Tagebuchbloggen September `14

Jeden 5. eines Monats fragt Frau Brüllen: “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” und hat diesen Tag zum WMDEDGT-Tagebuchblogging-Tag ausgerufen. Mit Schrecken stelle ich fest, dass auch hier der letzte Blogeintrag einen Monat her ist. Also wird es höchste Zeit! Was im September so bei Frau Ansku abgeht.

Ich wache um 6.30 Uhr auf und kann nicht mehr einschlafen. Meine Lust aufzustehen hält sich dennoch in Grenzen, ich bin diese Woche allgemein sehr jammerig. Möglicherweise hängt das mit den zwei (!) durchwachten Nächten letztes Wochenende zusammen (Nachtschicht, Jugendliche, vermisst, Polizei, den Rest überlasse ich Ihrer Phantasie)

Um kurz vor 9 Uhr überwinde ich mich dennoch und stehe auf. Um mich wenigstens etwas zu motivieren, suche ich im Netz nach Wellness-Hotels. Ich bin so müde, so erschöpft und Urlaub ist in weiter Ferne, also hoffe ich auf wenigstens ein Wochenende, an dem ich irgendwo in einer schönen Umgebung mit kitschigem Panorama Beine, Seele und sonstige Extremitäten baumeln lassen kann. Heute finde ich jedoch nichts passendes, aber vielleicht haben Sie ja einen Tipp für mich? Nicht zu weit von München, gut mit der Bahn erreichbar, kitschiges Panorama – am liebsten mit See und nicht so ganz furchtbar teuer.

Zwei Tassen Cappu später wird es Zeit fürs Frühstück. Ich habe mal wieder Lust auf etwas anderes als Brot und schwanke noch zwischen Quark mit Zimtpflaumen und Rühreiern. Es wird das Rührei.

Gegen 11 Uhr ist mein freier Vormittag zu Ende, ich muss vor der Arbeit „nur mal eben schnell“ noch in die Geschäftsstelle des Arbeitgebers und einen Stempel auf ein Formular abholen. Wie oft ich in letzter Zeit „nur mal eben schnell“ etwas erledigt habe, was dann zwei Stunnden dauert – ich weiß es nicht mehr. Also los. Den gewünschten Stempel bekomme ich natürlich nicht von der Personalabteilung, sondern ich muss direkt zum Chef gehen. Der telefoniert noch. „Nur mal schnell“. Ebenso „nur mal schnell“ kaufe ich beim Aldi noch drei Becher Creme Fraiche für die Lasagne, nur dass „nur mal schnell“ die Schlange bei der Kasse die Länge hat als wäre heute schon Samstag. Ich brauche einen Kaffee, dringend.

Gegen eins komme ich in der Arbeit an. Ich bin sehr gespannt, denn ich habe meinen Jungs gestern aufgetragen, sofort nach der Schule einzukaufen. Die beiden haben für heute Nachmittag ihre Vormünder zum Essen eingeladen, nur leider haben beide keine Ahnung vom Kochen. Raten Sie doch mal, wer von uns dreien nun am meisten Stress hat, dass bis 15 Uhr ein vorzeigbares Mittagessen auf dem Tisch steht?
(Es war schon gestern schwierig, dass sie sich überhaupt für ein Gericht entschieden. Dann kam meine Kollegin, warf „Lasagne“ in die Runde, also gibt es heute Lasagne, obwohl beide keine Ahnung haben, was das überhaupt ist). ;))

Soweit der Plan. Als ich in der Arbeit ankomme, berichtet mir die Kollegen, dass meine Jungs vorhin ganz hektisch mit dem Rad zum Einkaufen abgezogen sind. Zwar hatten sie es wahnsinnig eilig, meine Anweisung, dass sie die Einkäufe gleich auf dem Heimweg von der Schule erledigen sollen, lief aber dann wohl doch ins Leere. Ich atme tief durch. 2 Hours to go. Endlich sind die Jungs zurück und ich bin sehr stolz auf die beiden, die Einkaufsliste ist komplett auf dem Küchentisch, obwohl Dinge wie z.B. Lasagneplatten darauf standen, die beide noch nie in ihrem Leben gegessen, geschweige denn gesehen haben.

