 5,5 Stunden der Wecker. Ich möchte das nicht, aber es muss wohl. Ich ziehe mich an, Tasche inklusive Frühstück habe ich vorausschauenderweise schon gestern abend gepackt, also muss ich nur noch die Milch holen, die ich gestern im Fahrradkorb vergessen habe (Ommm…) und einen Meßbecher organisieren. Ich möchte heute mit den Jungs ein Sonntagsfrühstück machen und obwohl ich extra schon gestern auf dem Weg zur Arbeit eingekauft und alles mit voll beladenem Fahrrad (sehr wackelige Angelegenheit, ommm…) zur Arbeit transportiert habe, deshalb zu spät gekommen bin (OMMMM….!!!!), ist die Tasche mit den „paar Kleinigkeiten“, die noch gefehlt haben, doch wieder zum Bersten voll und ziemlich schwer. Ommm.

Anyway, um 7.20 Uhr stehe ich an der Trambahnhaltestelle. Um 8.00 Uhr bin ich pünktlich (!!) in der Arbeit und schreite zur ersten Übergabe, kurze Lagebesprechung mit der Kollegin, die Nachtdienst hatte. Gottseidank war alles ruhig, die Jugendlichen haben sich gut benommen! Dann darf die Kollegin nach Hause gehen und ich darf die Stille geniessen, solange alle noch schlafen. Ich habe eine lange To-Do-Liste, bevor ich diese beginne, genehmige ich mir aber erstmal einen Kaffee. Danach überlege ich mir, dass ich gerne alle unbenutzten Bettbezüge waschen möchte und ob ich es wagen soll, bereits jetzt die Waschmaschine anzustellen und die Gefahr einzugehen, dass einer der Jungs aufwacht oder ob ich lieber die Tatsache ausnutzen soll, dass beide Waschmaschinen noch frei sind, so lange alle in den Betten liegen. Ich beschließe, dass ich das Risiko so ab ca. 10 Uhr eingehe. Den Vormittag verbringe ich also damit, die Abrechnung zu machen, unser Buch für die Übergaben zu aktualisieren, das Teamprotokoll zu schreiben, Wäsche zu waschen, das Büro zu wischen, einen interkulturellen Kalender aus dem Internet auszudrucken – uns ist gestern total entgegangen, dass ja Bayram ist, das islamische Opferfest – , noch mehr Kaffee zu trinken, ein paar Informationen für den Kollegen aufzuschreiben, der heute aus dem Urlaub zurückkehrt und dessen Jugendliche ich während seines Urlaubs betreut habe, die Spülmaschine auszuräumen, die Spülmaschine wieder einzuräumen, noch mehr Wäsche zu waschen. Ruckzuck ist es dann auch schon 12 Uhr und ich habe noch nicht wirklich 5 Minuten still gesessen.

Eigentlich war für 12 Uhr das Frühstück angekündigt, aber der einzige Jugendliche, den ich sehe, ist der, der seinen Kühlschrankschlüssel verloren hat und jammernd zu mir kommt, dass er soooo Hunger habe und nicht an sein Essen kommt. Also suche ich den Zweitschlüssel heraus, sperre das Fach auf und unter Protest wieder zu, nachdem der Jugendliche das Essen herausgeholt hat. Nachdem ich erklärt habe, dass ich aber den Zweitschlüssel nicht herausgebe, so lange nicht geklärt ist, wo der Originalschlüssel ist, der Junge aber jederzeit zu uns kommen kann, um das Fach aufsperren zu lassen, ist dann doch wieder alles gut. Und als ich ankündige, dass es ein gemeinsames Frühstück gibt, sobald alle Jungs wach sind, ist dann gleich alles nochmal viel besser. 🙂

Ich bin etwas unschlüssig, ob ich das Frühstück schon vorbereiten soll, weil niemand da ist und scheinbar alle noch in ihren Betten herumlümmeln, fange dann aber doch langsam an, das Obst und Gemüse kleinzuschneiden. Nach einiger Zeit bekomme ich sogar einen Jugendlichen dazu, mir zu helfen (der, der sooooo Hunger hatte 😉 ) und mache mich an den Pfannkuchenteig. Mehrere Jungs sind inzwischen wach und kommen neugierig zu mir zu fragen, was ich da mache. So gut wie keiner weiß, was Pfannkuchen sind, aber helfen will irgendwie auch keiner. Schließlich gebe ich auf, lasse die Jungs den Tisch decken und fange an, die Pfannkuchen zu braten. Als ich zum Essen rufe, kommen dann doch einige zu Tisch und die Pfannkuchen kommen super an. Ich schwitze etwas zwischen dem Hantieren mit der Pfanne, dem Ofen (wo auch noch Aufbackbrötchen drin sind) und dem Erklären, was die Jungs jetzt mit den Pfannkuchen machen sollen. Aber juchu, es schmeckt allen! Als ich frage, was ihnen besser schmeckt, die Pfannkuchen oder die Brötchen, können sich die meisten nicht entscheiden. Also doch einiges richtig gemacht. 🙂

Wir (äh, also eher ich) räumen danach die Küche auf, ich schreibe das Protokoll zu Ende, spreche mit einem von meinen Jugendlichen über die Dinge, die in der kommenden Woche anliegen, überbringe eine gute Nachricht, die ihn sehr glücklich macht und mache ihn gleich noch glücklicher, indem ich ihm Geld für Klamotten gebe. 🙂 Ich suche die Adresse von unserem Zahnarzt heraus und bitte einen Kollegen, morgen für zwei Jugendlichen einen Termin zu machen, schreibe noch ein, zwei, drei weitere Mitteilungen an die Kollegen – u.a. dass doch bitte jemand morgen den Verbleib des verlorenen Kühlschrankschlüssels klären möge – und noch einige andere To-Dos, die ich delegieren muss, da ich ab morgen WOCHENENDE habe und Mittwoch erst wieder in der Arbeit sein werde. (Oder schon wieder, so genau weiß man das ja nie… 😉 )

