Abschluss

Die Dozentin fand mein Referat heute so gut, dass sie mir sofort angeboten hat, bei ihr Bachelorarbeit zu schreiben und dass sie meine Materialien gerne – mit Nennung meines Namens – in ihrem nächsten Buch verwenden möchte. Können Sie mich im Kreis grinsen sehen? Das sonderbare daran ist, dass ich irgendetwas gut gemacht haben muss, aber so richtig habe ich noch nicht so richtig verstanden habe, was genau ich so gut gemacht habe. Ich habe mich an die Vorgaben der Dozentin gehalten, habe lediglich eine Struktur vorgegeben und habe ansonsten eigentlich nur die Diskussion meiner Komilitonen moderiert. Eigentlich bin ich immer noch sprachlos.

Es ist ein versöhnlicher Abschluss eines mehr als durchwachsenen und sehr seichten Semesters. Und heute habe ich etwas gelernt: Ich habe in genau diesem Kurs, in dem ich heute den Vortrag gehalten … äh moderiert habe … am Anfang nicht sehr viel gesagt. Es war ein Kurs, in dem sehr viel und sehr angeregt diskutiert wurde, aber leider auch sehr viele eigene Erfahrungen, Halbwissen, Glauben und Mutmaßungen in die Diskussion eingebracht wurden. So ist das leider manchmal im Soialen Bereich. Irgendjemand hat irgendwann irgendetwas erlebt und meint daher, bei allem mitreden zu können. Da unterscheiden sich leider auch Studenten der Sozialen Arbeit nicht von dem Rest der Gesellschaft. Nun ja, ich habe mich am Anfang wenig an diesen Diskussionen beteiligt und hatte schon ein wenig Bedenken, was das nun für einen Eindruck bei der Dozentiin erwecken mag. Bis die Dozentin in der zweiten Stunde in der immer wieder der Satz fiel „Ich glaube, dass XY so ist.“ schließlich sagte: „Leute, Ihr diskutiert hier um Glauben, nicht um Wissen. Warten wir mal ab, ob sich das bis zum Ende des Semesters ändert.“ Da wusste ich plötzlich, warum ich in dieser Diskussion nicht mitreden konnte. Mir widerstrebt es zutiefst, über Dinge zu reden, die ich nicht weiß. Nichts ist mir so unangenehm wie Vorurteile, Schubladendenken, Klischees und sonstiges Halbwissen. ich rede lieber über Dinge, derer ich mir (zumindest relativ) sicher bin.

Und das habe ich heute getan. Jetzt, am Ende des Semesters, nach einem sehr beeindruckenden und inhaltsreichen Kurs, in dem ich viel gelernt habe. Und ich wusste, worüber ich rede.

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