Reisebericht Thailand: Bangkok 10.8. – 12.8.

Was für eine Reise, was für ein Abenteuer! Inzwischen bin ich wieder angekommen, fast auch schon im Alltag (ich sitze vor dem PC in der Arbeit und kriege nichts gebacken, alles also ganz normal). Mein Kopf ist auch vier Wochen nach der Reise noch voll von Bildern, von Momenten, von Eindrücken und Emotionen, also will ich hier ein wenig anfangen zu sortieren, zu schreiben und zu erzählen.

Eigentlich war ich nicht so sehr optimistisch, als unsere Wahl auf das Reiseziel Thailand fiel. Ich war sogar etwas skeptisch, denn was man so über Thailand hört, war nicht besonders vertrauenserweckend. Thailands Strände sind super zum Tauchen. Hm, kann ich leider nicht. Bangkok, eine der wichtigsten Metropolen Südostasiens. Hm, schon schön, aber was noch? Weiße Strände. Hm, das wäre schon phantastisch, aber irgendwie gibt’s sowas doch nur auf Postkarten, oder? Dschungel. Hm, aber wie dahin kommen? Und tja, dann eben Party und Sextourismus. Eigentlich wusste ich zunächst nicht so recht, was ich in diesem Land sollte. Also kaufte ich mir einen Lonely Planet und begann, mich vorzubereiten und zu lesen. Und bekam plötzlich ein ganz anderes Bild von Thailand, nämlich das eines durchaus sehr vielfältigen Landes, welches durchaus mehr zu bieten hat als Sextourismus. Und ich fing an, mich ehrlich auf die Reise zu freuen. Und gottseidank, dieser Eindruck hat sich durch und durch bewahrheitet.

Aber von vorne: Ich war – wie schon beschrieben – vor der großen weiten Reise doch ein bisschen hibbelisch und so war ich dann als der Tag des Abflugs nahte, ein einziges Nervenbündel, die Nacht davor habe ich zwar geschlafen, aber so wild geträumt wie selten zuvor. Unter anderem durfte ich nicht nach Thailand einreisen, da in meinem kürzlich neu erworbenen Reisepass die Angaben zu meinen ungeborenen, zukünftigen Kindern fehlten und ich nicht zweifelsfrei nachweisen konnte, was ich in Deutschland vor dem Abflug zuletzt gegessen hatte – dummerweise hatte ich nämlich die Schachtel der TK-Pizza daheim liegen lassen. 😉 Gottseidank blieb es aber diesbezüglich beim bösen Traum, am Flughafen hat alles mit dem Visum tadellos geklappt!

Der erste Langstreckenflug war gottseidank dann auch ein Nachtflug und verging – wie schon der Name sagt – wie im Flug. Die 10 Stunden vergingen mit Abendessen, Schlafen – wenn auch nur wenig – und Frühstücken und schon waren wir in Bangkok gelandet. Hier empfing mich sengende Hitze und zum allergrößten Glück nach 5 Monaten Trennung braungebrannt und in bester Backpacker-Laune das Bruderherz. Hurra!

Bangkok und ich, wir wurden erstmal so gar nicht miteinander warm. Um genauer zu sein: Bangkok hat mich erstmal umgehauen. Was für eine Stadt, so hektisch, so wuselig. Das Leben spielt sich hinter Dir, vor Dir, neben Dir, über Dir und manchmal sogar unter Dir ab, als Neuankömmling weiß man zunächst gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Sehr erstaunlich fand ich, dass sich das Gewusel in mehreren Ebenen abspielt, unten auf der normalen Straße wuseln die Straßenhändler, Menschen, Motorräder und Tuk-Tuks, darüber donnert laut der Highway. Noch ein Stockwerk über dem Highway drängen die Fußgänger auf einem Übergang auf die andere Straßenseite (sehr schlaue Erfindung, Straßen überqueren macht in Thailand nicht wirklich Spaß) und noch weiteroben schließlich hält der SkyTrain, die überirdische U-Bahn-Bangkoks. Auch sehr irritierend war für mich – das gilt für Gesamt-Thailand, dass teilweise die Städte, Orte, Tempel etc. wunderhübsch hergerichtet sind und 10 m weiter regiert das pure Elend. Man läuft durch die Straßen und sieht einen wunderschönen Tempel, golden, reichlich verziert, wunderhübsch bepflanzt, strahlend vor dem blauen Himmel – und in der nächsten Straßen stehen düstere, ausgehöhlte Baracken. Man läuft weiter und sieht modernste Einkaufszentren, Geschäfte und daneben einen Fluss, in dem die herumschwimmenden Zweige noch das geringste Übel sind und neben dem sich Müll und Dreck haushoch türmen. Diese – fast schon schizophrene – Mischung hat doch sehr viel Gewöhnung gekostet. Nein, Bangkok und ich, wir wurden in diesen ersten beiden Tagen nicht so richtig miteinander warm. Aber noch ist ja nicht aller Reisen Ende…

