Tagebuchbloggen August ’14

Jeden 5. eines Monats fragt Frau Brüllen: “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” und hat diesen Tag zum WMDEDGT-Tagebuchblogging-Tag ausgerufen. Der heutige 5. war ein langer Tag, aber lesen Sie selbst:

5.50 Uhr Ich bin wach.

6.21 Uhr Eigentlich nicht wirklich.

8.30 Uhr Ich schrecke hoch und denke, ich habe verschlafen. Eigentlich mag ich nicht aufstehen, ich muss heute von 16-24 Uhr arbeiten.

8.40 Uhr Ich überzeuge mich selbst mittels der Aussicht auf einen grooooßen Cappucino von der Idee des Aufstehens.

8.50 Uhr Der August steht im Hause Ansku unter dem Stern der guten Ernährung, also gehe ich nach einen wunderbaren großen Kaffee in die Küche und fange an, ein Abendessen zum Mitnehmen in die Arbeit vorzukochen. Vor dem Frühstück ist das besonders hart.

9.30 Uhr Jetzt kann ich frühstücken. Yoghurt mit Banane. Zwischendurch bereite ich noch ein paar Snacks für zwischendurch zu. Brote mit Frischkäse und Putenbrust, Erdbeeren, Rohkost.

10.10 Uhr Ich bin jetzt schon durchgeschwitzt, es wird dringend Zeit zu duschen. Um 11 Uhr habe ich einen Physiotermin.

10.25 Uhr Es wird knapp. Tupperdosentetris.

10.35 Uhr Oh, die Dose für mein vorgekochtes Essen halt nicht dicht… Oh, und gerade hab ich die Tram verpasst.

11.10 Uhr. Bei der Physiotherapie, zu spät, aber immerhin mit dichter Tupperdose.

11.50 Uhr Meiner Physiotherapeutin und mir gehen eigentlich nie die Gesprächsthemen aus, ich mag diese Stunden total. Dennoch könnte ich gerade einschlafen.

12.20 Uhr Das Weckerklingeln lässt mich hochschrecken. Ich war wirklich kurz unter der Fangopackung eingenickt.

12.40 Uhr Auf dem Weg in die Stadt bemerke ich einen Anruf von der liebsten Chefin vom Praktikum, die sich einfach nur erkundigen wollte, wie es mir geht. Ich freue mich sehr und gratuliere erstmal dem liebsten Kollegen aus dem Praktikum, der heute Geburtstag hat, und rufe dann gleich darauf seine Chefin zurück. Made my day!

13.00 Uhr Treffe mich mit der liebsten Ex-Kollegin auf einen Kaffee. Wir setzen uns gemütlich in ein kleines Café. Da es bedrohlich zuzieht, beschließen wir, anschließend noch einen Schirm zu kaufen.

14.30 Uhr. Wir stehen in der Schirmabteilung und ich erkläre meiner Freundin, dass ich fest beschlossen habe, einem rosa oder pinken Schirm zu kaufen und zwar aus Prinzip. Der wird mir nämlich in der Arbeit nicht geklaut. Ha!

15.30 Uhr Ich habe wirklich Hunger jetzt und wir setzen uns am Sendlinger Tor kurz hin, um meine vorbereiteten Snacks auszupacken. Und beobachten allerhand zwielichtige Gestalten. Da fängt es an zu regnen und ich verabschiede mich endgültig in die Arbeit. Zum letzten Mal SpätSpät-Dienst. Die Anschaffung des Schirmes hat sich bereits gelohnt.

15.40 Uhr ich komme in der Arbeit an und werde gleich von den Kollegen mit zwei wichtigen Neuigkeiten bestürmt. Die anderen Kollegen sind heute in der neuen Einrichtung Möbel aufbauen, am Freitag ist großer Umzugstag. Gleichzeitig taucht ein Jugendlicher im Büro auf und fragt, ob er auch noch dorthin fahren kann um zu helfen. Ich frage ihn, ob er wirklich helfen will und erkläre ihm dann den Weg. Eine Viertelstunde später ist er immer noch nicht weg, das wird heute also nichts mehr mit helfen. 🙂

16-17 Uhr Ich räume etwas das Büro auf und sortiere Papiere, kann mich aber ansonsten nicht recht zur Arbeit motivieren. Zwischendurch kontrolliere ich Putzdienste, erkläre zum 100.000sten Mal, dass erst ab 17 Uhr PC-Zeit ist, ernte dafür wütende Blick und böse Kommentare und bin schon wieder hungrig.

18 Uhr Ich mache zusammen mit einer Kollegin die Bürobedarfsbestellung für das neue Heim. Leider klappt das nicht auf Anhieb, wir müssen erst einen neuen Account für uns anlegen.

