Wo die wirklichen Probleme liegen

Diese Woche führte ich im Auftrag einige Interviews mit fünf „gewaltbereiten“ jungen Männern, die für einen sozialen Trainingskurs angemeldet waren. Also die, die allgemein gerne als „die bösen Jungs“ bezeichnet werden. Es handelte sich dabei um Fragebögen, aber auch so in den kurzen Gesprächen mit den Jungs waren alle äußerst zuvorkommend und höflich zu mir. Einige erzählten mir auch ein wenig über ihre Probleme und einige hätte ich am liebsten in den Arm genommen, u.a. einen afghanischen Jugendlichen, der erst seit 1,5 Jahren in Deutschland ist und sich so unglaublich bemüht, die Sprache zu lernen, eine Ausbildung zu finden etc. Ich finde das faszinierend.

Am Abend traf ich mich mit einer Herzensfreundin. Wir redeten über dies und das und ich klagte ihr mein momentanes Job-Desaster. Dann erzählte ich ihr von den Jugendlichen und dass ich eigentlich sehr begeistert von ihnen war. Ich überlegte so hin und her, dass diese Jugendlichen doch nicht so böse sind wie es immer heißt. Dass sie einfach in verdammt schwierigen Umständen aufwachsen und dass die Leute, die die wirklichen Probleme haben doch woanders zu finden sind, z. B. solche Chefs, die vor lauter Macht und Zwang und Kontrolle keinem Mitarbeiter Luft zum Atmen lassen.

Die Herzensfreundin hörte zu und stellte dann ganz einfach und klar fest: Aber dann hast Du doch die Gewissheit, dass Du in Deinem Beruf den richtigen hilfst, statt solche miesen Systeme zu unterstützen.

Oh ja, die habe ich.

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