IMG_7126IMG_7121

Das Bruderherz hat mich aber beherzt und sicher irgendwie durch all das Gewühl zum Hostel geschleust und weil die Nacht im Flugzeug doch etwas kurz war, haben wir am ersten Tag gar nicht mehr viel unternommen, sondern sind nur kurz noch etwas essen gegangen – meine erste Begegnung mit den thailändischen Straßenküchen war unglaublich lecker! Nudeln mit PINKER Sauce 😉 – haben für das ApfelFon eine thailändische SIM-Karte gekauft, um auch unterwegs Internet und GoogleMaps etc. nutzen zu können und haben einen Spaziergang gemacht.

IMG_7151IMG_7149IMG_7146IMG_7143

Am nächsten Tag war Geburtstag! Nein, nicht wir hatten Geburtstag, sondern die Königin von Thailand. Aus diesem feierlichen Anlass war die komplette Stadt herausgeputzt – naja, soweit man bei so viel Dreck von putzen reden kann 😉 – und von Kopf bis Fuß mit Fahnen, Wimpeln, Lichtern, Lichterketten, Kerzen und was weiß ich noch geschmückt. Wir hatten das schon am ersten Abend bei einem kurzen Spaziergang rund um den Park beim Königspalast entdeckt, leider nur machten die bewaffneten Soldaten rund um den Park nicht den Anschein, als würden Sie uns IN den Park lassen wollen. Aber auch außenherum war es ein beeindruckendes Spiel von Lichtern und Farben.

IMG_7156IMG_7199IMG_7224IMG_7223

Unser Hostel in der Nähe des Victory Monuments war sehr gemütlich und sauber und – das sollte sich noch als Luxus herausstellen – es bot sogar Frühstück. Wenngleich auch ein karges mit Müsli, Toast, Marmelade und Tee/ Kaffee, aber Frühstück sollte im Laufe der Reise noch ein großes Thema werden. So machten wir uns morgens etwas munterer und gestärkt auf den Weg zum Großer Palast und Wat Phra Kaew. Mein Bruder schlug vor, einen kleinen Umweg zu machen über Saphan Taksin, den wichtigsten Fähranleger am Flussufer, um mir die Ufergebiete zu zeigen und eine Fahrt mit der Fähre über den Fluss zu machen. Also wir am Flussufer ankamen und ich die kleinen, chaotischen Straßen, das Gewusel der Straßenhändeln sah, wäre ich am liebsten gleich wieder umgekehrt ins Hostel. Es stank überall und die Leitungen verliefen nicht im Boden, sondern offen über der Straße. Das war sozusagen der erste Kulturschock. Der zweite folgte sofort: Das Bruderherz – inzwischen im Gegensatz zu mir mit fünf Monaten Backpackererfahrung gesegnet – entwickelte eine gerade magische Anziehung zu Bruchbuden, verdreckten Hinterhöfen und dunklen Lagerhallen. 😉 Im Grunde genommen kann ich ihn ja verstehen, aber so am ersten Tag… Da kamen die Lagerhallen am Fluss doch gerade recht und um mir ein anschlauliches Bild vom „echten“ Bangkok zu liefern, und so führte er mich gleich in die nächstbeste. Der Gestank ließ mir fast den Magen umdrehen und überall wurden auf großen Stahltischen Lebensmittel, Gemüse, Obst und Fleisch offen bei sengender Hitze bearbeitet. Ringsherum um den Tisch natürlich alles dreckig und staubig versteht sich. Puh, ich war sehr froh, als ich ohne Lebensmittelvergiftung (nein, ich habe nichts gegessen) aus dieser Halle wieder heraus war. Danach ging es über etwas malerische, verwinkelte Seitenstraßen zum Steg, von wo aus die Fähre abfuhr. Der Steg war nicht am Boden befestigt und schwankte bei jedem Wellengang so stark, dass mir beinahe schon vor Betreten der Fähre schlecht wurde. Außerdem quietschte es, dass man schreien musste, um sich zu unterhalten. Ich war irgendwie ernüchtert. Das war das Bangkok, auf das ich mich so gefreut hatte? Eine stinkende, dreckige Bretterbude an einem braunen, noch stinkigeren Fluß?