19 Uhr Weitere PC-Diskussionen, warum nur bin ich auch so böse und lasse keine Jugendlichen an den PC, der ausschließlich für die Betreuer reserviert ist?? Immerhin kommt ein Jugendlicher, der erst neu eingezogen ist ins Büro, um einen Tee zu trinken und sich etwas mit mir zu unterhalten. Das ist sehr nett.

19.30 Uhr Ich mache Pause. Mein so perfekt vorbereitetes Essen ist inzwischen komplett aufgefuttert und ich bin immer noch hungrig.

20:15 Uhr: Ich ermahne vier Jugendliche, dass ab 20:00 Uhr die Kicker-Zeit vorbei ist und mache die klare Ansage, dass das Spiel noch zu Ende gespielt werden darf und dann Schluss ist. Ich bleibe dabei und sehe bei der Partie zu, auch um sicherzugehen, dass sie wirklich nur das Spiel zu Ende spielen. Als allerdings die Jungs heftig anfan, verarschen lasse ich mich sehr ungerne. Da haben die Jungs sich leider die falsche ausgesucht.

20:30 Uhr Eine liebe Kollegin kommt zum Nachtdienst. Ich freue mich, dass heute abend mein letzter (!!!) SpätSpät-Dienst zusammen mit ihr sein wird (nach dem Umzug wird es sowas nicht mehr geben, weil weniger Jungs ist gleich weniger Arbeit, also, zumindest in der Theorie.). Ein Jugendlicher beschwert sich, dass ausgerechnet wir beiden „Strengen“ heute abend Dienst haben und nicht die Kollegen, die gerne doch mal eine Ausnahme machen. 😉

21.30 Uhr Ein albanischer Jugendlicher klärt mich am PC über albanische Geschichte auf. Dazu lerne ich ein paar Sätze albanisch. („Ich bin Ansku und mag Albanien.“) Mein Interesse scheint allerdings falsch anzukommen, ich werde gefragt, was ich von Albanern halte, ob sie schön, stark, klug und groß sind. Das ganze endet dann mit der Frage, ob ich verheiratet bin und wenn ich auf der Siche sei nach einem schönen, starken, großen und klugen Mann, dann solle ich doch einen Albaner nehmen… Ich schreibe noch einige Mails mit Infos und Fragen an Jugendamt/ Vormünder etc.

22:00 Uhr Es ist Küchenputzzeit. Ich schmeisse den albanischen Jugendlichen aus dem Büro und verspreche, mir die Sache mit dem albanischen Ehemann nochmal zu überlegen. 😉 Dann suche ich die benötigten Putzmittel heraus und fange an, mich auf die Suche nach den beiden Jugendlichen zu machen, die heute an der Reihe sind, unsere zwei Küchen zu putzen. Einen finde ich sofort, der andere (der vor 30 Minuten noch da war!) bleibt verschwunden. Also laufe ich einmal um das Haus, um zu schauen, ob sie noch draussen sind. Zwar finde ich keine Jugendlichen, dafür aber werde ich plötzlich auf dem Hof von einem grellen roten Licht geblendet. Ich sehe mich um und erblicke von einem dunklen Fenster aus dem Haus gegenüber ein rotes Licht, dass sich in meine Richtung bewegt. In dieser Wohnung wohnen keine unserer Jugendlichen und ich weiß nicht, ob mich das jetzt beruhigen oder noch mehr gruseln sollte. Komische Gestalten hier, aber am Freitag – ich erwähnte das vielleicht, ja?? – ziehen wir um!! Also beschließe ich, dass das nun nicht mehr mein Problem ist und trete den Rückzug ins sichere Heim an.

22:30 Uhr Ich versuche per Telefon, den Jugendlichen zu erwischen und zum Putzdienst zu beordnern, aha, anscheinend sind sie doch in einem der Zimmer. 10 Minuten später steht er dann auch auf der Matte. Ich führe mal wieder Diskussionen, diesmal darüber, ob die Töpfe und Bleche mit den Resten vom Mittagessen auch abgespült werden, wenn man gar nicht am Mittagessen teilgenommen hat. Ommmmm! Meine Nerven haben für heute bereits Feierabend, deshalb werde ich leicht ungeduldig und unbeherrscht, bis schließlich die Kollegin kommt und sagt: „Ach, A., bitte bitte, nur ein letztes Mal…!“ Und zack, es funktioniert.

22:45 Uhr: Irgendwie zwischen Kücheputzen und Diskutieren gebe ich mit Putzlappen in der Hand im Akkord Medikamente, Werkzeuge etc. raus und verscheuche erneut einen Jugendlichen vom PC. Derweil schreit A. in der Küche nach mir. Ich renne zurück und weise A. darauf hin, dass es Sinn macht, den Lappen zum Bodenwischen once in a while auszuspülen, da man sonst nur den Dreck verteilt. Der albanische Jugendliche pflichtet mir bei. Ein angehender Putz-Experte!