Im Fernsehen wird Formel 1 übertragen, aber keiner schaut zu. Alle Jugendlichen die da sind, sitzen vor den PC. Ich schalte den Fernseher seufzend aus und überlege kurz, ob es ernsthaft Sinn macht, den Jungs Vorträge über Energiesparen zu halten. Die nächste Waschmaschine mit Bettbezügen ist fertig, allerdings habe ich jetzt ein Problem, denn die Ladung passt nicht mehr auf die Wäscheständer und die Wäsche aus den vormittags gewaschenen Ladungen ist noch nicht trocken. In diesem Moment kommt der Jugendliche mit dem verlorenen Kühlschrankschlüssel und möchte einen Radiergummi haben. Die Chance nutze ich und frage ihn, ob er mir seinen Wäscheständer leihen kann. Er willigt sofort ein, holt den Wäscheständer aus seinem Zimmer und ich einen Radiergummi aus dem Büro. Deal! 😉 Dafür helfe ich ihm noch ein wenig bei den Hausaufgaben, er liest mir einen Text vor, den er über sein Wochenende geschrieben hat und ich bin total begeistert, weil er momentan riesige Sprünge beim Deutschlernen macht. Das sage ich ihm auch sehr ausführlich und der Junge platzt fast vor Stolz.

Ich bringe den Müll raus und bemerke, dass es schon 14.30 Uhr ist. Also sehe ich nach, ob die beiden neuen Jugendlichen inzwischen wieder da sind und bitte sie zu einem Gespräch, in dem ich ihnen die Hausordnung erkläre (lästig, aber muss sein), die wichtigsten Regeln an die sie sich zu halten haben und die nächsten Schritte, die wir jetzt unternehmen werden. Dieses Gespräch verläuft recht angehm, die beiden Jugendlichen sprechen gottseidank gut Englisch, dennoch dauert es bis 16.30 Uhr, bis wir fertig sind. Holla! Jetzt habe ich es eilig, ich muss noch die Abrechnung fertig machen, Telefonlisten aktualisieren, Papiere in die richtigen Ordner verräumen, Kopien machen und weiß der Himmel was noch alles.

Um 18 Uhr steht die liebste Chefin vor der Tür, sie hat heute Nachtdienst. Wir schließen die Tür zum Büro – aaah, welch Ruhe! – und machen erneut Übergabe zum Schichtwechsel. Auch an meine Chefin muss ich ein paar Dinge delegieren, muss noch ein paar andere Dinge mit ihr besprechen, muss noch schnell von einem Jugendlichen Kassenzettel einsammeln und so wird es natürlich später als 18.30 Uhr, bis ich aus der Arbeit komme. Jetzt aber schnell, um 19.00 Uhr habe ich eine Gesangsstunde. Auf dem Weg dorthin überkommt mich in der Ubahn ein Müdigkeitsanfall und ich bemerke, dass ich den ganzen Tag nur herumgesprungen bin, obwohl es eigentlich ein recht ruhiger Sonntag war. Dabei habe ich noch nicht einmal das allerwichtigste geschafft, was ich mir eigentlich für heute vorgenommen hatte… Aber who cares, ich habe jetzt Wochenende.

Ich komme bei meiner Gesangslehrerin an und das ist immer pure Erholung. Auch nach einem anstrengenden Arbeitstag, wenn ich das Gefühl habe, ich habe eigentlich keine Kraft und Nerven für nichts mehr, nicht einmal für’s Singen – die Athmosphäre bei meiner Lehrerin ist immer so entspannt und ruhig, dass ich ganz schnell runterkomme. Heute bitte ich sie darum, dass wir endlich anfangen, die Übungen zum Einsingen mit Handy aufzunehmen, damit ich auch zuhause üben kann – wir hatten das schon länger vor – und sie macht das so großartig und spricht mir sogar noch Erläuterungen auf die Aufnahme, die Dinge, auf die ich unbedingt achten soll. Dann darf ich mir das nächste Lied aussuchen, das wir singen. Ich habe mehrere Noten mitgebracht und wir entscheiden uns für „Ghost“ von Ella Hendersson, obwohl meine Lehrerin das nicht kennt, aber sie sagt sofort nach den ersten Tönen, dass das Soulige des Songs gut zu meiner Stimme passt. Ich freue mich darüber wie ein kleines Kind, denn ich liebe soulige Songs so so sehr und ich singe sie auch sehr gerne. Glücklich und ausgeglichen wie lange nicht mehr mache ich mich nach ca. einer Stunde auf den Heimweg. Allerdings muss ich doch nochmal einen Abstecher über das Oktoberfest machen, das ganz in der Nähe des Studios ist, und eine letzte Bratwurst und letzte Schokofrüchte essen. Es ist der letzte Abend und am letzten Abend bin ich doch immer ein wenig traurig, dass das bunte Treiben jetzt wieder vorbei ist. Ein wenig sehnsüchtig blicke ich auf die Zelte und überlege kurz, ob ich doch noch eine Freundin anrufen könnte, aber meine Müdigkeit und die schwere Tasche (heute morgen, Sie erinnern sich?) belehren mich eines Bessern und sagen mir, dass es Zeit ist, nach Hause zu gehen. Pfüat Di, Wiesn, bis nächstes Jahr!

Zuhause verschwinde ich bald im Bett und bin auch nach einer Folge Greys ganz schnell eingeschlafen. Was für ein anstrengender, aber rundum schöner Arbeits-Sonntag!

Ach ja, und hallo Wochenende! 😉

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