IMG_7251IMG_7324IMG_7317IMG_7297IMG_7267

Während der Fahrt mit der Fähre musste ich mich ersteinmal sammeln, allerdings bot sich gleich als wir wieder an Land gingen, dasselbe Bild: Kistenweise Fisch in der prallen Sonne, dazwischen Mopeds, Gewusel, Menschenmengen und viel Dreck. Auf dem ganzen Weg wurden wir immer wieder von Männern angesprochen, die fröhlich auf uns zukamen und zunächst scheinbar harmlos fragten, wohin wir unterwegs seien, nur um dann uns dringend zu raten, in dieses oder jenes Restaurant zu gehen, zu diesem oder jenem Schneider oder zu diesem oder jenem Taxistand. Wir schlugen uns also durch Verkäufer, Touristenmassen und scheinbar das Jahrestreffen der thailändischen Pfadfinderjugend durch zur Hauptattraktion Bangkoks, dem Königspalast. Da man dort natürlich auch bei 35 Grad nicht so ohne weiteres in T-Shirt und Shorts die heiligen Hallen betreten darf, kramte ich aus meinem Rucksack mein Tuch und das einzige langärmlige Kleidungsstück, welches ich dabei hatte: Meine Strickjacke. Die nächsten zwei Stunden habe ich gelitten, aber dennoch lohnte sich jeder Tropfen Schweiß, denn was nun kam, war endlich der langersehnte Einstieg in das Bangkok, das ich mir erhofft hatte. Eine riesen Tempel- und Palastanlage mit einem Tempel schöner, strahlender und schillernder als der andere! Ich war erstaunt und sprachlos und gefesselt und kam aus dem Photografieren gar nicht mehr heraus. Dabei hatte ich eigentlich nur mein ApfelFon dabei, meine Kamera hat vor einiger Zeit ihren Geist aufgegeben und für die schönen Photos hatte mein Bruderherz ja seine Kamera dabei. Dennoch war ich so gefesselt von dieser Schönheit, dass plötzlich nach Verlassen des Palastes mehrere hundert Photos mehr auf meinem Smartphone waren. Huch! So kann’s gehen, aber natürlich will ich hier nicht nur erzählen, sondern Euch auch ein paar der schönen Bildchen nicht vorenthalten.

IMG_7481IMG_7397IMG_7403IMG_7451IMG_7445IMG_7607
IMG_7847
IMG_7581IMG_7668

Als wir das Gelände verließen, gingen wir gleich weiter zum nicht weit entfernten zweitwichtigstem Tempel Bangkoks, dem Wat Pho. Auf dem Weg dorthin kamen wir auf einer Prachtstraße an mehreren riesigen Gebäuden vorbei – es müssen wohl Ministerien gewesen sein – sowie den Vorbereitungen für die Parade zur Feier des Königinnengeburtstages, welche wie schon gesagt, scheinbar zusammenfiel mit dem Jahrestreffen der Pfadfindergruppen Thailands. Nur so konnten wir uns erklären, dass überall am Wegesrand Gruppen von Jugendlichen in kunterbunten Uniformen – blau, weiß, braun, olivgrün und sogar LILA! – und Musikinstrumenten sassen oder sich auf der gesperrten großen Straße zu einem Zug formierten. Wir gingen davon aus, dass die Hauptfeier am Abend stattfinden sollte und gingen somit recht schnell weiter, um eben besagten Wat Pho noch zu besichtigen. Diese Anlage war ebenfalls beeindruckend.  Es ist eine weitläufige Anlage mit einer Art Säulengang, der ringsherum führt. In diesem Säulengang stehen über 300 Buddha-Abbildungen, die größte Sammlung von Buddha-Statuen in Thailand. Die Gebäude in der Mitte sind etwas anders als im Wat Phra Kaew mit bunten Blumenmosaiken aus Porzellan gefliest, wie ein riesengroßer in den Himmel ragender Blumenstrauß!