23:00 Uhr 3/4 meiner Mahlzeiten heute bestanden aus Obst, Salat und Gemüse. Mein Magen bedankt sich mit Blähungen. Dem albanischen Jugendlichen ist langweilig. Derweil steht A. wieder vor mir und möchte den Staubsauger haben. Ich sage nein, es ist viel zu spät zum Saugen, das macht zu viel Lärm. „Aber ich brauche, Ansku!“ – „Nein, Du kannst auch morgen saugen, gleich in der Früh darfst Du saugen!“ – „Aber in meine Badezimmer viiiieeel Wasser!!!“…. (Ommmmmm und eine Memo im Kopf, am nächsten Tag gleich den Hausmeister zu kontaktieren.)

23:15 Uhr Die Küche ist eigentlich und endlich fertiggeputzt, da kommt Y. und möchte sich sein Essen in der Mikrowelle warmmachen und kurz einen Topf abspülen. Ich ermahne ihn, alles so sauber zu hinterlassen wie es ist („Ja ja, Ansku, keine Problem!“) und erlaube das ausnahmsweise, obwohl die Küche eigentlich seit 23:00 Uhr zugesperrt sein sollte. 5 Minuten später zieht Y. glücklich mit heißem Teller von dannen und erklärt mir, dass der Tellerinhalt eritreisches Essen ist. Es sieht aus wie ein Linsencurry und ich bekomme eine Einladung aufs Zimmer, um zu probieren. Ich freue mich sehr und nehme die Einladung an. Beim Blick in die Küche allerdings bemerke ich, dass natürlich beim Topf-Abspülen doch wieder die halbe Spüle unter Wasser gesetzt wurde („Jaja, Ansku, keine Problem!!“) und wische seufzend die Flut auf. Dann schließe ich die Küche und mache mich auf die Suche nach einem sauberen Löffel (jawoll, das kann ein Problem sein!) und mache mich dann auf zu meiner Dinner-Einladung.

23:30 Uhr: Ich komme mit Löffel bewaffnet ins Zimmer der Jugendlichen und werde jubelschrend begrüßt. Mir wird sofort ein Stuhl hingeschoben und ein Glas Sprite eingeschenkt (Gesunde Ernährung my ass). Als die Jungs meinen Löffel bemerken, lachen sie mich aus und nehmen mir den Löffel weg. Ich lerne also im „african Style“ nur mit Brot zu essen und muss auch lernen, dass man einmal angebissens Brot nicht mehr in den Teller tunkt. Wie peinlich… Y. hat mir vor zwei Wochen die Zahlen in seiner Muttersprache Tigirinya beigebracht und versichert sich nun, dass ich diese noch kann. Ich versage kläglich, lerne aber dafür das „Vater unser“ auf Tigirinya. Na, das wird sicherlich in zwei Wochen noch haften. Ich bringe den Jungs das „Vater unser“ auf deutsch bei und bin etwas erstaunt, dass ich den gesamten Text noch kann. Zuletzt gebetet habe ich das vermutlich vor 10 Jahren beim Weihnachtsgottesdienst. Das Essen ist sehr lecker, ich bin begeistert, esse aber trotzdem nur ein wenig, weil eigentlich um diese Zeit jemand im Büro sein müsste und die liebste Kollegin auch mit einem Jugendlichen beschäftigt ist.

00:15 Uhr Die Kollegin und ich stellen fest, dass das jetzt wirklich unser letzter gemeinsamer SpätSpät-Dienst war und dass es das jetzt war und dass wir tatsächlich schon ab Freitag in getrennten Einrichtungen arbeiten. Darauf eine Abschiedszigarette.

00:20 Uhr Wir stellen fest, dass bis auf einen Jungen alle Jugendlichen im Haus sind. Halleluja! Dafür erfahre ich bei einem mahnenden Anruf bei ebendiesem Jugendlichen, dass er irgendwo im Outback von München auf einer Geburtstagsparty steckt. Nochmal halleluja…

00:30 Uhr Ich verabschiede mich, trotz Jugendlichem im Outback. Die Kollegin kriegt das auch alleine hin. Also stolpere ich zum Bus und ignoriere großzügig, dass der Busfahrer wie eine gesengte Sau durch die nächtliche Stadt kurvt, während er aufgeregt in sein Telefon spricht und diskutiert.

1:15 Uhr. Zuhause. Feierabend. Leider kann ich auch nach einem so spätem Feierabend nie direkt ins Bett gehen, deshalb schaue ich mir in der Mediathek noch eine kurze Doku an und falle dann ermattet in die weichen Federn.

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