Als ich eigentlich mit dem Kochen beginnen will – schließlich ist es bereits 13.30 Uhr und wir sind überfällig – sind beide Jungs verschwunden. Kind 1 finde ich in seinem Zimmer beim Staubsaugen, was ja an sich und aus gegebenem Anlass schon sehr süß ist, nur eben gerade nicht so zum rechten Zeitpunkt, Kind 2 brüllt mir aus dem Badezimmer zu „Ich komme“. Nun ja, fange ich halt mit Kind 1 an. Ich zeige, wie man eine Zwiebel schneidet, was Knoblauch ist, wie man Zwiebeln glasig anbrät, wie man dann das Hackfleisch dazugibt und es anbrät, bis es braun ist. Ich lasse ihn ein wenig vom Tomatenmark probieren und den Unterschied zu einer normalen Tomatensauce schmecken und ich zeige ihm mittels mehrmaligem Probieren, wie man eine Toomatensauce mit Gewürzen aufpeppen kann. Kind 1 ist voller Begeisterung dabei, probiert alles, sieht aufmerksam zu, was ich mache und weist mich darauf hin, dass noch Salz fehlt. Dann lassen wir die Sauce ein wenig kochen und widmen uns dem Salat. Inzwischen ist Kind 2 aufgetaucht und fragt, ob er etwas helfen kann. Nachdem er zwei Gurken geschält hat, reicht es ihm aber wieder und er verschwindet zum Fernseher. Kind 1 schichtet derweil nach einer kurzen Einweisung (wobei ich selber kurz im Smartphone, Chefkoch – App, kurz spicken musste, ob man mit der Sauce oder den Nudeln anfängt, wie peinlich) ganz alleine die Lasagne in die Auflaufform und ich platze bald vor Stolz.

Dann ist die Lasagne im Ofen und ich lasse Kind 1 ca. alle 10 Minuten in den Ofen spicken, worauf er ganz begeistert ausruft, wie toll und lecker die braune Kruste aussieht. Wir räumen auf und decken den Tisch, hier beteiligt sich auch Kind 2 wieder. Dann stehen die Vormünder vor der Tür. Die Lasagne ist ein voller Erfolg und ich weiß nun, dass ich baldmöglichst wieder mit zumindest Kind 1 kochen muss. Das Essen verläuft sehr angenehm, die Jungs sind zucker und unterhalten sich sehr angeregt mit ihren beiden Vormündern, ich atme tief durch. Das von den beiden Vormündern mitgebrachte Schokoladeneis finden die Jungs dann aber doch nicht so toll, dabei hatten sie sich das extra gewünscht, haha. Wir räumen gemeinsam (!!!) die Küche auf und Kind 1 verteilt den Rest Lasagne an die anderen Jungs und meine Kollegin. Ich räume die übriggebliebenen Lasagnepackungen ins Büro, ich schätze wir können noch gut einen Monat jede Woche Lasagne kochen…

Um kurz vor fünf verabschieden sich dann die Vormünder und ich finde, dass ich eigentlich auch jetzt einen Feierabend verdient hätte, aber ich muss noch bis neun hier ausharren. Also bleibt es bei einer kurzen Zigarettenpause. Kind 1 kommt während der Zigarettenpause zu mir und ich lobe ihn ausführlich für den heutigen Tag. Wir unterhalten uns lange und über vieles, danach will er schlafen. Ich versuche zum gefühlt 1000.sten Mal zu erklären, dass Schlafen am Tag nicht gut ist, weil er dann nachts nicht schlafen kann, Daraufhin will er mit Kind 2 Fahrrad fahren, das scheitert jedoch daran, dass mal wieder Fahrradschlüssel verschwunden sind. Also doch Schlafen, na gut.

Ich erledige ein wenig Büroarbeiten, räume die Küche fertig auf, telefoniere mit Kollegen und Dolmetschern, um Termine zu vereinbaren oder zu canceln und geniesse die Ruhe nach dem Sturm. Später kommt mein dritter Jugendlicher mit vielen Fragen ins Büro. Dann aber fängt er an zu telefonieren in seiner Sprache und ich foppe ihn ein wenig, indem ich ihn darauf hinweise, dass ich jedes Wort verstehe, das er zu seinem Gegenüber sagt. Er erzählt gerade seinem Gesprächspartner, dass er heute eine leckere Lasagne gegessen hat und dass seine Betreuerin die Allerbeste ist. ;))

Zu dieser Zeit ist es tatsächlich schon 20.40 Uhr und meine Kollegin kommt, um mich zum Nachtdienst abzulösen. Wir machen eine kurze – oder auch längere – Übergabe, aber aus der Arbeit komme ich natürlich trotzdem wieder erst um 21.30 Uhr. Irgendwas ist ja immer.

Um 22.30 Uhr bin ich dann auch zuhause, genau rechtzeitig zum Beginn der Heute Show, die aus der Sommerpause zurück ist. Yeah! Zu sehr viel mehr als Heute Show reicht es dann aber auch nicht, gegen 23.15 Uhr fallen mir beide Äuglein zu.

 

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