IMG_7846 DSCN5907DSCN5910DSCN5943      IMG_7801 IMG_7779 IMG_7761  IMG_7751 IMG_7758   

Das Abendessen nahmen wir dann nach einem Spaziergang durch China Town und das indische Stadtviertel in einem indischen Restaurant ein, das war sehr lecker. Als wir danach in froher Erwartung der Geburtstagsfeier auf eine der großen Prachtstraßen Bangkoks einbogen, schien irgendwie das größte Spektakel schon vorüber zu sein. Am Straßenrand standen einige Thai  mit Kerzen in der Hand und sangen artig Ständchen, wir kamen scheinbar gerade rechtzeitig zum – gar nicht so großen – Feuerwerk und danach schien sich die Feier schon wieder aufzulösen. Wir spazierten noch etwas zum Democracy Monument, kauften als Nachtisch „Sticky Mango“ (Mango mit süßem Klebreis) und eine frische Kokosnuss mit Kokosmilch und kamen schließlich zu einem großen Feld, auf dem eine noch größere Bühne aufgebaut war und wo die Feier scheinbar doch noch im vollem Gang war. Viele Familien waren da und ließen die bei uns verbotenen Himmelskerzen steigen, ein sehr sehr schöner Anblick.

IMG_7814
DSCN5955

Irgendwann waren wir müde vom vielen Laufen und wollten uns ausnahmsweise ein Tuk-Tuk zum Hostel nehmen. Weil man das als Tourist ja eigentlich nicht machen soll (Gefahr übers Ohr gehauen zu werden), handelten wir gleich mit dem Fahrer einen Festpreis aus: 100 Baht für die Fahrt zum Victory Monument. So fühlten wir uns auf der sicheren Seite und stiegen ein. Doch während der Fahrt bekam ich – obwohl mich zugegebenermaßen mein an sich guter Orientierungssinn während der ganzen Reise kläglich im Stich gelassen hat und ich NICHT hätte sagen können, wo genau wir sind – jedenfalls bekam ich ein komische Gefühl und fragte das Bruderherz besorgt, wo der Fahrer denn lang führe. 5 Minuten später wussten wir es. Er hatte uns geradewegs zurück zum DEMOCRACY Monument gefahren. Wir wiesen darauf hin, dass wir zum VICTORY Monument wollten, das stellte der Tuk-Tuk-Fahrer sich plötzlich blöd und sagte, hier wäre das Victory Monument. Aber schnell hatten wir durchschaut, dass dies nur eine Masche war und stiegen ohne auch nur einen Baht zu zahlen aus. Für den Heimweg zum Victory Monument nahmen wir uns dann ein ordentliches Taxi mit Taximeter und zahlten für die 15minütige Fahrt gerade einmal 65 Baht. Als wir dann noch in der Lobby des Hostels ein Bier tranken, kamen zwei Kanadier, die das Bruderherz bereits aus der Zeit in Bangkok bevor ich angekommen war. Die beiden waren sehr nett und sehr lustig, ebenfalls Geschwister und hatten beide an der Filmhochschule studiert. Nun wollten sie ein Jahr lang durch Südostasien reisen, um sich eine Auszeit zu nehmen, um ein Drehbuch für einen Kinofilm zu schreiben. Das war sehr spannend und die beiden haben viel über die Filmbranche erzählt, aber auch zum Beispiel wie man Drehbücher schreibt. Nur über IHREN Film hüllten sie sich in Schweigen, obwohl sie scheinbar just an diesem Tag den Aufbau der gesamten Geschichte entworfen hatten, sehr schade. Aber wer weiß, vielleicht sehen wir den Film ja eines Tages tatsächlich im Kino?

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s