Veränderungen

Ich arbeite jetzt seit etwas mehr als einem halben Jahr und ich warte seit etwas mehr als einem halben Jahr auf so etwas wie Alltag. Gut, das mit dem Alltag im Sinne von „nine to five“ und dann nach Hause auf’s Sofa ist in meinem Job irgendwie utopisch, das ist auchmir kklar. Erstens nine to five (ha ha!) und zweitens danach heim auf’s Sofa und chillaxen (ha ha ha ha ha!!) Aber naja, trotzdem irgendsowas wie Alltag. Ich hab mich wirklich auf das Arbeitsleben gefreut und ich hab gedacht, es würde irgendwie einfacher* werden, wenn ich „nur noch“ arbeiten muss statt immerzu Job und Studium unter einen Hut zu bekommen, am Wochenende noch schnell zu lernen und irgendwie zwischendurch noch eine Abschlussarbeit zu schreiben. Dazu diese Unsicherheit, was passiert danach, was ist nächstes Jahr. In den letzten zwei Jahren habe ich mir wenig sehnlicher gewünscht als irgendwo „anzukommen“. Falls Sie verstehen, was ich meine.

In gewisser Weise haben sich diese Wünsche erfüllt, in gewisser Weise auch nicht. In gewisser Weise bin ich wirklich „angekommen“. So sehr angekommen, dass sich das Studium schon wieder meilenweit entfernt anfühlt, obwohl es eigentlich erst 4 Monate her ist, dass ich meine Bachelorarbeit erschöpft und erleichtert der Sekretärin in die Hand gedrückt habe. Es fühlt sich an wie ungefähr 40 Monate. Es ist sogar soweit weg aus meiner Welt, dass ich diese Woche meine Abschlussfeier in der Uni gecancelt habe zugunsten des Sommerfestes in der Arbeit. Mit dem Thema Studieren bin ich durch, ich habe keinen Bezug mehr dazu und ich würde mir auf dieser Absolventenfeier sehr komisch vorkommen. Eine Freundin hat das so nett formuliert: Blick in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit. Und ja, dieser Job ist meine Zukunft. Ich liebe ihn und ich liebe mein Team und ich möchte nie wieder etwas anderes machen.

Auf der anderen Seite aber hat sich das mit dem „es würde einfacher* werden“ nicht wirklich erfüllt. Ja, ich bin irgendwie angekommen, in einem neuen Lebensabschnitt. Und wie das bei jedem Ende einer Ära eines Lebensabschnittes so ist, gibt es da plötzlich ein paar Dinge, die sich auch in anderen Lebensbereichen verändern. Die über viele Jahre hinweg ok, akzeptiert und praktisch waren und plötzlich ändert sich eine Komponente im System, und man stellt fest, dass auf einmal auch einige andere Komponenten im System nicht mehr passen und drücken wie ein zu klein gewordener Schuh. Ich stelle gerade fest, dass einiges in meinem Leben zu klein, zu eingefahren, zu drückend geworden ist und habe immer stärker das Bedürfnis, mich neu zu orientieren, Veränderungen in Angriff zu nehmen, etwas Neues zu beginnen. Und manchmal auch das Bedürfnis, etwas altes, liebgewonnenes wieder anzufangen.

Auf der anderen Seite habe ich grad keine Kraft für Veränderungen. Mir fehlt schlichtweg die Energie, ich bin ständig müde, erschöpft und möchte nach der Arbeit am liebsten nichts mehr hören. Mir geht es inzwischen viel besser als damals, ich habe mit vielen Menschen geredet, habe einige Dinge für mich sortiert und bin viel ruhiger geworden. Trotzdem geht mir oft alles auf die Nerven und ist mir zu anstrengend. Viele werden jetzt sagen, die erste Zeit im Berufsleben IST anstrengend, übernimm Dich nicht. Und trotzdem, für meinen Geschmack ist es zu viel Müdigkeit und – ich erwähnte das vielleicht schon einmal? – irgendwie habe ich gedacht, es würde einfacher werden. Und überhaupt, hey!, ich habe meinen Traumjob gefunden! Ich liebe meinen Job, und ich liebe mein Team und ich möchte nie wieder etwas anderes tun – womöglich erwähnte ich das bereits… 😉 Ich könnte also sowas von glücklich sein, es läuft alles wunderbar. Aber ich bin nicht richtig glücklich, ich bin in erster Linie müde und erschöpft und das nicht einmal körperlich. Es mag sein, dass ich mal wieder Urlaub brauchen könnte, richtigen Urlaub. Seit der Reise nach Thailand im letzten Jahr (war das wirklich im August? Ist das wirklich schon wieder ein Jahr her??) hatte ich genau eine Woche richtigen Urlaub, also Urlaub in dem ich NICHT eine Abschlussarbeit oder etwas ähnliches geschrieben habe, krank war oder was auch immer.

Es ist gerade alles ein bisschen viel und das Gedankenkarussell im Kopf ist groß und dreht sich mit rasender Geschwindigkeit. Das wiederum macht mich noch müder und erschöpfter. Ich versuche also ein Vorhaben nach dem anderen anzugehen, eine Veränderung nach der anderen abzuarbeiten und ansonsten etwas langsamer zu machen. Mehr kann ich momentan nicht tun, außer zu hoffen, dass sich mit den äußerlichen Veränderungen auch eine innere Veränderung einstellt, dass das Gedankenkarussell ruhiger wird, dass das Drückende und Einengende wieder „weiter“ wird. Dass es irgendwann einmal einfacher* wird.

*Aber irgendwas ist ja immer. 😉

 

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